Drei und eine Axt – Teil 41

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 41

reiter_neuHalef ritt am Fluss entlang und hielt Ausschau nach seinen Hunden. Das Bellen hallte durch den Wald.

Auf der alten Handelsstraße unweit des Flusses kamen ihnen die Hunde entgegen. Sie schleppten etwas mit sich, dass er nicht gleich erkennen konnte.

Alur sprang vom Pferd und schaute nach den Hunden. Der Körper eines kleinen Mädchens klammerte sich an den Rücken von Nyùl. Ihre Kleider waren zerfetzt und verkohlt, darunter konnte man das blanke Fleisch sehen und ihre Gliedmaßen waren vor Schmerz verkrümmt.

Alur hatte sofort wieder den Geruch von verbrannten Menschenfleisch in der Nase.

Kurzer Hand warf er den Köcher zu Boden, zog seine Tunika aus und legte sie vorsichtig über den blanken Rücken des Mädchens. Behutsam nahm er das Mädchen vom Rücken des Hundes und drückte es Halef in die Hand, der immer noch auf dem Rücken seines Pferdes saß.

‘Gib mir den Bogen und reite los!’ rief der Junge und im nächsten Moment klatschte seine flache Hand auf den Hintern des Tieres und es sprengte los.

Elger kam ihm entgegen. Halef preschte mit dem Pferd an Elger vorbei. Alur kam mit den beiden Hunden zu Fuß hinterher gelaufen. Ratlos stand Elger mit seinem Pferd auf dem Weg und wusste nichts recht was er nun tun sollte. Er ließ seinen Blick durch den Wald streifen, konnte aber auch nichts weiter erblicken, außer den keuchenden Alur, der sein Pferd schon fast erreicht hatte.

Er zischte den Hunden etwas zu, bevor er auf den Rücken des Pferdes sprang. Die Hunde liefen wieder in den Wald und waren gleich darauf im Dickicht verschwunden.

Halef kam als erster mit seinem Pferd bei den Jurten an. Ainur stand mit dem Fernglas am Gatter und Ziska kam gerade aus der Jurte gewankt. Sie hatte sich nur einen Klappenmantel über ihr Unterkleid gezogen und war barfuß.

Halef glitt vorsichtig mit dem Mädchen im Arm vom Pferd, um es im nächsten Moment Ziska in den Arm zu drücken. Sie ging gleich in die Knie und schrie, als sie die Wunden des Mädchen berührte. Wena brachte eine saubere Decke und Wasser, doch Ziska wollte sich nicht von dem Mädchen trennen. Sie hielt das Kind in ihren Armen, weinte und schrie, als hätte sie die selben Schmerzen.

Irgendwann brach sie über den leblosen Kinderkörper zusammen. Für einen Moment lag sie reglos da und alles war still. Aber plötzlich bäumte sie sich auf und schrie: ‚Ihr Götter, sind nicht schon zu viele gestorben hier, aber doch nicht dieses Kind, es kann nichts dafür.‘

Lamina stützte Ziska von hinten, während Halef und Wena versuchte, den Rücken des Kindes in ein sauberes Tuch zu wickeln, als ihm auffiel, dass das Kind nicht mehr atmete. Er griff an den Hals des Kindes und konnte auch keinen Herzschlag mehr spüren.

‘Ziska, es ist zu spät!’ flüsterte er und legte seine Hand auf die Hand der weißen Hexe, die immer noch panisch das Kind festklammerte.

Dann geschah etwas Unerklärliches, er fühlte sich als würde sein Gedärm aus seinem Körper gerissen und er blickte in Laminas Augen und die Angst in ihren Augen verriet ihm, dass sie gerade etwas Ähnliches erlebte. Wie durch ein Wunder riss das Mädchen die Augen auf und atmete langsam ein, der Ton den sie dabei machte, rasselte als würde sie Steine einatmen, aber sie lebte.

‘Sie lebt, was Anderes lasse ich nicht zu!’ stammelte Ziska und drückte das Kind an sich.

‘Nur zu welchen Preis, Ziska! Sie ist am ganzen Körper verbrannt, sie wird ihr Leben lang entstellt sein und leiden!’ rief Wena entsetzt, sie war nach hinten gestürzt und hatte die Schüssel mit Wasser dabei zu Boden fallen lassen.

‘Die Wege der Götter sind manchmal sehr eigen und unergründlich!’ rief Ziska und lies sich von Ainur aufhelfen, ohne jedoch das Kind loszulassen, während Halef und Lamina immer noch auf dem Boden lagen und sich krümmten.

Elger und Alur waren mittlerweile angekommen und sprangen gleichzeitig vom Pferd. Sie blickten auf ihren Sippenführer, der sich am Boden wälzte vor Schmerz.

‘Was ist passiert?’ fragten Elger und Alur wie aus einem Mund.

Halef stöhnte nur: ‘Allghoi Khorkhoi!’

Wena baute sich auf und sprach in herrischen Ton: ‘Der Todeswurm, spinn dich aus, der Wahnsinn der weißen Hexe ist jetzt auch auf dich übergesprungen!’

Lamina hatte sich bereits aufgerappelt und folgte Ainur und Ziska in die Jurte.


Fortsetzung folgt…

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