Rätien – Winter 230 – Ausgewaschen

Rätien – Winter 230

Ausgewaschen

800PX-~1Es vergingen Stunden ehe der Centurio wieder in seine Räumlichkeiten trat und die Herrin der Quelle schien immer noch summend die vergiftete Pfeilwunde auszuwaschen. Auf dem Boden hatte sich bereits eine blutige Pfütze um einen Berg mit blutigen Lumpen ausgebreitet. Sie blickte nur kurz auf und erblickte den Centurio, wie er blutüberströmt im Türbogen stand.

Kjeld tauchte hinter ihm auf. Er hatte eine Schüssel mit Wasser und frische Tücher dabei.

‘Herr, seid Ihr verletzt?’ fragte Kjeld.

‘Nein, Kjeld!’ flüsterte der Centurio, blickte kurz an sich herunter, als wolle er sich vergewissern, dass er wirklich nicht verletzt war. Zögernd schritt er doch in den Raum, um dem Jungen Platz zu machen. Kjeld stellte die Schüssel an die Stelle, wo sonst immer die Waschschüssel des Centurio stand. Erst dann ging er zum Bett und legte die sauberen Tücher ab. Er nahm die blutigen Lumpen und wand sie in der Waschschüssel aus, die noch am Boden stand. Vergebens versuchte er den Boden trocken zu wischen, gab es irgendwann auf, stand mit der mit blutigen Lumpen überfüllten Waschschüssel auf und verschwand wieder.

Der Centurio hatte seine Rüstung bereits alleine ausgezogen und stand nackt vor der Waschschüssel und wusch sich, als Kjeld mit noch mehr Lumpen bewaffnet und frischen Wasser erneut durch die Tür kam.

Er kniete sich vors Bett und wischte den Boden so sauber es ging, dann blickte er auf, sagte aber nichts.

‘Kjeld, mach dir keine Sorgen! Er kommt schon durch. Die Pferdeherrin lässt euch Drei erst aus ihrem Dienst, wenn eure Zeit gekommen ist und dass wird nicht jetzt sein und auch nicht morgen.’ flüsterte die Herrin der Quelle ihm zu. ‘Ich möchte ihm einen Kräuterumschlag machen und etwas von dem Mohnsaft, bevor er aufwacht.’

Kjeld nickte zufrieden und ging ihr zur Hand. Die Beiden arbeiteten stumm Hand in Hand, während der Centurio sich wieder ankleidete, allen Anschein war er nicht wirklich verletzt. Die üblichen Schrammen und blauen Flecken. Unruhe trieb ihn um, er wollte die Herrin der Quelle in Ruhe arbeiten lassen, aber er wollte auch nicht gehen. Wie ein ungeduldiger Bengel, von einem Bein zum Anderen tretend, drehte der Centurio sich fahrig zu ihnen um, er wusste nicht wohin mit seinen Händen. In seinem Kopf tobte noch die Schlacht, seine Finger zitterten und sein Verstand pochte ihm von Innen gegen die Stirn. Doch die Schwere seines Herzens lies ihn an Ort und Stelle verweilen und zu dem verletzten Roar hinüber blicken. Inständig schickte er das ein oder andere Stoßgebet zu den Göttern. Er hatte nie viel gebetet, eher im Namen der Götter geflucht, aber für diesen Burschen würde er seinen Schwertarm den Göttern geben.

Bei den Göttern, er war der Centurio, er könnte sein wo er wollte, er musste niemanden Rechenschaft abgeben, außer den Göttern vielleicht. Und doch stellte er sich grad an wie der letzte Narr.

‘Kann ich was helfen, im Lazarett bin ich nur im Weg!’ stammelte er kleinlaut.

Die Herrin der Quelle blickte auf und lächelte. Sie sagte aber nichts, da plötzlich der Optio in der Tür aufgetaucht war. Alle blickten gleichzeitig auf ihn, denn auch er stand blutüberströmt im Türbogen. Er hielt sich seinen Hals und röchelte. ‘Ist nur ein Kratzer! Ich wollt nur sehen wie es Roar geht!’

‘Kjeld, geh mit ihm und versorge seine Wunde. Holt mich wenn ihr mich braucht. Beim Verbinden kann mir auch der Centurio helfen.’

‘Ja, Herrin!’ rief Kjeld und sprang auf. Valeria blickte ihn finster hinterher und schüttelte unmerklich den Kopf. Dann wand sie sich an den Centurio. ‚Könnt Ihr hin ein Wenig aufheben, damit ich den Verband befestigen kann?‘

Er nickte nur, kniete sich vor sein Bett und hob den Oberkörper seines treuen Gefährten vorsichtig auf. Sie bemerkte, dass seine Hände zitierten und berührte kurz seinen Arm.

‘Es ist jetzt nicht an der Zeit dem bösen Geist Euer Krankheit wieder die Oberhand zu überlassen.’ flüsterte sie ihm eindringlich zu.

Er seufzte nur schwer und versucht inständig seine Hände wieder unter Kontrolle zu bekommen, was ihm nur bedingt gelang.

Mit einem honigsüßen Lächeln auf den Lippen küsste sie dem Centurio auf die Stirn und meinte dann mit einem schelmischen Schmunzeln: ‚Ich hätte nicht gedacht, dass Euch das Schicksal dieses jungen Mannes so bewegt, wo Ihr gerade noch, wie schon unzählige Male davor, in der blutigen Schlacht gekämpft habt.‘

‚Bei Junos Titten. Venus und Mars belieben mit mir armen Narren zu spielen. Jeden Tag, immer wieder aufs Neue!‘

Während die Herrin der Quelle begann den Verband anzulegen, grinste sie den Centurio wieder an und meinte dann trocken: ‚Ihr solltet vielleicht einfach weniger fluchen, werter Centurio!‘

‚Da habt Ihr wahrscheinlich sogar recht, werte Herrin der Quelle!‘ rief der Centurio lauter als er es wollte.

‘Aber eines muss ich Euch jetzt schon mal sagen, an Euch ist wirklich eine hervorragende…!’ witzelte Valeria, wurde dann aber mitten im Satz von Roar unterbrochen, dem plötzlich ein schmerzverzerrter Ton aus der Kehle stolperte und reflexartig versuchte sich aus dem Griff des Centurio zu entwinden.

‚Sch…sch…Roar… Lass die Herrin der Quelle arbeiten.‘ raunzte der Centurio Roar ins Ohr und der Junge reagierte auf die tiefe Stimme seines Herren, indem er ihm den Kopf zu drehte und langsam die Augen öffnete.

Fortsetzung folgt…

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Rätien – Winter 230 – Alemannen Gift

Rätien – Winter 230

Alemannen Gift

800PX-~1Im nächsten Moment konnten sie die Tür zur Amtsstube hören. Jemand stürmte in die Amtsstube des Centurio.

‘Herrin!’ konnten sie Ask rufen hören.

Im nächsten Moment stolperte Ask bei der Tür herein: ‘Wir sind auf versprengte Alemannen gestoßen, Roar wurde getroffen.’

Kjeld schleppte Roar zur Tür herein und stöhnte: ‘Der Pfeil war vergiftet!’

Der Centurio sprang auf und half ihm seinen Bruder aufs Bett zu legen. Die Herrin der Quelle hatte sich aufgerappelt und eines der Felle umgedreht, auf denen sie gerade noch gelegen hatte, blickte kurz auf den blutigen Fleck an der Tunika des Jungen und rief: ‘Ihr habt den Pfeil rausgezogen? Habt ihr den noch? Was habt ihr ihm gegeben?’

‘Alles was wir dabei hatten!’ meinte Ask, drückte ihr einige Wasserschläuche in die Hand und wickelte dann einen Pfeil aus einem Stück Leder. ‘Eibe und…!’ Er übergab ihr den Pfeil. Sie roch dran und bevor sie die Zunge ausstrecken konnte, nahm ihr der Centurio mit erhobener Augenbraue den Pfeil weg, um selber daran zu lecken.

‘Eibe und Eisenhut!’ meinte der Centurio.

‘Die Anis-Fenchel-Kümmel-Tinktur hab ich hier!’ rief Ask.

