Regen im August – Teil 2

Regen im August – Teil 2

4408698Im Augenwinkel bemerkte sie etwas oder jemanden der sich in der Bushaltestelle bewegte. Der jenige Welche drückte sie gegen die Rückwand des Bushäuschens, um dem Regen auszuweichen und drehte sie dann wieder in das karge, flackernde Licht der Bushaltestellenbeleuchtung.

Ihr blieb fast das Herz stehen, als sie ihn erkannte und doch blieb sie stehen, weil an dem Bild irgendwas nicht stimmte. Sie traute sich nicht recht näher zu gehen und aber sie wollte es wissen, ob er es wirklich war, oder ob ihre Sehnsucht ihr nur einen Streich gespielt hatte.

Ihr zögern brachte den Jemand dazu sich in ihre Richtung zu bewegen und erst als er vor ihr stand und mit ihr zu reden schien, bemerkte sie, dass sie sich die nasse Zeitung mit der Hand ans Herz gedrückt hatte und wie zu einer Salzsäule erstarrt völlig bewegungsunfähig im Regen stand.

‘Geht es Ihnen gut, kann ich Ihnen helfen? Hab ich Sie etwa erschreckt, dass wollt ich nicht!’ redete der Jemand auf sie ein und nachdem es eindeutig nicht Hans Kupfer war, starrte sie ihn fassungslos an. Die Tränen, die ihr aus den Augen schossen, vermischten sich augenblicklich mit den Regentropfen, die ohnehin schon über ihr Gesicht liefen, so dass ihr Gegenüber es erstmal nicht bemerkte, dass sie weinte.

Aufgrund der Tatsache, dass sie beide im strömenden Regen standen, schob er sie einfach in das Bushäuschen und nahm ihr vorsichtig die durchweichte Zeitung ab, die sie immer noch in der Hand hielt.

‘Die wollen Sie doch bestimmt nicht mehr lesen, oder?’ meinte der junge Mann, der auf den ersten Blick als Wandergeselle zu erkennen war, wenn auch auf den zweiten Blick nicht als Zimmermann.

‘Severin von Holzen mein Name, Metall ist mein Gewerk und gerade heute frage ich mich, warum ich nicht besser zu Hause geblieben bin, aber dann hätte ich Sie nicht retten dürfen.‘ meinte der junge Mann in einem melodischen Singsang.

Sie machte eine kurze Bewegung und griff ihm an den Saum der Jacke, legte den Saum für einen Moment um und blickte wie versteinert auf den blauen Stoff. Sie schluckte schwer an dem Klos in ihrem Hals, bevor ihre Stimme wieder zu sprechen vermag.

‘Metall, deshalb ist sie blau, eure Kluft!?’ flüsterte sie mehr in sich hinein, als zu ihm. Doch er verstand sie, lächelte sie an und blickte trotz seinem ansteckenden Lächeln etwas streng auf ihre Hand. Sie lies blitzschnell vom Jackensaum ab und stolperte einen Schritt zurück.

‘Tut mir leid, ich wollte Ihnen nicht zu Nahe treten.’ stammelte sie und kam ins Straucheln.

Er setzte ihr nach und hielt sie fest, bevor sie über seinen Stenz stürzen konnte, den er gegen die Sitzbank gelehnt hatte.

‘Doch muss ich Ihnen zu Nahe treten, werte…!’ meinte er kurz und stellt sie wieder auf ihre Beine.

‘Mathilda!’ flüsterte sie verschmitzt.

‘Ja, Mathilda, wie kann es anders sein. Sie schickt mich fort, über Stock und über Stein in die weite Welt hinein und wie kann es anders sein, war sie doch immer hier… Barfuß auf dem nassen Asphalt, die fleischgewordene Mathilda.’ rief er gegen den Regen an, der immer stärker zu werden schien und machte dann eine lange Verbeugung, bei der er seinen Hut zog.

Sie stand nur zitternd vor ihm und wunderte sich schon nicht mehr. War sie die Reaktion auf ihren Namen doch schon gewohnt.

Er blickte sie noch eine Weile an, zog dann einfach seine Jacke aus und legte sie über ihre Schultern.

‘Ihre Bluse ist leicht durchsichtig vom Regen… Ziehen Sie meine Jacke an, bevor Sie mir noch eine Knallen…!’ meinte er und blickte unweigerlich auf ihre vom Regen durchsichtige Bluse.

Sie blickte nach unten und quietschte kurz auf, bevor sie in die Jacke schlüpfte.

Das Gewicht der nassen Jacke zog sie schier zu Boden und trotz der Anstrengung aufrecht stehenzubleiben, keuchte sie ein: ‘Danke!’ hervor.

Nach kurzem betretenen Schweigen, meinte sie: ‘Heute kommt fei kein Bus mehr.’

‘Oh, dass ist blöd!’

‘Wo müssen Sie denn hin?’

‘Eigentlich wieder auf die Straße, aber einen nassen Hund nimmer keiner mit!’

‘Ich wohn hier im Ort.’ meinte sie und machte eine einladende Handbewegung.

‘Wie kann ich da nein sagen, werte Mathilda.’ meinte er und hielt ihr den Arm hin.

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