Ich suchte einen Mann 2.0 – Teil 77 – Zwei Zwerge ohne Widder

Ich suchte einen Mann 2.0 – Teil 77 – Zwei Zwerge ohne Widder

vorsatzDas Jahr geht zu Ende und es ist mal wieder so weit. Ich suchte mal wieder oder immer noch einen Mann. Wahlweise auch zwei Zwerge, bitte ohne Widder.

Nachdem am 30.12.2014 um 16.30 Uhr in Ausübung meines Amtes mein BH endgültig seine Arbeit eingestellt hat und mir quasi seine Dienstbarkeit unter den Brüsten weggebrochen ist, stehe ich nun im alten Jahr ganz schön dumm da und muss nun die Last mit eigener nackter Hand nach Hause schleppen. Für diese tragende Tätigkeit bräuchte ich nun männliche Unterstützung, die entweder von einem Mann in devoter Haltung (Es ist bestimmt nichts Sexuelles!) oder von zwei Zwergen (ohne Widder) mit Leichtigkeit (und völlig uneigennützig) erledigt werden kann.

Mit einem doppelten Stäbchenbruch ist einfach nicht zu spaßen und wo bekomme ich nun auf die Schnelle einen neuen BH in Körbchengröße G (G wie Gustav) her?

Also, falls du ein Zwerg bist und schwere Überkopfarbeit nicht scheust, dann bring noch nen Freund mit und melde dich bei mir.

Anmerkung: rien ne va plus – nichts geht mehr – ‘Ich suche einen Mann’ wird zu ‘Ich suchte einen Mann’

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1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 2

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 2

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Mit den Frachtlisten unterm Arm schlenderte der Kapitän zur Messe hinüber, wo der Lieutenant schon sehnsüchtig zu warten schien. Johann schlich ihm hinterher, blieb aber vor der Messe stehen.

‘Das Laden hat etwas länger gedauert, aber der Wind steht gut.’ meinte er kurz und machte Anstalten wieder gehen zu wollen.

‘Ihr habt ja das Gemüt eines Fleischerhundes. Wenn ich mich nicht recht irre, gab man Ihnen genaue Order, wann die Blue Moon auf Tobago anzukommen hat.’

‘Die See ist eine launische Hure, nur wenn man sich ihr ganz hingibt, kommt man auch zur rechten Zeit, werter Lieutenant.’

‘Euer Wort in Gottes Ohr!’

‘Hoffnungslos sind die Gottgläubigen auf hoher See!’ rezitierte er anscheinend aus seiner persönlichen Bibel und ging wieder aus der Messe, mit den Frachtlisten wedelnd.

‘Was habt Ihr nun vor, Kapitän!’ fragte der Lieutenant.

‘Ach, ich werd jetzt die Frachtlisten überprüfen, nicht dass bei der ganzen Hektik noch etwas durcheinander geraten ist.’ trällerte der Kapitän und verließ die Messe.

Dem Lieutenant entgleisten regelrecht seine Gesichtszüge, als der Kapitän die Frachtlisten erwähnte und folgte ihm neugierig.  

‘So Johann, wo ist der Küper?’ frug der Kapitän ganz beiläufig und am Ende des Ganges machte ein verschroben wirkender Kerl Meldung.

‘Israel Jonason, meldet sich zur Stelle, Kapitän’

‘Israel Jonason, nun schauen wir mal, ob du dem Analphabetismus wirklich abgeschworen hast, mein Freund. Auf in den Laderaum.’ trällerte der Kapitän hoch erfreut und schlenderte weiter.

Der Kapitän zog seine Kontrolle des Laderaumes so unnötig wie möglich in die Länge und der Lieutenant schwänzelte die ganze Zeit in der Nähe herum und belauschte und beobachtete den Kapitän, den Küper Jonason und Johann dabei, wie sie jede einzelne Kiste beäugten.

Nach gefühlten Stunden kamen sie ganz hinten im Laderaum an und der Kapitän fragte: ‘Sag mal, Israel. Ich kann dein Gekritzel gar nicht entziffern. Was soll das heißen?’

‘B….baum….w…w….wolle?’ stammelte der Küper.

‘Nein, das kann ja nicht stimmen.’ rief der Kapitän empört. ‘Nur ein Narr bringt Baumwolle nach Tobago!’

‘Da steht aber Baumwolle, aber ich hab das nicht geschrieben, Kapitän!’ sagte der Küper zu seiner Verteidigung.

‘Wie kann das dann sein, dass in deiner Frachtliste gar plötzlich Baumwolle steht?’ erwiderte der Kapitän leicht amüsiert.

‘Der Morgenschiss kommt ganz gewiss, auch wenn es spät am Abend ist, würde ich mal sagen!’ rief der Küper und zog dabei die Schultern hoch.

‘Isreal, in Zukunft nehme ich es eher in Kauf noch später anzukommen, als dass deine Frachtlisten für Jedermann zugänglich sind, wenn du beim Scheißen bist, Israel!’ befahl der Kapitän und am Ende hatte er seinen Küper gepackt und schrie ihn regelrecht an.

‘Jawohl, Kapitän!’ rief der Küper Israel Jonason pflichtbewusst.

‘Johann, Israel! Ihr wisst was das jetzt heißt, wir müssen jede einzelne Kiste ganz hinten aus dem Laderaum holen, aufmachen und neu beschriften, nicht dass wir am Ende noch Ärger mit der Regierung bekommen, wenn hier was nicht stimmt.’ flüsterte der Kapitän so laut, dass es vor allem der Lieutenant hören hätte müssen.

Kaum war Johann dabei die erste Kiste aufhebeln zu wollen, schlenderte der Lieutenant ihnen entgegen und mit seiner näselnden Blasiertheit fragte er den Kapitän: ‘Was tut er denn da?!’

‘Wir sehen nach, was in der Kiste LV – 426 ist!’

‘Und warum macht er das?’

‘Weil irgendein hirnloser Trottel die Kiste LV – 426 mit Baumwolle klassifiziert hat und nicht mal ein Depp bringt Baumwolle nach Tobago.’ rief der Kapitän und lachte wie ein Verrückter. Johann und Israel lachten auch, weil ihr Kapitän lachte und der Lieutenant und seine beiden Begleiter, die ganz plötzlich neben ihnen aufgetaucht waren, blickten drein, als wären sie auf einer Beerdigung.

Der Lieutenant schluckte schwer und drängte sich zwischen die Männer: ‘Ich glaube das wird nicht nötig sein. In den Kisten befindet sich die Aussteuer für meine Stieftochter, alles aus feinster Baumwolle aus Tobago!’

‘Dann stimmt aber der Lagerort nicht, wenn es sich um Privatsachen handelt. Wenn der Laderaum hinten vollläuft, dann wird die ehrenwerte Tochter des Leutnants die nächste Zeit wohl nicht verehelicht werden. Die Stockflecken kriegt man nie wieder aus dem schönen Geschmeide.’ rief der Kapitän, wunderte sich selbst einen Moment über seinen letzten Satz und schob dann gleich eine Frage hinterher. ‘Wo ist denn eure Tochter eigentlich?’

‘Meine Stieftochter ist vor der Abfahrt schwer erkrankt!’

Aus der Kiste konnte man ein Gewimmer hören.

‘Kapitän, die Kiste macht Geräusche!’ meinte Johann leicht verstört.

Der Kapitän legte den Finger auf den Mund und brachte den Lieutenant für einen kleinen Moment zum Verstummen.

‘Hilfe!’ konnte man genau hören und es kam aus der Kiste.

