Safe and Sound

Durch die dunklen Straßen gehen. Den Kragen hochgeschlagen, den Schal eng um den Hals gewickelt. Der Weg ist gleichgültig. Vertieft in die Erinnerung, an das was war, in dieser kalten Winternacht…

Wie einfach war es für dich. Du wolltest mit den Wölfen heulen, ein Stück der Freiheit kosten, sehen ob es noch etwas anderes gibt. Einer stillen Sehnsucht folgen, die Unruhe stillen. Die Frage beantworten, gibt es noch mehr? Hast dich auf den Weg gemacht, in die verschneiten Straßen, in die bitter kalte Nacht. Auf der Suche nach etwas von dem du nicht wusstest, ob es wirklich existiert. Rastlos.

Heute laufe ich wieder durch diese Straßen. Mein Blick ist getrübt von Erinnerungen. Es ist mitten in der Nacht. Alles ist noch so vertraut. Meine Füße lenken mich in deine Gegend, ein letztes Mal. Zurück…

Du hattest mit den Wölfen geheult. Du hattest ein Stück der Freiheit gekostet. Der Preis war hoch, doch du warst bereit. Wie einfach es gewesen sein muss, ohne zu zahlen zu gehen. Nicht links, nicht rechts. War doch alles bedeutungslos. Wolltest du doch einfach nur sehen was passiert.

Ich weiß noch wie mein Herz klopfte, als du mir in dieser einen Nacht geschrieben hast. Ich weiß noch wie die Raben krächzten und die Sonne mir den Rücken wärmte, als ich wartete. Ich weiß noch wie wir dort saßen, in dem Licht durchfluteten Raum. Um uns so viele Menschen. Ein warmer Blick, ein flüchtiges Lächeln. Ein letztes Getränk und der Traum von gemeinsamen Reisen.

Du hast dich kopflos in all das gestürzt. Hast nicht einmal darüber nachgedacht. Einfach nur von einem anderen Teller kosten. Einem „vielleicht“ hinterher rennen, denn das zu Hause bleibt sicher.

Ich steh in deiner Straße, steh vor deinem Fenster. Ich vertraute dir, dann bot ich dir an zu gehen. Du hieltest mich zurück. Monatelang.

Es ist so still in der Finsternis und klirrend kalt. Doch ich spüre die Kälte nicht. Ich schaue nach oben, während die Erinnerung mich zerfrisst. Das Inferno tobt noch immer in mir. All die Dinge die du sagtest, all die Dinge die du getan hast. An erster Stelle kamst immer du. Alle Versprechen hast du gebrochen, auch dein letztes. Dein Leben bleibt wie es war, während du mich zertrümmert hast.

Und dann bist du zurück gekehrt. Heim. Hast alles hinter dir gelassen, als wäre nie etwas gewesen. Hast dein Leben dort wo du es fallen gelassen hattest einfach wieder aufgenommen… Getan als wär nie etwas passiert. Deine Heimat genossen und das Trümmerfeld hinter dir ignoriert.

Keine Tränen in den Augen, ich bin des Weinens müde. Nur das Zittern lässt nicht nach. Mein Körper ist Sprachrohr meines Innersten. All dem was in mir tobt. Nichts ist mehr wie es mal war. Ich hab mich gefangen. Ich funktioniere. Die Tränen sind lange versiegt. Nur Nähe. Nähe kann ich nicht mehr. Von dir habe ich gelernt wie gedankenlos alles ist. Vertrauen ist ein gefährlicher Ratgeber, wenn der Empfänger nicht bereit ist, die Rechnung zu zahlen.

Und die Lügen verließen deinen Mund mit der Leichtigkeit einer lauen Sommernacht. Doch es war Winter und alles was du wolltest, war nicht verantwortlich sein. Du warst nicht schuld. Es waren immer die anderen. Nie du selbst. Alles was du getan hast konntest du vor dir rechtfertigen, war doch bedeutungslos, verletzt doch keinen, wenn es „nur“ ist. Nicht links, nicht rechts sehen. Das ist sicherer, als dir anzusehen, was du alles zerstörst. Kopflos.

Das dunkle Fenster. Dort oben. Das härteste war, zu realisieren, dass nichts ehrlich war. Und seit es wieder Winter ist, kommt alles wieder zurück. All die Erinnerungen die wir geschaffen hatten, werden zu eisigen Nadeln. Ich bin mir sicher du denkst nicht einmal zurück an das was du getan hast. Denn solange es keiner weiß, ist es doch in Ordnung.

Du hast nicht verstanden, warum alles zu Ende war. Warum ich dir komplett den Rücken kehren musste. Wie viel das doch sagt. Das Spielzeug kaputt machen und dennoch behalten. Für dich hörte die Freundschaft nie auf. War ich doch ungemein praktisch. Half dir auf, wenn du gefallen warst. Fand die richtigen Worte, wenn du am Boden warst. Egal wie sehr ich selbst am Ende war. Du hast nie gesehen, wie viel du von mir verlangt hast. Wie viel Kraft du mich gekostet hast. Wie wenig du gegeben hast. Warst du doch in deinem eigenen Leiden gefangen. Nicht links, nicht rechts. Was für ein Luxus entscheiden zu müssen, ob man die eine Sicherheit oder die andere wählt. Und nicht zwischen Hoffnung und Enttäuschung hin und her gebeutelt zu werden. Monatelang.

Ich war nie ein Freund. Ich war etwas das du benutzt hast. Ich drehe mich um, kehre deinem Haus den Rücken. Zurück auf der Straße, allein mit dem Mond. Zurück allein im Dunkeln, irgendwann wird auch die Wut nachlassen. Der Schmerz. Der Verrat. Wieder allein mit nichts als den Trümmern. Dankbar für jene im Schatten, die mit mir laufen…

Callingsanity

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Published in: on 29. November 2014 at 18:53  Schreibe einen Kommentar  

Kam ein Nerd in eine Bar….

Kam ein Nerd in eine Bar…. 

peanutsKam ein Nerd in eine Bar, er trug ein Nerdshirt mit der Police Box aus Dr. Who, setzte sich an den Tresen und bestellte ein Bier.

Hinterm Tresen stand heute eine Frau, sie trug ein viel zu enges Blue Sun Shirt und grinste ihn lächelnd an und stellte ihm ein Augustiner hin.

An der Bar saß ein junges Pärchen und die junge Frau meinte schnippisch: ‘Kriegt man hier auch ein Bier…?’

Die Barkeeperin meinte nur gelangweilt: ‘Augustiner, Tegernseer, Franziskaner, Schneider Weisse, Aventinus, KDL, Astra, Despo, Radler, Becks, Becks Lemon oder Blue?’

Die junge Frau meinte kleinlaut und zickig zu gleich: ‘2 Becks Lemon, Bittäh!’

Die Barkeeperin stellte die beiden Biere hin, nachdem sie diese geöffnet hatte und nuschelte: ‘5,80!’

‘Schatz, kannst du zahlen, ich hab kein Geld dabei!’ trällerte die junge Frau.

Der Typ kramte mürrisch in seinen Hosentaschen herum und legte 6 Euro in Münzen hin und murmelte: ‘Stimmt so!’

Die beiden dackelten in den hinteren Teil der Bar und der Tresen war wieder leer, nur noch der Nerd und die Barkeeperin standen sich vom Tresen getrennt gegenüber.

