Rätien – Winter 230 – Ausgewaschen

Rätien – Winter 230

Ausgewaschen

800PX-~1Es vergingen Stunden ehe der Centurio wieder in seine Räumlichkeiten trat und die Herrin der Quelle schien immer noch summend die vergiftete Pfeilwunde auszuwaschen. Auf dem Boden hatte sich bereits eine blutige Pfütze um einen Berg mit blutigen Lumpen ausgebreitet. Sie blickte nur kurz auf und erblickte den Centurio, wie er blutüberströmt im Türbogen stand.

Kjeld tauchte hinter ihm auf. Er hatte eine Schüssel mit Wasser und frische Tücher dabei.

‘Herr, seid Ihr verletzt?’ fragte Kjeld.

‘Nein, Kjeld!’ flüsterte der Centurio, blickte kurz an sich herunter, als wolle er sich vergewissern, dass er wirklich nicht verletzt war. Zögernd schritt er doch in den Raum, um dem Jungen Platz zu machen. Kjeld stellte die Schüssel an die Stelle, wo sonst immer die Waschschüssel des Centurio stand. Erst dann ging er zum Bett und legte die sauberen Tücher ab. Er nahm die blutigen Lumpen und wand sie in der Waschschüssel aus, die noch am Boden stand. Vergebens versuchte er den Boden trocken zu wischen, gab es irgendwann auf, stand mit der mit blutigen Lumpen überfüllten Waschschüssel auf und verschwand wieder.

Der Centurio hatte seine Rüstung bereits alleine ausgezogen und stand nackt vor der Waschschüssel und wusch sich, als Kjeld mit noch mehr Lumpen bewaffnet und frischen Wasser erneut durch die Tür kam.

Er kniete sich vors Bett und wischte den Boden so sauber es ging, dann blickte er auf, sagte aber nichts.

‘Kjeld, mach dir keine Sorgen! Er kommt schon durch. Die Pferdeherrin lässt euch Drei erst aus ihrem Dienst, wenn eure Zeit gekommen ist und dass wird nicht jetzt sein und auch nicht morgen.’ flüsterte die Herrin der Quelle ihm zu. ‘Ich möchte ihm einen Kräuterumschlag machen und etwas von dem Mohnsaft, bevor er aufwacht.’

Kjeld nickte zufrieden und ging ihr zur Hand. Die Beiden arbeiteten stumm Hand in Hand, während der Centurio sich wieder ankleidete, allen Anschein war er nicht wirklich verletzt. Die üblichen Schrammen und blauen Flecken. Unruhe trieb ihn um, er wollte die Herrin der Quelle in Ruhe arbeiten lassen, aber er wollte auch nicht gehen. Wie ein ungeduldiger Bengel, von einem Bein zum Anderen tretend, drehte der Centurio sich fahrig zu ihnen um, er wusste nicht wohin mit seinen Händen. In seinem Kopf tobte noch die Schlacht, seine Finger zitterten und sein Verstand pochte ihm von Innen gegen die Stirn. Doch die Schwere seines Herzens lies ihn an Ort und Stelle verweilen und zu dem verletzten Roar hinüber blicken. Inständig schickte er das ein oder andere Stoßgebet zu den Göttern. Er hatte nie viel gebetet, eher im Namen der Götter geflucht, aber für diesen Burschen würde er seinen Schwertarm den Göttern geben.

Bei den Göttern, er war der Centurio, er könnte sein wo er wollte, er musste niemanden Rechenschaft abgeben, außer den Göttern vielleicht. Und doch stellte er sich grad an wie der letzte Narr.

‘Kann ich was helfen, im Lazarett bin ich nur im Weg!’ stammelte er kleinlaut.

Die Herrin der Quelle blickte auf und lächelte. Sie sagte aber nichts, da plötzlich der Optio in der Tür aufgetaucht war. Alle blickten gleichzeitig auf ihn, denn auch er stand blutüberströmt im Türbogen. Er hielt sich seinen Hals und röchelte. ‘Ist nur ein Kratzer! Ich wollt nur sehen wie es Roar geht!’

‘Kjeld, geh mit ihm und versorge seine Wunde. Holt mich wenn ihr mich braucht. Beim Verbinden kann mir auch der Centurio helfen.’

‘Ja, Herrin!’ rief Kjeld und sprang auf. Valeria blickte ihn finster hinterher und schüttelte unmerklich den Kopf. Dann wand sie sich an den Centurio. ‚Könnt Ihr hin ein Wenig aufheben, damit ich den Verband befestigen kann?‘

Er nickte nur, kniete sich vor sein Bett und hob den Oberkörper seines treuen Gefährten vorsichtig auf. Sie bemerkte, dass seine Hände zitierten und berührte kurz seinen Arm.

‘Es ist jetzt nicht an der Zeit dem bösen Geist Euer Krankheit wieder die Oberhand zu überlassen.’ flüsterte sie ihm eindringlich zu.

Er seufzte nur schwer und versucht inständig seine Hände wieder unter Kontrolle zu bekommen, was ihm nur bedingt gelang.

Mit einem honigsüßen Lächeln auf den Lippen küsste sie dem Centurio auf die Stirn und meinte dann mit einem schelmischen Schmunzeln: ‚Ich hätte nicht gedacht, dass Euch das Schicksal dieses jungen Mannes so bewegt, wo Ihr gerade noch, wie schon unzählige Male davor, in der blutigen Schlacht gekämpft habt.‘

‚Bei Junos Titten. Venus und Mars belieben mit mir armen Narren zu spielen. Jeden Tag, immer wieder aufs Neue!‘

Während die Herrin der Quelle begann den Verband anzulegen, grinste sie den Centurio wieder an und meinte dann trocken: ‚Ihr solltet vielleicht einfach weniger fluchen, werter Centurio!‘

‚Da habt Ihr wahrscheinlich sogar recht, werte Herrin der Quelle!‘ rief der Centurio lauter als er es wollte.

‘Aber eines muss ich Euch jetzt schon mal sagen, an Euch ist wirklich eine hervorragende…!’ witzelte Valeria, wurde dann aber mitten im Satz von Roar unterbrochen, dem plötzlich ein schmerzverzerrter Ton aus der Kehle stolperte und reflexartig versuchte sich aus dem Griff des Centurio zu entwinden.

‚Sch…sch…Roar… Lass die Herrin der Quelle arbeiten.‘ raunzte der Centurio Roar ins Ohr und der Junge reagierte auf die tiefe Stimme seines Herren, indem er ihm den Kopf zu drehte und langsam die Augen öffnete.

Fortsetzung folgt…

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