‘Herr Lieutenant, Ihr werdet doch nicht eure Tochter in die Kiste gesperrt haben, weil sie nicht artig war?!’ fragte der Kapitän und gab Johann einen Wink. Dann Pfiff der Kapitän und während Johann die Kiste aufbrach, wurden die beiden Männer des Leutnants bereits überwältigt.

‘Stieftochter!’ rief der Lieutenant empört.

‘Werter Lieutenant van der Houthen, wenn sich in dieser Kiste das befindet, was ich denke, kann ich schon mal versprechen, dass wir nicht pünktlich auf Tobago ankommen werden.’

Johann hob ein Bündel Fetzen aus der Kiste und stellte es sachte vor seinem Kapitän.

Unter dem Dreck und den Lumpen versteckte sich ein junges Mädchen. Auf den ersten Blick schien sie schwarz zu sein, aber wenn man ein Wenig genauer hinblickte, durchschaute man die Maskeade gleich.

‘Schuhcreme, Leutnant!’ rief der Kapitän. ‘Nur ein Narr schmuggelt gefälschte Neger nach Tobago, Lieutenant!’

Dann wischte der Kapitän mit einem der Lumpen über das Gesicht des Mädchens. Sie quietschte und versuchte sich zu wehren, denn unter der Schuhcreme war nicht nur ein blondes Mädchen versteckt, nein es war ein blondes Mädchen mit einem riesigen Veilchen übers halbe Gesicht.

‘Die beiden schrumpeligen Eier des Lieutenants könnt ihr ins Loch stecken, aber der Lieutenant bleibt hier bei mir, bindet ihm die Hände!’ rief der Kapitän wieder und fuhr dann fort. ‘Johann, mach auch die anderen Kisten auf. Jonason bring die junge Dame in meine Kajüte und mach das was die junge Lady van der Houthen sagt und kümmere dich persönlich darum, dass es beiden an nichts fehlt.’ Der Lieutenant versuchte sich aus seinen Fesseln zu befreien. ‘Ja, Eure liebreizende Tochter hatte mich bereits über den Inhalt der Kisten in Kenntnis gesetzt.’

‘Stieftochter!’ schrie der Lieutenant.

‘Smutje soll sich schon mal Gedanken machen, wie er 2 Duzend zusätzlich durchbringt. Wir machen einen Zwischenhalt auf Madeira, Wasser und Proviant auffrischen.’

 

Fortsetzung folgt…

Far, Far away from Boandlkirch

Far, Far away from Boandlkirch

nebelNach der Erledigung des Papierkram ging Toni mit Emma durch seine Werkstatthalle zu einer kleinen angebauten Garage.

‘Dann machen wir mal eine kleine Spritztour!’ rief er, machte eine einladende Geste und lies sie in die Garage eintreten.

‘Man gönnt sich ja sonst nichts?’ meinte sie, blieb vor dem Wagen stehen, der sich in der Garage befand und sprach erst weiter, als sie mit den Fingern sachte über die Motorhaube strich. ‘Ist das ein 67ger Chevy Impala?’

‘Da kennt sich aber jemand aus?’ rief Toni erstaunt und öffnete ihr die Tür.

‘Naja, die Kinder schauen immer Supernatural und da schnappt man Einiges auf!’ erklärte sie und stieg ein.

‘Du lässt deine Kinder Supernatural schauen?’ fragte er, als er neben ihr Platz nahm.

‘Die Älteren bei uns im Heim dürfen des schon.’

‘Na dann!’ rief er, klappte die Sonnenblende runter, holte eine kleine Fernbedienung hervor und drückte einen Knopf. Das Garagentor ging auf.

‘Du weißt, wo du hin musst?!’ fragte sie, als er den Wagen gestartet hatte. Das Röhren des Motors verschluckte ihre Frage fast.

‘Ja, des ist in Moosach, gell!’ schrie er gegen den Lärm an und fuhr den Wagen aus der Garage. Er stellte den Radio an und leise Musik passend zum Flair des Autos erklang. Sie nickte nur und seufzte leise. Er hatte es nicht gehört, las aber ihren Gesichtsausdruck.

‘Wie kann ich dich aufmuntern?’

‘Ach, ich bin auf das Tohuwabohu gespannt, dass mich zu Hause erwartet.’

‘Ich kann dir ja helfen, hab erst morgen früh wieder Schicht!’

‘Danke. Ich weiß gar nicht wie ich mich für deine Hilfe revanchieren kann.’

‘Lass uns die Tage mal Essen gehen!’

‘Ich zahle!’ grinste sie ihn an.

‘Mal sehen!’ meinte er und griff während der Fahrt nach ihrer Hand. Sie lehnte sich an seinen Arm und wies ihm ab und zu den Weg. Ansonsten blickte sie verträumt übers Armaturenbrett hinweg auf die Straße.

‘Da vorne rechts rein!’ unterbrach sie die Stille und zeigte auf eine Hofeinfahrt.

‘Yes, Ma’am!’ rief er, blinkte und steuerte seinen Wagen in eine Einfahrt und blieb dann vor einem riesigen Tor stehen. Auf der Höhe des Seitenfensters stand zwischen zwei Büschen versteckt eine Säule, in der eine Konsole eingelassen war. Sie zog grinsend ihren Schlüssel aus der Handtasche und machte eine kurbelnde Handbewegung.

‘Das ist ja wie bei James Bond!’ meinte Toni, während er das Fenster runter kurbelte und sie neugierig an blickte. Sie drehte sich schmunzeln zu ihm um und beugte sich zu ihm rüber, bis ihre Nasenspitzen sich fast berührten.

‘Nennen Sie mich Rider, Honey Rider!’ flüsterte sie ihm zu und dabei berührten ihre Lippen für einen flüchtigen Moment seine Nasenspitze.

Dann kniete sie sich auf den Sitz und beugte sich über ihn aus dem Fenster, um mit dem Schlüssel das Schloss an der Konsole aufzusperren, dann gab sie ein paar Zahlen auf dem Nummernfeld ein, während er mit seiner Nase ihren Pulli zur Seite schob, um ihr sachte in die Seite zu beißen.

Sie kicherte, doch da das Tor bereits nach innen aufging, packte er ihren Hintern und zog sie auf seinen Schoss, damit er aus der Windschutzscheibe schauen konnte.

‘Wo soll es hingehen?’ wollte er wissen.

‘Zu den Garagen zwischen den beiden Häusern.’ lachte sie ihn an. Zappelnd versuchte sie sich aus seinem Griff zu befreien, doch er fuhr bereits die Auffahrt hoch, bis zu den Garagentoren, die auf einen Knopfdruck ihrerseits, ebenfalls aufglitten.

‘Eins muss man unserem Hausmeister ja lassen, mit so technischen Spielereien kennt er sich aus.’ meinte sie, als sie sich endlich aus seinen Fängen befreit hatte.

‘Hausmeister?!’ fragte Toni und fuhr seinen Wagen langsam in die Garage.

‘Ja, der hatte auch Urlaub und holt die Kinder morgen früh von der Freizeit ab.’ erzählte sie, öffnete die Tür und stieg langsam aus dem Wagen. Plötzlich stand ein Mann neben ihr und sie erschrak.

‘Da sind Sie ja!’ riefen beide und Emma musste sich ans Herz fassen. ‘Haben Sie mich erschreckt.’

‘Wo waren Sie denn?’ fragte der älterer Herr, hatte allerdings nur Augen für den Wagen.

‘Mei, Herr Kimmelmann, ich hatte eine Autopanne und Herr Berger hier, hat mich gerettet.’