‘’N Schnaps!’ murmelte der Nerd und trank von seinem Bier. ‘Den Billigen!’

Die Barkeeperin zog eine Flasche mit grüner Flüssigkeit aus dem Regal und drehte sich mit einer erhobenen Augenbraue zum Nerd. ‘Trink nie allein!’ meinte sie kühl und stellte zwei Schnapsgläser auf den Tresen. ‘In deiner Welt ist alles in Ordnung?’ fragte sie, goss die beiden Gläser voll. ‘Prost, Kleiner!’

Er stürzte den Schnaps runter und stellte das leere Stamperl wieder hin. Sie hatte noch gar nicht getrunken. Während er sie erwartungsvoll anblickte, ließ sie sich verdammt viel Zeit, um dann ganz genüsslich die kühle Flüssigkeit die Kehle runterlaufen zu lassen. Dann verzog sie das Gesicht und würgte fast.

Über sein Gesicht zuckte ein kleines Lächeln, er hielt ihr aber dennoch das leere Schnapsglas hin.

‘Boa, wie kannst du die Ekelplörre nur saufen?!’ meinte sie und goss ihm noch ein Stamperl ein.

‘Das Pfefferminzzeuch ist billig und macht schnell blöd.’ meinte er und schüttete sich den Schnaps in den Mund, gurgelte und schluckte. ‘Ist super gegen Zahnschmerzen und macht nen frischen Atem!’

‘Nun zu dir, du hast das selbe Shirt an wie gestern!’ meinte die Barkeeperin und pochte dabei mit den Fingernägeln auf dem Tresen.

‘Ja Mama! Gib mir noch nen Schnaps!’

Sie nahm ihm das leere Glas weg und stellte ihm wenig später ein Größeres hin, dass sie wieder füllte, während sie auf ihn einredete: ‘Ich nehme an, du brauchst erst einen gewissen Pegel, bevor du mir erzählst was du gestern noch mit der Ische getrieben hast, du böser Junge, du.’

‘Ach, die Ische von gestern Nacht! Das kann ich dir auch jetzt erzählen!’ meinte er ziemlich laut, kippte das Stamperl auf Ex, um dann keuchend fortzufahren. ‘Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das Letzte mal nüchtern Sex hatte!’

‘Könnte evtl. daran liegen, dass du dich immer zuschüttest wie ein Seemann auf Landgang und dich dann von minderjährigen Ischen abschleppen lässt.’

‘Ja und so geil sind die meistens gar nicht…!’ säuselte er.

‘Könnte an der verschobenen Wahrnehmung deiner betrunkenen Seele liegen!’

‘Ich kann ja nicht immer das ganze Wochenende nur Pornos schauen und…’ flüsterte er mehr zu sich, als zu ihr.

‘Du kriegt noch einen lahmen Arm, wenn du dir den ganzen Tag einen wedelst.’ lachte sie.

‘Ja, aber nüchtern nimmt mich doch keine mit!’ heulte er los.

‘Ich würd dir auch einen Blasen, wenn du stocknüchtern wärst!’ grinste sie und goss ihm noch Einen ein.

‘Aber du könntest meine Mutter sein!’ rief er entsetzt und grinste dann ziemlich dreckig, kippte das Stamperl runter und winkte dann mit seinem Stamperl, noch bevor er runtergeschluckt hatte.

‘Aber nur in einer echt zerrütteten Familie!’ lachte sie und goss das Stamperl wieder voll. Sie hob den Finger, drehte sich um und wirtschaftete hinter der Theke herum.

Sie kam mit einem Schälchen mit Erdnüssen zurück und stellte es vor den Nerd. Er friemelte an dem Schälchen herum und meinte: ‘Weißt du, dass ich immer erst die halben Erdnüsse esse und wenn keine mehr übrig sind, dann zerteile ich die Ganzen bevor ich sie esse!’

‘Und da wunderst du dich noch, warum du immer nur Sex hast, wenn du besoffen bist? Trink noch einen, schöner Mann!’ meinte die Barkeeperin und goss ihm noch Einen ein.

Er kippte erneut einen Doppelten runter und winselte dann wieder: ‘Als ich heute aufwachte, war ich allein und nackt!’

‘Und lass mich raten, die Ische hat dir eine deiner Actionfiguren auf den Schwanz geklebt?’

‘Woher weißt du das?’ rief er bierernst. Musste dann aber gleich schallend lachen, dann brach er ab und meinte er wieder weinerlich und ernst zu gleich: ‘Dabei hab ich mir doch so Mühe gegeben…’

‘Okay, ich komm nicht ganz mit! Du bist dir sicher, dass du nicht der uneheliche Sohn von Klaus Kinski bist!’

Er kramte sein Handy raus und meinte: ‘Schau mal, was sie heute morgen getwittert hat: U3Min.Sex! Da steht es!’

‘Du hast kein Netz hier unten, Schätzchen!’

‘Ich hab die ganze Zeit nur daran gedacht…!’

‘Ich glaub ich mach dir nen Kaffee!’

‘Bleib oben, Tiger! Bleib oben!’

Sie fing an zu singen: ‘Dinge, die ich gar nicht wissen will…!’

‘Egal. Dann hab ich den ganzen Tag Pornos geschaut…!’

‘Tut mir ja auch leid, dass wir erst um Acht aufmachen!’

‘Dann hab ich mir eine Pizza bestellt!’ heulte er wieder.

‘Sag mal flennst du jetzt?’ fragte sie irritiert.

Plötzlich packte er sie am Shirt, zog sie über den Tresen zu sich heran und flüsterte wieder. ‘Die  Pizza kam zu früh… ähm… Also vor mir!’

‘Oh mein Gott, du bist nicht mit dem Ständer an die Tür gegangen?’

‘Ja…nein. Ich hab ihn im Hosenbund eingeklemmt!’

‘Dir ist klar, dass ich mir das bildlich vorstellen muss!’

‘Und weißt du, er ist halt einfach zu mächtig, als dass er von einem Hosenbund zurückgehalten werden könnte.’

‘Warte trink lieber noch einen, bevor es zu peinlich wird!’ rief sie belustigt und stellte ihm gleich die Flasche hin. Dann hustete sie in ihr Fäustchen etwas was sich so anhörte wie: ‘Too much information!’

‘Und als ich die Tür auf gemacht hatte, steht eine blonde Pizzabotin vor mir. Mein Schwanz muss sich in der Hose irgendwie selbst befreit haben und stand quasi zwischen mir und ihr. Sie blickte auf meinen Schwanz und dann wieder in mein Gesicht!’

‘Ringeringedingdong! Und was hat sie dann gesagt?’

‘24,50!’

‘Nicht dein Ernst! Was hast du gemacht?’’

‘Ich hab ihr 30 Euro gegeben und gesagt: Stimmt so!’


(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)


P.S. Bleib oben, Tiger! Bleib oben!

Schackeline jenseits der 17 ½ – Das Klassentreffen

Schackeline jenseits der 17 ½  –  Das Klassentreffen

(Nacherzählung vom Tagebuch)

Tagebuch_eines_armen_Fräuleins,_cover_10Ich könnte ja echt beleidigt sein, dass sie mich nicht mitgenommen hat, aber eigentlich war es auch mal ganz schön allein zu hause zu sein, wenn auch ein wenig langweilig.

