Ein Knopf kommt selten allein… Teil 1

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 1

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Hausverwalter stand neben einer Aktentasche am Straßenrand und lotste einen ziemlich alten und klapprigen Wagen in eine Einfahrt. Sein grüner Jeep stand auf einem Parkplatz und genau daneben sollte die junge Dame, die am Steuer saß, ihre Rostlaube abstellen.

Der Auspuff gab ein Knallen von sich und eine riesige bläuliche Rauchwolke stieg in den Himmel, bevor sie den Wagen eher mit Gewalt abwürgte.

Hastig stieg sie aus und begrüßte den Hausverwalter: ‚Herr Immerlinger, danke dass Sie auf uns gewartet haben.‘

‚Das ist ja kein Problem, wir laufen hier ja nicht weg, Frau Weißmüller!‘ meinte der Hausverwalter und streckte ihr die Hand hin.

‚Weiß-Müller, Frau Sonja Weiß-Müller!‘ meinte sie und nahm seine Hand und schüttelte sie zaghaft. ‚Ihre Mitteilung hat mich sehr überrascht, bestürzt und irgendwie gefreut. Es ist sehr freundlich von Ihnen, dass wir die ganzen Sommerferien hier verbringen dürfen. Ein bisschen Ruhe wird uns wahrhaft gut tun.‘

‚Ferien, ähm, ich glaube wir haben uns da missverstanden, ich dachte Sie und Ihr Bruder ziehen hier ein!‘ rief der Hausverwalter und blickte sich neugierig um. Er schien etwas oder jemanden zu suchen.

‚Ähm, wie bitte?‘ rief sie echauffiert.

‚Das Anwesen gehört zu der historischen Knopfsammlung und ich und meine Frau werden ja auch nicht jünger. Ihr Onkel, Gott hab ihn selig, hat gehofft, dass sie beide dass hier alles übernehmen würden, als er sie endlich gefunden hatte.‘

‚Jetzt überfahren Sie mich aber, Herr Immerlinger!‘

‚Haben Sie denn bei der Testamentseröffnung nicht gescheit aufgepasst?‘

‚Nein, tut mir leid. Ich war von den Wutausbrüchen meiner Tante ziemlich abgelenkt und Tommi, Sie wissen schon.‘ meinte sie und drehte sich zum Wagen um, in dem ein junger Mann saß und mit geöffneten Mund an der Scheibe klebte und seltsame Grimassen hinter der Scheibe machte und gleichzeitig mit der Zunge über die Scheibe leckte.

‚Mensch, Tommi. Mach kein Scheiß und benimm dich.‘ rief sie ungehalten und machte die Tür des Wagens auf und Tommi fiel halb heraus, blieb jedoch an dem Gurt hängen, bevor sein Körper den Boden berühren konnte. Nur seine Zunge berührte für einen kurzen Moment den Dreck auf dem Boden.

‚Tut mir leid Herr Immerlinger, Tommi ist ziemlich aufgeregt.‘ meinte sie zu dem Hausverwalter und zerrte gleichzeitig an ihrem Bruder, der angewidert die Zunge aus dem Mund streckte und ein blubberndes ‚Bääääh!‘ von sich gab.

‚Kein Problem, der Sohn meiner Schwägerin ist auch von Gott gewollt!‘ rief der Hausverwalter und humpelte zum Kofferraum.

‚Ähm, ja.‘ meinte sie, stellte ihren Bruder auf beide Beine. ‚Wenn wir erst mal an der neuen Schule sind, dann wird das schon wieder.‘

‚Sie sind Lehrerin, gell?‘

‚Ja, Lehrerin für gottgewollte Kinder!‘ meinte sie ein Bisschen schnippisch und meinte dann zu ihrem Bruder. ‚Los nimm deinen Rucksack und was du sonst noch zum Überleben brauchst.‘

‚Ja, Sonni!‘ meinte er freudig erregt und sprang wieder in den Wagen und fing an aufzuzählen, was er alles zum Überleben brauchte.

