Rätien – Winter 230 – Brief vom Senator

Rätien – Winter 230

Brief vom Senator

800PX-~1Nach einigen Wochen Winterkälte und Schneegestöber, kam wieder ein Reiter beim Tor herein. Der Optio war mit einigen Benefiziarier draußen unterwegs, um die Straße von den größten Schneeverwehungen zu befreien, während die Legionäre den Graben um den Burgus freischaufelten. Es wäre ein gefundenes Fressen für die Alemannen in das kleine Kastell zu gelangen, wenn die Schneeverwehungen bis über den Rand der Mauer reichen würden.

Es war bereits dunkel geworden als der Optio wieder im Burgus ankam und er wurde gleich zum Centurio gerufen. Sein Mantel war steifgefroren und er könnte weder seine Finger noch seine Zehen spüren, als er die Amtsstube des Centurio betrat.

‘Komm rein und setz dich!’ meinte der Centurio und blickte Roar an, der ihm gerade einen heißen Tee eingegossen hatte.

Roar stellte dem Optio einen Becher hin und goss ihm auch heißen Tee ein, bevor er den Raum verließ.

‘Ein Reiter hat uns einen Brief vom Senator gebracht!’ berichtete der Centurio. ‘Ich will die Worte des Senators gar nicht vorlesen, weil ich es mir weder mit der Pferdeherrin, noch mit allen anderen Göttern verscheißen will, aber ich habe ein Anliegen an dich:’

‘Ja, mein Centurio!’

‘Sorge dafür, dass die Herrin der Quelle ein Kind empfängt.’

‘Bitte was?’

‘Du hast mich schon verstanden!’

‘Der Senator würde sie nicht als Schwiegertochter wollen, wenn sie von den Alemannen geschwängert worden wäre!’

Der Optio blickte seinen Centurio fassungslos an.

‘Nicht dass du nicht jede Nacht bei ihr liegen würdest, dann könntest du sie ja auch vögeln!’

‘Wenn der Centurio es erlaubt, würde ich jetzt gerne gehen!’

Der Centurio nickte unmerklich und fuhr fort: ‘Ich erwarte einen ausführlichen Bericht!’

Der Optio stand wortlos auf, drehte sich um und ging festen Schrittes aus der Amtstube.

Der Centurio blickte auf den Brief des Senators und las nochmal die Stelle, die seinen Entschluss gefestigt hatte, ‘…Es wäre ja nicht tragbar, wenn sie einen alemannischen Bastard in mein Haus bringen würde. Auf so eine Mitgift kann ein Mann meines Standes gerne verzichten. Tut das Nötigste dies abzustellen, ohne jedoch ihre Kraft zu gefährden. Kein normal denkender Römer würde die Pferdeherrin gegen sich aufbringen wollen, nur wegen der Tochter eines einfachen Soldaten…’  dass ihn der Senator mal kreuzweise an seinem haarigen Hintern lecken könne. Mit einer lässigen Bewegung hielt er den Brief des Senator über die Flamme einer Öllampe, stand dann auf und trug den brennenden Brief zu einer der Kohleschalen hinüber. Er behielt den Brief solange in der Hand, bis man keine der gotteslästerlichen Worte des Senators mehr lesen konnte, dann lies er den Brief in die Glut fallen. Kurz stand er noch da und blickte in die Flammen, bevor er wieder zu seinem Tisch ging und sich in seinen Stuhl fallen lies. Seufzend nahm er sich ein Stück Pergament und fing an einen Brief an den Senator zu schreiben.

Als der Optio die Räume des Gästetrakts betrat, saß Valeria mit den drei Spähern vor einer Kohleschale und sie unterhielten sich, bis sich der Optio räusperte. Roar verschwand augenblicklich und die beiden anderen gingen erst, als der Optio sie eindringlich anblickte.

‘Was betrübt dich denn?’ fragte Valeria, als sie seinen Gesichtsausdruck gedeutet hatte.

‘Der Centurio möchte gerne, dass ich dir ein Kind mache!’

Sie lächelte ihn wissend an und strich sich dabei über den Bauch.

‘Weil dich der Senator dich nicht mehr haben wollen würde, wenn du einen Bastard unter dem Herzen tragen würdest.’

‘Ach, das stand in dem Brief!’

‘Du weißt davon?’

‘Ich weiß nur, dass heute ein Botenreiter gekommen ist.’

‘Der Centurio möchte, dass ich mit dir Liebe mache!’

‘Nicht dass wir es nicht fast jede Nacht täten…!’ grinste Valeria und stand auf, um sich vom Centurio zum Bett begleiten zu lassen.

 

Fortsetzung folgt…

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