Toni war bereits aus dem Auto ausgestiegen und um seinen Wagen gegangen. ‘Habe die Ehre, Herr Kimmelmann. Ich bin Anton Berger, Abschleppunternehmen mit Kfz-Aufbearbeitung!’ Die beiden Männer schüttelten sich die Hände und blickten gleichzeitig auf den Wagen.

‘Ja, mit so einem Wagen, wird sich so mancher Hase abschleppen lassen.’ sprach er recht verträumt, zog ein weiches Leder aus seiner Hosentasche und ging damit liebevoll über den Lack.

‘Herr Kimmelmann!’ rief Emma empört.

‘Wenn das Auto reden könnte, könnte er uns bestimmt so manche Geschichte erzählen?’ zischte Herr Kimmelmann dem Wagen zu.

‘Keine Ahnung, ich hab den Wagen von einer älteren Damen gekauft, die hat ihn unter einer Plane im Schuppen ihres verstorbenen Mannes gefunden und ich hab ihn dann hergerichtet.’

‘Saubere Arbeit!’ meinte der Hausmeister anerkennend. ‘Und was ist mit’m Franzaken?’

‘Herr Kimmelmann!’ meinte Emma wieder empört, aber sie schien für die beiden Männer irgendwie wie Luft zu sein.

‘Ja, der ist ganz schön im Eimer!’ meinte Toni. ‘Aber des kriegen wir schon wieder hin.’

‘Wann kamen sie denn eigentlich wieder?’ fragte sie den Hausmeister.

‘Ich bin vor ner Stunde erst wieder gekommen, ich stand im Stau!’

‘Ach, war irgendwas hier!?’

‘Nichts Verdächtiges!’ meinte er und fragte dann. ‘Warum?’

‘Anscheinend sind meine Brüder schon ausgeflogen?!’

‘Ich hab sie jedenfalls nicht gesehen, aber im Haupthaus ist alles in Ordnung, wenn Sie des meinen?’

‘Dann gehen wir mal rein.’ meinte sie zuversichtlich.

Fortsetzung folgt in Bei Hempels unterm Sofa – Far away from Boandlkirch

Drei und eine Axt – Teil 38

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 38

reiter_neu‚Im Umkreis der Jurten ist keiner mehr. Otar hält mit Alur Wache. Ich hab deine Mutter mit den Kindern in dein Bett gesteckt. Lamina ist bei Lona und Fina.‘ berichtete Ainur.

‚Sag mal, wo ist eigentlich Kejnen!‘ fragte Halef, der immer noch vor Kel stand und sich überlegte, ob er ihn einfach gleich umbringen sollte. Er hatte ihn ans Gatter gebunden und auch geknebelt. Seine Schreie hätten ihn sonst Wahnsinnig gemacht.

‚Ähm, war er nicht bei euch im Wald.‘ meinte Ainur.

Halef pfiff nur nach seinen Hunden. Er hörte sie bellen, aber sie kamen nicht.

‚Alur, hab ein Auge auf ihn. Deine Mutter soll ihn nicht umbringen, ich will ihm noch ein paar Fragen stellen. Wir suchen Kejnen und diese nichtsnutzigen Köter!‘ rief Halef. Sie liefen dem Gebell entgegen. Nach wenigen Momenten hatten sie die Hunde gefunden. Und die Hunde hatten nicht nur noch einen weiteren Späher gefunden, sondern auch Kejnen. Er war gestürzt und hatte einen Ast im Bein stecken und war mit dem Kopf auf einen Stein gefallen.

Ainur nahm Kejnen hoch und Halef schleifte den Späher mit sich. Während Ainur mit Kejnen direkt in der Jurte der weißen Hexe verschwand, lies Halef den Späher im Hof liegen und zog es vor, ihn über den Platz zu stiefeln.

Alur hatte bereits die Pferde der Banditen eingefangen und am Gatter angebunden. Otar und Wena plünderten die Leichen der Banditen und trugen sie anschließend auf einen Haufen. Halef band den Späher ebenfalls ans Gatter, die Hunde hatten ihn ganz schön zugerichtet. Er beugte sich zu seinen Hunden hinunter und flüsterte ihnen zu: ‚Nyul bleib hier und bewachte die Bastarde und Roka lauf und such mir noch Einen von denen!‘

Dann stand er auf und lief in die Jurte von Wena. Lamina saß auf dem Bett der Kinder, Lona lag schlafend in ihrem Schoss und Fina lag gerade im Bett und schlief ebenfalls.

‚Wie geht’s euch?‘ flüsterte er.

‚Gut soweit, Ziska hat sich ihren Kopf bereits angeschaut und alles andere sind nur Kratzer.‘ flüsterte Lamina und versuchte zu lächeln. Er trat an ihre Seite und küsste sie auf die Stirn. ‚Habt ihr alles was ihr braucht?‘

‚Ich würde gerne aufstehen und für alle was kochen, es haben doch bestimmt alle großen Hunger.‘ meinte Lamina. ‚Ich will Lona aber nicht wecken, sie schläft gerade so friedlich!‘

Er nickte ihr zu und sie versuchte aufzustehen, dabei hielt er Lona fest und bettete sie neben ihre Schwester. Wena stand in der Tür und blickte sie erschöpft an. ‚Die nächsten Tage gibt es Pferd, deine Mutter hat eins gefällt und deine Frau hat zwei erschossen.‘

Neben der Jurte lag ein Haufen aus Waffen, Gürtel, Köcher, Schuhen, Sättel, Mäntel, Rüstteilen und ein paar Kleidungsstücken.

‚Sie hatten es nicht gerade nötig uns zu überfallen, ihre Taschen waren voller Gold!‘ meinte Otar. ‚Alur bring die Waffen und Sättel in die Viehjurte, den Rest teilen wir später auf und sammle dann die Pfeile ein, die überall verstreut liegen.‘

‚Ich setz Tee auf und würd dann was Kochen für alle!‘ meinte Lamina kurz und machte sich daran die Kochstelle aufzuräumen.

‚Ja gut. Wir sollten die Pferde zerlegen, bevor sie noch die Viecher anlocken.‘ meinte Wena und ging mit Otar zu den Kadavern der Tiere.

Am Fluss brannte ein großes Feuer und der süßliche Gestank von verbrannten Menschenfleisch kroch allen in die Nase. Otar hatte die Leichen der Banditen einfach angezündet.

Halef ging in seine Jurte, um nach seiner Mutter zu sehen. Sie lag auf dem Bett und die Kinder lagen um sie herum und alle schliefen friedlich. Als Halef aus seiner Jurte kam, war Elger gerade vor die Tür getreten, er hatte seine Frau auf dem Arm. In ihrem Arm lag ein kleines zappelndes Bündel. Er zwinkerte Halef lächelnd zu und ging dann langsam zu seiner Jurte hinüber.

‚Magst du das Essen machen, dann versuch ich das Kindsbett sauber zu kriegen.‘ schlug Lamina vor. ‚Ich hab die Suppe und frisches Wasser schon aufgestellt!‘

‚Ja gut und frag Ainur, ob er Hilfe braucht. Kejnen hat es ganz schön erwischt.‘

Drei und eine Axt – Teil 37

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 37

reiter_neuDie Hunde kamen aus dem Wald gelaufen, Halef und Alur folgten ihnen. Pferde irrten auf dem Hof umher. Unzählige Pfeile steckten irgendwo, vibrierten teilweise noch oder lagen herum. Ein totes Pferd lag neben seiner Jurte. Ein Weiteres plärrte vor Schmerz. Einige der Angreifer waren vom Pfeil getroffen vom Pferd gestützt und rappelten sich gerade wieder auf. Die Hunde sprangen sie an und als Halef an ihnen vorbeilief waren die restlichen Männer bereits tot.