Ich lag den ganzen Tag in der Sonne und hab mich vom Fernsehen berieseln lassen. Blöd ist nur ich konnte nicht umschalten. Manchmal ist es nicht leicht ein Tagebuch zu sein.

Also hat mich die halbe Nacht wahlweise eine Oma oder eine Lehrerin angeschrien, ich solle sie anrufen. Wie denn ohne Finger?

Nach gefühlten zwei Tagen kam Schackeline wieder, sie war ziemlich grimmig und legte sich ins Bett und schlief nochmal einen Tag.

Psst. Sie schläft übrigens jetzt schon wieder, aber als sie zwischendrinnen mal wach war, konnte ich ihr folgende Geschichte aus der Nase ziehen und nachdem ihre Laune gar so schlecht war, habe ich versucht, sie beim Schreiben kaum zu unterbrechen:

Ich war doch auf dem Klassentreffen, was schon schlimm genug war. Ich blöde Kuh habe gedacht, dass meine erste große Liebe auftauchen würde. Aber ehrlich, in einem gewissen Alter sollte man nicht mehr oder wieder auf Wunder hoffen. Falls es dir mal aufgefallen ist, ich bin keine 17 ½ mehr. Nein, liebste Schackline, dass wäre mir ja nie aufgefallen.

Auf jeden Fall waren die ganzen Leute von der Schule, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, die selben Arschlöcher wie früher und verändert haben die sich auch alle nicht. Und wie sie alle versucht haben sich in die selben alten engen Jeans reingequetschen, wie früher, nur dass schon ein paar Jährchen ins Land gegangen sind. Wie Peinlich. Ich war natürlich völlig overdressed und mein Herzblatt war natürlich nicht da!  Nah, wer hätte das gedacht?

Als endlich alles vorbei war, durften wir netterweise in der Turnhalle unserer alten Schule übernachten. Genau so fangen Horrorfilme an.

Und es hätte so eine angenehmen Nachruhe werden können, wir haben die Schnarcher und Pärchen ausquartiert und als endlich alle die Schnauze gehalten haben, hörte ich ein Piepsen. Ein Feuermelder, der nach einer frischen Batterie schrie. Irgendjemand hatte sich tatsächlich die Mühe gemacht,  ihn abzunehmen und ihn in den Vorraum zu stellen, wo er dann munter in unregelmäßigen Abständen weiter plärrte.

Mal abgesehen davon, dass alle 5 Minuten jemand zum Pinkeln aufstand und die Tür zum Klo gotterbärmlich quietschte und beim Schließen, einen lauten Knall erzeugte, der sogar Tote aus dem Grab gerissen hätte.

Schlaf wird ja auch total überbewertet, also grübelte ich über das Klassentreffen nach. Das war echt die allerschlimmste Party, seit meiner Schulzeit. Die Musik war damals schon echt scheiße und die Klamotten bescheren mir heute noch echt Alpträume. Der einzige gutaussehende Mann auf der ganzen Party, der augenscheinlich kein völliger Idiot zu sein schien, war glaub ich gar nicht auf unserer Schule…

Was machst du denn jetzt? Ich suche die Jahrbücher! Wenn du sonst keine Probleme hast? Was für eine krasse Scheiße, es war der Karl-Heinz Rüdiger. Und irgendwo unter den ganzen Vornamen hat sich ein Nachname versteckt, was? Und wie der sich gemacht hat! Soso. Glatze, Nerdbrille und durchtrainiert. Aha! Obwohl, bis auf die fehlenden Haare, hat er sich tatsächlich kein bisschen verändert. Oooh…Nein? Warum ist es mir nur früher nicht aufgefallen, dass der so eine geile Drecksau ist? Könnte daran liegen, dass heutzutage Nerds im Allgemeinen als sexy eingestuft werden und früher waren sie einfach nur peinlich.

Egal, ich grübelte und grübelte und stellte irgendwann fest, ich hätte doch aufs Klo gehen sollen! Weil schlafen ging jetzt erst recht nicht mehr. Also ging ich so leise wie möglich zum Klo. Quiiiiiiietsch. Ich vergaß ja die Tür. Verdammt. Und Knall. Jetzt sind alle wieder wach. Hm. Nach dem ich vom Pinkeln wieder zurückkam. Quietsch. Knall. Hm.

Wieder in meinem Schlafsack eingemummelt, endlich bereit zu schlafen, ging das Piepen wieder los. Aber nein, es war nicht der Feuermelder, es war ein Wecker, der gefühlte 30 Minuten seine Melodie abdudelte.

In solchen Momenten beschließen Menschen auch Amok zu laufen, ich hab aber leider keine Knarre dabei und mit meinen High Heels wollte ich niemanden umbringen, die krieg ich doch nie wieder sauber. Boa, Schackeline, du bist echt n Mädchen, oder? Boa, Tagebuch, was meinst du wo die Titten herkommen? Du erdrückst mich! Geh runter von mir!

Wo war ich stehengeblieben? Ringeringedingdong! Der Todeswecker vom Klassentreffen. Irgendwann ist der Schlafkranke dann endlich aufgestanden und hat endlich seinen Scheißwecker ausgemacht. Endlich Stille. Ich dreh mich um und die grelle Fratze brennt mir schier die Augen durch die Lider aus. Es war schon erschreckend hell, für des dass ich noch keine 5 Minuten geschlafen hatte. Ich zog meine Mütze über meinen Kopf und wollte einfach nur noch sterben. Die ersten Leute stehen auf. Quietsch. Knall. Endlich Stille. Quietsch. Knall. Ich bin in einer Endlosschleife gefangen. Quietsch. Knall. Ein Königreich für WD 40, Hammer, Nagel und ein handelsübliches Meerschweinchen. Quietsch. Knall. Ein bepelzter Türstopper hätte die Welt heute so viel schöner machen können. Quietsch. Knall?

Die Ersten packen ihre Sachen und im Vorraum geht das Geklappere los und ein Anflug von Frühstück kriecht in meine Nase. Ich hatte auch mehrmals den Eindruck, dass jemand neben mir steht und mich beim Schlafen (oder nicht Schlafen) beobachtet. Ich wollte aber beim besten Willen nicht wissen, wer es war, weil die Chance 99 zu 1, dass es der geile Nerd sein könnte, war mir entschieden zu gering.  

Ich habe keine Ahnung wie ich es geschafft habe, bei dem Remmidemmi nochmal einzuschlafen, aber ich wurde von folgenden Satz geweckt: ‘Der Tee ist fertig!’

Eine weiblichen Quitschestimme, gefühlt 2 cm nebem meinem Ohr, so wurden schon Weltkriege angezettelt. Er ist wieder da? Jetzt lenkt nicht ab! Menno!

Jetzt ist es ja so, dass es ja eigentlich mein allergrößter Wunsch ist, morgens von einem männlichen Jemanden geweckt zu werden, der mir schwarzen Tee an Bett bringt, möglichst sanft! Soll dass jetzt eine stille Kritik sein, dass ich keine Arme und Beine habe? Jetzt spinn dich aus. Sei froh, dass dir überhaupt jemand Tee ans Bett gebracht hat! Aber nicht von Quietisch, Quietsch, Träller, warum bin ich so fröhlich und als ich endlich die Augen öffne, liege ich alleine in der riesigen Turnhalle und der Tee war gar nicht für mich!