‘Bringt mir frisches Wasser, reinen Alkohol, Hirschweichsel, Arnikablüten und die Tinktur dazu, Mohnsaft, Verbandszeug, heißes Wasser, ein paar Tücher und Schnee! Und eine große Kanne Fencheltee! Außerdem soll der Hufschmied seine Schurhacken suchen!’ rief sie und begann den Jungen aus seiner Gewandung zu schälen.

‘Ihr wollt die Wunde ausbrennen?’ rief Ask aufgebracht, während Kjeld bereits aus der Tür war.

‘Wenn morgen oder übermorgen das Gift draußen ist, ja und jetzt tu‘ was ich dir aufgetragen habe!‘

‘Ich hol frisches Wasser und Schnee, Tücher sind hier!’ meinte der Centurio, der bereits frische Tücher aus seiner Truhe geholt hatte und sich nach der Waschschüssel bückte und dann Ask hinterher hechtete. ‘Ask, wo ist der Optio?’

‘Er verfolgt die versprengten Alemannen, die Berittene sattelt gerade auf!’

Draußen kippte der Centurio das Wasser aus und schippte Schnee hinein. Davon hatten sie ja mehr als genug.

‘Bring du das Wasser und macht was sie euch sagt.’ rief der Centurio und lief wieder hinein. Valeria hatte Roar bereits entkleidet wusch seine Wunde mit dem Wasser der Quelle aus. Blutiges Wasser floss über das Leder des Felles auf den Boden. Dort landeten auch die blutigen Lumpen. Der Centurio machte sich daran seine Rüstung anzuziehen, während die Herrin der Quelle zu summen begann. Er wagte nicht sie zu unterbrechen, bei dem was sie da tat. Doch musste er bald gehen und er wollte doch…

Seine Gedanken wurden von den beiden Jungen unterbrochen, die soeben wieder den Raum betreten hatten. Ask legte die Sachen auf das Tischchen neben dem Bett und wand sich dann zum Centurio, um ihm beim Schließen der Rüstung behilflich zu sein. ‘Euer Pferd steht draußen bereit, Herr!’  

‘Ja Ask! Danke!’ krächzte der Centurio.

Valeria hielt in ihrem Gesang inne und zischte den beiden Jungen zu: ‘Geht ins Lazarett und macht euch nützlich! Ich mach das hier schon!’

Der Centurio räusperte sich, als er im Begriff war gehen zu wollen.

‘Keine Sorge, Centurio! Er wird nicht sterben, die Pferdeherrin braucht ihn noch!’ versicherte sie ihm.

Der Centurio versuchte zu lächeln, was ihm aber nicht wirklich gelang und er ging mit einem beklemmenden Gefühl in seiner Brust.
Fortsetzung folgt…

Der steinerne Thron

Der steinerne Thron

kob_tiefer_kleinDer Berg stand stumm und steinern über dem Wald und ein Fluss schlängelte sich an ihm vorbei, wie ein stiller und ruhiger Begleiter. Stille umgab den Berg, sogar die Krähen gaben keinen Ton von sich. Obwohl die stummen Zeugen unruhig auf den Wipfeln der Bäume saßen und auf das kühle Nass herab blickten. Sie schienen auf etwas zu warten. Ein Wanderer lief den kleinen verschlungenen Pfad entlang zum Fluss hinunter. Er zog einen Handkarren hinter sich her und war in seinen eigenen kleinen verwirrten Gedanken versunken. Ob er sich verlaufen hatte? Er wollte in die nächste Stadt, um seine Waren feilzubieten, doch bei der Umrundung des Berges musste er sich dann irgendwie verlaufen haben.

Er bemerkte nicht, dass er beobachtet wurde. Nur das klamme Gefühl, das in ihm aufstieg, machte ihn unruhig und er schien schneller zu laufen. Irgendwann bemerkte er, dass der Pfad in der Ebene von Bäumen gesäumt war und dass sich auf den Bäumen neben dem Weg eine Unzahl von Vögeln niedergelassen hatten, die ihn nun stumm anstarrten. Er kam sich ziemlich verloren vor auf dem schmalen Weg, denn die Bäume standen weit auseinander und waren riesig. Es war eine ansehnliche Allee, die zum Fluss führte. Aber warum? Warum wuchsen Bäume so geradlinig in einer Reihe? Die musste doch jemand gepflanzt haben. Doch die alten Riesen würden es ihm nicht verraten, sie standen schon eine lange Weile hier und führten zum Fluss hinunter. Zu keinem wirklichen Ziel, nur zu einem Fluss an dem offensichtlich nichts weiter war als Wasser.

Es hatte den Anschein, als wäre es früher mal eine richtig breite Straße gewesen, aber er lief auf einem bloßen Trampelpfad entlang, der für den seinen Karren viel zu schmal zu sein schien. Deshalb kam er auch kaum voran, weil die Räder immer wieder im hohen Gras hängen blieben und er große Mühen damit hatte den Wagen hinter sich her zu zerren. Als er nach gefühlten Stunden endlich am Fluss ankam, hatte er noch nicht bemerkt, dass die Vögel ihn zu verfolgen schienen. Sie hüpften von Ast zu Ast und blieben ihm lautlos auf den Fersen, bis er am Flussufer endlich stehen blieb. Und da erkannte er, dass der Weg tatsächlich nur ein Trampelpfad auf einer ziemlich breiten steinernen Straße war, die im Laufe der Zeit von Gras, Moos und Flechten überwuchert worden war. Nur am Ufer waren die Pflanzen fortgeschwemmt worden und der blanke Stein lag vor ihm und führte in den Fluss hinein. Links und rechts konnte man tatsächlich noch ein paar alte Mauerreste sehen. Aber sonst war hier nichts außer das leise Plätschern des Flusses.

Wer baut eine Straße von einem Berg zum Fluss und dann ist hier niemand mehr? Er drehte sich grübelnd um und blickte zum Berg hinauf. Die Allee zog sich wirklich schnurgerade bis zum Hang des Berges hinauf und verlor sich dann im Wald. Auf den Ästen der Bäume saßen hunderte und aberhunderte Krähen und blickten ihn fragend an. Sie gaben keinen Mucks von sich, obwohl die tumben Gesellen sonst doch auch nie ihren Schnabel halten konnten. Seine Mutter hatte ihm immer gesagt, wenn du eine Krähe siehst, dann gehe weiter, denn das Glück ist dir auf den Fersen. Wenn du zwei Krähen siehst, dann gehe schnell nach Hause und bete darum, dass dich das Pech nicht verfolgt. Doch von unzählig vielen Krähen hatte sie nicht gesprochen. Er bekam es mit der Angst zu tun, aber er wusste auch nicht weiter.

Ziellos blickte er ins Wasser und nach einem viel zu langen Moment stand er einfach auf und ging wieder den Weg zurück, den er gekommen war. Seinen Karren hinter sich lassend, lief er dem Berg entgegen. Erst ging er langsam und dann wurde er immer schneller. Bis er schließlich zu laufen begann. Er rannte so schnell er konnte den Weg zurück bis zum Berghang. Warum er dies tat, konnte er nicht sagen. Irgendwas zog ihn hinauf. Waren es die Krähen? Oder war es etwas, was auf dem Berg war? Etwas mysteriöses Unbekanntes? Ein unsichtbares Blitzen? Ein unsichtbarer Eindruck, der sich auf der Netzhaut einbrannte und einen nicht mehr losließ? Er würde es erst erfahren, wenn er oben ankommen würde. Obwohl er zwar seinen lästigen Wagen am Flussufer stehen gelassen hatte und außer sich selbst und dem, was er am Leibe trug, nichts mit sich führte, war der Weg zum Gipfel doch steiniger und härter, als er gedacht hatte.

Nach weiteren gefühlten Stunden stand er völlig ausgelaugt vor dem steinernen Bergmassiv, das ihn genauso stumm anstarrte wie die Vögel vorhin. Seine Schritte wurden immer schwerer, bis sich im Bergmassiv etwas abzeichnete. War das ein Bauwerk, oder nur ein Felsvorsprung? Und da war wieder das Blitzen. Es musste etwas sein, was von Menschenhand erbaut worden war. Nun packte es ihn wieder und er würde erst Ruhe geben, wenn er den Felsvorsprung erklommen hatte. Wenn er ergründet hatte, was ihn da so magisch anzog. Und so kletterte er den Felsen hinauf und lies den Wald und die breite Allee mit all den Krähen hinter sich. Nur der Fluss schlängelte sich durch die Landschaft und plätscherte leise vor sich hin, als er völlig am Ende seiner Kräfte den letzten Felsen erklommen hatte und sich erschöpft auf einem kleinen Plateau niederließ.