Die Hunde machten sofort kehrt und liefen um die Jurten herum, sie hatten eine Fährte aufgenommen. Alur bemerkte den kleinen Thorn, der unter dem Tisch saß und schrie wie am Spieß, während Halef schnurstracks in die Jurte seiner Mutter lief. Von dort hatte er Schreie gehört.

Wena saß apathisch am Boden der Jurte, hatte Fina im Arm und begriff gar nichts mehr. Fina war bewusstlos und blutete stark am Kopf. Komischerweise war es Lona, die mit einer Hand ein Tuch auf die Wunde ihrer Schwester presste, während sie mit der anderen Hand versuchte ihr Kleid zusammen zu halten. Merle lag auf dem Bett seiner Mutter und schrie und wand sich unter Schmerzen. Ihre Mädchen knieten verängstigt auf dem Bett und wussten ihrer Mutter nicht zu helfen. Lamina stand mit gespannten Bogen mitten in der Jurte und zielte auf Kel, der sich unter ihr wand. Sie stand mit dem Fuß auf seiner Kehle und schrie ihn an. In seinem Bein steckten zwei Pfeile und einer steckte in seiner Schulter. Ihre Hände zitternden, ihre Tunika und ihr Unterkleid waren aufgerissen und er konnte blaue Flecken an ihrem Hals erkennen.

Beruhigende Laute stolperten ihm über die Lippen, als er von der Seite an sie heran trat und ihr vorsichtig den Pfeil vom Bogen nahm. Dann griff er ihre Hand und entspannte den Bogen. Er schob sie auf die Seite und meinte kühl: ‚Kümmere dich um Merle!‘

Im selben Moment packte er Kel und schleifte ihn am Hals aus der Jurte. Ziska kam ihm entgegen, die hinter ihm sofort in der Jurte verschwand.

Elger war der Erste, der bei den Jurten ankam und blieb für einen Moment bei Halef stehen, der Kel über den Hof prügelte.

‚Bring ihn nicht um, noch nicht!‘ rief Elger, aber als er seine Frau in der Jurte schreien hörte, lief er weiter.

Otar lief an ihnen vorbei direkt in die Jurte und kam wenig später mit seinen zwei jüngsten Töchtern heraus gelaufen, die völlig verstört zu sein schienen und drückte sie Alur in die Hand, der neben dem Tisch gekniet hatte und immer noch versuchte den jungen Thorn zu beruhigen.

Halef hörte Ainur, bevor er ihn sah. Er war völlig außer Atem und keuchte: ‚Es waren zwei Späher im Gebüsch. Wo ist deine Mutter?‘

Halef blickte auf und drehte sich Richtung Jurte. In dem Moment rappelte sich Kel auf, zog den Dolch aus seinem Rücken und versuchte sich auf Halef zu stürzen. Ainur war schneller, er brach ihm einfach die Hand mit einem einzigen Schlag.

‚Binde ihn, dass er sich nicht mehr bewegen kann, ich möchte ihm einige Fragen stellen, später!‘ rief Ainur und lief dann weiter. Vira kam gerade aus der Jurte des Sippenführers. Sie musste sich am Türpfosten abstützen und hielt ihren Bauch. Ainur sah nur das Blut auf ihrem Kleid und stürmte ihr entgegen.

‚Es ist alles gut, glaub ich. Es blutet nicht mehr. Meine Hand ist gebrochen… Ziska hat schon getan was sie kann…!‘ keuchte sie und lies sich von ihm auf ihren Stuhl befördern. ‚Schau erst nach den Anderen!‘

Alur setzte Lina auf die Lehne ihres Stuhles, weil nun auch Nala unter dem Tisch saß und mit Thorn zusammen um die Wette zu schreien schien. Wena kam aus der Jurte und hielt Fina in den Armen. Lona folgte ihr, stützte dann aber auf die Knie und brach nun weinend zusammen. Ainur hob sie auf und Wena drückte ihm auch Fina in den Arm, als sie Merle wieder schreien hörte. Otar war bereits hinter Ainur aufgetaucht und half ihm dabei, die beiden Mädchen in die Jurte zu bringen. Elger kam mit seinen beiden Töchtern aus der Jurte und schrie nach Thorn.

‚Er ist hier unter dem Tisch!‘ rief Alur aufgebracht.

Elger setzte seine Kinder einfach nur am Tisch ab und lief dann wieder in die Jurte, wo seine Frau immer noch schrie.

Kommt ne Frau in eine Bar, voll bepackt mit 1000 Sachen!

Kommt ne Frau in eine Bar, voll bepackt mit 1000 Sachen!

dungeons-dragon‘Du kommst zu spät.’ meinte der Nerd mürrisch.

‘Ja, sorry. Ich war noch beim DM!’ rief sie gehetzt. Sie zog ihre Jacke aus und es kam ein ‚Winter is coming!‘ – Shirt zum Vorschein.

‘Hey komm! Zocken, kannst du außerhalb deiner Barzeiten.’

‘Sag mal bist du jetzt mein Chef?’

‘Nein, ich hatte überhaupt keinen Bock zu arbeiten heute, dieses streitsüchtige Pärchen ist schon wieder da und du sitzt zu Hause beim Zocken, während ich mich mit Becks Blue Girl und AstraMan minus Eier rumschlagen muss.’

‘Wie kommst du überhaupt drauf, dass ich gezockt habe.’

‘Na, DM halt!’  

‘Ja, DM! Ich hab Waschmittel gekauft!’ rief sie erbost und sie stellte eine Tüte vom DM auf den Tresen und versuchte ihn gleichzeitig mit einer Waschmittelflasche zu hauen.

‘Aber DM heißt doch Dungeon Master?!’

‘Ja, in deiner Welt heißt DM Dungeon Master, und wenn in meiner Welt kein Waschmittel mehr da ist, heißt DM bei mir DrogerieMarkt!’

‘Boa, du bist ja doch ein Mädchen!’

‘Ja hallo! Schau mal!’ rief sie und hob ihr Shirt hoch und darunter kam ein Walking Dead Shirt zum Vorschein. ‘Schon mal nen Kerl mit Titten gesehen?’

‘Ähm, ja. Die Transe, die hier immer mal wieder vorbeischaut hat auch Titten.’

‘Ja, FakeTitten!’ meinte sie schnippisch. ‘Und schief sind die auch noch!’

‚Sag mal hast du immer zwei Nerd-Shirts übereinander an?‘

‚Die Tendenz geht zum Zweitshirt!‘ rief sie, zog eine Augenbraue hoch und grinste ihn dreckig an.