Sie ging auch zum Kofferraum: ‚Warten Sie, Herr Immerlinger, der geht recht schwer auf.‘

‚Der Kübel ist aber schon ganz schön alt.‘

‚Das ist das Einzigste was wir von unseren Eltern haben, ich brings nicht übers Herz ihn verschrotten zu lassen.‘

‚Einzige, Schwesterherz. Es heißt Einzige!‘ meinte Tommi, er hatte seinen Rucksack geschultert und eine Sporttasche in der Hand. Unter seinem Arm hatte er eine Stoffgiraffe und in der Hand hatte er eine ‚Bob der Baumeister‘-Trinkflasche.

‚Der Hausmeister kann ihn sich ja mal anschauen, der betreibt eine kleine Hobbywerkstatt hier unten im Wirtschaftsgebäude.‘ meinte der Hausverwalter und schnappte sich eine der Taschen und humpelte ein paar Schritte vom Auto weg.

Sie packte sich ebenfalls ein paar Taschen und meinte. ‚Das wäre spitze, wenn wir hier tatsächlich einziehen sollen, dann müsste ich baldigst meine Sachen holen, bevor mein ExMann sie bei Ebay verscherbelt.‘

‚Da hat der selige Herr von Waldbuch eine wahrlich gute Tat getan, euch beiden den alten Kasten zu vererben!‘ meinte der Hausverwalter und humpelte an einer geschlossenen Schranke vorbei und eine kleine Zufahrtsstraße hinauf. ‚Zuerst muss der Hausmeister aber die Schranke reparieren.‘

Die beiden Geschwister folgten ihm und blickten auf das riesige Haus, dass sich vor ihnen auftat.

Während Tommi mit offenem Mund staunend mehrmals stehenbleiben musste, damit er alles in sich aufsaugen konnte, was alles Neues auf ihn zu kam, lief Sonja dem Hausverwalter hinterher.

Vor dem Haus blieb der Hausverwalter erst mal stehen und kramte nervös in seiner Aktentasche: ‚Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.‘

‚Vielleicht wollen Sie uns ein paar Fragen beantworten, bevor wir hineingehen?‘ meinte sie und setze sich auf eine Bank neben dem Haus, während Tommi immer noch auf dem Weg war, er blieb immer mal wieder stehen und staunte.

Der Hausverwalter setzte sich mit einem Seufzer neben sie, legte seine Aktentasche auf den kleinen Tisch und blickte sie fragend an.

‚Ich bin ein wenig überfahren von allem hier… ich verstehe langsam warum unsere Tante nicht mit uns reden will. Obwohl ich verstehe nicht ganz, warum sie gleich so zornig war, sie hat doch alles andere geerbt, oder etwa nicht?‘

‚Wenn man alles hat, vergönnt man dem Rest der Welt noch viel weniger. Wir sind alle heilfroh, dass der Notar jegliche Anfechtung des Testaments abgewiegelt hat, weil sonst wären wir hier alle arbeits- und auch obdachlos.‘

‚Ich verstehe nicht?‘

‚Die Frau von Waldbuch wollte uns alle rausschmeißen und ein Wellnesshotel draus machen!‘

‚Nein, ernsthaft?‘

‚Ja, aber laut Testament wurde uns allen der Arbeitsplatz zugesichert und das Wohnrecht auf Lebenszeit. Mir das Jagdrecht und dem Hausmeister die Obhut über die Werkstatt.‘

‚Sie wohnen alle hier auf dem Gelände?‘

‚Ja, also da unten in dem kleinen Austragshäusl neben der Kapelle da wohnt der Hausmeister, die Werkstatt ist in dem langen Wirtschaftsgebäude dort unten. Dahinter sind die Stallungen. Und da hinten ist noch ein Haus und da wohne ich mit meiner Familie.‘

‚Gut zu wissen für den Notfall!‘

‚Also nicht erschrecken, hier auf dem Gelände sind ein paar Hunde, die passen auf alles auf. Die Großen bleiben den ganzen Tag draußen und den Kleinen können Sie gerne haben, der verträgt sich nicht so gut mit unseren Katzen. Nachts haben wir eine Alarmanlage. Die schalten sie ein, wenn Sie Nachts zusperren, das ist der Code.‘ meinte er und legte ihr eine Codekarte hin und einen Zettel. ‚Also Zusperren mit dem Schlüssel und die Codekarte durch die Alarmanlage ziehen, wenn Sie den Alarmanlage auslösen sollten, Codekarte durchziehen und den 9stelligen Sicherheitscode eingeben, bevor der Sicherheitsdienst hier ist.‘