Was hab ich eigentlich verbrochen, warum kann man nicht einfach die Schnauze halten und alle die vielleicht noch hätten schlafen wollen, einfach schlafen lassen. Und warum kann mir der geile Nerd nicht einfach einen schwarzen Tee an mein Bett bringen, des ist ja wirklich nicht zu viel verlangt, oder? Und wenn er mich dann mit seiner tiefen Stimme weckt und mir sanft aber reibeisig in mein Ohr haucht: ‘Dein Messmer Klassik ist fertig!’ Jetzt übertreibst du aber!?

Wollte gerade noch einfügen, wäre super gewesen, wenn er nackt gewesen wäre. Träum weiter! Bleibt mir wahrscheinlich nichts anderes übrig…. Gute Nacht!

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)

Des Nächtens… der Mond schien grün!

Des Nächtens… der Mond schien grün!

 

Green_moon‘Der Mond scheint grün heute Nacht…!’ meinte der Totengräber gedankenverloren und blickte aus dem Fenster. In seiner kleinen Hütte, brannte ein kleines Feuer und ein Kessel mit Wasser war auf dem Herd. Tirsch rieb sich die Brust.

‘Ja, scheint der Mond grün in der Nacht, den Tirsch scharf macht!’ lachte Gerk und puhlte mit seinem Messer zwischen den Zähnen herum.

‘Was soll das jetzt wieder heißen?’ fragte Tirsch schnippisch.

‘Seit dem du mit der Tochter von dem neuen Wirt angebandelt hast, bist du nicht mehr ganz bei der Sache.’ meinte der Totengräber.

Tirsch blickte mit verklärtem Blick in die Ferne und grinste merkwürdig.

‘Das ist ein Werk des Satans, dass er einem Kind schon die Brüste eines Weibes gibt. Aber die Brüste müssen die Weiber verdecken, sie müssen sie unsichtbar machen und schnüren, um die Männer nicht zu reizen. Diese Brüste sind Werkzeuge der Wollust, Gott hat sie dem Weibe verliehen, damit sie ihre Kinder säugen, aber der Teufel hat ein Spielzeug für die Unkeuschen daraus gemacht und deshalb sollen sie stets verhüllt gehalten werden.’ rezitierte Gerk laut und musste sich ziemlich zusammenreißen, dass er nicht lauthals zu lachen begann.

‘Öhm, das steht aber nicht in der Bibel!’ rief Tirsch fast zu recht ertappt, er war mit seinen Gedanken wo ganz wo anders.

‘Nein, das nicht und auch nicht in den Gewerkschaftsrichtlinien, aber Gerk, ich werde deinen wertvollen Beitrag gerne weiterleiten.’ flüsterte der Totengräber und blickte wieder nach draußen.

Gerk bekam einen nicht enden wollenden Lachanfall und dabei fiel ihm ein rotes Büchlein aus der Jackentasche.

Der Totengräber nahm das rote Büchlein auf, das auf dem ersten Blick wie ein abgegriffenes Gebetsbuch aussah, blickte verwundert auf den Einband und schlug dann das Buch auf: ‘Josefine Mutzenbacher oder die Geschichte einer wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt?’

Dann erhob er mahnend den Finger, las aber leise weiter und bemerkte nach einer ganzen Weile: ‘Dir ist klar, dass ich das hier konfiszieren muss, Gerk. Das’d dich net schämst!’

‘Keine Sorge, ich schäm mich jede Nacht!’

‘Nun zu dir Tirsch!’ meinte der Totengräber.

‘Ja, was ist denn?’ rief Tirsch gedankenverloren.

‘Ist dir an der Wirtstochter nichts aufgefallen?’

‘So Einiges, aber nichts Ungewöhnliches?’

‘Ich finde es schon ziemlich Ungewöhnlich, dass sie so einen Herumtreiber wie dich ran lässt?’

‘So richtig rangelassen hat sie mich ja nicht!’

‘Nur weil ihr Vater dich erwischt hat, wie du ihr an die Wäsche gegangen bist.’ meinte Gerk und grinste seinen besten Freund saublöd an.

‘Hat sie dir irgendwas gegeben?’

‘Nein, wieso?’

‘Nur so eine Frage?’ meinte der Totengräber und machte Anstalten gehen zu wollen.

‘Was habt Ihr vor?’ fragte Tirsch, während Gerk das Feuer löschte.

‘Wir gehen einen Trinken solange das Wirtshaus noch auf hat!’ konnte man den Totengräber rufen hören, bevor er in der Dunkelheit verschwand.

Wenig später saßen die drei im Schankraum des Wirtshauses, das schon ziemlich leer war, es war schon spät und zu so einer unchristlichen Stunde ging hier in Ludwigsdorf keiner mehr einen trinken.

Tirsch war gerade austreten und beim Rückweg hatte ihn die Wirtstochter Amelie entdeckt und stellte sich ihm in den Weg. Ihr Mieder hatte einen verboten tiefen Ausschnitt, in dem er schier versank. Wie jung sie war.

‘Ich hab auf dich gewartet!’ rief sie und ihre tiefe Stimme hallte im Hinterhof. So jung war sie nun auch wieder nicht.

‘Psst nicht so laut, wenn dein Vater dich hört.’ zischte Tirsch geheimnistuerisch.

‘Na und?’ meinte sie schnippisch.

‘Er bringt mich um, wenn er mich nochmal in deiner Kammer erwischt.’

‘Wird er nicht, er ist im Keller und macht Inventur.’

‘Inventur mitten in der Nacht und mitten im Monat?’ fragte Tirsch ungläubig.

‘Er ist ein sehr genauer Mann?’ meinte sie bestimmt und schnürte sich langsam und ziemlich genüsslich ihr Mieder auf. Er versuchte den Blick beschämt von ihr abzuwenden, was ihm natürlich nicht im Mindesten gelang.

‘Genau deshalb versuch ich mich ja von dir fernzuhalten, was wahrlich schwierig ist.’ flüsterte Tirsch und konnte nicht anders, weil Amelie ihm die drallen Brüste vors Gesicht hielt, als wie ein Idiot auf ihre Brüste zu starren. Ihm fiel die Textstelle wieder ein, die Gerk vorhin rezitiert hatte und sein Verstand ging klamm heimlich auf Wanderschaft.

‘Er wird dich schon nicht erschießen, ich hab seine Munition versteckt.’ flüsterte sie, kam ihm näher, drückte ihm bei einer Umarmung ihre Möpse noch mehr ins Gesicht und griff ihm beherzt an den Hintern.

‘Herr im Himmel, lass bitte keinen einzigen Schuss mehr im Lauf sein.’ stöhnte er laut auf.

Wie aufs Stichwort griff sie ihm in die Hose und schleppte ihn zum Heuschober.

Wenig später landeten sie beide ihm Heu, wo sie sich wild befummelten und küssten, doch Tirsch zierte sich ein Wenig. Er rappelte sich auf und versuchte seine Kleidung in Ordnung zu bringen. Er kam sich nicht nur unendlich beobachtet vor, er war auch stutzig geworden, weil die Wirtstochter gar so heftig ran ging und er ein ernsthaft und gewöhnliches Gefühl dabei hat. Hätte der Totengräber vorhin nur nichts gesagt, dann würde er sie jetzt schon pudern.