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)

Das Fest der Liebe ohne Fußnote

Das Fest der Liebe ohne Fußnote

10346535_966087070087908_4047236016310723406_nDas Fest der Liebe rückt näher und ich krieg einfach nur das Kotzen, von den Heucheleien, die man täglich so vorgesetzt bekommt. Nächstenliebe ist nicht nur auf die Weihnachtszeit begrenzt, dass kann man übrigens das ganze Jahr machen!
Aber Weihnachten ist ja das Fest der Liebe und der Nächstenliebe. Es ist das Fest der Liebe ohne Fußnote, ohne Wenn und Aber und vor allem das des warmen Gefühls im Herzen und der Besinnlichkeit. Die stade Zeit, wo alle Menschen aus Nächstenliebe ein Bisschen zusammenrücken. Jeder schaut auch mal über den Tellerrand und läd jemanden auf einen Kaffee ein, der es sich vielleicht nicht leisten kann. Schön wärs.
Aber in der heutigen Zeit wo wir selbst schon kaum mehr eine Entscheidung treffen können, ohne jede Eventualität zu durchdenken und abzuwägen und vor allem immer daran zu denken, was denn die Anderen sagen könnten, anstatt einfach dem Ruf des eigenen Herzschlages zu folgen.
Wie kann man da selber von Toleranz reden, wenn wir uns selbst schon nicht akzeptieren können, wie wir selber sind, wie sollen es dann die Anderen tun.
In einer Welt wo jeder nur nach seinem eigenen Vorteil bedacht ist, während manch Anderer um sein Überleben hart arbeiten muss, damit man zum Weihnachtsabend die obligatorischen Würstel auf den Tisch bringen kann, kann ich nicht guten Gewissens das Fest der Liebe feiern, während in Deutschland die rechten Arme wieder hochgerissen werden und ein paar Deppen auf die Straße gehen und anfangen zu der Angst der Menschen, die täglich um ihr Leben kämpfen müssen, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen und genau so hat es schon mal angefangen.
Ich hab bei den aktuellen Geschehnissen in Deutschland noch weniger Lust Weihnachten zu feiern, als sonst! Mir geht Weihnachten sonst schon unglaublich auf den Sack. Die Idiotie und Bigotterie, die hier zur Zeit herrscht, will einfach nicht in meinen Kopf gehen, wie dumm man eigentlich sein kann. Während die Einen in diesen Tagen der Völlerei frönen, werden die Anderen von der Trägheit der eigenen Existenz in den Neid getrieben werden.
Seht in euer Grippal auf die drei Weisen aus dem Morgenland hernieder und denkt mal ein Bisschen über die Weihnachtsgeschichte nach und esst dabei den Christstollen mit den ‘orientalischen’ Gewürzen. Am keltischen BrauchtumsChristbaum hängen die Weihnachtskugeln aus ‚Made in aller Welt‘. In der Schale neben den heimischen Plätzchen (Zimt aus Cylon und Kadarmom aus Tibet) liegen die Mandarinen aus Israel und die Bananen aus Brasilien (Bananen kommen ja nicht unbedingt aus Afrika).
Die Päckchen unter dem Weihnachtsbaum sind von Amazon und DHL gebracht, einen Arbeitgeber den es scheißegal ist welche Hautfarbe seine Mitarbeiter haben.
Schaut doch mal über den eigenen Tellerrand, wenn ihr eure Plätzchen gefressen habt und lest vielleicht noch mal in dem ein oder anderen (Geschichts)Buch oder gar in der Bibel. Spendet was an Bedürftige, schaut nicht zu wie Menschen nebenan verhungern. Haltet zusammen und zwar ohne den rechten Arm zu heben.

Wehret den Anfängen!

‚Selbstverständlich klauen dir Ausländer deinen Job! Aber wenn dir jemand ohne Geld, Kontakte und Sprachkenntnisse deinen Job wegnehmen kann, bist du vielleicht einfach nur Scheiße!’ Louis C.K.

Der Schalk im Nacken

Der Schalk im Nacken

jokerDer Narr des Königs lief gehetzt über den Hof, er hatte einen zerschlissenen Sack dabei, den er in dem Moment als es zu schneien begann, vor den Stallungen in eine Nische warft. Dann zupfte er seine Narrenkappe zurecht und schlich geduckt zum alten Burgfried hinüber. Das Schild der Burgtaverne hing schief über dem Eingang und der Name der Kaschemme war äußerst einfallsreich: ‘Zum alten Burgfried’

Er blieb im Torbogen stehen, der sich am Fuße der Treppe auftürmte, die hinaufführte in den Turm und hinunter in den Gewölbekeller führte, der nun die Burgtaverne beherbergte. Seitdem der Burgherr sich entschlossen hatte, die alte Folterkammer in eine Taverne umzufunktionieren, ging hier Jedermann ein und aus und für Jedermanns Heller, wurden hier die Humpen voll gemacht und vieles mehr…

‘Wer nichts wird, wird Wirt!’ Für diesen Satz hatte er schon ganz schön Prügel bezogen.

Egal, er watschelte die Stufen in den Gastraum hinunter, der wie immer nicht sonderlich einladend wirkte und blickte in die Runde. Zwischen den alten Foltergeräten standen einige Tische und Stühle, die vollbesetzt waren mit ein paar Wachen und Söldnern, die sich um ein und die selbe Hure stritten.

Die plötzliche Stille und das leise Getuschel, übermannte sein eh schon wankelmütiges Gemüt. Er zog mit einem missmutigen Grinsen im Gesicht seine Kappe vom Kopf und grüßte in die Runde: ‘Ein Bier und einen von dem Unaussprechlichen!’

Die Leute, die ihn eben noch stumm angestarrt hatten , begannen langsam wieder mit ihren Gesprächen, die sie eben nur unterbrochen hatten, um den Narren anzustarren, seit dem er in seiner üblichen Haltung Treppenabsatz stand. Er schlurfte gelangweilt an den Tresen, seine Schuhe sahen aus wie begossene Pudel mit Glocken.

Der Schnee schmolz langsam auf seinen Sachen und durchnässte seine Kleider noch mehr. Er blickte zur Theke hoch und kletterte auf einen der hohen Stühle, die vor dem Tresen standen. Der überaus hässliche Wirt stellte ihm einen Humpen Bier hin und goss ihm einen Becher voll mit diesem geheimnisumwogenen Unaussprechlichen ein und fragte: ‘Gibts was zu feiern!?’

‘Wie man’s nimmt!’

‘Na, denn Prost!’

Der Narr stürzte den Unaussprechlichen in seine Kehle, ohne zu schlucken lies er das Gesöff in seinen Rachen laufen. Wäre er nur ein liederliches Hurenweib geworden, dann hätte er sich schon jetzt zur Ruhe setzen können, aber mit seinem Aussehen und mit seinem kleinen Pint, hätten ihn nicht mal die alten Griechen genommen.

Er zog ein Notizbuch aus seinen Sachen und kritzelte mit einem abgebrochenen Kohlestift etwas hinein. ‘Nutzloses Talent Nr. 69 – keinen nennenswerten Schluckreflex besitzen!’

Einer der Söldlinge kam völlig durchnässt in den Schankraum gestolpert. ‘Gibt’s was von dem heißen Met! Ich kann meine Zehen und meine Finger nicht mehr spüren!’

‘Als ob Euch der heiße Met das Gefühl in Eure Finger zurückgeben würde!’

‘Was soll das heißen, Narr!? Die Weiber haben sich noch nie beschwert!’

‘Ja, weil sie mit jammervollem Geschrei beschäftigt waren!’

‘Wenn der hohe Herr nicht solch einen Narren an Euch gefressen hätte, dann würde ich Euch eure Verleumdereien in euer geschwätziges Schandmaul zurück stopfen.’

‘Seit wann Eucht Ihr mich, warum so förmlich, bin ich doch sonst nie mehr wert als den Dreck am Stiefel unseres Herren, der der über uns wohnt!’ rief der kleinwüchsige Narr und zeigte nach oben.

‘Anweisung von oben, warzengesichtiger Possenreißer!’

‘Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Herr von oben, der zu uns spricht! Mir hört er schon lange nicht mehr zu!’ lamentierte der Narr und liebäugelte mit seinem Bier.

‘Seine Magnifizenz möchte, dass wir Euch so behandeln, wie auch der Herr die Seinen behandeln würde!’

‘Oh nein, mein letztes Stündlein hat geschlagen, der Herr behandelt mich wie seines Gleichen! Ich bin des Todes!’ schrie der Narr laut auf, jammerte und trank seinen Humpen in Windeseile leer, um dann weiter zu jammern: ‘Jammer, weh und ach…!’

