Rätien – Winter 230 – Morgendlicher Ritt

Rätien – Winter 230

Morgendlicher Ritt

800PX-~1Am Morgen wurde der Optio von Ask geweckt. ‚Die Berittene hat gerade die Tore Biricianas passiert.‘

Erschrocken blickte er erst Ask an und dann an sich herunter. Die Herrin der Quelle lag halb auf ihm drauf und hatte ansonsten ihren Körper irgendwie um den seinen gewickelt.

‚Packt schon mal zusammen!‘ meinte er in seinem üblichen Befehlston.

Ask zog nur eine Augenbraue hoch und hielt ihm etwas zu Essen und einen Becher mit offensichtlich warmer Flüssigkeit hin. Der Optio versuchte sich aufzurichten, ohne jedoch die Eponageweihte wecken zu wollen, was ihm natürlich nicht gelang. Sie öffnete wieder nur ein Auge und beobachtete das Geschehen argwöhnisch.

‚Was würde ich nur ohne euch machen?‘ meinte der Optio und nahm mit beiden Händen sein morgendliches Mahl entgegen.

‚Verhungern, Herr!‘ meinte Ask, der sich kurz abwandte, um der Herrin der Quelle ihr Essen zu holen.

‚Du musst mich nicht mehr >Herr< nennen!‘ meinte der Optio zu Ask, während er Valeria höchst förmlich begrüßte: ‚Einen wunderschönen Guten Morgen, werte Herrin der Quelle!‘

‚Wenn wir jetzt frei sind, steht es uns frei Euch anzusprechen, wie es uns beliebt.‘ meinte Ask, hielt ihr ebenfalls ihr Essen und einen Becher Tee hin und fuhr fort: ‚Guten Morgen Herrin der Quelle!‘

Sie nickte nur und gab ein vermeintliches Geräusch der Unmut von sich, dass die beiden Männer zuerst falsch deuteten.

‚Ist etwas nicht in Ordnung?‘ fragte der Optio.

Sie gab wieder das Geräusch von sich und blickte abwesend in ihren Becher.

Kjeld kam herein: ‚Wir müssen uns dringend über eine Entlohnung unterhalten!‘

‚Der erste Tag als freier Mann und schon Forderungen stellen, das gefällt mir!‘ rief der Optio zwischen zwei Bissen.

Die Herrin der Quelle blickte immer noch in ihren Becher. Erst als der Optio sich erhob, meinte sie trocken: ‚Wenn Ihr allen weismachen wollt, dass ich von den Alemannen misshandelt worden bin, werdet ihr mir ins Gesicht schlagen müssen!‘

Alle drei blickten sie entgeistert an.

‚Bei Dis nein, ich werde Euch bestimmt nicht schlagen und ich werde jeden daran hindern, der versucht Euch zu schlagen.‘ meinte er wütend und blickte Kjeld finster an, weil er einen Schritt in ihre Richtung gemacht hatte.

Ask zückte sein Messer und schnitt sich in die Hand. ‚Es ist zwar eine Schande, aber dann sauen wir das Kleid eben wieder ein!‘ Auch Ask blickte Kjeld finster an, er wusste dass sein Bruder die Herrin der Quelle geschlagen hätte, hätte sie es von ihm verlangt.

Sie nickte nur und trank nun endlich von ihrem Tee, während Ask ihr Kleid in den Dreck warf und blutige Flecken auf dem weißen Stoff hinterließ.

Als sie endlich alles gepackt hatten und die Herrin der Quelle alle Wasserschläuche mit Quellwasser gefüllt hatte, konnten sie endlich aufbrechen. Sie mussten wieder durch das Dickicht zurück und den Berg hinab.

Als sie nach einer gefühlten Stunde endlich aus dem Wald auf die Straße brachen, sahen sie die Berittene in der Ferne. Der Hund saß auf halben Weg auf der steinernen Straße und wartete. Der Optio saß ab und überließ die Herrin der Quelle die Zügel, die sie aber nicht anzufassen wagte. Ask ritt neben sie und zuppelte an ihrem Gewand herum und überprüfte die blutige Maskerade, die er ihr ins Gesicht geschmiert hatte. Sein prüfender Blick entspannte sich ein Wenig und er nickte ihr mit einem leichten Lächeln auf den Lippen freundlich zu.

‚Oh, Ihr schenkt mir ein kleines Lächeln.‘ flüsterte sie ihm zu.

‚Herrin, ich würde Euch mein Leben schenken, wenn Ihr es verlangt.‘ sagte er recht forsch zu ihr.

‚Einen Tag frei und schon schenkt Ihr mir Euer wertvollstes Gut!?‘ meinte sie nun halblaut und fuhr nach einer kurzen Pause eindringlich fort. ‚Das würde ich nicht von Euch verlangen, die Pferdeherrin braucht Euch möglichst lange bei bester Gesundheit. Euer Lächeln reicht mir erstmal!’

Kjeld blickte beide an und schüttelte nur den Kopf.

Sie blickte ihn kurz an und lächelte dann wissend. Ihr war klar, das Kjeld sie geschlagen hätte, wenn sie ihn darum gebeten hätte. Es war erschreckend wie gleich sie sich waren, wenn man sie von außen betrachtete und wie unterschiedlich ihr Wesen doch war.

‚Habt dank für Eure Einsatzbereitschaft, aber die List Eures Bruder ist doch mit weniger Schmerzen meinerseits verbunden.‘ meinte sie abschließend zu Kjeld, obwohl er gar nichts zu ihr gesagt hatte und küsste Ask auf die Hand.

Ask wurde knallrot im Gesicht, entzog ihr seine Hand und lenkte sein Pferd auf die Seite, so dass er sein Gesicht von ihnen wegdrehen konnte, ohne sich selbst auf dem Rücken des Pferdes bewegen zu müssen, während Kjeld sie nur argwöhnisch anblickte: ‚Ihr könnt meine Gedanken lesen?‘

‚Wenn sie so offensichtlich auf Eurem Gesicht geschrieben stehen, ja!‘ meinte sie und lächelte ihn an. Er verzog sein Gesicht, lenkte sein Pferd neben sie und nahm die Zügel auf.

‚Ihr wollt die Zügel nicht nehmen?‘

‚Ich brauche keine Zügel um zu reiten!‘

Der Optio war wieder bei ihnen aufgetaucht und meinte. ‚Aber ich brauch die Zügel um aufzusteigen!‘ Er hatte nur eben den Hund gestreichelt.

Gesagt getan, er zog den Lederriemen aus Kjelds Hand legte den Zügel auf ihren Oberschenkel. Und ehe sie sich versah, saß er wieder auf dem Pferd.

‚Verehrter Optio, ihr braucht die Zügel nur, um einen Grund zu haben, mich befummeln zu können!‘

‚Werte Herrin des Götterquells, wenn ich Euch nicht mit meinen schwieligen Pfoten betatschen würde, würde Ihr Euch doch ebenfalls beschweren.‘

Sie musste tatsächlich lachen, als er ungeschickten Fingern nach dem Zügel griff und dabei noch näher an sie heran rückte. Sie konnte sein Gemächt an ihrem Hintern spüren.

‚Dann könnt Ihr mit Eurem Schauspiel beginnen, die Berittene ist gleich bei uns.‘ meinte er abschießend.

Sie klammerte sich an seinen Arm und lehnte ihren Kopf an seine Schulter, dabei starrte sie irgendwo in die Ferne. Eines musste man ihr lassen, man hatte wirklich den Eindruck, sie wäre von den Alemannen misshandelt worden.

Fortsetzung folgt… evtl.

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