Aber ein komisches Gefühl hatte er auch immer gehabt, als ihm die Marie immer im Schlaf erschienen war und das hatte er anfangs auch immer mit purer Geilheit verwechselt. Und am Ende war sie doch eine Wiedergängerin und er hatte sie dann mit einem handelsüblichen und geweihten Pamarec gepfählt, den ihm seine Großmutter auf ihrem Totenbett vermacht hatte. Warum muss er gerade jetzt an seine Großmutter denken, wenn er doch jetzt eigentlich die geile Wirtstochter nageln könnte. Ja, so wie die letzte Wirtstochter, die eigentlich ein Werwolf war. Herrgott nochmal, seit dem er bei der Jägergewerkschaft angeheuert hatte, kam er irgendwie nicht mehr zum Zug, weil er sich den ganzen Tag immer seinen Kopf zerbrechen musste, über Vampire, Werwölfe und so’n Kroppzeuch.

‘Ich will dir ja nicht zu nahe treten..’ stotterte er, als sie ihm wieder an der Hose packte und davon abhielt gehen zu wollen.

‘Vielleicht will ich ja dir zu nahe treten..’ zischte sie ihm zu, geschickt öffnete sie seine Hose und sie rutschte zu Boden und Amelie glitt ganz langsam an ihm herab.

‘Jesas Maria und all ihr Heiligen!’ rief Tirsch aus, als sie seinen Schwengel bis zum Anschlag in den Mund nahm und munter zu saugen begann. Wie gut dass er angewachsen war, sonst hätte sie seinen Kasper mit einem Happs verschluckt. Er musste sich schon arg zusammen reißen, dass er ihr nicht gleich die volle Ladung in den Mund spritzte, also dachte er weiter an Bibelverse, die er dann auch noch laut rezitierte:

‘Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht…Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig.’ stöhnte er und als er im wahrsten Sinne des Wortes zum Ende gekommen war, lies sie schwer schluckend von ihm ab. Nun hatte es ihn doch gepackt und er blickte sie lüstern an, knöpfte ganz langsam sein Hemd auf und kniete sich zu ihr hinunter, um sie gleich darauf hin auf den Rücken zu drängen.

Sie erwiderte auf seine Bibelsprüche etwas, was sich im ersten Moment eher nach einem weiterem Zitat aus Gerks Schundbibel anhörte: ‘Ich kenne eure Bibel sehr gut. In der Nacht ihres Gelobens soll sich die Frau dem Manne öffnen, wie die Ackerfurche dem Pfluge, er soll in ihr arbeiten, wieder und wieder, solange bis sie ihn zu Fall bringt und auf dem Schweiss ihrer Brust Kräfte sammeln lässt.‘

Während er noch mit ihren Röcken zu kämpfen hatte, streifte sie sein Hemd herab und erstarrte, wie zu einer Salzsäule. Er jedoch warft ihr ihre Röcke ins Gesicht und erkannte nicht, was sich unter den Röcken in ihrem Gesicht abspielte.

Als er endlich den Knoten ihrer Rüschenunterhose gelöst hatte und wacker zu Tat schreiten wollte, hielt er kurz inne. Er hatte wieder dieses Gefühl! Es war so, als würde jemand in einen durch und durch weißen Raum einen roten Stuhl stellen. Irgendwo auf dieser Welt war die Ordnung aus den Fugen geraten.

Erst als sie ein merkwürdiges Grunzen und Röcheln von sich gab, begriff er das die Ordnung genau hier aus den Fugen geraten war. Sie packte seinen Schwanz und zog ihn zu sich, er versuchte instinktiv ihr seinen Speer zu entziehen und er riss ihr dabei ihre Röck vom ihrem Gesicht.

Mit einem schmatzenden Geräusch entglitt ihr sein Schwanz und er stürzte nach Hinten. Eine dämonische Fratze lachte ihn aus. ‘Den Samen eines unschuldigen Lammes hast du mir gegeben, auf dass ich dich immer und immer wieder heimsuchen werde.’

‘Dämon, sieh genau hin, mein Körper wird dir nie als Wirt dienen!’ rief er und zeigte ihr ein Zeichen auf seiner Brust, dass immer noch schorfig war, weil der Totengräber es erst gestern in seine Haut gestochen hatte. Und ohne darüber nachzudenken, stürzte er sich auf sie und begann sie zu würgen und schrie: ‘Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis congregatio et secta diabolica. Ergo, draco maledicte. Ecclesiam tuam securi tibi facias libertate servire, te rogamus, audi nos. Fahr zur Hölle du Schlampe und lass ab von dem Körper der Wirtstochter Amelie!!!’

Sie schrie wie am Spieß und zu Ende hin öffnete ihr Mund und eine schwarze Wolke zwängte sich aus ihrem Rachen und entfleuchte durch ein Loch im Scheunendach.

Nur das Bild, dass ihr Vater in dem Moment erblickte, als er seine Schrotflinte durchlud, war wie ein tätowierter Nackter seine Tochter bewusstlos gewürgt hatte.

Tirsch sprang mit erhobenen Armen auf und rief den Herrn an: ‘Der Herrgott wird mein Leben verschonen, weil ich nichts unrechtes Tat, als ich eurer Tochter diesen vermaledeiten Dämon austrieb.’ Tirsch versuchte noch in die Höhe zu zeigen, wo der schwarze Rauch nun den grünen Mond verdunkelte.

‘Dann erklär mir, warum du dazu nackt sein musstest, du abartiger Perverser!’ schrie der Wirt und legte auf Tirsch an.

Tirsch sah wie der Totengräber mit Gerk im Schlepptau schreiend in den Heuschober gelaufen kamen, doch Tirsch war auf die Knie gesunken und fing an zu beten: ‘Als Hirte erlaube mir, zu dienen, mein Vater, Dir. Deine Macht reichst Du uns durch Deine Hand, diese verbindet uns wie ein heiliges Band. Wir waten durch ein Meer von Blut, gib uns dafür Kraft und Mut. In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti!’

Er hörte das Klicken des Abzugs und es geschah nichts. Nach einem viel zu langem Moment atmete Amelie tief ein und sog hast Luft in ihre Lungen.

‘Dank sei Gott dem Herren, dass keinen einziger Schuss mehr im Lauf war.’ rief Tirsch und blickte in den Himmel.

Die schwarze Wolke formierte sich in der Luft und kam wieder zurück. Gerk, Tirsch und der Totengräber fingen gemeinsam an, verschiedene Riten herunter zu leiern.

‘Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Glorreichster Fürst der himmlischen Heerscharen, heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister unter dem Himmel. Komm den Menschen zu Hilfe, die Gott nach seinem Ebenbild erschaffen und aus der Tyrannei des Teufels um einen hohen Preis erkauft hat… bitte den Gott des Friedens, dass Er Satan unter unseren Füßen vernichte, damit er nicht mehr imstand ist, die Menschen gefangen zu halten …und ergreife den Drachen, die alte Schlange, das heißt den Teufel und Satan, und stürze ihn gefesselt in den Abgrund der Hölle, damit er die Völker nicht weiter verführe.’ rief Gerk und Tirsch wie aus einem Mund, während der Totengräber eigentlich das Selbe sagte, nur auf Latein und dabei wedelte er mit einem roten Gebetsbuch. Die Litanei brachte die schwarze Wolke zum Stoppen.

