Regen im August – Teil 3

Regen im August – Teil 3

nebelNach einer gefühlten halben Stunde Fußmarsch im Platzregen, kamen sie endlich völlig durchnässt an Mathilda’s Wohnung an. Severin zog seine Schuhe vor der Tür aus und trat nach ihr in die Wohnung und das Erste was er tat, er lehnte seinen Stenz in eine Ecke neben der Haustür, genauso wie es Hans Kupfer immer getan hatte.

Mit einem unguten Gefühl in der Magengrübe bugsierte sie ihn ins Badezimmer und meinte noch: ‘Handtücher sind im Regal. Schmeißen Sie einfach alles in den Wäschekorb, ich muss eh noch Waschen!’

Sie überließ ihm das Badezimmer und ging in ihr Schlafzimmer, um sich trockene Klamotten anzuziehen und ging dann in die Küche, um irgendwas zu Essen zu zaubern.

Nach einer Weile hörte sie die Badezimmertür und Severin tauchte in der Küchentür auf. Sie stand am Herd, von Kopf bis Fuß in Wolle gekleidet, mit einer Schürze um die Hüften und rührte in einem Topf, aus dem es nach einer deftigen Suppe roch. Er hatte ihren Hello-Kitty-Bademantel an, der ihm obenrum viel zu klein war und lehnte sich lässig an den Türrahmen.

Sie lächelte verschmitzt, als sie ihn in ihrem Bademantel erblickte, drückte ihm aber erstmal eine Tasse heißen Tee in die Hand, bevor sie etwas sagte: ‘Ich hab bestimmt noch was zum Anziehen für Sie!’

‘Steht mir der Bademantel nicht?’ fragte er, drehte sich ein Wenig und musste dann selbst lachen.

‘Nein, mein Hello-Kitty-Bademantel sieht bei Ihnen irgendwie echt…!’ grinste sie und räusperte sich, bevor sie fortfuhr. ‘Sorry, echt schwul aus…!’

‘Tut mir leid, aber alle meine Sachen sind mehr als durch…!’ meinte er entschuldigend.

‘Rühren Sie mal weiter, ich such was zum Anziehen.’ meinte sie und drückte ihm den Kochlöffel in die Hand, bevor sie aus der Küche verschwand.

Nach einer Weile kam sie wieder und meinte seufzend: ‘Das machts wahrscheinlich nicht besser!’ und drückte ihm eine pinke Jogginghose und ein T-Shirt in die Hand, auf dem ein niedlicher Pinguin aufgedruckt war.

Grinsend nahm er die Sachen entgegen und überlies ihr wieder den Herd. Wenig später kam er wieder und meinte: ‘Ich kann einfach alles tragen, oder?’

Sie musste sich wirklich das Lachen verkneifen. Die Jogginhose war viel zu eng und das T-Shirt ging ihm genau bis zum Bauchnabel.

‘Es ist besser, wenn Sie damit nicht vor die Tür gehen, ich bin mir nicht sicher, ob ich noch ins Gerede komme, wenn meine Nachbarn Sie so sehen.’

‘Sagen Sie einfach ich bin ihr schwuler Bruder!’

‘Ich glaub, dass machts nicht besser, wir sind hier auf dem Land.’

‘Hm, dann muss ich wohl nackt vor die Tür und meine Schuhe holen.’ meinte er und machte Anstalten sein T-Shirt ausziehen zu wollen.

‘Ich schlag Ihnen einen Deal vor, ich hol die Schuhe und sie Decken den Tisch.’ sagte sie strenger als sie es gemeint hatte und drückte ihm das Geschirr in die Hand.

Er ging ins Wohnzimmer und fragte: ‘Welcher Tisch?’

‘Den Couchtisch!’ rief sie vom Gang her, bevor sie mit seinen Schuhen und einer Zeitung bewaffnet wieder ins Wohnzimmer kam.

Er kam ihr entgegen und nahm ihr die Schuhe ab, worauf sie wieder in der Küche verschwand. Wenig später kam sie mit der Suppe und einem Körbchen Brot wieder herein und er nahm ihr blitzschnell das Brot ab und machte ihr den Weg frei zum Couchtisch. Beim Essen redeten sie kaum. Er war sich nicht sicher, aber sie schien ihm irgendwie traurig und er fühlte sich, als würde er sie irgendwie stören. Anderseits, saß er hier erstmal fest, bis seine Jacke trocken war und das konnte dauern.