Schwer atmend blickte er ins Tal und sah den Fluss wie er wie ein kleiner, blauer Faden auf dem satten Grün lag. Es war kalt, er konnte seinen keuchenden Atem sehen und er hatte das Gefühl, er könne Schnee riechen. Er starrte ins Tal und erkannte, dass dort unten vor langer, langer Zeit tatsächlich mehr gewesen war, als nur eine Straße, die zum Fluss führte. Vom Grün der Wiesen überwuchert, lagen die Ruinen einer gigantischen Stadt unter ihm. Und blickten ihn genauso stumm an, wie die Krähen es taten. Urplötzlich, als würden sie einem unhörbaren Befehl folgen, stoben die Krähen schlagartig auf, flogen ihre Kreise im Wind und ließen sich von den Windströmungen zum Berg hinauf treiben, wo sie sich dann Eine nach der Anderen auf dem kargen Felsen niederließen. Ob es heute schneien würde? Es hatte nur den Anschein, als ob die Götter es heute Krähen schneien ließen. Er atmete tief ein, lehnte sich nach hinten, gegen die Felswand und dann bemerkte er erst, dass er einen riesigen steinernen Stuhl erklommen hatte. Und in dem Moment, als sein Rücken die Lehne berührte, fiel ihm wieder ein, was die Leute sich über diesen Berg erzählten. Ein alter Fluch, der über dem Berg hing wie ein pechernes Laken.

Die Leute hatten recht, der steinerne Thron, wie man den Berg nannte, hatte sich schon viele Leben genommen und nun wohl auch seines. Er griff sich erschrocken an die Brust und riss sein Hemd auf, um sich von den Zwängen seiner Kleidung zu befreien. Panisch versuchte er tief einzuatmen, doch der Fluch hatte ihn schon ergriffen und schnürte ihm von einem Augenblick zum anderen plötzlich den Brustkorb ein, so dass es ihm unmöglich war, einen weiteren Atemzug zu tun. Sein kurzes und ärmliches Leben lief an seinem inneren Auge vorbei und es war zu kurz gewesen. Doch jetzt war es zu spät, seine Seele gehörte nun dem Berg. Seine Seele würde so lange im Berg gefangen sein, bis der nächste einsame Wanderer dieses Blitzen sah und dann in sein Unglück rannte.

10007060_10201900724586395_5187719997572774077_nDoch im Angesicht des Todes hatte er ein Lächeln auf den Lippen, weil seine Aufgabe war heute eine Andere, als einfach nur zu sterben. Er hatte heute eine gute Tag getan und eine alte Seele befreit. Die Seele des armen Tropfs, der vor ihm diesen Berg erklommen hatte und seine Seele für die Befreiung eines Anderen gab. So war es seit je her, dass die gefangene Seele nur befreit werden konnte, wenn man selbst seine Seele dem Berg gab. Diese alte Seele würde nun endlich ihren Frieden finden, bis eines Tages seine Seele erlöst werden würde. Eines Tages, wenn die Krähen wieder stumm dabei zu sehen würden, wie einer in sein Verderben lief. Und mit einem letzten Röcheln blieb einfach sein Herz stehen und er starb. Die Krähen stoben wieder auf und fingen augenblicklich an, ihr gewohntes Geplärr von sich zu geben.

Geschrieben zu dem Lied ‚Der Fluch‘ von Kafkas Orient Bazaar und abgedruckt im Kurzgeschichtenband ‚Tiefer‘ erhältlich im Shop auf: http://www.kafkasorientbazaar.de/

Glückskeks Calling Episode 4

Glückskeks Calling Episode 4

vokuIch wache auf weil ich laufe. Ich laufe sonst nie! Seltsam, meine Brüste gehen mir dabei gar nicht im Weg um. Was sie sonst immer tun, wenn ich mal laufen sollte.

Ich laufe an einer ellenlangen Straße entlang, neben mir sind Häuserfronten von spiegelverglasten Bürogebäuden und ich kann mich, wer hätte es anders gedacht, im Glas der Scheiben Spieglein, Spieglein…Da waren sie wieder meine zwei Probleme. Der Märchenvirus und der Glückskeksfluch!

Ich hätte es mir ja gleich denken können, dass da was nicht stimmt. Meine Brüste gehen mir die letzten 24 Jahre im Weg um, und nach einem 12jährigen Mädchen mit blonden Zöpfen sehe ich ja nicht gegrade aus. Ich laufe übrigens immer noch. Ich habe einen ziemlich hässlichen und viel zu engen roten Lycraanzug an und komme mir ein Bisschen so vor wie ein Bobfahrer im Sommer.

Plötzlich sehe ich, wie jemand hinter dem Bürogebäude auftaucht und ziemlich schnell hinter dem nächsten Bürogebäude wieder verschwindet. Das Ganze ging so schnell, dass ich einerseits gar nicht festgestellt habe, dass ich selbst noch schneller gelaufen bin, um ihm hinterher zu kommen. Und andererseits muss mein Verstand irgendwie auf der Stecke geblieben sein. Alter war der Kerl schnell. Es muss Captain America sein. Und was war ich? Eine weibliche (und kleinere und dickere) Version von Flash? Wohl eher die uneheliche Zwillingsschwester vom Hackl Schorsch.

Keuchend erreichte ich die nächste Lücke in der Häuserfront. Da zischte er wieder an mir vorbei. Er muss ein Hybrid zwischen Flash und Captain America sein. Man, ist der schnell. Ich versuche ihn, so schnell es mir möglich war, zu verfolgen, aber ich scheine ihn zu verlieren. Er ist einfach zu schnell.

Als ich am Ende meiner Kräfte um die nächste Straßenecke bog, war der Kerl wohl an seinem Ziel angekommen. Er stand vor einer Bushaltestelle und ich konnte gerade noch die Rücklichter des Busses am Ende der Straße erkennen.

Der Kerl war ähnlich fertig wie ich, nur dass ich gar nicht mit dem Bus fahren wollte, weil ich ja nur auf der Jagd nach einer personifizierten Comicfigur war. Und er sieht auch nicht annähernd so aus wie Captain America und/oder Flash. Nein, ratet mal. Nein, es ist nicht Edward aka Ignaz und auch nicht Zweischwerthans aka Tyron Nightfire. Igor ist es auch nicht und nachdem ich auch ausnahmsweise grad nicht im Knast bin, ist es zu meinem Leidwesen auch nicht Malakili, der corellianische Rancorwächter aus Jabbas Palast. Es ist Vokuhila Tschortsch!!!

Super, hab ich keine Fußnote gemacht Frl. Reophanu? Jetzt hetzt sie mir doch tatsächlich den Vokuhila Tschortsch 1) (Beachte die Schreibweise!) auf den Hals. Nicht dass ich mit dem Glückskeksfluch schon genug um die Ohren hätte. Und gejagd hat er mich auch nicht, ich hab ihn gejagd. What the fuck. Was haben wir bei: ‚Von einem Ork durch den Wald gejagd werden!‘ nicht verstanden?

Ich kann so nicht arbeiten, ich bin in meinem Wohnwagen.

Von wegen, dass man seine Träume nicht beeinflussen kann… Ich stehe auf einem öden Feld, ein rollender Busch holpert an mir vorbei. ‚Runter von meinem Rasen!‘ höre ich eine krächzende Reibeisenstimme rasseln, begleitet von dem Durchladen einer Schrotflinte.

Ich drehe mich langsam um. High Noon. Die Hand an meinem Gürtel, ich bin gespannt wie die Feder meiner Smith & Wesson.