Während Gerk eine alte Kartoffel hervor holte, sich in die Hand schnitt, die Kartoffel in die Wunde rieb und dann Amelie und ihrem Vater einen Stempel aufdrückte, der das selbe Symbol trug, wie auch an der Brust von Tirsch war. ‘Ihr dürft das nicht abwaschen, bis wir im Morgengrauen zurückkehren.’ rief Gerk ziemlich ernst zum Wirt.

Tirsch schnappte sich die Tasche von Gerk, zog eine Flasche Weihwasser heraus und goss sie sich übers Gemächt.

Der Totengräber holte Luft, zog eine Augenbraue hoch und rief dann Tirsch zu: ‘Hör auf an deinem Kasper zu spielen und zieh dir was an, wir nehmen die Verfolgung auf.’


Fortsetzung folgt… wenn der Mond scheint rot!

 

P.S. Der Wortdieb bedankt sich bei Wikipedia, Supernatural, Firefly, Der blutige Pfad Gottes, dem Rituale Romanum und der Bibel und meiner Bibel Josefine Mutzenbacher für die vielen Inspirationen. Danke.

Published in: on 11. November 2014 at 01:01  Schreibe einen Kommentar  
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1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 1

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 1

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Auf dem Frachtensegler ‘Blue Moon’ war der Kapitän unter Deck in seiner Kajüte und brütete über seinen Seekarten. Sie waren gerade erst aus dem Hafen raus und waren jetzt schon unter Zeitdruck, weil das Löschen wieder ewig gedauert hatte und die neue Ladung viel zu spät freigegeben wurde. Sie hatten einen Auftrag der Regierung angenommen und sollten Waffen und Munition, sowie Lebensmittel und andere Handelsgüter zu den holländischen Kolonien bringen und ein paar Passagiere waren auch an Bord. So ein lukratives Geschäft sollte man sich nicht entgehen lassen, aber wehe dem, der die Ladung nicht zur rechten Zeit an den Zielort bringt und ganz zu schweigen, wenn die Herrschaften nicht rechtzeitig ankommen würden.

Es rumpelte vor seiner Tür und dann klopfte jemand.

‚Kapitän, der Lieutenant will Euch sprechen und wir haben das hier im Laderaum gefunden.‘ meinte sein grobschlächtiger Steuermannsmaat und schubste ein Bündel Fetzen mit einem Sack über dem Kopf in die Kajüte.

‚Ein blinder Passagier, Kapitän!‘ meinte der Maat und zog den Sack vom Kopf des blinden Passagiers.

Der Kapitän erkannte ein mädchenhaftes Gesicht unter all dem Dreck. Der Maat wollte die Person hochreißen, doch der Kapitän winkte ab und schickte den Maat mit folgenden Worten aus der Kajüte: ‚Ist schon gut Johann, der Lieutenant soll sich noch einen Moment gedulden.‘

Der Maat ließ die Tür knallen und der blinde Passagier rappelte sich nervös auf und blickte sich ängstlich in der Kajüte um. Der Kapitän hatte dem Geschehen den Rücken zugedreht und goss sich einen Becher Rum ein. ‚Wie ist dein Name, Mädchen?‘

‚Hans!‘ räusperte sich der blinde Passagier.

Er drehte sich um, zog eine Augenbraue hoch und kam wieder zu dem Häuflein Elend getreten, das eben noch in einem Sack gesteckt hatte.

‚Ihr mögt meine Männer getäuscht haben, aber ich sehe unter dem Schmutz und den hastig geschnittenen kurzen Haaren, ein junges Mädchen.‘

Er nahm sein Schnupftuch aus der Hosentasche, befeuchtete es mit Rum und wischte über das verängstige Gesicht des blinden Passagiers.

‘Und ein Hübsches noch dazu!’ meinte er grinsend. Er musste sie mit der anderen Hand unwirsch festhalten, weil sie versuchte dem getränkten Tuch zu entkommen.

Schließlich ließ er von ihr ab, setzte sich wieder hin und blickte gelangweilt auf seine Seekarten. Sie war von dem verdunsteten Rum ganz benebelt und versuchte sich erneut aufzurappeln. Als sie erneut vor ihm stand, wankte sie leicht.

‘Versuchen wir es erneut, wie ist dein Name, Mädchen?’

‘Mein Name ist Mariebelle, Mariebelle van der Houthen!’ meinte sie mit fester Stimme und blickte ihn dennoch ängstlich an.

Sein ‘Bitte was!’ wurde von lautem Geschrei vor seiner Tür übertönt.

‘Was soll das heißen, ich solle mich gedulden?’ rief jemand vor der Tür.

‘Anweisung vom Kapitän!’ konnte man Johann rufen hören.

‘Ich bin immerhin Lieutenant!‘

‘Ja, aber nicht auf diesem Schiff. Mit Verlaub, Ihr seid Passagier auf diesem Schiff!’

Mariebelle war währenddessen an den Kartentisch herangetreten und flehte den Kapitän an: ‘Bitte, er darf mich nicht entdecken, ich bitte Euch, um meiner Liebe Willen, ich bitte Euch!’

Ihre Tränen tropften auf seine Karten. Er zog sein Jackett aus und knöpfte sich fast schon genüsslich die Hemdsärmel auf und meinte ruhig aber bestimmt: ‘Geh hinter die Tür und stell dich auf den Stuhl und duck dich, so dass man dich von vor der Tür aus nicht sehen kann!’

Er riss sich das Hemd runter und knöpfte seine Hose auf, die sogleich zu Boden rutschte, nahm ein Handtuch und steckte dann den Kopf in seine Waschschüssel und ging keinen Moment zu spät zur Tür.

Der Lieutenant hatte bereits die Tür aufgerissen, als sich der Kapitän gerade das Handtuch um die Hüften schlang. Mariebelle konnte noch einen Blick erhaschen, der ihr sogleich die Schamesröte ins Gesicht trieb.

Ein scharfer Blick brachte Johann zum Verstummen und darauf folgte, wieder eine Augenbraue die hochgezogen wurde, bevor der Kapitän die Stimme erhob. ‘Was soll der Tumult?’

‘Ich wollte mich erkundigen, was da so lange gedauert hat?’

‘Und das kann nicht warten, bis ich wenigstens meine Hosen anhabe, werter Lieutenant van der Houthen?’

‘Ja nein. Ähm, natürlich.’ stammelte der Leutnant.

‘Ich komm in die Messe, sobald ich fertig bin.’ meinte der Kapitän und knallte dem Lieutenant die Tür vor der Nase zu.

Er drehte sich zu Mariebelle um und legte den Finger auf dem Mund. Sie lies sich einfach nur auf die Sitzfläche des Stuhles sinken und versuchte so leise wie möglich auszuatmen.

Mit einer lässigen Handbewegung zog er das Handtuch von den Hüften und trocknete seine Haare. Sie kam nicht umhin, auf seinen Hintern starren zu müssen.

Erst als er endlich wieder seine Hose an hatte, meinte er fast schon resigniert: ‘Ich gehe recht in der Annahme, dass Ihr die Tochter vom Lieutenant seid?’