‚Oh, ja das krieg ich hin, glaub ich!‘

‚Ach, ich fang gleich mit der Alarmanlage an. Wir waren bei den Hunden stehen geblieben. Dave Dee, Dozy, Beaky und Mick heißen die Großen und die sind eigentlich ganz lieb, nur der Dackel von Herrn von Waldbuch ist ein Bisschen schwierig, er heißt….!‘

‚Tich!‘ rief Tommi. ‚Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich!‘ und fing an Hold Tight zu trällern.

‚Ja, Tich!‘ meinte der Hausverwalter und wie auf Kommando kam ein kleiner Dackel um die Ecke gelaufen und lief schnurstracks auf Tommi zu, der immer noch Hold Tight sang und mit seiner Giraffe im Hof herumtanzte.

Tommi hielt inne und meinte: ‚Tich!‘ Er hob den Finger: ‚Sitz!‘ Und streckte die Hand nach vorne. ‚Gib Pfote. Ganz ein Braver und Platz.‘ Und der Hund machte tatsächlich alles das, was Tommi zu ihm sagte. ‚Und jetzt toter Hund.‘

Der Hund wälzte sich auf dem Boden und Tommi freute sich so sehr, dass er den Hund hochhob und mit ihm weiter tanzte. Seine Giraffe blieb wie bestellt und nicht abgeholt im Hof liegen.

‚Wenn der Mistköter bei mir mal so gut folgen würde, dann könnt ich ihn ja tatsächlich mal mit auf die Jagd nehmen.‘ meinte der Hausverwalter genervt.

‚Machen Sie sich keine Hoffnungen, der Junge hat ein gutes Händchen mit Tieren, manchmal denke ich, dass sie sich mit ihm besser verstehen, als jeder Mensch es je können würde.‘

‚Also, das Hundefutter ist in der Küche, meine Frau hat den Kühlschrank voll gemacht, damit sie die nächsten Tage nicht verhungern, ich schicke Ihnen meine Tochter Hermine nach dem Abendessen vorbei, die zeigt euch alles.‘

‚Morgen ist das Museum von 10 bis 16 Uhr geöffnet, meine Frau kommt dann rüber und macht auf und bevor ich es vergesse, hier ist die Kreditkarte vom Haushaltskonto und die restlichen Bankunterlagen.‘ meinte der Hausverwalter und drückte ihr einen ziemlich dicken Ordner in die Hand, den er aus seiner Aktentasche gezaubert hatte. ‘Das Geld ist auf 5 Konten aufgeteilt. Eines ist eine Langzeitanlage für Notfälle. Eines ist für die Ausbildung und/ oder medizinische Versorgung von Tommi. Eines ist aufgelöst worden und auf ihr Konto überwiesen worden. Eines ist das Konto, von dem unsere Gehälter bezahlt werden und eines ist eben das Haushaltskonto. Da haben wir alle eine Karte, darüber laufen alle Ein- und Ausgaben vom Museum, der Landwirtschaft, der Werkstatt und die Betriebskosten für den Hof. Der Gewinn am Ende des Jahres geht irgendwie auf ein Sparbuch, das auf Ihren Namen lautet, das muss ich hier auch irgendwo haben. Der Notar kommt wegen ein paar Unterschriften die Woche mal vorbei und der Steuerberater hat sich auch angekündigt.’

Sonja stand auf und nahm den Ordner entgegen und das Sparbuch und meinte ganz nebenbei: ‘Jetzt weiß ich warum meine Bank schon die ganze Zeit versucht mich anzurufen.’

‘Der Notar hat extra so lange gewartet, bis die Scheidung durch ist, sonst wären wir schon viel früher auf Sie zu gekommen.’

‘Das ist aber nett!’ meinte sie und blickte ins Sparbuch und musste sich erstmal wieder setzen. Fast panisch blickte sie nochmal auf ihren Namen und dann nochmal auf den Betrag. Sie hatte noch nie so eine lange Zahl gesehen in Verbindung mit ihrem Namen auf einem Konto, dass im Plus war. Dann zählte sie mit dem Finger nochmal die Stellen und lies das Sparbuch sinken.