Vor mir steht ein ehemals pinker, verkohlter Wohnwagen und ich stehe auf einem verdreckten Kunstrasenteppich. Rund um alles ist nur Ödnis, Staub und Sonne. Vor dem Wohnwagen steht eine Alubadewanne voll Kronkorken und in der Badewanne sitzend, grinst mir eine sonnenbebrillte ältere Dame mit einem verkohlten Strohut auf den Kopf, an. Im Mundwinkel hat sie einen Zigarrenstummel.

Ich höre nochmal ein ‚Runter von meinem Rasen!‘ und den Knall, der in der Regel auf das Betätigen des Abzuges folgt…

Mit Schmerzen in der Brust wache ich auf… ach keine blutige Wunde… Kein Blutspritzmassaker in meinem Bett, ich dreh mich um, zieh die Decke über den Kopf und schlafe weiter.

1)Vokuhila Tschortsch: Kurze Begrifferklärung fehlt Frl. Reophanu!

Rätien – Winter 230 – Übel am Morgen

Rätien – Winter 230

Übel am Morgen

800PX-~1Wieder waren ein paar Wochen des Schneeschaufelns vergangen. Im Lazarett gab es fast kein leeres Bett mehr, weil viel zu viele Männer aufgrund der anhaltenden Kälte unter einer schweren Erkältung litten. Die drei Späher, der Hufschmied und die Herrin der Quelle kämpften täglich gegen Fieber und Husten, während die Legionäre draußen gegen die Schneemassen kämpften. Außerdem waren die Benefiziarier im Wald unterwegs und schlugen Holz, wenn sie nicht mit Schneeräumen auf der Straße beschäftigt waren. Während der Centurio und der Optio abwechslungsweise mit ein paar Männern auf die Jagd gingen. Manchmal trafen sie auch auf versprengte Alemannen, obwohl sie tatsächlich eher auf der Jagd nach etwas Essbaren waren.

Das Wasser der Quelle ging eines Nachmittags zur Neige und die drei Späher machten sich wie sooft allein auf den Weg zur Quelle. Der Optio ging am nächsten Morgen auf die Jagd, während der Centurio einen Rundgang durch sein Kastell machte und am Ende seines Rundganges das Lazerett betrat, um nach dem Rechten zu sehen.

Er kam gerade in dem Moment in die Räumlichkeiten des verstorbenen Feldschers, als die Herrin der Quelle würdevoll in einen Eimer spie. Der ganze Raum war gespickt voll mit Tongefäßen, Schalen und Säcken mit Ölen, Fetten und getrockneten Kräutern. Es hingen büschelweise getrocknete Kräuter an Schnüren überall im Raum und der betörende Geruch, der von dem Sammelsorium der Heilkunst ausging, machte ihm einem Moment vergessen, wie es im restlichen Lazarett stank.

‘Varius, wie lange geht das schon so?’ blökte er den Einarmigen an, der gerade mit etwas ganz Anderen beschäftigt war.

‘Mein Centurio, ich kenn mich mit so Frauengeschichten nicht aus, aber morgens war ihr schon mal übel.’

Der Centurio blickte seinen Hufschmied mit einem Gesichtsausdruck an, der keiner weiteren Worte bedarf, aber er sagte es trotzdem: ‘Muss ich denn alles alleine machen, Varius? Und wann wolltet ihr mir davon berichten?’

‘Herr, wir haben hier alle Hände voll zu tun, da hab ich nicht drüber nachgedacht!’ stammelte Varius. Valeria bekam das Gespräch nur sehr gedämpft mit, da sie immer noch mit dem Kopf im Eimer röhrte, wie ein Zwölfender im Frühling. Aber trotzdem dachte sie sich ihren Teil, aber zum Kopfschütteln fehlte ihr entschieden der Platz. Vom Würgen erschöpft legte sie ihren Kopf am Eimerrand ab und versuchte dem Geschehen zu folgen, war ihr aber nur bedingt gelang.

‘Verzeih, werter Varius. Ich weiß um deine wertvolle Arbeit hier im Lazarett und in den Ställen.’ meinte der Centurio fast schon väterlich zu Varius und fuhr fort: ‘Fencheltee und trockenes Gebäck oder Brot sollte helfen, lass es in meine Stube bringen, ich kümmere mich selbst um die Herrin der Quelle.’

Er zupfte einen getrockneten Lavendelstrauß von einer Leine, kniete sich zu ihr runter, nahm ein Tuch und wischte ihr über den Mund. Sie blickte ihn abwesend an, zog ihm aber das Tuch aus den Händen und schnäuzte sich, während er mit einer Hand ihre Haare aus ihrem Gesicht strich und mit der Anderen den Lavendelstrauß in ein frisches Tuch einschlug und ihn zerdrückte. Fast schon liebevoll hielt er das duftende Tuch unter ihre Nase. Sie atmete tief ein und er hob sie hoch und ging mit ihr nach draußen.

Kaum hatte er seine Amtsstube durchschritten, wurde er von einem der Sklaven aus der Küche überholt. Er stellte ein Tablett auf dem Tischchen neben dem Bett ab und blickte den Centurio kurz an.

‘Das ist alles! Es soll jeder, der in der Küche oder in den Ställen gerade nicht gebraucht wird, im Lazarett aushelfen.’

‘Ja, Herr!’ sagte der Sklave, blieb aber doch stehen.

Der Centurio legte die Herrin der Quelle am Bett ab und sie begann wieder zu würgen.

‘Wenn du immer noch rum stehst, bring mir die leere Schüssel da!’ rief der Centurio hektisch und zeigte auf eine leere Schüssel, die neben seiner Waschschüssel stand.

Der Sklave bewegte sich schnell und hielt im nächsten Moment dem Centurio die leere Schüssel hin und begann zu stottern: ‘Verzeiht Herr, die…die… die Herrin… der…der…der…Quäh…!’

Der Centurio hielt ihr die Schüssel unters Kinn und unterbrach das Gestottere des Sklaven. ‘Die Herrin der Quelle wird bald wieder auf den Beinen sein. Es braucht sich keiner Sorgen machen, die Pferdeherrin ist ihr mehr als hold. Aber die Kranken im Lazarett brauchen wirklich jede Hilfe!’

‘Ja Herr, verzeiht Herr!’ rief der Sklave und verschwand sofort.

‘Sogar mit dem Kopf in der Schüssel, bewegt ihr noch die Herzen der Männer.’ faselte der Centurio während er die Schüssel so aufs Bett stellte, dass er einen Moment aufstehen konnte, um auch die Waschschüssel zu holen. Als Antwort bekam er eh nur ein weiteres Würgen ihrerseits zu hören. Er stellte die Waschschüssel auf den Boden, setzte sich auf die Bettkante und hangelte nach einer kleinen Flasche, die nehmen seinem Bett stand. ‘Ich weiß, dass der Hufschmied die trächtigen Stuten immer mit Lavendelöl einreibt, da soll er noch einmal sagen, er würde sich mit Frauengeschichten nicht auskennen.’

Er hatte ihre Stirn und ihren Nacken mit dem Öl eingerieben und hielt dann weiter ihr Haare hoch, bis sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte.

‘Der Senator wird euch verstoßen!’ meinte der Centurio, während sie sich an seinem Knie fest klammerte und wieder zu würgen begann. Nachdem nur noch Schleim aus ihrem Mund lief, tauchte er ein sauberes Tusch ins Wasser und wischte über ihr Gesicht. Sie versuchte zu lächeln, was ihr nicht wirklich gelang.

‘Ihr müsst unbedingt versuchen, jeden Morgen etwas zu essen, bevor Euch schlecht wird.’ meinte er wieder und hielt ihr einen Becher mit Tee hin. ‘Fencheltee ist gut für Mutter und Kind!’

Nachdem er ihr den halben Becherinhalt eingeflößt hatte, krächzte sie: ‘Ihr habt mir nicht erzählt, dass Ihr Hebamme wart, bevor Ihr zur Legion gegangen seid!’

‘Ich habe vier ältere Schwestern, die waren irgendwie immer schwanger, bis ich groß genug war, zur Legion zu gehen!’ meinte er und reichte ihr etwas von dem Gewürzbrot.

‘Warum habt Ihr den Optio zu mir geschickt, um mich zu schwängern?’

‘Ich will nicht, dass der Senator Euch bekommt und ich hab gesehen, wie der Optio Euch ansieht!’