‘Wie meint Ihr das?’

‘Sind nicht die letzten fünf Anverwandten unseres geliebten Hochwohlgeborenen eines mysteriösen und gar plötzlichen Unfalltodes gestorben?’ säuselte der Narr und machte dann die Geste des Abmurksens.

‘Das waren alles furchtbar traurige Unfälle!’ rief der Söldner ernst und funkelte den Narren wütend an.

‘Das würde ich auch sagen, wenn ich ein …!’ meinte der Narr und fing gottererbärmlich zu Husten an, als wäre er dem Ersticken nahe, man konnte aber ganz genau ein ‘Meuchelmörder!’ hören, mehrmals hintereinander.

Der Söldner packte ihn am Kragen und schrie ihn an: ‘Narr, ich rate Euch, halte dein losen Mundwerk.’

Der Narr riss sich los und landete auf dem Boden um im nächsten Moment auf seinen Stuhl zurück zu klettern. ‘Ach, stehe ich nicht gerade wegen meinem losen Mundwerk in Lohn und Brot bei unserer ehrenwerten Durchlauchtigkeit!’

Der Söldner biss sich auf die Zunge, schnappte seinen dampfenden Becher und verschwand an einen Tisch, an dem drei von seinen Kameraden saßen und schon heftig miteinander tuschelten.

‘Noch einen doppelten unaussprechbar Widerhaften!’ meinte der Narr.

‘Sagt mal, ist was? Ihr sauft doch sonst nicht so…?’ frug der Wirt.

‘Hab heute meinen freien Tag!’

‘Soso!’

‘Hab heute alle meine Erledigungen gemacht, für die ich sonst immer keine Zeit habe und nun sitz ich hier, ich armer Tor allein an deinem stinkenden Tresen!’

‘Ihr habt wenigstens einen freien Tag!’ nuschelte der Wirt.

‘Ja, aber mir wäre eine Unterhaltung lieber oder einfach nur einen stummen Saufkumpanen.’

‘Das könnte an Euren Beruf liegen!’

‘Wie als Hofnarr darf man keine Freunde haben?’

‘Als Hofnarr lebt man ziemlich einsam und gefährlich!’ zischte der Wirt und blickte so unauffällig wie möglich zu dem Tisch der Söldner hinüber.

Die Söldner tuschelten immer noch miteinander, waren sich wohl in einem Punkt einig geworden und standen gleichzeitig vom Tisch auf. Einer der Stühle fiel um und im nächsten Moment hatten sie sich den Narren gegriffen und in die Höhe gerissen. Seine verbogenen Stummelbeine baumelten in der Luft und sein Gesicht wurde genau auf die Schlaghöhe ihres Redelsführers gebracht, der bei jedem Wort ihm einen Faustschlag ins Gesicht verpasste: ‘Das… wird… Dir… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’

‘Was ist mit dem Euchen?’ spuckte der Narr mit einer Blutfontäne hervor.

‘Das… wird… Euch… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’ rief der Söldner noch einmal und schlug dabei staccato in das blutige Gesicht des Narren. Seine Narrenkappe blieb auf dem Kopf, als wäre sie angewachsen und die Glocken bimmelten bei jedem Schlag.

Als er mit dem Narren fertig war, ließen seine Leute ihn einfach fallen. Mit einem Klatschen traf das zerschundene Gesicht des Narren auf dem schmutzigen Tavernenboden auf. Er spie eine weitere Blutfontäne heraus und presste folgende Worte hervor: ‘Oh Herr, ja und ich halte auch die linke Wange hin, du abartiger Bastard!’

Nun wurde er auch noch gestiefelt, bis ihn die nahende Ohnmacht beinahe erlegt hätte. Nun wurde er die Stufen hochgeschleift und landete in einem Haufen Schnee, bevor die frische Luft ihm noch eine mit dem Holzhammer verpassen konnte. Der arme Tor war ziemlich weggetreten und wurde erst stutzig, als er ein paar Knöpfe hörte, die an kaltes Leder schlugen. Jemand hatte seinen Hosenlatz geöffnet.

Der Anführer pinkelte neben dem Narren in den Schnee, drehte sich ganz langsam in seine Richtung und fing langsam und behäbig an zu reden: ‘Wir hauen dir einfach so lange auf die Schnauze, bis es dir endgültig die Sprache verschlägt, witzloser Trunkenbold!’

Die Pisse pritschelte auf die Schuhe des Narren und süßer die Glocken nie klangen und genau deswegen antworte der Narr in aller Seelenruhe: ‘Da könnt ihr stinkenden, inzuchtgeplagten Ziegenficker warten bis zum Sankt Nimmerleinstag!’

Kurz bevor der Pissestrahl sein Gesicht erreichen konnte, versiegte die Quelle mit einem merkwürdigen Gurgeln und der Narr fing herzhaft an zu lachen. Ein paar einsamen Tropfen fielen noch auf seinen Wams und er bog sich vor lachen und kieckste: ‘Meiner mag zwar gotterbärmlich klein sein, aber wenigstens schafft er immer dass, was ich mir vornehme damit zu tun!’

Die Retourekutsche bekam er sogleich ins Gesicht getreten, darauf lachte der Narr wieder schallend und spuckte einen blutigen Zahn in den Schnee: ‘Ihr wisst ja nicht was ich gewesen war, bevor ich Hofnarr geworden bin!’

‘Was wird er schon gewesen sein, steckt doch ein Schalk in jeder Faser von ihm…!’ rief der Anführer der Söldner zu seinen Männern. Der Narr kroch über den Schnee und versuchte auf allen Vieren zu flüchten. Und wenn man auf den Narren geachtete hätte, dann hätte man ein kleines Blitzen in seiner Hand gesehen, der Mond muss sich für einem kurzen Moment in irgendwas gespiegelt haben, dass der Narr in seinen Fingern hatte.

Der erste Söldner hatte den Narren eingeholt, doch der nasse Witzbold rutschte ihm durch die Finger. Der Söldner fluchte und blieb plötzlich wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Als der Narr an seinem Angreifer vorüberkroch, stürzte dieser auf die Knie, bekam Schaum vor den Mund und kippte vornüber in den Schnee, als der Narr ihn passiert hatte. Seine zwei Kumpanen stürzten sich auf den Narren und wenig später stand der Witzbold über ihnen und spuckte in ihre schaumverschmierten Gesichter. Ein hohles Gelächter purzelte über die Lippen des Narren und meinte dann ganz ernst und trocken: ‚Nur ein Meuchelmörder erkennt einen Meuchelmörder!’

Plötzlich sauste eine Axt an seinem Kopf vorbei, ein paar der Glocken wurden von seiner Kappe getrennt und trudelten hinter der Axt her, die hinter ihm in einem der beiden gefällten Söldner zitternd stecken bleib. Der Narr grinste mittlerweile reichlich grimmig und sprang auf den Anführer. Kurz vor ihm kam der Narr wieder auf den Boden, rutschte auf dem Schnee zwischen den Beinen des Söldners hindurch und stach dem einsamen Redelsführer dabei mit einer dünnen Nadel in den Fuß. Man konnte wieder dieses Blitzen sehen, als der Mond im Begriff war hinter der nächsten Wolke zu verschwinden.

Der Anführer stand erschrocken mitten im Hof und der Wind wehte in seinen offen stehenden Mund. Dann sankt der Mann auf die Knie. Der Schalk sprang dem Söldner in den Nacken und steckte ihm eine angespitzte Stricknadel in den Hals. Mehrmals. Und bei jedem Stich spritze mehr Blut heraus. Irgendwann ging der letzte Söldner mit samt dem Schalk im Nacken zu Boden. Der Narr rutschte von seinem Rücken und schlittere zu den Stallungen zurück, wo immer noch sein Bündel lag. Er ließ es sich auch nicht nehmen, die Männer zu plündern.