Ein Gong ertönte und Herr Immerlinger entschwand mit den Worten: ‘Meine Frau mag es gar nicht, wenn ich zu spät zum Essen komme!’

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Im Schein einer Kerze

Im Schein einer Kerze

jokerEr sitzt in einem kalten Raum, allein und nur der Schein einer einzelnen Kerze erhellt spärlich sein vernarbtes Gesicht.

Seine Kappe hängt traurig von seinem einst einmal so stolzen Haupt.

Das Rauschen des Windes dringt an sein Ohr. Fast unmerklich dreht er seinen Kopf, als könne er das Rauschen nicht mehr ertragen.

Sein Blick fällt auf die mit Brettern vernagelten Fenster und der Wahnsinn der aus seinen Augen durch den ganzen Raum zu humpeln schien, hätte den Wind eigentlich zum Verstummen bringen müssen.

Doch der Wind bäumte sich noch einmal auf, um mit einem letzten Windstoß eines der Bretter aus seiner Verankerung zu reißen, dass mit einem dumpfen Schlag zu Boden krachte.

Draußen konnte man die Kälte der Nacht schier sehen. Der Geruch von Schnee drang in seine Nase und ein mildes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Eine Schneeflocke verirrte sich in den Raum. Er beobachtete sie, wie sie langsam durch den Raum segelte, um dann vor seiner Nase einen Moment inne zu Halten, bevor sein nächster Atemzug sie zum Schmelzen brachte.

Seine Augen starrten auf die Stelle, wo die Schneeflocke gerade noch inne gehalten hatte, doch sie war fort und würde nie wieder tanzen.

Eine einsame Träne trat aus seinem lachenden Auge hervor und gefror auf seiner Wange, noch bevor das flüssige Salz sein Gesicht verlassen konnte.

Er holte tief Luft. Irgendwas in seiner Lunge rasselte erbärmlich und mit dem Ausatmen begann ein nicht enden wollender Hustenanfall, der die Kerze zum Erlöschen brachte.

Im Dunkeln konnte man noch ein Geräusch wahrnehmen, das man nicht so recht einordnen konnte. Der darauffolgenden dumpfe Schlag hörte sich fast so an, wie das Geräusch davor, als sich das Brett vom Fenster löste, aber eben nur fast so.

Böse Zungen behaupten, es wäre das letzte Fünkchen seines eh schon wankelmütigen Verstandes gewesen, als man sich im Morgengrauen an dieses wahnsinnige Geräusch erinnerte, dass wie ein eisige Blitz durch die Nacht gehallt war, als der Narr des Nächstens von der obersten Zinne des Turmes sprang und man am Morgen nur noch seine Überreste vom Burghof kratzen konnte, hielt er immer noch die Kerze in der Hand, auf der eine wunderschöne Schneeflocke abgebildet war. Das Bild der Schneeflocke machte den Anschein, als hätte sie jemand auf eine unerdenklich filigrane Weise in das Kerzenwachs gebrannt. Am Sockel der Kerze stand: ‘Non mortem timemus, sed cogitationem mortis!’

Das waren auch die Worte, die der Pfaffe am Tag des Herren zu Beginn seiner Messe sagte: ‘Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes.’

Als der Messdiener dann die Urne mit den Überresten des Narren hinter der Friedhofsmauer verscharren wollte, stolperte er und fiel über die Stufen der kleinen Burgkapelle nach draußen in den Burghof. Die Urne zerbrach in tausend kleine Scherben und die Asche verteilte sich im Wind.

Was nach dem Tod ist, weiß nur der Wind.

Lady in Black

Lady in Black

6797798903_a598259c11Es kam eine Frau langsamen Schrittes in eine Bar, ganz in schwarz und sie kam einem auf den ersten Blick irgendwie bekannt vor. Warum auch immer wurde gerade das Lied ‘Cancion Del Mariachi’ aus dem Film Desperado gespielt.

Buenas Noches, Se­ño­ri­tameinte der Barkeeper halbherzig und schaute kaum von seiner Arbeit auf. Das Gläser polieren scheint seine ganze Aufmerksamkeit einzunehmen. Es schienen wohl mexikanische Wochen zu sein, die Bar war mit Desperado Merchandising-Artikel völlig überladen und die Laune des Barkeepers war fast unterirdischer als ihre.