‘Ja, lasst mich erklären!’ wimmerte Mariebelle.

‘Egal was Ihr mir jetzt auftischt, wir sind auf dem direkten Weg nach Tobago und ich werde bestimmt nicht umdrehen, wegen irgendwelcher Kinkerlitzchen.’

‘Kinkerlitzchen?’ schnaubte Mariebelle. ‘Kinkerlitzchen! Ihr habt keine Ahnung was oder besser wen Ihr geladen habt, oder?’

‘Waffen und Munition für Tobago und den werten Lieutenant und sein Gefolge, wieso?’ meinte der Kapitän und bemerkte dann noch. ‘Du hast ein ziemlich loses Mundwerk, Mädchen!’

‘Neben Waffen und Munition, Lebensmitteln und Baumwolle für Tobago!’ rief sie und hämmerte mit ihren spindeldünnen Fingern auf den Frachtlisten herum, die auch auf seinem Tisch lagen.

‘Was für ein Narr muss man sein, wenn man Baumwolle nach Tobago bringen will?’ fragte der Kapitän und blätterte neugierig in den Frachtlisten herum.   

‘Mit Verlaub, das müsst Ihr mir erklären, was die ‘Baumwolle’ auf der Blue Moon zu suchen hat!’ meinte Mariebelle und bei dem Wort ‘Baumwolle’ machte sie zwei Anführungszeichen in der Luft.

‘Ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen?’ fragte er eher beiläufig und starrte wie gebannt auf die krakelige Schrift seines Küpers. ‘Baumwolle!’

‘Das wird mir im Leben nicht einfallen, ich könnte mir einen Bruch heben, werter Kapitän!’

‘Hab ich dir schon gesagt, dass du ein ziemlich freches Mundwerk hast.’ meinte der Kapitän reichlich verwirrt, er ließ sich auf seinen Stuhl fallen und griff mit zitternden Fingern nach dem Becher mit Rum, den er vorhin auf seinem Tisch hatte stehen lassen.

‘Meint Ihr nicht, dass diese krakenarmigen Franzaken sich genug Schiffe von uns gekrallt haben, um Waffen und Munition in die Kolonie zu bringen? Und warum sollten sie trotz seiner Herkunft den durchaus angesehenen Lieutenant als Passagier auf einem heruntergekommenen Frachtensegler auf eine ungewisse Reise bis in die Karibik schicken?’

‘Pah, heruntergekommen?’ schnaubte der Kapitän.

‘Ich wollte Euch und Euer Schiff bestimmt nicht schlecht machen, aber es hat bestimmt schon mal bessere Zeiten gesehen.’

‘Mein altes Mädchen und ich haben viel mitgemacht, seit die Franzaken Saint Domingue verloren haben.’

‘Gott preise diesen denkwürdigen Tag!’

Er zog wieder nur eine Augenbraue hoch und meinte dann: ‘Fräulein, Ihr schweift ab! Was ist jetzt mit der ‘Baumwolle’?’

‘In Eurem Laderaum kauern 2 Duzend verängstigte Sklaven.’

‘Und warum wisst Ihr davon?’

‘Mein Stiefvater hat uns erwischt, wie wir sie befreien wollten und 3 von unserer Gruppe sind jetzt auch bei der ‘Baumwolle’!’

‘Und jetzt?’

‘Ihr seid der Kapitän!’

‘Ja, ich bin der Kapitän!’ meinte der Kapitän und räusperte sich. ‘Also, dann werd ich mir mal anhören, was der werte Lieutenant zu meckern hat.’

‘Und dann?’

‘Werd ich mir mal die ‘Baumwolle’ ansehen!’ flüsterte er ihr geheimnistuerisch zu. ‘Und Ihr bleibt hier und rührt Euch nicht vom Fleck.’

‘Werden Eure Männer nicht reden? Die haben mich ja schließlich gefunden!’

‘Keine Sorge, ich red mit Johann!’ rief der Kapitän, zog seine Jackett an und griff nach seiner Perücke, die neben der Waschschüssel auf einem Perückenständer bereits stand. ‘Euer Kapitän kümmert sich um alles.’

Fortsetzung folgt vielleicht…

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

Call me maybe oder sitzt ne Frau an der Bar…

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Es sitzt eine Frau an der Bar und weil nur irgendwelche Typen im Gastraum saßen, die ihr nur unnötig auf die Möpse glotzten, kramte sie in ihrer Handtasche nach etwas total Wichtigen. Dabei kann sich ein Weibchen schon mal ein Stündchen beschäftigen.

Aus der futuristischen Jukebox schallmeite es: ‘Call me maybe!’

Plötzlich stand ein Kerl in der Tür, den sie mit einem flüchtigen Blick musterte und sofort wusste, dass er ihr einfach nur gefährlich werden würde. Groß und von muskulöser Gewalt, verstrubbelte Haare und erschreckender Weise einen ziemlich gepflegten Bart. Ein flüchtiges Lächeln seinerseits flatterte wie ein wunderschöner Schmetterling durch den Gastraum zu ihr hinüber. Und in der Zeit wie das Lächeln den Raum durchquerte, zog vor ihrem inneren Auge ihr Leben an ihr vorbei und sie hatte es einfach nur satt. Sie hatte einfach alles satt. Und sie brauchte einfach nur ihre Ruhe.

Die Zeit schien stehengeblieben zu sein und das flatterhafte Lächeln des überaus gutaussehende Typen schwebte für einen Moment vor ihr in der Luft.

Das war ganz genau das, was sie gerade echt nicht gebrauchen konnte. Ein Kerl, der ihr mit seiner puren Anwesenheit schon den Kopf verdrehte. Grad heute, wo sie fest entschlossen allein in die Kneipe gegangen war, weil sie ihre Ruhe haben wollte. Weil sie es satt hatte, sich in Probleme Anderer verstricken zu lassen und dann langsam aber sicher daran zu ersticken drohte, sie bekam keine Luft mehr, weil ihr die ganze Scheiße um sie herum langsam aber sicher die Luft abschnürte.

Es ist unglaublich, dass ein Mensch allein so destruktiv sein kann, aber das war das Einzige was sie im Moment wirklich sehr gut konnte. Melancholisch in einer Ecke an der Bar sitzen und ein leeres Glas solange böse anzustarren bis es endlich zerspringen würde.

Herrgott im Himmel, was hat sie nur in dieser Welt verbrochen, dass sie das Universum so strafen muss. Es ist ja nichtmal so, dass immer die Anderen Schuld sind, um die Schuldfrage ging es ihr garnicht, weil sie eh immer schuld war, egal wie rum man den Spieß drehte, sie war immer der verdammte Fußabstreifer, der alleine und völlig verdreckt vor der Tür ins Ungewisse liegt und es will eigentlich keiner den Schritt wagen, also liegt sie da wahrscheinlich noch in ein paar Jahren herum, um nur darauf zu warten, dass ihr wieder jemand einen Arschtritt verpasst. Der Fußabstreifer in der verstaubten Welt, die sich selbst für so fortschrittlich hält, darauf kann man doch sch…?!