Still lenkte er seine Schritte weiter auf das Burgtor zu und pfiff sich sein und sang dazu: ‘Weil du heut Geburtstag hast!’

Nutzloses Talent Nr. 70: Töten mit Haushaltsgegenständen

Frühstück beim Berger von Boandlkirch

Frühstück beim Berger von Boandlkirch

nebel‘Tee oder Kaffee!’ fragte Frau Berger.

‘Tee, wenns keine Umstände macht.’ meinte Emma.

‘Nein, ich hab eh schwarzen Tee gemacht, für ihr Auge!’ meinte Frau Berger. ‘Das ist für die Schwellung!’

‘Ach ja, ich hab gestern unverhofft den Airback geküsst!’ meinte Emma und tastete über ihr Gesicht. ‘Ist es arg geschwollen, ich hab grad gar nicht in den Spiegel geschaut vorhin!’

Frau Berger legte ihr einen Teller hin, auf dem ein paar nasse Teebeutel lagen. ‘Das ist ein altes Hausmittel, einfach auf die Schwellung legen, das wirkt Wunder!’

‘Das ist ja super, kann man das auch bei Kindern machen?’ fragte Emma und legte sich einen Teebeutel aufs Auge.

‘Kinder!?’ fragte Frau Berger mit einer extrem hochgezogenen Augenbraue, die Emma gerade nicht sehen konnte, weil sie ja den Teebeutel auf dem Auge hatte und das andere Auge geschlossen war.

‘Ja, meine Kinder hauen sich immer gegenseitig die Köpfe ein!’ meinte Emma und blickte erst Frau Berger wieder an, als diese nach Luft schnappte.

‘Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Ich bin ledig, aber ich arbeite für eine Stiftung die ein Kinderheim betreibt.’

‘Ein Kinderheim!?’ fragte Frau Berger etwas beruhigt, aber keineswegs erleichtert.

‘Ja, mein Opa hat eine Stiftung gegründet für benachteiligte Kinder, nachdem er sich sein ganzes Leben um mich und meine drei missratenen Brüder kümmern musste. Wir haben vorallem Waisen und Kinder aus schwierigen Verhältnissen, die vom Jugendamt weggeholt wurden. Die Kinder sind gerade in den Herbstferien auf einer Hütte ohne Strom mitten im Wald und da kam ich gestern gerade her, als ich die Panne hatte!’

Toni stand in der Küchentür und hob ihre Handtasche in den Raum, als wäre es eine Bombe, die jeden Moment hochgehen könnte. ‘Deine Handtasche vibriert!’

‘Ach du Scheiße! Des wird mein schwindliger Bruder sein!’ rief sie und sprang auf, tauchte im nächsten Augenblick mit der Hand in die Handtasche und zog sogleich ihr Handy heraus. Leicht genervt ging sie dran, während sie hörte wer dran war, ging sie ins Wohnzimmer.

‘Wie, du bist noch nicht losgefahren? Eberhard, nicht dass du gegen deine Auflagen verstößt, wenn du dir die Birne volllaufen lässt, du kümmerst dich einen Scheiß darum was mit mir ist! Du hast die SMS nicht gekriegt, ja genau! Ist schon gut, ich fahr mit dem Taxi, der Opa hat’s ja! Und mach dich drauf gefasst, dass ich jeden von euch drei eigenhändig übers Knie legen werde, wenn ich zu hause bin, dafür seit ihr mir noch nicht zu alt. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich mal einen Tag nicht da bin und ihr tanzt mir sogar in meiner Abwesenheit auf der Nase rum. Schau, bloß dass das Haus sauber ist, wenn die Kinder morgen früh kommen, will ich von eurer Scheiße nichts mehr sehen.’ Sie legte auf und tippte auf dem Handy herum. ‘Schon mal was von Sendebestätigung gehört!’ flüsterte sie und musste sich erstmal setzen.

Toni war in der Tür erschienen und blickte zu ihr rüber. Ihre Hände zitterten und sie pumpte wie ein Maikäfer.

‘Ich kann dich nachher auch fahren!’ meinte er ganz ruhig. ‘Wir müssen nur noch ein bisschen Papierkram machen, wegen dem Schaden!’

‘Und vorher wird gefrühstückt!’ konnte sie Frau Berger in der Küche hören.

Sie stand auf und wischte sich die Tränen aus den Augen, dann bewegte sie sich ganz langsam zu Toni hinüber und als sie in seiner Nähe angekommen war, sackten wieder ihre Knie weg. Er fing sie umgehend auf und setzte sie auf der Eckbank ab, wo sie gleich wieder zu sich kam.

‘Glauben Sie einer alten Frau, Sie dürfen sich nicht so aufregen!’ meinte Frau Berger, die ihr gerade etwas einflößte. ‘Und für alles Andere gibt es Klosterfrau Melissengeist!’

‘Ich erinnere dich das nächste Mal daran, wenn du dich wieder aufregst!’ meinte Toni zu seiner Mutter.

Emma atmete erstickt ein und musste husten. Frau Berger hielt ihr eine Teetasse hin.

Als sie wieder bei Atem war, stammelte sie: ‘Tut mir Leid, dass ich solche Umstände mache!’

‘Das ist doch kein Problem, des gehört ja quasi zum Service!’ grinste Toni und seine Mutter fiel ihm ins Wort.

‘Ja, und er macht das gerne, gell!’ meinte sie, blickte auf die Uhr. ‘Mei, ich muss zum Frühschoppen!’

Sie sprang vom Tisch auf und meinte: ‘Du kümmerst dich um das Frl. Emma!’

Und schon war sie wieder verschwunden, der Hund trottete ihr hinterher.

‘Ich hab dich auch lieb, Sputnik!’ meinte Toni schnippisch.

‘Du liebst diesen Hund!’ meinte Emma und grinste ihn an.

‘Ja und er behandelt mich wie den letzten Dreck!’

Beide mussten lachen und als er endlich die Eingangstür zufallen hörte, nahm er sie in den Arm und küsste sie.


Fortsetzung folgt in Far, Far away from Boandlkirch

Morgenstund hat Gold im Mund in Boandlkirch

Morgenstund hat Gold im Mund in Boandlkirch

nebelAm nächsten Morgen wurde er wach. Er lag auf dem Sofa. Emma lag in seinen Armen und irgendwie lag sie auch auf seiner Morgenlatte. Plötzlich hörte er die Eingangstür knarren und er hörte einen Schlüssel klingeln. Von einem Moment zum Anderen war er hellwach, er sprang vom Sofa und zischte: ‘Oh Shit, meine Mutter holt ihren Köter ab!’

Sie wäre fast mit vom Sofa gepurzelt und fragte ihn bestürzt, noch bevor sie ihre Augen aufmachte, oder sich strecken konnte: ‘Das ist gar nicht Deiner?’

Während sie sich gemütlich streckte, starrte er auf ihre nackten Brüste und stammelte: ‘Du solltest dir was anziehen.’ Er konnte hören, wie seine Mutter behäbig die Stufen hochschritt.

Emma blickte wie gebannt auf ihn und sein Gemächt, das genau auf ihrer Gesichtshöhe auf Halbmast stand und grinste: ‘Ähm, Toni! Du auch!’