‘Das hätte Euch doch egal sein können, Ihr seid der Centurio!’ meinte sie.

‘Wie meint Ihr das?’

‘Ihr hättet es doch selbst tun können!’

‘Es liegt mir nicht viel an Frauen, deshalb musste es der Optio tun.’

‘Weiß er davon?’

‘Der Optio, keine Ahnung, ich denke es ist ihm egal! Aber ich hab gehört, wie es die Spatzen von den Dächern schreien!’

‘Das hab ich noch nicht gehört, obwohl ich die Einzige hier bin, die die Spatzen wirklich verstehen kann.’

Er lächelte sie an und hielt ihr wieder den Becher hin. Sie nahm den Becher und trank, während er die Schüssel mit ihrem Erbrochenen beiseite stellte.

‘Ich will nicht unverschämt sein, aber ich sehe wie Roar Euch ansieht…!’

‘Ja, ich weiß. Ich hab ihn aber nie wirklich angerührt.’

‘Obwohl Ihr es könntet!’

‘Jetzt nicht mehr, er ist ein freier Mann.’

‘Und doch ist er noch an Eurer Seite!’

‘Ich würde ihm nie etwas aufzwingen, außerdem hinderte mich meine Krankheit in den letzten Jahren an dererleih sexueller Eskapaden!’

‘Habt Ihr es seither versucht?’

‘Langsam werdet Ihr wirklich unverschämt!’

Sie lächelte ihn nur an und biss vom Gewürzbrot ab.

‘Ich hab ein wenig Bammel, dass ich wieder einen Anfall bekomme, wenn ich selbst Hand… ähm… außerdem kann ich ihn nicht davon abhalten, vor meinem Bett auf dem Fell von meinem Köter zu schlafen.’ stammelte der Centurio und blickte dabei betreten zu Boden.

‘Wo sind die drei eigentlich, sie sollten doch mit dem Quellwasser schön längst wieder hier sein!’ meinte sie, um das Thema zu wechseln und setzte sich etwas auf.

‘Sie wollten beim Rückweg auf die Patrouille des Optio stoßen, die gerade auf der Jagd sind!’ meinte er besorgt und spitzte die Ohren, er hatte Rufe am Tor gehört.

Fortsetzung folgt…

Rätien – Winter 230 – Brief vom Senator

Rätien – Winter 230

Brief vom Senator

800PX-~1Nach einigen Wochen Winterkälte und Schneegestöber, kam wieder ein Reiter beim Tor herein. Der Optio war mit einigen Benefiziarier draußen unterwegs, um die Straße von den größten Schneeverwehungen zu befreien, während die Legionäre den Graben um den Burgus freischaufelten. Es wäre ein gefundenes Fressen für die Alemannen in das kleine Kastell zu gelangen, wenn die Schneeverwehungen bis über den Rand der Mauer reichen würden.

Es war bereits dunkel geworden als der Optio wieder im Burgus ankam und er wurde gleich zum Centurio gerufen. Sein Mantel war steifgefroren und er könnte weder seine Finger noch seine Zehen spüren, als er die Amtsstube des Centurio betrat.

‘Komm rein und setz dich!’ meinte der Centurio und blickte Roar an, der ihm gerade einen heißen Tee eingegossen hatte.

Roar stellte dem Optio einen Becher hin und goss ihm auch heißen Tee ein, bevor er den Raum verließ.

‘Ein Reiter hat uns einen Brief vom Senator gebracht!’ berichtete der Centurio. ‘Ich will die Worte des Senators gar nicht vorlesen, weil ich es mir weder mit der Pferdeherrin, noch mit allen anderen Göttern verscheißen will, aber ich habe ein Anliegen an dich:’

‘Ja, mein Centurio!’

‘Sorge dafür, dass die Herrin der Quelle ein Kind empfängt.’

‘Bitte was?’

‘Du hast mich schon verstanden!’

‘Der Senator würde sie nicht als Schwiegertochter wollen, wenn sie von den Alemannen geschwängert worden wäre!’

Der Optio blickte seinen Centurio fassungslos an.

‘Nicht dass du nicht jede Nacht bei ihr liegen würdest, dann könntest du sie ja auch vögeln!’

‘Wenn der Centurio es erlaubt, würde ich jetzt gerne gehen!’

Der Centurio nickte unmerklich und fuhr fort: ‘Ich erwarte einen ausführlichen Bericht!’

Der Optio stand wortlos auf, drehte sich um und ging festen Schrittes aus der Amtstube.

Der Centurio blickte auf den Brief des Senators und las nochmal die Stelle, die seinen Entschluss gefestigt hatte, ‘…Es wäre ja nicht tragbar, wenn sie einen alemannischen Bastard in mein Haus bringen würde. Auf so eine Mitgift kann ein Mann meines Standes gerne verzichten. Tut das Nötigste dies abzustellen, ohne jedoch ihre Kraft zu gefährden. Kein normal denkender Römer würde die Pferdeherrin gegen sich aufbringen wollen, nur wegen der Tochter eines einfachen Soldaten…’  dass ihn der Senator mal kreuzweise an seinem haarigen Hintern lecken könne. Mit einer lässigen Bewegung hielt er den Brief des Senator über die Flamme einer Öllampe, stand dann auf und trug den brennenden Brief zu einer der Kohleschalen hinüber. Er behielt den Brief solange in der Hand, bis man keine der gotteslästerlichen Worte des Senators mehr lesen konnte, dann lies er den Brief in die Glut fallen. Kurz stand er noch da und blickte in die Flammen, bevor er wieder zu seinem Tisch ging und sich in seinen Stuhl fallen lies. Seufzend nahm er sich ein Stück Pergament und fing an einen Brief an den Senator zu schreiben.

Als der Optio die Räume des Gästetrakts betrat, saß Valeria mit den drei Spähern vor einer Kohleschale und sie unterhielten sich, bis sich der Optio räusperte. Roar verschwand augenblicklich und die beiden anderen gingen erst, als der Optio sie eindringlich anblickte.

‘Was betrübt dich denn?’ fragte Valeria, als sie seinen Gesichtsausdruck gedeutet hatte.

‘Der Centurio möchte gerne, dass ich dir ein Kind mache!’

Sie lächelte ihn wissend an und strich sich dabei über den Bauch.

‘Weil dich der Senator dich nicht mehr haben wollen würde, wenn du einen Bastard unter dem Herzen tragen würdest.’

‘Ach, das stand in dem Brief!’

‘Du weißt davon?’

‘Ich weiß nur, dass heute ein Botenreiter gekommen ist.’

‘Der Centurio möchte, dass ich mit dir Liebe mache!’

‘Nicht dass wir es nicht fast jede Nacht täten…!’ grinste Valeria und stand auf, um sich vom Centurio zum Bett begleiten zu lassen.

 

Fortsetzung folgt…

Rätien – Winter 230 – Gesegnet seinen die Pferde

Rätien – Winter 230

Gesegnet seinen die Pferde

800PX-~1Der Hochnebel verdeckte die Sonne, so dass man ihr Vorhandensein nur erahnen konnte.

Und der Nebel, der den Burgus in den trüben Fängen hielt, gefror in der kalten Morgenluft, so dass die kleinen Wassertröpfchen gefroren auf die Erde purzelten und erneut das Leben mit Raureif überzog.

Der Centurio trat vor die Tür und seine Berittene stand bereits parat. Roar stahl sich hinter ihm aus der Tür und lief zum Gästetrakt hinüber. Dort bekam er von seinen Brüdern eine Schüssel mit Wasser in die Hand gedrückt.

Als die Herrin der Quelle ins Freie trat, stach die Sonne durch den Hochnebel und beleuchtete ihren Weg über den Innenhof mit sanften Strahlen. Sie war in helle Gewänder gehüllt, so dass man kaum ihr Gesicht sehen konnte, geschweige denn ihre Haare. Dennoch konnte man ihren Atem in der kalten Luft sehen.

Der Centurio trat vor und rief: ‚Begrüßt unseren Gast.‘

Die Männer schrien wieder ihren Ruf: ‚Ahu!‘

‚Der Optio hat sie aus den Fängen der Alemannen befreit.‘

Es kam wieder dieses: ‚Ahu!‘

Der Optio fragte sich, ob sie wenigstens einmal ‚Ave!‘ schreien würden.

