Glückskeks Calling Episode 5

Glückskeks Calling Episode 5

imm034_32Ich wache auf und wundere mich. Ich sitze an einer Bushaltestelle und muss wohl eingenickt sein. Ein laues Lüftchen weht um meine Waden und es fröstelt mich.

Seit wann lungere ich denn an irgendwelchen Bushaltestellen herum? Und wo ist mein Auto? Ich blicke mich um und es ist außer mir und dem Bushäuschen keiner da.

Lauthals gähnend krame ich in meiner Handtasche nach meinem Handy, mal sehen, wann der nächste Bus geht. Generation Smartphone lässt grüßen, könnte ja auch auf dem Fahrplan schauen, wann der nächste Bus kommt und da steht dann auch wo ich bin.

Und nachdem ich mein Handy auch nicht finden kann, tue ich das sogar. Es war kein Fahrplan da, noch nicht mal eine Anschlagtafel. Hm. Ich finde auch keinen Fahrplan, als ich das Bushäuschen zum 5. Mal umrundet hatte. Das wird doch nicht wieder eine Fakehaltestelle sein?

Ich blicke mich um, rund um mich herum ist nichts außer abgeerntete Felder und verdammt viel Batz und die Straße.

Da kann ich mich nur an die Straße stellen, den guten alten Daumen raushalten und bis zum Sankt Nimmerleins Tag warten oder ‘I’m walking’ machen und hoffen, dass bald eine Tankstelle auftaucht, oder wenigstens ein Haus mit einem Telefon. Nur wen rufe ich an? Ich checks halt mal wieder nicht, was eigentlich los ist. Nicht, dass mir wieder jemand K.O. Tropfen in meinen letzten Drink gekippt hat. Hm.

Ich habe keine Ahnung, mein allgemeiner Gesundheitszustand fühlt sich gerade nicht so an, als hätte ich einen Drink mit Schuss genossen und mein Körper fühlt sich auch nicht so an, als wäre er in jüngster Vergangenheit genossen worden. So’n Mist.

Ich begebe mich auf Urschachenforschung und kippe den Inhalt meiner Handtasche einfach auf die Straße. Ist ja eh keiner hier, also krame ich in der Vergangenheit und finde keine wirklichen Anhaltspunkte. Das Einzige was mich echt stutzig macht, ist dass ich einen weißen Handschuh trage. Bin ich jetzt unter die Teilzeit-Butler gegangen?

Ich hör ein Auto in der Ferne mit einem echt gutem Sound und blicke auf, während ich meine Sachen wieder in die Handtasche zu stopfen versuche.

Es hält ein schwarzer 1967 Chevy Impala mit bekanntem Inhalt vor meiner Nase. Danke, es muss November sein.67schw

Und als Sam die Tür öffnet, drischt er mir die Tür voll auf den Schädel und ich mache einen Ausflug ins Traumland. Anmerkung: Der November scheint schon vorbei zu sein. Warum immer ich? Nicht, dass ich höchstwahrscheinlich vorher schon geträumt habe, weil in welchen meiner Leben kommt wirklich ein 1967 Chevy Impala vorbeigerauscht, der auch noch schwarz ist? Und wieviele Mädchen würden ihre Seele dafür geben, dass sie von Sam niedergeschlagen werden?

Ganz weit entfernt, kann ich jemanden reden hören:

‘Saubere Arbeit, Sam! Die hast du mal voll erwischt!’

‘Dean, es könnte einfach nur eine zufällige Passantin sein.’

‘Schau dir die Gegend doch mal an, hier ist weit und breit nichts außer Matsch!’

‘Vielleicht wartet sie auf jemanden?’

‘Auf wen? Auf den Weihnachtsmann? Lassen wir sie liegen, wir haben zu tun!’

Ich höre, wie eine Augenbraue hochgezogen wird.

‘Ist ja schon gut, lass sie uns ins Auto schaffen und zum nächsten Arzt fahren!’

Ich werde mehr geschoben als ins Auto getragen und Dean sammelt wohl meine Habseligkeiten von der Straße auf.

‘Was die für einen Scheiß in ihrer Handtasche hat…. Ui, Sam, schau mal, was ist das?’

Oh nein, er hat meinen Notfalltanga entdeckt!?!

‘Die Lady war nicht zufällig hier, die hat auf uns gewartet!’

Ich drifte völlig weg und wurde erst wieder wach, als ich eine Ladung Wasser ins Gesicht geschüttet bekam.

‘Sie ist schon mal kein Dämon, Sam!’