Er blickte ganz langsam nach unten und erstarrte: ‘Ach du Sch….!’ Er bückte sich und schlüpfte in seine Jogginghose, die auf dem Boden lag, während sie das zerknüllte Hemd anzog, machte sie sich eigentlich nur Gedanken, wo ihr Schlüpfer geblieben war.

‘Einen wunderschönen Guten Morgen, mein Sonnenschein!’ hörten sie eine fröhliche Stimme trällern. ‚Morgenstund hat Gold im Mund!‘

‘Sag bloß du hast die Socken an gelassen!’ zischte Emma ihm zu und streckte ihre Hand nach ihrem BH aus, der vor seinen Füßen auf dem Boden lag. Blitzschnell hob er ihn auf und flüsterte geheimnistuerisch: ‘Ich mach mir da grad um ganz andere Sachen sorgen!’

Er blickte sich verwirrt im Raum um und ging durchs Zimmer, hängte den BH zu den anderen Sachen und schon stand seine Mutter am Treppenabsatz, sie hatte eine Einkaufstasche in der Hand und blickte ihn genervt an: ‘Das du nie die Tür zu sperrst. Irgendwann wirst du noch ausgeraubt!’ meinte sie schnippisch, wurde dann aber freundlicher. ‘Ich hab dir Frühstück gebracht, wo ist mein Kleiner?!’

‘Morgen… Mamma, mich klaut schon keiner! Deinem Kleinen gings heute Nacht um 3 noch ziemlich gut und ähm… darf ich dir Fräulein Emma vorstellen! Sie hatte gestern Nacht eine Reifenpanne!’

Emma war mittlerweile aufgestanden und hatte den Raum durchquert, um seiner Mutter die Hand hinzustrecken. ‘Emma Müller ist mein Name und ihr Sohn ist ein Held, er hat mich gestern Nacht vor dem Erfrieren gerettet.’

Sie hatte eine Hand auf dem Rücken und in der Hand hatte sie ihren Schlüpfer versteckt und sie betete inständig, dass keiner bemerken würde, dass sie nichts drunter hatte.

‘Maria Berger, ich bin seine Mama… Und hat es hier auch so geschneit?!’ trällerte seine Mutter und schüttelte Emmas Hand übertrieben lange, um sich gleichzeitig im Raum umzusehen. Ihr Blick, mit dem sie ihren Sohn strafte, sagte mehr als tausend Worte: ‘Das’dich net schammst, hättest ja aufräumen können!’

‘Ja, und des war reiner Zufall, dass ich Emma gefunden hab, weil die Leitung wahr völlig überlastet… eine Panne nach der Anderen…!’ plapperte Toni, bis ihm nichts mehr einfiel.

‘Und mein Akku war alle, ich bin beim ADAC gar nicht durchgekommen!’ sprang Emma ein.

‘Ja, Glück im Unglück, würd ich da mal sagen und gut, dass ich gleich ein Bissel mehr eingekauft habe!’ meinte seine Mutter und ging in die Küche. ‘Wo ist denn mein Schatzerl?!’

Er warf einen prüfenden Blick in die Küche, Sputnik war gerade aufgesprungen und zu seinem Frauchen gelaufen.

Emma ging verwirrt Richtung Badezimmer. Toni folgte ihr mit den Worten, die er übertrieben laut sprach: ‘Warte, ich leg dir ein Handtuch raus.’

Sie tapste ins Bad, er folgte ihr auf dem Fuße und schloss gleich die Tür, als sie beide im Bad verschwunden waren.

‘Was genau haben wir gemacht?’ fragte er völlig aufgelöst.

Sie grinste ziemlich blöd und wickelte das Höschen auseinander und legte eine aufgerissene Kondomhülle frei. ‘Zumindest haben wir verhütet!’

‘Aber wo ist das Kondom?’ fragte er und blickte sicherheitshalber in seine Hose.

‘Gott, du bist so süß!’ meinte sie und grinste ihn an.

‘Ich geh besser mal das Kondom suchen, nicht das der Köter es noch erwischt!’

Sie zuckte mit den Armen und knöpfte das Hemd auf. ‘Magst du mir meine Handtasche und meinen BH bringen. Und meine Hose, wenn sie schon trocken ist?’

‘Ich komm mir grad vor, als wäre ich wieder 16…!’ meinte er, ging nochmal einen Schritt auf sie zu und zögerte dann einen Moment, bevor er sie in den Arm nahm und einfach küsste.

Sie erwiderte den Kuss und lies sich von ihm dabei ein Wenig hochheben.

‘Ich hab keine Ahnung was wir gestern getrieben haben…!’ meinte er, als er sie wieder abgesetzt hatte. ‘Aber, ich hoffe, ich hab dir nicht wehgetan, oder so?!’

‘Kein Sorge, ich halt schon was aus.’

Er drehte sich um und sie konnte einige Kratzspuren auf seinem Rücken erkennen.

‘Anscheinend hab ich mich gewehrt, du hast Kratzspuren auf dem Rücken.’

‘Also war es gut?’ fragte er spitzbübisch und drehte sich nochmal zu ihr um.

‘Das müssten wir nochmal nachstellen!’ meinte sie bierernst und fing dann zu lachen an.

Er bückte sich nach dem Pulli, von gestern Nacht und zog ihn an. ‘Meine Mutter ist vom CSI Boandlkirch und morgen stehts dann in der Zeitung!’

Er ging kopfschüttelnd aus dem Bad und sie setzte sich verstört auf die Toilette.

Draußen stand schon seine Mutter und blickte ihn endnervt an: ‘Hast du eine Ersatzzahnbürste für die junge Dame!’

‘Ja, geb ich ihr gleich, sie braucht ihre Handtasche….!’ meinte er und lief zum Sofa hinüber und hob die Handtasche auf und ging dann zum Kachelofen und zog die Klamotten von der Holzstange.

‘Die Hosn g’hert ausbürstelt!’ meinte seine Mutter wieder in ihrem schnippischen Ton. Er kam wieder zu ihr zurück und drückte ihr die Hose in die Hand.

‘Vergiss die Zahnbürste nicht!’ rief sie ihm hinterher.

‘Ja Mamma!’ meinte er und ging wieder zum Bad und klopfte kopfschüttelnd an der Tür.

‘Komm rein!’ konnte er von drinnen hören.

Er ging vorsichtig hinein, und sah Emma nackt, wie sie gerade in die Dusche steigen wollte. Sie lächelte ihn an und er griff blind in eine Schublade, ohne jedoch den Blick von ihrem Körper zu wenden und zog eine noch verpackte Zahnbürste heraus, um sie an den Waschbeckenrand zu legen.

‘Und!?’ fragte sie.

‘Keine Spur!’ meinte er.

‘Ich habs auch nicht!’ sagte sie in einem strengen Ton und zog dabei eine Augenbraue hoch.

Er blickte sie lange an und man konnte seine Gedanken rattern hören, bevor man den Anflug von Schamesröte in seinem Gesicht erblicken konnte, drehte er sich zum Müllereimer und blickte hinein.

‘Nichts… hm!’ meinte er und legte die Handtasche auf den runtergeklappten Klodeckel.

‘Ja hm!’ seufzte sie und beugte sich über ihre Handtasche.

Er war schon wieder an der Tür und wollte gerade gehen, als sie rief: ‘Toni schau mal!’

Sie zog ein geknotetes, benutztes Kondom aus ihrer Handtasche und blickte ihn mir einer hochgezogenen Augenbrauche ernst an. ‘Also, das gehört ja wohl nicht in meine Handtasche!’

Er drehte sich nochmal zu ihr um, grinste verlegen und meinte: ‘Gott sei Dank!’


Fortsetzung folgt in Frühstück beim Berger von Boandlkirch

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