Die Herrin der Quelle ging mit gesenkten Haupt bis zum ersten Pferd in der Reihe und hob eine Hand. Ask wich ihr nicht von der Seite und Roar lief ihr mit der Schüssel in der Hand hinterher, während Kjeld einfach nur neben ihm lief und ihn dabei scheel beäugte.

Sie segnete das erste Pferd, in dem sie ihre Hand in die Schüssel tauchte und dann über die Schnauze des Tieres rieb. Sie lehnte sich gegen den Kopf des Pferdes und schöpfte einen Schluck von dem Wasser aus der Schüssel und gab es dem Tier zu trinken. Diese Prozedur wiederholte sie bei jedem Tier, bis sie bei einem der Reiter, die jeweils neben jedem Pferd standen und das Geschehen neugierig beobachteten, stehenblieb. Keiner von ihnen hatte in den letzten Monaten eine Frau gesehen, geschweige denn eine Eponageweihte. Nur dieser eine schien abwesend in die Ferne zu blicken. Sie tat vor ihn und blickte ihn überprüfend an. Dann streckte sie die Hand nach ihm aus und berührte seine Stirn. Er schwitzte trotz der winterlichen Kälte. Sie gab dem Legionär etwas aus einem Trinkschlauch zu trinken, der ihr von Ask gereicht worden war und strich ihm liebevoll über die fiebrige Stirn.

Der Optio war hinter ihr aufgetaucht und als sie sich von dem Legionär abwandte, meinte sie streng: ‚Dieser Mann ist krank, er hat starkes Fieber. Er sollte das Bett hüten! Ihr habt hier doch ein Lazarett? Kümmert sich keiner darum, wenn ein Legionär krank wird…?’

‘Ein Lazarett haben wir, aber unser Feldscher ist im Sommer an der Ruhr gestorben, der Hufschmied macht seine Arbeit, bis Ersatz geschickt wird.’ berichtete der Optio hastig.

‘Seht Ihr meine Augenbraue? Höher kann ich sie nicht ziehen! Ihr wartet seit dem Sommer auf einen Ersatz, warum seid Ihr nicht früher zu mir gekommen? Jeder Viehhirte hier in der Gegend weiß, wo meine Hütte mal gestanden hat.’ zischte sie ihm zu.

‘Es gab in letzter Zeit nichts was drei gallischen Bastarde und der einarmige Hufschmied nicht wieder hinbekommen hätten.’ meinte er beschwichtigend und ging weiter.

Ein ersticktes ‘Der Einarmige??’ kam aus ihrem Mund gestolpert.

‘Einarmig ist er erst seit dem Herbst!’ verteidigte sich der Optio, obwohl er nicht für die Gesamtsituation konnte, noch nicht mal der Centurio konnte etwas dafür, dass so gut wie nichts mehr aus Rom kam, nichtmal ein einfacher Feldscher.

‘Der Centurio hat bestimmt nichts dagegen, wenn Ihr auch unser Lazarett besichtigt.’ meinte Optio abschließend und blickte hilfesuchend zum Centurio hinüber. Sie ging kopfschüttelnd weiter zum nächsten Pferd, währenddessen der Optio zum Centurio hinüber ging. Bei manchen Tieren rieb sie über den Bauch und meinte immer, wenn sie an dem Reiter des Pferdes vorging: ‚Epona ist euch hold!‘

Sie hatte sich wieder einigermaßen beruhigt, bis sie vor einem Reiter stehen blieb, der eine Weidenrute in seinen Händen trug. Mit einem wütenden Gesichtsausdruck riss sie die Gerte aus seinen Händen, zerbrach sie und warf sie ihm vor die Füße.

Dann zog sie den Mann, der zwei Köpfe größer war als sie, zu sich runter und zischte ihm zu: ‚Wenn du dein Pferd noch ein Mal schlägst, wird die Pferdeherrin dir gewaltig in den Arsch treten.‘

Dann spuckte sie auf den Boden und meinte ablässig: ‚Du hast es gar nicht verdient, dass auch deine Stute trächtig ist.’

Sie segnete die restlichen Pferde und lies sich nicht nehmen das Lazarett zu besuchen. Der einarmige Hufschmid Varius war heilfroh, dass ihm jemand unter die Arme greifen würde, der offensichtlich geschickter war, als er es je wieder sein könnte. Er war mehr als überfordert, seit dem er sich nicht nur um das Wohlergehen der Pferde kümmern musste. Von der Sache mit seinem Arm mal ganz zu schweigen.

Glückskeks Calling Episode 3

Glückskeks Calling Episode 3

FortunecookieIch werde von einem nervösen Zucken überhalb meines Auges wach und denke mir, dass ich eigentlich nach entspannenden Träumen vielleicht morgens nicht mit einem kinskiesken Zucken in der Fresse aufwachen sollte. Es sei denn, meine Träume halten mich wieder dermaßen auf Trab, dass ich morgens schon total gestresst mit dem skrat’schen Augenzucken aufwache.

‚Noch einen Wunsch, Mylady!‘ flüsterte ich in mich hinein und öffne nur ein Auge und rümpfe gleichzeitig die Nase. Wo bin ich denn jetzt wieder gelandet? Hey Glückskeks, hast du mich nicht schon genug leiden lassen? Jetzt ist aber langsam mal gut mit dieser verunglückten Wunscherfüllung.

Warum ich meine Nase gerümpft habe? Es lag zumindest nicht an der gesiebten Luft, die ich schon wieder atmen muss. Danke mal dafür, lieber Glückskeks und die letzte Nummer im Männerknast hat mir ehrlich gelangt. Aber das nach Fäkalien und Verwesung stinkende Loch, in das du mich heute Nacht gesteckt hast, ist ja wirklich eine Zumutung. So kann ich nicht arbeiten. An der rustikalen Steinmauer wuchert der Schimmel und irgendwie freu ich mich doch, in der wahnwitzigen Hoffnung, dass mir wenigstens obszöne Plizgewächse lüstern entgegen nicken würden. Aber nein, keine obszönen Pilzgewächse für Frau Rösner heute.

Langsam bewegt sich meine Laune gen China und einen schwarzen Tee krieg ich hier bestimmt auch nicht. Was hab ich eigentlich verbrochen, dass mich das Universum immer so strafen muss. Weil ich nicht bis November warten wollte. Ist es das? Genau, gibt es eigentlich irgendjemand der noch ganz bei Trost ist, der 11 Monate wartet, bis sich ein Glückskeksspruch erfüllt. Nach 11 Monaten kann man den von Google übersetzten Spruch auf den von koreanischen Kinderhänden mit krebserregenden Farben billig bedruckten Glückskeksschnipseln bestenfalls gar nicht mehr lesen. Und Der Führer bin ich auch nicht geworden, obwohl diese weltverändernde Weissagung aus einem Glückskeks stammte.

Ich höre wie sich eine alte Holztür öffnete und dieses Geräusch riss mich aus meinen verwirrten Gedanken. Ich höre ein schlurfendes Geräusch und freue mich inständig auf meinen ersten Igor oder wahlweise einen echten Gamorreaner als Gefängniswärter! Aber nein, es muss der hässlichere und obendrein bucklige und wahrscheinlich uneheliche Zwillingsbruder von Malakili, der corellianische Rancorwächter aus Jabbas Palast, sein. Dieser zu groß geratene Buckelfips stand nun vor meiner Gitterzelle und sabberte vor sich hin, während er mit seinen groben Fleischpranken versuchte die Tür zu meinem Gefängnis aufzuschließen. Ohne große Reden zu schwingen oder sich wenigstens sich vorzustellen, schleifte er mich am Kragen aus meiner Zelle, eine steinerne Wendeltreppe hinunter, über einen Burghof und wieder steinerne Stufen hinauf, bis ich endgültig von diesem ungehobelten und ungewaschenen Grobian in den Staub geworfen wurde. Vor mir stand eine Person in verboten gutaussehenden Lacklederstiefeln vor einem riesigen goldenen Spieglein, Spieglein. (Mir schwant arges!)