‘N’Absinth Sprite und nen doppelten Pfeffi!’ meinte sie und blieb am Tresen stehen.

‘Schönen Tag gehabt?’ meinte der Barkeeper mit leicht ironischen Ton und blickte endlich auf, sein Lachen gefror auf seinem Gesicht, als er ihren Gesichtsausdruck sah und sie erkannte.

Die Frau in schwarz zog nur eine Augenbraue hoch und machte eine ungeduldige Handbewegung.

‘Kommt sofort!’ rief der Barkeeper und drehte ihr den Rücken zu, um sich erst wieder rumzudrehen, als er ihre Drinks fertig hatte.

Der Nerd kam vom Raum hinter der Bar, mit einer Kippe im Mund und zwei vollen Bierträgern in den Händen. Er stellte sie ab und begann die Biere in die Kühlschubladen zu schlichten und rauchte in aller Seelenruhe weiter.

‘Hey schöne Frau. Heute ohne Walking Dead Pulli?‘ rief er zwischen zwei Zügen von unter der Bar nach oben. Der Barkeeper nahm dem Nerd die Zigarette weg und ging nach hinten.

‘Jupp!’ meinte sie und stürzte den doppelten Pfeffi hinunter.

‘Keinen guten Tag gehabt?’ fragte er und linste dabei scheel über die Arbeitsfläche hinweg.

‘So zusagen!’ meinte sie kurz und schob ihm das leere Glas hin.

Er goss einen zweiten Doppelten ein und schob ihn zu ihr rüber.

Ein Betrunkender kam an die Bar gewankt und stellte sich neben die Lady in Black. Machte ein Handzeichen für noch ein Bier, was eher aussah, wie 5 Bier fürs Sägewerk und lallte dann: ‘Hey, Lady in Black! Wo kommst n Du her? Von ner Beerdigung?’

‘Erraten!’ meinte sie, nahm den doppelten Pfeffi und stürzte ihn runter und dachte sich: ‘Du Penner!’

Der Nerd goss ihr einen Neuen ein und stellte ein Bier auf den Tresen.

‘Non mortem timemus, sed cogitationem mortis!’ lallte der Betrunkene und zog mit seinem Bier ab.

‘Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes.’ meinte der Nerd.

Sie zwang sich zu einem Lächeln und flüsterte: ‚Uva uvam vivendo varia fit!‘

‚Eine Traube färbt sich, sieht sie eine andere… Traube?‘ fragte der Nerd ungläubig.

Sie verzog ihr Gesicht, stellte sich gerade hin, zog einen imaginären Colt und legte auf den Nerd an und sprach dann wie ein alter aber lebenslustiger, versoffener Texas Ranger: ‘Wenn uns unterwegs jemand begegnet der Latein kann, darf er uns gerne überfallen. Ich warte schon lange darauf einmal im Leben auf einen gebildeten Menschen zu schießen.’

‘You ride with an Outlaw, you die with an Outlaw!’ meinte der Nerd und grinste bis über beide Ohren.

Dann meinten beide, wie aus einem Mund: ‘Wir vermieten keine Schweine!’

Sie schenkte ihm ein herzzerreißendes Lächeln, das erste ernst gemeinte dieses Tages, schluckte schwer und wand aber sofort ihr Gesicht ab, so dass er die Tränen in ihren Augen nicht sehen konnte. Er tat so, als hätte er es tatsächlich nicht bemerkt und stellte ihr einfach nur einen neuen Pfeffi hin.

‘Ich sag jetzt einfach nichts mehr, du wirst mich schon anrufen, wenn du was brauchst, ja!?’

 Sie schluckte den Pfeffi und hielt ihm das leere Glas hin.

 ‘Ich brauch einfach nur jemand, der mir nachher die Haare hoch und den Eimer hinhält!’ flüsterte sie leicht lallend.

‘Tote betrauert man und ehrt sie. Bedauern muss man sie nur, wenn ihr Leben vergeudet war.’ Vulkanische Weisheit

 Live long and prosper… 

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