Der nervige Song bohrte sich immer noch durch alle Ohren und suggerierte allen Zuhörern, das der Traumprinz am Ende doch anrufen wird. Nein, er wird nicht anrufen. Das Leben ist kein Wunschkonzert und heute hat wohl einer seinen Finger auf der Repeat-Taste. Der Song fing wieder von vorne an…und die Welt drehte sich wieder in gewohnter Schnelligkeit.

Der Kerl, der eben noch wie ein Fels in der Brandung in der Tür gestanden hatte, bewegte sich durch den Raum. Sein Lächeln war mittlerweile an seinem Bestimmungsort angekommen und sein scharfer Blick setzte dem lachenden Schmetterling hinterher und im nächsten Augenblick stand er schon an der Bar.

‘Einen Absinth Sprite bitte!’ rief der Kerl dem Barkeeper zu. Und am anderen Ende der Bar lief ein Höschen voll.

‘Und ich dachte, die Irre da drüben mit der Handtasche wäre die Einzigste, die diese flüssiggewordene Blasphemie säuft.’ murmelte der Barkeeper und zapfte ein Bier und stellte es seinem neuen Gast hin.

‘Einzige!’ meinte der Typ und schob dann ganz lässig das Bier von sich weg. ‘Ich hab einen Absinth Sprite bestellt und mach gleich zwei draus…!’

Beim Barte des Propheten und aller bayowarischer Großmütter, welche halbwegs intelligente Frau kann bei so was schon wiederstehen?

Sie kramte immer noch in ihrer Handtasche, die fadenscheinige Maskerade aufrecht erhaltend, also suchte sie weiter, fand es nicht, wurde langsam wütend und kippte den kompletten Inhalt ihrer Handtasche auf die Theke. Es schien so, als würde sich ihr halber Hausstand über den Tresen ergießen. Eine kleine Sintflut von Dingen die die Welt nicht braucht. Allen voran ihr Lippenbalsam, den sie angeblich wie verrückt gesucht hatte, der just in dem Moment als sie ihn erblickte, über die Kannte der Bar nach unten kullerte.

Sie tauchte hinter dem Lippenbalsam her, der bereits über den Boden rollte. Kurz bevor sie ihn erreichen konnte, tauchte erst wie in Zeitlupe eine enorme Pranke vor ihr auf und dann das Grinsen des Typen. Er hatte den Labello vor ihr zu fassen bekommen und beim Auftauchen stießen sie beide mit den Köpfen zusammen.

Sie kam ins Taumeln, denn sein Kopf war wohl wesentlich härter als der ihre. Um nicht wieder auf allen Vieren vor ihm zu landen, wollte sie sich an einem der leeren Barhocker festhalten, griff jedoch ins Leere. Bevor sie umstürzen konnte, griff er nach ihrer Hüfte, hielt sie fest und stellte sie gleichzeitig auf die Füße.

‘Alles in Ordnung, schöne Frau?’ fragte er und versuchte ihr in die Augen zu blicken, die sie in dem Moment wieder aufschlug, als er seinen Griff lockerte, um sie an der Schulter zu berühren.

‘Ja, ne. Glaub schon.’ stammelte sie und musste sich erst mal setzen.

Der Barkeeper stellte die beiden Drinks auf die Theke und murmelte etwas in sich hinein, dass sich nach: ‘Da ham sich ja zwei g’sucht und g’fundn!’ anhörte.

In dem Moment als sie sich setzte, sprang sie auch schon wieder auf und lief zum Inhalt ihrer Handtasche hinüber.

‘Sorry, mein halber Hausstand liegt auf dem Tresen!’ rief sie und machte sich daran, alles wieder in ihre Handtasche zu stopfen. Nur mit dem Unterschied, dass nicht mehr alles hineinzupassen schien, was vor wenigen Minuten noch genug Platz in der Handtasche hatte.

Der Kerl schnappte sich die beiden Drinks und folgte ihr: ‘Erstmal einen Schluck auf den Schreck?’

‘Sorry, ist nicht mein Tag heute!’ meinte sie und schüttelte die Handtasche, in der Hoffnung der Inhalt würde sich dadurch ein wenig komprimieren.

‘Meiner auch nicht, aber was soll’s!’ prostete er ihr zu und grinste sie dabei an, er bückte sich nochmal und hob noch etwas auf, was zu Boden gepurzelt war. Es war ihr Personalausweis.

Als er wieder auftauchte, grinste er noch breiter: ‘Wie kann man nur mit so einem schönen Namen, so schlechte Laune haben?’

‘Ist ne lange Geschichte, aber jetzt wissen sie eh schon fast alles über mich…!’ rief sie und machte Anstalten ihm den Ausweis wegzunehmen.

‘Ja, Bambi Müller, 170 groß, Augenfarbe blau-grau, Wohnhaft…!’ meinte er, bis sie ihm ihren Ausweis endlich abluxen konnte und ihn böse anfunkelte: ‘Wenn Sie nicht wollen, dass ich sie Blume nenne, verraten sie mir ihren Namen!’

‘Sie werden es nicht glauben, aber ich würde sie gerne duzen, bevor ich meinen Namen preisgebe!’

Sie nickte kurz und dann hielt er seinen Ausweis hoch.

‘Hans Klopfer, 195 groß, Augenfarbe grün und du wohnst hier gleich ums Eck!’ meinte sie und ein unmerkliches Lächeln stolperte über ihr Gesicht.

‘Jupp!’ meinte er und prostete ihr wieder zu und flüsterte mehr in sich hinein, als zu ihr: ‘Danke für das erste Lächeln des Tages!’

Sie hatte es jedoch gehört und lächelte nochmal, er lächelte auch und er schien das erste Mal ein wenig unsicher zu sein. Betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, bis sie die Stille unterbrach. ‘Und warum hab ich dich hier noch nie gesehen?’

‘Bist du öfter hier?’ antwortete er die Frage mit einer Gegenfrage.

‘Jupp!’ meine sie kurz, sie hasste es, wenn ihre Fragen mit einer Gegenfrage nicht beantwortet wurden. Wieder betretenes Schweigen und Strohhalmgeschlürfe, das nun er brach. ‘Ich war beruflich viel unterwegs.’

Er kramte in seiner Hosentasche und hielt ihr den Labello hin, sie nahm ihn ansich, aber nicht ohne ihn zu öffnen und sich die Lippen einzuschmieren. Nebenbei stolperte ein: ‘Soso!’ aus ihrem Mund.

‘In Grönland!’ meinte er.

‘Lassen sie mich raten, sie haben nach Öl gebohrt?’ fragte sie mit leicht ironischem Unterton und trank von ihrem Drink.

‘Waren wir nicht beim Du?’

‘Ja Du!’ meinte sie fast schon schnippisch. War das seine Masche, eine Frage immer mit einer Gegenfrage zu beantworten?

‘Es war Erdgas!’ antwortete er, wenn auch verspätet.

‘Und jetzt?’

‘Hab ich erstmal Homeoffice!’

Der Barkeeper kam wieder vorbei, bückte sich, hob etwas auf und legte etwas auf den Tresen. Es war ein Kondom. Dann grinste er: ‘Nehmt euch ein Zimmer!’

Sie wurde augenblicklich knallrot im Gesicht, schnappte sich das Kondom und flüsterte: ‘Muss mir wohl aus der Tasche geputzelt sein!’

Er grinste sie an und meinte nur: ‘Zahlen!’  

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