Drei und eine Axt – Teil 40

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 40

reiter_neuWena und Otar waren noch mit dem Zerteilen der Pferde beschäftigt, so mussten Alur und Halef die erste Wache übernehmen. Elger gesellte sich zu ihnen und löste Alur ab. Halef streife mit seinen Hunden durch das Dickicht und stellte ein paar Fallen auf, bis Ainur ihn ablöste.

Die ganze Nacht passierte nichts und auch der Morgen war ziemlich ruhig. Die Hunde streiften immer noch durch die Gegend, hatten aber auch keine Fährte mehr aufgespürt. Der letzte Späher hatte sich wohl endgültig aus dem Staub gemacht. Die Frage war nur, ob da noch mehr im Wald darauf warteten in einem unbeachteten Moment nochmal zuzuschlagen.

Als Halef in seine Jurte schlich, war das Feuer fast runter gebrannt, er legte ein paar Scheite in die Glut und schon erhellte sich sein kleines Reich und er blickte seine Mutter, Lamina und die ganzen Kinder in seinem Bett. Niedergeschlagen zog er ein Fell aus einer seiner Kisten und legte sich ans Feuer. Seufzend deckte er sich mit seinem Klappenmantel zu.

Als Lamina erwachte, blickte sie aus dem Bett und sah wie Halef an der runtergebramnten Feuerstelle lag und schlief. Sein Körper zitterte. Sie stand auf, deckte die Kinder wieder zu und schlich zur Feuerstelle, um ein paar Scheite in die Glut zu legen. Dann hob sie eine Decke vom Boden auf und legte sie über seinen zitternden Körper. Er erwachte und blinzelte sie an, seine Finger tasteten nach ihrem Bein. Daraufhin kniete sie sich zu ihm hinunter und küsste ihn auf die kalte Nase. Er packte sie und zog sie unter seinen Klappenmantel, um sie zu küssen.
Ainur stand plötzlich in der Tür: ‘Frühstück ist fertig!’
Die beiden blickten zu recht erwischt zur Tür und grinsten verlegen. ‘Hat mein Sippenführer kein eigenes Bett?’
‘Nein, da liegt deine Frau mit einem Stall voll fremder Kinder!’
‘Die hab ich schon gesucht!’ rief Wena von draußen herein.

Nach dem Frühstück saß Halef auf dem Kreuz seiner Jurte und blickte mit dem Fernglas über die Ebene und drehte sich in Richtung Fluss und hin zum Wald. Elger und Ainur versuchten währenddessen aus Kel und den überlebenden Späher etwas heraus zu bekommen.

Plötzlich hörte Halef seine Hunde weit entfernt bellen. Vor Schreck wäre ihm beinahe das Fernglas runtergefallen und im nächsten Moment war er schon wieder in die Jurte geklettert. Vor der Tür blieb er nochmal stehen und lauschte. Nach dem Gebell zu urteilen, waren sie nicht in Gefahr.

‘Die Hunde haben etwas gefunden!’ rief er, schwang sich seinen Gürtel um die Hüften und lief zu seinem Pferd.
Alur reichte ihm seinen Bogen und sprang mit einem vollen Köcher hinten aufs Pferd.
Ainur blickte Elger an: ‘Das der Sippenführer immer ohne Sattel reiten muss und er bringt dem Jungen nur Unsinn bei!’
Elger trottete zu seinem Pferd und sprang in einem Satz auf den Rücken des Pferdes: ‘Ich schau was sie da machen.’
‘Nimm deinen Bogen mit!’ rief ihm Ainur noch nach und schon hatte Elger den Bogen und einen vollen Köcher vom Gatter genommen und ritt weiter.
‘Ich kümmer mich weiter um deinen schwindligen Bruder!’ flüsterte Ainur und bemerkte gar nicht, dass Wena hinter ihm stand.
‘Lass mich mal!’ meinte sie.
‘Wir sollen ihn nicht umbringen!’ ermahnte Ainur sie.
‘Wer hat das gesagt?’ rief sie schnippisch.
‘Der Sippenführer!’
‘Der ist noch nicht alt genug, als dass ich ihn nicht übers Knie legen würde.’ mahnte nun Wena und drehte sich zu ihrem Bruder Kel.
‘Du hast deine Schwester gehört! Zu wieviel wart ihr! Und warten da noch welche auf uns im Wald?’
Kel lachte einfach nur verrückt vor sich hin und blickte zu seinem Kumpanen hinüber, der gerade in diesem Moment seinen letzten Atemzug aushauchte.
‘Ich bring ihn zu den Anderen und helf Otar beim Verscharren!’ rief Wena, kniete sich zu ihrem Bruder, grinste ihn an und fuhr dann fort: ‘Ich werd deine Wunden verbinden und dich aufpäppeln, dir saubere Kleider geben und dann werde ich dich ganz nah an meinem Tisch anbinden und werde dich wie einen Hund behandeln. Und irgendwann wenn du nicht mehr darauf gefasst bist, dann werde ich dich einfach umbringen. Und dann werde ich persönlich deinen Kopf von deinen Schultern schneiden und damit ich ihn dann deinem Vater vor die Füße werfen kann.’
Pfeifend begann sie seine Wunden zu reinigen. Als sie damit fertig war, führte sie ihn an einem Strick vor den Tisch und band ihn an. Dann flößte sie ihm lauwarme Suppe ein, bis er sich fast übergeben musste. Und mit dem selben Liedchen auf den Lippen ging sie wieder an ihre Arbeit, während ihr Bruder vor ihren Füßen im Dreck kauerte.

Fortsetzung folgt…

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