Ein ‚Rugedigu, Rugedigu!‘ kam über meine Lippen gestolpert, das ich versuchte es in einem nervigen Husten enden zu lassen, was mir wahrscheinlich nicht wirklich gelang. Dieser verfickte Märchenvirus wird mir hier meinen Kopf kosten. Ich kann ein: ‚Ab mit ihrem Kopf!‘ zwischen Dieter Bohlen und Thomas Anders hören und ich schiebe meine Zitathalluzination auf einen meiner beiden Tinnitus.

Weil die Person vor dem Spieglein, Spieglein hatte bis jetzt nicht wirklich was gesagt und drehte sich jetzt erst ziemlich schwul um und kam wie ein 12jähriges Mädchen mit imaginären blonden Zöpfen auf mich zugelaufen. Keine Tasche, keine Competition!

Und mein Gesicht muss mir in dem Moment dermaßen entglissen sein, weil das was ich da sah, war wirklich nicht das was ich erwartet hatte. Skurrile und verkehrte Welt würde ich mal sagen. Der inzestuöse Bruder der bösen Königin aus Snow White steckte in einem viel zu engen Kleid und blickte mich ziemlich eingebildet und zugleich lüstern an. Mein Mageninhalt schreit gewaltig nach Freiheit!

‚Ach wie gut dass niemand weiß…!‘ stolpert über meine Lippen und dafür bekomme ich gleich eine geknallt. Ein Mann in einem Kleid ist immer noch ein Mann und der Kinnhaken hat mal ziemlich gesessen. Der Segen einer Ohnmacht befreit mich von weiteren Augenvergewaltigungen. Als kinskiesker Bruder der bösen Hexe war der Kerl irgendwie voll in Ordnung, aber als Tunte war er einfach nur ein ziemlich hässliches Frauenzimmer.

Ich werde wieder von einem Gesichtszucken wach und spüre dann nur noch Schmerzen zwischen den Augen und mein Mageninhalt schwappte mir in meine Mundhöhle. Ich musste schwer schlucken und war augenblicklich wach. Ich lag bäuchlings auf einem Pferd, mit gefesselten Händen auf dem Rücken und schaute mir Pferdegenitalien von unten an. Epona ich bitte dich, verschone mich vor sämtlichen, tierischen Ausscheidungen! Und danke Glückskeks, die Angst vor großen Tieren war wieder da und ich revidiere jede meiner Aussagen bezüglich jeglicher Aktivität, mir einen Penis ins Gesicht zu halten.

Mein Überlebenstrieb lasst mich nach vorne blicken, auch wenn da ein überphantasmagorischer Megapenis vor meiner Nase baumelt. Ich versuche mir zu überlegen, wie ich mich ohne mir das Genick zu brechen aus der Affäre ziehen kann, als ich durch mein Rumgehampel ganz alleine vom Pferd gefallen bin. Aua, ich bin auf meinen Schlüssel gefallen! Aber solange ich Schmerzen habe, lebe ich wohl noch. Ich liege mit der Fresse im Matsch und ich kann die bösen, bösen Schmetterlinge sehen, die um meinen verwirrten Verstand herum falterten.

Der Reiter ist ja nicht so ganz der Helle und ich tauche im Dreck ab und versuche irgendwie die Fesseln loszuwerden, ohne im Schlamm zu ertrinken.

Mein Versuch mich geschickt selbst zu entfesseln wurde je von ziemlich starken Armen aufgehalten und ich wurde aus dem Schlamm gezogen.

Vor mir stand ein ziemlich steiler Huntsman. Bingo. Auch wenn er ziemlich schmuddelig aussah und ich seine Fahne auch gegen den Wind vernahm, war der Hutsman ja schon irgendwie eine ziemlich geile Drecksau. Es muss November sein. Danke. Endlich ist der Glückskeksfluch gebrochen und ich bekomme den Jägersmann als Hauptpreis. Danke, ganz lieb!

‚Wer wird denn da weglaufen, hübsches Täubchen!‘ grinste er mich breit an und ich konnte seine widerlichen Zähne sehen. Die Kotze schwappte wieder in meinen Mund und es fehlte nur noch eine klitzekleine Kleinigkeit, dass mir die Kotze nicht aus der Nase schießt. Ich habe mir seinen Mundgeruch nur vorgestellt. Zum Glück haben meine Geruchsnerven gerade gekündigt, weil nur die nasale Vorstellung von der Zahnbaracke war schlimmer, als alles was sich mein paranoides Gehirn in meinen schlimmsten Alpträumen je geruchsmäßig hätte vorspielen können.

Ich werde zum zweiten Mal an diesem Tag am Kragen durch den Dreck gezogen und ich kann mir den geilen Arsch von dem Hinterwäldler noch eine ganze Weile ansehen. Wenigstens ein kleines Trostpflaster. Das Einzige was dieses Aussicht entschieden störte, war die Tatsache, dass er keine Axt bei sich hatte. Also der Huntsman aus dem schlechten Beispiel einer grimm’schen Märchenverfilmung hatte ja zumindest ein bis zwei Äxte dabei und ist der Film auch noch so schlecht, Hauptsache irgendjemand hat eine Axt dabei und dann ist meine Welt schon wieder in Ordnung. Aber nein, ich hätte es mir ja denken können, das mein glückskeks’sche Touchdown mal wieder gewaltig nach Hinten losgehen muss. Es ist nicht der Huntsman, Jägersmann oder auch nur der Jagdaufsehergehilfe. Nein, die zwei Schwerter auf dem Rücken haben ihn verraten. Es ist der Zweischwert-Hans. Neeeeeeiiiiiinnn!

(Zweischwert-Hans ¹) kurze Begriffserklärung: Das ist der typische Zweischwert-Larper und unehelicher, gehirnamputierte Zwillingsbruder von Tyron Nightfire, der grundsätzlich zwei Schwerter ninjamäßig ohne dazugehörige Schwertscheide auf dem Rücken trägt, um sie dann auch noch wie ein zugekokster Schlagzeuger einer TrashMetalBand stakkato zu benutzen, egal ob man grad In-Time oder Out-Time ist, während er immer wieder ‚Eis-Drei-Direkt‘ und/oder ‚verflucht, heilig und dämonisch‘ schreit. Und wenn man dann unter Schmerzen endlich zu Boden gegangen ist, nochmal nachschlägt, weil man noch nachgezuckt hat und einem dann noch einen blöden Out-Time–Spruch reindrückt, wie z.B. ‚Heil Das!‘ oder ‚Jetzt mal OT!‘ oder ‚Spiels aus!‘ oder ‚Larp mit, du Sau!‘ und sich auch nicht durch eine rote Karte eines Spielleiter aus dem Konzept bringen lässt.)

Blöd ist nur, ich bin grad in einem richtigen Traum gefangen und nicht auf einem Larp! Hier in meinem Traum gibt es keine Spielleitung und selbst wenn ich in meinem Traum In-Time wäre, würde es keinen interessieren, vor allem nicht Zweischwert-Hansman!

Wo wir grad beim Hansman sind, der hat mich grad ein bisschen unflätig und ziemlich dilettantisch angetatscht, als er mich aufs Pferd gehievt hatte. Nicht mal das kann er.

Er sitzt hinter mir aufs Pferd auf. Ich drehe mich nochmal zu ihm um und treue meinen Augen nicht. Nein, es ist nicht der Vokuhila des Hansman. Ich kann mein Spiegelbild in seinen blankgeputzten Waffen sehen. Damit kommt er bestimmt nicht durch den Waffencheck. Verdammt! Ich fasse mir ans Haupthaar und ziehe es in mein Blickfeld. Die Hölle muss zugefroren sein, meine Haare sind BRAUN!!!!

Schreiend werde ich wach, ich befühle mein Haar und es fühlt sich zumindest schwarz an. Mein Wecker klingelt noch. Danke. Mein Wecker hat mich gerettet. Es ist glaub ich das erste Mal, dass ich mich mal freue, dass mein Wecker klingelt, obwohl es Sonntag ist.

¹) Ich bedanke mich hochachtungsvoll bei Frl. Reophanu für die Wortneuschöpfung des Zweischwerthanses! Vielen Dank!

Published in: on 20. April 2014 at 17:21  Schreibe einen Kommentar  
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A new Dawn

Manchmal ist es ganz einfach.