Irgendwann brach er das Schweigen: ‘Ich müsst meine Jacke noch ausräumen, bevor noch alle meine Sache durchweichen!’

‘Ich hab sie im Schlafzimmer aufgehängt.’ meinte sie kurz und stand mit ihm auf, um ihm ein Körbchen für seine Sachen zu geben.

Er schien nur einen Moment nicht im Zimmer gewesen zu sein, doch als er wieder kam, war sie auf dem Sofa eingeschlafen. Liebevoll deckte er sie zu und betrachtete sie eine Weile. Selbst im Schlaf schien sie traurig zu sein. Er wollte sie auf keinen Fall wecken, also räumte er so leise wie möglich das Geschirr ab, räumte die Küche auf und spülte das schmutzige Geschirr. Als er wieder kam, schlief sie immer noch tief und fest, also ging er ins Bad. Er hing die Klamotten auf, die nicht gewaschen werden mussten. Dann sammelte ihre nassen Sachen zusammen und hängte auch diese auf. Heldenhaft versuchte er sich an der Waschmaschine, mit Erfolg. An ihm war scheinbar wirklich ein Hausmann verloren gegangen, dachte er sich, als er stolz auf die laufende Waschmaschine blickte.

Irgendwie gab es jetzt nichts mehr zu tun für ihn, also ging er wieder ins Wohnzimmer. Er schnappte sich ein Buch aus ihrem Regal, setzte sich in ihren Lesesessel und schmöckerte in den gesammelten Werken von Shakespeare, bis er ebenfalls einschlief.

Als die Waschmaschine in den Schleudergang wechselte wurden beide schlagartig wach. Sie blickten sich erschrocken an, doch als die Waschmaschine mit dem Abpumpen begann flog ein kleines Lächeln über ihr Gesicht.

‘Ich wollt Sie vorhin nicht wecken!’ meinte er gähnend.

Sie stand taumelnd auf, blickte auf die Uhr, es war schon spät und ging ins Schlafzimmer, um wenig später mit Bettzeugs bewaffnet wieder zurück zu kommen.

‘Brauchen Sie noch irgendwas?’ fragte sie und gähnte ebenfalls.

‘Nein, das schaffe ich schon.’ meinte er und nahm das Bettzeug entgegen. Sie nickte kurz und stolperte weiter ins Bad. Als sie wieder kam, hatte er das T-Shirt ausgezogen und war im Begriff das Bettlacken übers Sofa zu legen. Sie lies ihren Blick über seinen Körper wandern, wie er mit seiner körperlichen Gewalt mit dem Bettlaken rang.

Sie biss sich auf die Zunge, um sich einen blöden Kommentar zu verkneifen und blickte ihm noch eine Weile an, bevor sie meinte: ‘Eine angenehme Nachtruhe wünsch ich dann!’

‘Soll ich die Wäsche noch aufhängen?’ fragte er.

‘Ähm, ja. Der Wäscheständer ist im Schlafzimmer.’  flüsterte sie und trottete schlaftrunken ins Schlafzimmer.

Er folgte ihr und schob den Wäscheständer ins Wohnzimmer, lies die Tür zum Schlafzimmer einen Spalt offen und ging dann ins Bad, um die Wäsche zu holen.

Das bisschen Haushalt, ist doch kein Problem, dachte er sich, als er sich völlig fertig auf dem Sofa nieder lies.

Regen im August – Teil 2

Regen im August – Teil 2

4408698Im Augenwinkel bemerkte sie etwas oder jemanden der sich in der Bushaltestelle bewegte. Der jenige Welche drückte sie gegen die Rückwand des Bushäuschens, um dem Regen auszuweichen und drehte sie dann wieder in das karge, flackernde Licht der Bushaltestellenbeleuchtung.

Ihr blieb fast das Herz stehen, als sie ihn erkannte und doch blieb sie stehen, weil an dem Bild irgendwas nicht stimmte. Sie traute sich nicht recht näher zu gehen und aber sie wollte es wissen, ob er es wirklich war, oder ob ihre Sehnsucht ihr nur einen Streich gespielt hatte.

