Frühstück beim Berger von Boandlkirch

Frühstück beim Berger von Boandlkirch

nebel‘Tee oder Kaffee!’ fragte Frau Berger.

‘Tee, wenns keine Umstände macht.’ meinte Emma.

‘Nein, ich hab eh schwarzen Tee gemacht, für ihr Auge!’ meinte Frau Berger. ‘Das ist für die Schwellung!’

‘Ach ja, ich hab gestern unverhofft den Airback geküsst!’ meinte Emma und tastete über ihr Gesicht. ‘Ist es arg geschwollen, ich hab grad gar nicht in den Spiegel geschaut vorhin!’

Frau Berger legte ihr einen Teller hin, auf dem ein paar nasse Teebeutel lagen. ‘Das ist ein altes Hausmittel, einfach auf die Schwellung legen, das wirkt Wunder!’

‘Das ist ja super, kann man das auch bei Kindern machen?’ fragte Emma und legte sich einen Teebeutel aufs Auge.

‘Kinder!?’ fragte Frau Berger mit einer extrem hochgezogenen Augenbraue, die Emma gerade nicht sehen konnte, weil sie ja den Teebeutel auf dem Auge hatte und das andere Auge geschlossen war.

‘Ja, meine Kinder hauen sich immer gegenseitig die Köpfe ein!’ meinte Emma und blickte erst Frau Berger wieder an, als diese nach Luft schnappte.

‘Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Ich bin ledig, aber ich arbeite für eine Stiftung die ein Kinderheim betreibt.’

‘Ein Kinderheim!?’ fragte Frau Berger etwas beruhigt, aber keineswegs erleichtert.

‘Ja, mein Opa hat eine Stiftung gegründet für benachteiligte Kinder, nachdem er sich sein ganzes Leben um mich und meine drei missratenen Brüder kümmern musste. Wir haben vorallem Waisen und Kinder aus schwierigen Verhältnissen, die vom Jugendamt weggeholt wurden. Die Kinder sind gerade in den Herbstferien auf einer Hütte ohne Strom mitten im Wald und da kam ich gestern gerade her, als ich die Panne hatte!’

Toni stand in der Küchentür und hob ihre Handtasche in den Raum, als wäre es eine Bombe, die jeden Moment hochgehen könnte. ‘Deine Handtasche vibriert!’

‘Ach du Scheiße! Des wird mein schwindliger Bruder sein!’ rief sie und sprang auf, tauchte im nächsten Augenblick mit der Hand in die Handtasche und zog sogleich ihr Handy heraus. Leicht genervt ging sie dran, während sie hörte wer dran war, ging sie ins Wohnzimmer.

‘Wie, du bist noch nicht losgefahren? Eberhard, nicht dass du gegen deine Auflagen verstößt, wenn du dir die Birne volllaufen lässt, du kümmerst dich einen Scheiß darum was mit mir ist! Du hast die SMS nicht gekriegt, ja genau! Ist schon gut, ich fahr mit dem Taxi, der Opa hat’s ja! Und mach dich drauf gefasst, dass ich jeden von euch drei eigenhändig übers Knie legen werde, wenn ich zu hause bin, dafür seit ihr mir noch nicht zu alt. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich mal einen Tag nicht da bin und ihr tanzt mir sogar in meiner Abwesenheit auf der Nase rum. Schau, bloß dass das Haus sauber ist, wenn die Kinder morgen früh kommen, will ich von eurer Scheiße nichts mehr sehen.’ Sie legte auf und tippte auf dem Handy herum. ‘Schon mal was von Sendebestätigung gehört!’ flüsterte sie und musste sich erstmal setzen.

Toni war in der Tür erschienen und blickte zu ihr rüber. Ihre Hände zitterten und sie pumpte wie ein Maikäfer.

‘Ich kann dich nachher auch fahren!’ meinte er ganz ruhig. ‘Wir müssen nur noch ein bisschen Papierkram machen, wegen dem Schaden!’

‘Und vorher wird gefrühstückt!’ konnte sie Frau Berger in der Küche hören.

Sie stand auf und wischte sich die Tränen aus den Augen, dann bewegte sie sich ganz langsam zu Toni hinüber und als sie in seiner Nähe angekommen war, sackten wieder ihre Knie weg. Er fing sie umgehend auf und setzte sie auf der Eckbank ab, wo sie gleich wieder zu sich kam.

‘Glauben Sie einer alten Frau, Sie dürfen sich nicht so aufregen!’ meinte Frau Berger, die ihr gerade etwas einflößte. ‘Und für alles Andere gibt es Klosterfrau Melissengeist!’

‘Ich erinnere dich das nächste Mal daran, wenn du dich wieder aufregst!’ meinte Toni zu seiner Mutter.

Emma atmete erstickt ein und musste husten. Frau Berger hielt ihr eine Teetasse hin.

Als sie wieder bei Atem war, stammelte sie: ‘Tut mir Leid, dass ich solche Umstände mache!’

‘Das ist doch kein Problem, des gehört ja quasi zum Service!’ grinste Toni und seine Mutter fiel ihm ins Wort.

‘Ja, und er macht das gerne, gell!’ meinte sie, blickte auf die Uhr. ‘Mei, ich muss zum Frühschoppen!’

Sie sprang vom Tisch auf und meinte: ‘Du kümmerst dich um das Frl. Emma!’

Und schon war sie wieder verschwunden, der Hund trottete ihr hinterher.

‘Ich hab dich auch lieb, Sputnik!’ meinte Toni schnippisch.

‘Du liebst diesen Hund!’ meinte Emma und grinste ihn an.

‘Ja und er behandelt mich wie den letzten Dreck!’

Beide mussten lachen und als er endlich die Eingangstür zufallen hörte, nahm er sie in den Arm und küsste sie.


Fortsetzung folgt in Far, Far away from Boandlkirch

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