Safe and Sound

Durch die dunklen Straßen gehen. Den Kragen hochgeschlagen, den Schal eng um den Hals gewickelt. Der Weg ist gleichgültig. Vertieft in die Erinnerung, an das was war, in dieser kalten Winternacht…

Wie einfach war es für dich. Du wolltest mit den Wölfen heulen, ein Stück der Freiheit kosten, sehen ob es noch etwas anderes gibt. Einer stillen Sehnsucht folgen, die Unruhe stillen. Die Frage beantworten, gibt es noch mehr? Hast dich auf den Weg gemacht, in die verschneiten Straßen, in die bitter kalte Nacht. Auf der Suche nach etwas von dem du nicht wusstest, ob es wirklich existiert. Rastlos.

Heute laufe ich wieder durch diese Straßen. Mein Blick ist getrübt von Erinnerungen. Es ist mitten in der Nacht. Alles ist noch so vertraut. Meine Füße lenken mich in deine Gegend, ein letztes Mal. Zurück…

Du hattest mit den Wölfen geheult. Du hattest ein Stück der Freiheit gekostet. Der Preis war hoch, doch du warst bereit. Wie einfach es gewesen sein muss, ohne zu zahlen zu gehen. Nicht links, nicht rechts. War doch alles bedeutungslos. Wolltest du doch einfach nur sehen was passiert.

Ich weiß noch wie mein Herz klopfte, als du mir in dieser einen Nacht geschrieben hast. Ich weiß noch wie die Raben krächzten und die Sonne mir den Rücken wärmte, als ich wartete. Ich weiß noch wie wir dort saßen, in dem Licht durchfluteten Raum. Um uns so viele Menschen. Ein warmer Blick, ein flüchtiges Lächeln. Ein letztes Getränk und der Traum von gemeinsamen Reisen.

Du hast dich kopflos in all das gestürzt. Hast nicht einmal darüber nachgedacht. Einfach nur von einem anderen Teller kosten. Einem „vielleicht“ hinterher rennen, denn das zu Hause bleibt sicher.

Ich steh in deiner Straße, steh vor deinem Fenster. Ich vertraute dir, dann bot ich dir an zu gehen. Du hieltest mich zurück. Monatelang.

Es ist so still in der Finsternis und klirrend kalt. Doch ich spüre die Kälte nicht. Ich schaue nach oben, während die Erinnerung mich zerfrisst. Das Inferno tobt noch immer in mir. All die Dinge die du sagtest, all die Dinge die du getan hast. An erster Stelle kamst immer du. Alle Versprechen hast du gebrochen, auch dein letztes. Dein Leben bleibt wie es war, während du mich zertrümmert hast.

Und dann bist du zurück gekehrt. Heim. Hast alles hinter dir gelassen, als wäre nie etwas gewesen. Hast dein Leben dort wo du es fallen gelassen hattest einfach wieder aufgenommen… Getan als wär nie etwas passiert. Deine Heimat genossen und das Trümmerfeld hinter dir ignoriert.

Keine Tränen in den Augen, ich bin des Weinens müde. Nur das Zittern lässt nicht nach. Mein Körper ist Sprachrohr meines Innersten. All dem was in mir tobt. Nichts ist mehr wie es mal war. Ich hab mich gefangen. Ich funktioniere. Die Tränen sind lange versiegt. Nur Nähe. Nähe kann ich nicht mehr. Von dir habe ich gelernt wie gedankenlos alles ist. Vertrauen ist ein gefährlicher Ratgeber, wenn der Empfänger nicht bereit ist, die Rechnung zu zahlen.

Und die Lügen verließen deinen Mund mit der Leichtigkeit einer lauen Sommernacht. Doch es war Winter und alles was du wolltest, war nicht verantwortlich sein. Du warst nicht schuld. Es waren immer die anderen. Nie du selbst. Alles was du getan hast konntest du vor dir rechtfertigen, war doch bedeutungslos, verletzt doch keinen, wenn es „nur“ ist. Nicht links, nicht rechts sehen. Das ist sicherer, als dir anzusehen, was du alles zerstörst. Kopflos.

Das dunkle Fenster. Dort oben. Das härteste war, zu realisieren, dass nichts ehrlich war. Und seit es wieder Winter ist, kommt alles wieder zurück. All die Erinnerungen die wir geschaffen hatten, werden zu eisigen Nadeln. Ich bin mir sicher du denkst nicht einmal zurück an das was du getan hast. Denn solange es keiner weiß, ist es doch in Ordnung.

Du hast nicht verstanden, warum alles zu Ende war. Warum ich dir komplett den Rücken kehren musste. Wie viel das doch sagt. Das Spielzeug kaputt machen und dennoch behalten. Für dich hörte die Freundschaft nie auf. War ich doch ungemein praktisch. Half dir auf, wenn du gefallen warst. Fand die richtigen Worte, wenn du am Boden warst. Egal wie sehr ich selbst am Ende war. Du hast nie gesehen, wie viel du von mir verlangt hast. Wie viel Kraft du mich gekostet hast. Wie wenig du gegeben hast. Warst du doch in deinem eigenen Leiden gefangen. Nicht links, nicht rechts. Was für ein Luxus entscheiden zu müssen, ob man die eine Sicherheit oder die andere wählt. Und nicht zwischen Hoffnung und Enttäuschung hin und her gebeutelt zu werden. Monatelang.

Ich war nie ein Freund. Ich war etwas das du benutzt hast. Ich drehe mich um, kehre deinem Haus den Rücken. Zurück auf der Straße, allein mit dem Mond. Zurück allein im Dunkeln, irgendwann wird auch die Wut nachlassen. Der Schmerz. Der Verrat. Wieder allein mit nichts als den Trümmern. Dankbar für jene im Schatten, die mit mir laufen…

Callingsanity

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Published in: on 29. November 2014 at 18:53  Schreibe einen Kommentar  

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