Ihr zögern brachte den Jemand dazu sich in ihre Richtung zu bewegen und erst als er vor ihr stand und mit ihr zu reden schien, bemerkte sie, dass sie sich die nasse Zeitung mit der Hand ans Herz gedrückt hatte und wie zu einer Salzsäule erstarrt völlig bewegungsunfähig im Regen stand.

‘Geht es Ihnen gut, kann ich Ihnen helfen? Hab ich Sie etwa erschreckt, dass wollt ich nicht!’ redete der Jemand auf sie ein und nachdem es eindeutig nicht Hans Kupfer war, starrte sie ihn fassungslos an. Die Tränen, die ihr aus den Augen schossen, vermischten sich augenblicklich mit den Regentropfen, die ohnehin schon über ihr Gesicht liefen, so dass ihr Gegenüber es erstmal nicht bemerkte, dass sie weinte.

Aufgrund der Tatsache, dass sie beide im strömenden Regen standen, schob er sie einfach in das Bushäuschen und nahm ihr vorsichtig die durchweichte Zeitung ab, die sie immer noch in der Hand hielt.

‘Die wollen Sie doch bestimmt nicht mehr lesen, oder?’ meinte der junge Mann, der auf den ersten Blick als Wandergeselle zu erkennen war, wenn auch auf den zweiten Blick nicht als Zimmermann.

‘Severin von Holzen mein Name, Metall ist mein Gewerk und gerade heute frage ich mich, warum ich nicht besser zu Hause geblieben bin, aber dann hätte ich Sie nicht retten dürfen.‘ meinte der junge Mann in einem melodischen Singsang.

Sie machte eine kurze Bewegung und griff ihm an den Saum der Jacke, legte den Saum für einen Moment um und blickte wie versteinert auf den blauen Stoff. Sie schluckte schwer an dem Klos in ihrem Hals, bevor ihre Stimme wieder zu sprechen vermag.

‘Metall, deshalb ist sie blau, eure Kluft!?’ flüsterte sie mehr in sich hinein, als zu ihm. Doch er verstand sie, lächelte sie an und blickte trotz seinem ansteckenden Lächeln etwas streng auf ihre Hand. Sie lies blitzschnell vom Jackensaum ab und stolperte einen Schritt zurück.

‘Tut mir leid, ich wollte Ihnen nicht zu Nahe treten.’ stammelte sie und kam ins Straucheln.

Er setzte ihr nach und hielt sie fest, bevor sie über seinen Stenz stürzen konnte, den er gegen die Sitzbank gelehnt hatte.

‘Doch muss ich Ihnen zu Nahe treten, werte…!’ meinte er kurz und stellt sie wieder auf ihre Beine.

‘Mathilda!’ flüsterte sie verschmitzt.

‘Ja, Mathilda, wie kann es anders sein. Sie schickt mich fort, über Stock und über Stein in die weite Welt hinein und wie kann es anders sein, war sie doch immer hier… Barfuß auf dem nassen Asphalt, die fleischgewordene Mathilda.’ rief er gegen den Regen an, der immer stärker zu werden schien und machte dann eine lange Verbeugung, bei der er seinen Hut zog.

Sie stand nur zitternd vor ihm und wunderte sich schon nicht mehr. War sie die Reaktion auf ihren Namen doch schon gewohnt.

Er blickte sie noch eine Weile an, zog dann einfach seine Jacke aus und legte sie über ihre Schultern.

‘Ihre Bluse ist leicht durchsichtig vom Regen… Ziehen Sie meine Jacke an, bevor Sie mir noch eine Knallen…!’ meinte er und blickte unweigerlich auf ihre vom Regen durchsichtige Bluse.

Sie blickte nach unten und quietschte kurz auf, bevor sie in die Jacke schlüpfte.

Das Gewicht der nassen Jacke zog sie schier zu Boden und trotz der Anstrengung aufrecht stehenzubleiben, keuchte sie ein: ‘Danke!’ hervor.

Nach kurzem betretenen Schweigen, meinte sie: ‘Heute kommt fei kein Bus mehr.’

‘Oh, dass ist blöd!’

‘Wo müssen Sie denn hin?’

‘Eigentlich wieder auf die Straße, aber einen nassen Hund nimmer keiner mit!’

‘Ich wohn hier im Ort.’ meinte sie und machte eine einladende Handbewegung.

‘Wie kann ich da nein sagen, werte Mathilda.’ meinte er und hielt ihr den Arm hin.

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