‘Dean, du bist sowas von paranoid!’

Ich bekam irgendein Putzmittel in die Fresse geschüttet, es brannte wie die Hölle und ich schrie wie am Spieß.

‘Ich habs dir doch gesagt, dass es ein Leviathan sein muss!’ rief Dean ganz aufgeregt und ich konnte ein großes Messer hören, dass aus einer metallernen Scheide gezogen wurde. Wahrscheinlich war es ein Bajonett. Bevor sie mir den Schädel runterschlagen konnten, konnte ich sie zumindest noch anschreien: ‘Ihr Penner, hab ihr euch schon mal überlegt, dass es Menschen gibt, die Allergisch reagieren, wenn ihr ihnen so ne Domestosplörre in die Fresse kippt. Habt ihr noch alle beieinander, ich glaub es hackt…’ Ich befreite mich von der dilettantischen Fesselung und versuchte aufzustehen, da ich aber nichts sehen konnte, weil meine Augen zugeschwollen waren, stolperte ich einem von den Beiden schreiend in die Arme. ‘Und fesseln könnt ihr auch nicht!’

‘Steht über Allergiker was in Dad’s Tagebuch?’ frug Dean seinen Bruder.

Ich röchelte nur noch: ‘Wasser, Handtasche!’

Ich bekam wieder einen Schwall Wasser ins Gesicht geschüttet und konnte zumindest die Augen wieder ein wenig öffnen. Dean hatte gerade meine Handtasche auf den Boden gekippt und zog zielsicher wieder meinen Tanga aus meinen Sachen, bevor er ein paar Tabletten fand.

‘Nein, bitte nicht die Durchfalltabletten!’ versuchte ich zu schreien. Sam hatte zum Glück die Antiallergika gefunden und nachdem ich mit drei erhobenen Fingern der Ohnmacht nahe zu Boden gesunken war, legte er mir 3 Tabletten unter die Zunge. Er tätschelte meine Wangen und hielt mir eine Flasche Wasser hin.

Als ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, meinte Dean zu mir: ‚Halt mal kurz!‘ Er drückte mir einen Silberlöffel in die Hand.

‚Boa, Alter! Ich bin kein Werwolf und du musst mir jetzt auch nicht mit einem Kreuz aus Knoblauch kommen. Ich bin ein verdammter Nerd, der von einem winterlichen Glückskeksfluch befallen ist.’ schrie ich aufgebracht und warf ihm den Silberlöffel hinterher.

‘Sam, steht in Dad’s Tagebuch etwas über Glückskeksflüche?’

‘Nein, aber über Nerds hab ich was reingeschrieben!’ meinte Sam, blätterte durch das Tagebuch und machte Anstalten etwas vorlesen zu wollen.

‘Ich weiß was Nerds sind, die Liverollenspiel Nummer hat mir gelangt.’

‘Danke dafür, ich hab mich weggeworfen vor lachen!’ kicherte ich und hatte endlich Zeit mich ein wenig umzusehen. Wir waren an einem Ort, wo man meine Schreie bestimmt nicht hören würde. Es war alles ziemlich runtergekommen und das spärliche Licht, dass durch die Fenster hereinkam, war nicht der Rede wert.

‘Wie, du hast dich weggeworfen vor lachen?’ wollte Sam ziemlich herrisch wissen.

‘Ja, als ich mir die Folgen auf DVD angeschaut habe und ich liebe es, wenn du so herrisch bist, Sam!’ kicherte ich wieder.

‘Das kommt mir irgendwie ziemlich bekannt vor!’ rief Dean und plötzlich sprang ein Funke über und wir plapperten beide los, wie aus einem Mund: ‘Sam Winchester schminkt sich…Sam Winchester weint, wenn er Sex hat…Sam Winchester hat ein Lineal im Bett und jeden morgen wenn er aufwacht…!’

‘Okay, Okay, es reicht!’ schrie Sam und war sichtlich angepisst von unserem Ausbruch. Er atmete tief durch bevor er fortfuhr: ‘Es gibt uns also auf DVD? Wir müssen Chuck finden, wenn wir wieder in den Staaten sind.’

‘Ich hoffe ich werde von Karl Urban gespielt?’ meinte Dean und strich sich die verstrubbelten Haare zurück.

‘Darf ich von meinem Recht gebraucht machen, die Aussage zu verweigern und eine Frage stellen?’ meinte ich und grinste sie an.

Beide nickten neugierig und ich schoss wie aus der Pistole geschossen los: ‘Was, bei allen guten Geistern macht ihr in einer so gottverlassenen Gegend?’