Da sieht man einen Weg vor sich, den man geht. Den man gehen muss. Ganz gleich was einen erwartet, was man befürchtet oder was vielleicht passiert. Man muss ihn gehen und das Risiko in Kauf nehmen, das dabei entsteht.

Und dann, fällt man damit ganz furchtbar auf die Schnauze. Liegt knietief im Dreck und fragt sich wie man so blöd sein konnte. Leckt sich die Wunden und fragt sich, warum man es nicht vorher gesehen hat. Warum man sich so viel Mühe gegeben hat, nur um dann zu scheitern.

Und man hadert. Mit sich selbst, mit dem Schicksal, mit Gott – einfach allem.

Aber manchmal, werden einem am Ende dieses Weges auch Wünsche erfüllt, von denen man manchmal gar nicht wusste, dass man sie hegt. Man erreicht Ziele die man vorher gar nicht kannte und geht gestärkt aus der Sache hervor.

Auf einmal kann man wieder aufatmen, freier als zuvor. Und man erkennt, dass es sich gelohnt hat. Jeder einzelne Schritt, jede noch so kleine Anstrengung. Jedes Mal in dem man wieder über den eigenen Schatten gesprungen ist. Jeder Moment in dem man verzweifelt war. Jedes Mal, wo man sich bemüht hat, noch einen letzten, weiteren Schritt zu gehen.

Es hat sich gelohnt. Und wenn man viel Glück hat, merkt man, dass auch das Hinfallen Teil der Übung gewesen ist. Genauso wie das wieder Aufstehen.

Ganz selten fällt man nicht einmal. Man stauchelt, verliert kurz die Kontrolle und dann – dann lichten sich die Wolken und ein neuer Morgen bricht an. Und irgendwie ist alles neu – vertraut aber doch neu. Genauso erging es mir.

Ich schau dir hinterher, wie du gehst. Seh‘ noch einmal die vertane Zeit, seh‘ noch einmal die Möglichkeiten, seh‘ ein „wir“ das nicht mehr ist und niemals war. Doch ich lass dich ziehen. Es hat keinen Sinn mehr.

Unsere Pfade kreuzten sich einst, doch jetzt trennen sie sich wieder. Und ich muss auf meine eigene Zukunft schauen. Keine helfende Hand mehr, kein gutes Wort für dich. Ich kann dir nicht mehr helfen. Ich lass dich gehen. Deinen eigenen Weg. Ganz allein für dich. Denn das ist es, was du wolltest.

Und wie du da am Horizont verschwindest, da drehe ich mich um. Kehre dir den Rücken, bereit für meine eigene Zukunft. Bereit für alles was da noch kommen mag. Mit einem leisen Lächeln. Ich weiß, früher oder später wird einmal alles gut sein – und zwar nicht nur für den Moment.

Du hattest einen Platz in meinem Herzen. Du hast ihn vertan.

Es ist Zeit weiter zu reisen. Wieder meine eigenen Abenteuer zu erleben, ganz für mich und ohne dich.

Der Ort an dem du so lange gewohnt hast, in meinem Herzen, ist verlassen und doch nicht leer. Ich habe ihn zurück für mich und fülle ihn mit allem, was du lange nicht mehr gegeben hast. Schaue voller Liebe auf den Menschen, der ich bin, den ich auch in diesen harten Zeiten nie verloren habe und der in all der Naivität doch noch immer an das Gute glaubt.

Die Erinnerung an dich verstecke ich tief an einem dunklen Ort. Ich möchte sie nicht mehr hervor holen, denn so ist es besser. Allein und ohne dich – aber endlich wieder frei. Das war es wert.

Bald wirst du nicht mehr sein, als blasse Erinnerung…

 

Callingsanity

Published in: on 19. April 2014 at 01:20  Schreibe einen Kommentar  
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Der frühe Vogel kann mich mal…

Der frühe Vogel kann mich mal…

amselSeit Wochen sitzt ein kleiner Piepmatz vor meinem Fenster und plärrt als gäb es keinen Morgen, was mich ja eigentlich nicht stören würde, wenn er es nicht immer um 5 Uhr morgens täte.

Bei geschlossenen Fenster kann ich halt gar nicht schlafen und bei offenen Fenster ab 5 Uhr in der Früh irgendwie auch nicht mehr so wirklich.

Nachmittags haben sich jetzt zwei Krähen in der Arbeit eingenistet, die nun die beiden Innenhöfe meines Arbeitsgebäudes terrorisieren. Jetzt könnten böse Zunge behaupten die Frau Rösner hätte einen oder gleich mehrere Vögel, ja einen körpereigenen der mich Nachts nicht schlafen lässt, weil mir so viel Unsinn im Kopf herum geht und einen Externen draußen auf dem Dach, der mich morgens nicht ausschlafen lässt. Und nachmittags die beiden Terroristen, die mich von der Arbeit abhalten, weil sie sich einen Spaß machen von einem Innenhof zum Anderen zu ziehen und sich die nicht vorhandene Seele aus dem Leib zu plärren.

Ich bin also seit Wochen reichlich unausgeschlafen, völlig überarbeitet, kann mich kaum konzentrieren und bin äußerst schlecht gelaunt und leicht kinskiesk in Bezug auf alle nervigen Geräusche. weil wenn man mit 1 bis 2 Tinnitus (Mehrzahl von Tinnitus ist Tinnitus – bei mir wird die Mehrzahl von Tinnitus als Modern Talking zusammengefasst, nachdem meine Tinnitus Dieter Bohlen und Thomas Anders heißen!) wird man leicht aggressiv auf Töne, die die körpereigenen Töne übertönen. Dabei wünsche ich mir nur Ruhe, damit ich mal einen klaren Gedanken fassen kann. Nachdem das mit dem Schnee schon nicht geklappt hat, brauche ich einfach nur Ruhe, um wenigstens ein Bisschen schreiben zu können, oder lernen. Aber nein, erst gibt es keinen Winter und dann kommt der Frühling gleich in lautstarker geballter Ladung und voller Dröhnung voll auf die Ohren.

Ich habe also einen perfiden Plan gemacht, den Störenfried kurz und schmerzlos in die ewigen Jagdgründe zu befördern, ohne jedoch zu viel Aufsehen zu erregen. Was sollen denn die Nachbarn von mir halten, wenn ich wie wild auf dem Dach herum ballere. Und wenn ich es mit der Nerfgun mache, könnte der Vogel ja vielleicht keinen Schaden nehmen. Hm. Also, wollte ich es lieber so machen, wie es die Menschheit schon immer gemacht hat. Auf Vogeljagd mit der Steinschleuder und Netz und ohne doppelten Boden. Ja, liebe Vogelschützer, im Fall von innerer und äußerer Unruhe und akuter Schlaflosigkeit bin ich nicht gut zu vögeln! Ich lande noch in der Irrenanstalt wegen dem schreienden Drecksvieh da draußen.Vor allem wenn ich wie ein Neandertaler mit einer Steinschleuder bewaffnet halbnackt auf dem Dach rumspringe und versuche einen kleinen Singvogel mit Kieselsteinen abzuschießen. Natürlich habe ich meinen Plan nicht in die Tat umgesetzt. Aber die Zwille hab ich schon gefunden…

Prompt hat der Vogel sich auf wundersame Weise heute morgen nicht zu Wort gemeldet und ich hab gleich rabemal gehörig verschlafen, weil mich der Kreischvogel heute morgen nicht geweckt hat. Danke mal dafür.

Dann hab ich mir gedacht, gehst mal in die Arbeit und die beiden tumben Gesellen waren heute auch relativ leise, bis ich heute Nachmittag das Fenster geöffnet habe.

Das war er wiedder der verfickte Kreischvogel-Drecksbastard sitzt jetzt in der Arbeit vor dem Fenster und schreit sich die Seele aus der Kehle. Grr.

Kann ja jetzt schlecht in der Arbeit mit der Steinschleuder auf den Drecksvogel schießen, außerdem liegt die Zwille auch zuhause vor dem Fenster, dass er sie gut sehen kann.

Ich werde ihn zu einem bayrischen Brathuhn verarbeiten, wenn ich ihn erwische oder noch richtig wahnsinnig wenn ich ihn nicht erwische…

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