Rätien – Winter 230 – Im Fieber

Rätien – Winter 230

Im Fieber

800PX-~1Es dauerte einen Moment bis Roar halbwegs bei Sinnen war, er öffnete den Mund und nach einem ziemlich langen Moment krächzte er: ‚Herr, hab ich Euch Schade gemacht!‘

‚Nein Roar, du bist scheinbar nicht kaputt zu kriegen.‘ versicherte ihm sein Centurio lächelnd.

‘Ja, es ist nicht deine Bestimmung im Bett des Centurio zu sterben.’ flüsterte Valeria in dem Moment als sie mit dem Verband fertig wurde.

Sie bedeckte liebevoll seine Blöße und meinte dann: ‚Ich hab dir Mohnsaft gegeben, gegen die Schmerzen.‘

Es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, das er, von dem Verband und der Decke mal abgesehen, splitterfasernackt war, was ihm ohne Umschweife die Schamesröte ins Gesicht trieb. Wie zu einer Salzsäule erstarrt blickte er sie an und sein Verstand driftete einen Moment in eine andere Welt ab.

Im nächsten Moment war er wieder völlig wach und er flüsterte dem Centurio zu, während er einerseits versuchte, sich die Decke bis zum Kinn hochzuziehen und anderseits den Kopf des Centurio näher zu seinem Mund zu ziehen. Dann begann er so leise zu flüstern, dass selbst der Centurio ihn kaum verstand, obwohl er die trockenen Lippen seines Gefährten an seinem Ohr spüren konnte. ’…würd gern was anziehen…doch nicht nackt sein… die Eponageweihte im Raum ist!’

‘Dein Bruder bringt dir bestimmt bald was zum Anziehen.’ meinte der Centurio sanft zu ihm und half ihm dabei, sich von der Herrin der Quelle wegzudrehen.

‘Er muss viel Trinken!’ meinte sie und goss einen Becher mit Tee ein und fuhr dann fort: ‘Ich geh mal Schnee holen, damit wir kalte Wickel machen können, bevor das Fieber ihn völlig im Griff hat!’ rief Valeria, drückte dem Centurio einen eiskalten nassen Lappen in die Hand und ging dann mit der Waschschüssel raus. Während der Centurio dem Jungen liebevoll mit dem kalten Lappen über die Stirn strich, half er ihm ein Bisschen hoch.

‘Ihr seid böse mit mir?’ stammelte Roar und lehnte sich kraftlos gegen den Oberschenkel seines Herren.

‘Nein, du hast uns nur ein Bisschen Angst gemacht.’

‘Ich werde nicht sterben!’ sagte Roar mit ruhiger und fester Stimme.

‘Was macht dich da so sicher?’ fragte der Centurio, hielt ihm den Becher hin und half ihm beim Trinken.

‘Die Pferdeherrin hat mit mir gesprochen!’ verkündete Roar zwischen zwei Schlucken.

‘Ich weiß, es ist nicht deine Bestimmung in meinem Bett zu sterben!’

Roar griff zitternd nach dem Becher, den der Centurio immer noch in Händen hielt, um ihm Schluck für Schluck beim Trinken zu helfen. Beim letzten Schluck sackte Roar weg und blieb für einen Moment regungslos auf dem Schoss seines Herren liegen. Bevor der letzte Schluck auf seiner Hose landete, wischte der Centurio über den Mund seines treuen Gefährten.

‘Ich werde nicht sterben, ich kann Euch doch nicht verlassen, Dominus!’

‘Ich werd dich nie fortschicken, wenn du bleiben willst!’

Roar öffnete wieder die Augen und flüsterte weiter: ‘Ich würde nicht von Euch fortgehen, selbst nicht wenn der Adler fällt.’

‘Und was ist mit deiner Bestimmung?’

‘Die ist verbunden, mit Eurer!

‘Langsam machst du mir Angst!’

‘Das muss es nicht!’

Die Herrin der Quelle stand schon eine Weile in der Tür und grinste breit: ‚Er fantasiert schon?‘

‚Nein, die Pferdeherrin hat zu mir gesprochen!‘

Während sie mit der Schüssel voll Schnee näher ans Bett trat, murmelte sie mehr ins hinein, als zu den beiden Anwesenden: ‚Ich hätte ihm nicht so viel von dem Mohnsaft geben dürfen, am Ende meint er noch er wäre Cäsar höchst persönlich.‘

Ohne Umschweife schlug sie die Decke zurück und machte ihm kalte Wickel. Ihre Technik kalte Wickel zu machen war so raffiniert, dass der Centurio wie gebannt auf sie starrte, während sie mit Hilfe zweier Tücher den Schnee in den Wadenwickel einrollte und nach Vollendung ihrer Arbeit die Decke wieder zurück schlug.

Roar war mittlerweile völlig weggetreten. Während sie seine Wangen tätschelte, redete sie auf ihn ein: ‚Das Gift wird dich heute Nacht in die Fänge der Unterwelt treiben lassen. Doch Dis wird dich nicht bekommen, hörst du?‘

Dann blickte sie den Centurio besorgt an. ‚Traut Ihr Euch zu, allein die Wickel zu wechseln, wenn der Schnee geschmolzen ist?‘

Der Centurio nickte und versuchte irgendwie zu lächeln. Nachdem es ihm nicht gelang, fuhr er sich mit einer fahrigen Handbewegung über den Mund und sie bemerkte wieder seine zitternden Finger.

‚Ich schau nochmal vorbei und ich schick euch noch einen Trank, Centurio! Noch einen mehr zum Versorgen, brauch ich wirklich nicht.‘

‚Ja,  Domina!‘ grinste er sie an, wurde dann aber sofort wieder ernst, als er fortfuhr: ‚Ich bemühe mich, nicht noch zusätzliche Sorgen zu bereiten!‘

Sie zog nur eine Augenbraue hoch, als sie kopfschüttelnd aufstand und ging.

Fortsetzung folgt…

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