‘Wir sind nach Bayern gekommen, weil wir von einem seltsamen Vorkommen gehört haben!’

‘Wie, dass man hier nach 2 Maß noch fahren darf!?’

‘Mass?’ wollte Dean wissen.

‘Maß, ist die Maßeinheit für 1 Liter Bier in Bayern, Dean!’ maßregelte Sam seinen Bruder.

‘Ja, Oktoberfest! Oans, Zwoa, Gsuufah!’ rief Dean und machte Anstalten einen Schuhplattler zu beginnen. Hoffentlich hat der Glückskeks bald ein Einsehen mit mir und beendet diesen Traum, bevor es noch merkwürdiger wird.

‘Eigentlich suchen wir nach dem Erben der Werwolfsbrigade!’ meinte Sam eher beiläufig.

‘Die Nazis sind alle tot, du Spasti! Habt ihr die Zeitung nicht gelesen? Das sind nicht die Werwölfe, die ihr sucht. Es war alles nur eine riesige Drogenparty und eins rate ich dir, raus aus meinem Kopf und raus aus meinem Plot!’

‘Volltreffer, Schätzchen! Jetzt erzähl uns alles!’ meinte Dean und hielt mir ein japanisches Bajonett aus dem 2 Weltkrieg unter die Nase.

‘Damals im Ferienlager…!’ begann ich und grinste sie saublöd an.

‘Das hab ich nicht gemeint! Was ist nun mit der Werwolfsbrigade?’ herrschte mich Sam wieder an und ich muss zugeben, dass mir so ein Bisschen mein Höschen volllief.

‘Jetzt nochmal langsam und zum Mitschreiben. Steckt die Nase mal lieber in eure Angelegenheiten und haltet euch aus meinem Plot raus, das Con ist längst vorbei und wer nicht da war, ist selber schuld.’

‘Con?’ fragte Dean und zog eine Augenbraue hoch.

‘Con, die! Abkürzung für Convention…!’ rezitierte Sam aus Dad’s Tagebuch.

‘Ich versteh kein Wort!’ pienzte Dean rum und fuchtelte wieder mit seinem Bajonett vor meiner Nase rum.

‘Larp – Life Action Role playing, Dean!’

‘Ach, du bist Larper!?’

‘Was ist denn das für ein Genremix?’ witzelte Sam und grinste das erste Mal in diesem Traum.

‘Das ist der – ich schieb dir die Faust bis zum Anschlag in den Arsch, wenn du nicht die Finger von meinem Plot nimmst-Genremix!’

‘Ist ja schon gut! Hier gibt es also nichts Außergewöhnliches?’ wollte Sam noch wissen.

‘Bis auf die Nummer mit dem Glückskeksfluch, nichts! Aber das könnt ihr in meinem Blog nachlesen, ihr müsst nur Sparklefool und/oder Glückskeks Calling googeln. Und nix füar unguat…’

In dem Moment wache ich auf, weil ich wieder Wasser in die Fresse geschüttet bekomme. Diese unfreiwillige Dusche will gar nicht mehr aufhören und als der Wasserstrahl endlich versiegte, befand ich wieder an der Bushaltestelle und ich blickte wie ein begossener Pudel den Rücklichtern eines Busses hinterher.

Es ist kein FortunecookieFluch, nein es muss eine großangelegte Verschwörung sein, oder kann mir jemand erklären, warum mir immer so eine Scheiße passiert und warum ich immer so bescheuerte Glückskekssprüche bekomme. Nicht dass ich laut meinem Dezember-Glückskeks bis November warten muss, dass endlich etwas Wundervolles in meinem Leben passiert. Mein Neujahrs-Glückskeks versprach mir, dass ich bald etwas bekommen würde, was ich mir schon lange gewünscht habe. Der Wasserschaden stand genausowenig auf meinem Wunschzettel, wie ein kaputter Kühler! Danke Glückskeks! Und dann der Oster-Glückskeks mit leichter Verzögerung: ‚Dein Wunsch wird nach einer kurzen Verzögerung erfüllt werden!‘

Kurze Verzögerung? November? Ich glaub es hackt! Ich komm mir vor wie auf einem Bahnsteig und die nette Dame von der Bahn teilt allen Wartenden eine kurze Verzögerung mit. Jetzt ist der nächste November vorbei und der Einzige der mir ins Gesicht spritzt ist der vorbeifahrende Bus. Ich bin in einer Glückskekswarteschleife gefangen, holt mich hier raus!

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