Ein Knopf kommt selten allein… Teil 2

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 2

OLYMPUS DIGITAL CAMERA‘Los Tommi, lass uns reingehen. Die Frau Immerlinger hat uns was zu Essen in den Kühlschrank getan.’ rief Sonja und öffnete die alte, große Holztür, die zur Begrüßung ein markerschütterndes Knarzen von sich gab.

‘Kann Tich auch mit essen?’ fragte Tommi.

‘Ich glaube Tich gehört jetzt uns, zumindest steht sein Essen auch in der Küche!’

‘Au ja, Tich hörst du, du gehörst jetzt uns.’ meinte Tommi und lief los.

‘Nimm deine Giraffe mit und deine Sachen!’ rief Sonja und blickte zu der Giraffe hinüber.

‘Och, Menno!’ rief Tommi, machte auf dem Absatz kehrt und starkste zu seinen Sachen zurück.

Also ging sie alleine hinein, um sich umzusehen. Sie trat in die langgezogene Eingangshalle und staunte nicht schlecht. Die Zwischentüren der Eingangshalle standen sperrangelweit auf. Am anderen Ende dominierte eine gigantische Treppe den zweigeteilten Raum. Links ging es ins Museum und zu den Besuchertoiletten und rechts ging es in die Hauswirtschaftsräume.  

Wenig später rannte Tommi mit dem Dackel im Schlepptau an ihr vorbei die Eingangshalle entlang. Er ließ seine Sachen am Treppenabsatz liegen, packte Tich und lief mit dem Dackel im Arm die Stufen hinauf, um wenig später aufgeregt zu rufen: ‘Und das ist mein Zimmer!’

Der Hund bellte aufgeregt. Sie ließ ihre Taschen sinken und lief hinter ihm die Stufen hinauf. Die historische Einrichtung schien ihr zuzuflüstern, als sie vorbeilief.

‘Nein, ich nehm das Zimmer!’ rief Tommi wieder. ‘Nein, dass! Ich kann mich nicht entscheiden.’

‘Tommi, wo steckst du?’ rief sie in den endlosen Korridor hinein, der vor ihr lag. Die Bilder längst verstorbener Ahnen blickten sie an. Einige Türen standen offen. Als sie weiterlief kam sie sich merkwürdig beobachtet vor.

Der Hund kam ihr entgegen und führte sie zu ihrem Bruder. Und schon stürmte ihr Bruder aus einem der Räume und schrie vor Aufregung: ‘Sonni, kann ich in dem Zimmer bleiben?’

Sie betrat die Waffenkammer und meinte: ‘Du kannst jedes Zimmer haben, nur nicht das? Die Waffen sind kein Spielzeug für dich!’

‘Och, Menno?’

‘Ich mach dir einen Vorschlag, wir suchen uns zwei Zimmer, die gegenüberliegen, irgendwo da vorne, oder in der Nähe vom Badezimmer. Und wenn es uns nicht gefällt, dann arbeiten wir uns ab morgen von Zimmer zu Zimmer. Okay!’

‘Okay, ich links, du rechts!’

‘Okay, lass uns erstmal die Küche durchsuchen, ich glaub Tich hat Hunger!’

‘Ich hab auch Hunger!’

‘Na dann, ab in die Küche!’ rief Sonja wieder und ging wieder den Korridor entlang, diesmal starrte sie die Ahnenbilder zuerst an, kam sich aber immer noch beobachtet vor.

Nach einem opulenten Mahl, klopfte es an der Tür und ein junges Mädchen trat in die Küche: ‘Guten Abend, mein Vater schickt mich. Ich bin die Hermine!’

Tommi kaute noch an den letzten Bissen seines Essens und blickte scheel zu dem Mädchen hinüber.

‘Ah Hermine, sehr schön! Du kannst mir doch bestimmt sagen, wo der Dosenöffner für das Hundefutter ist?’ rief Sonja, die soeben eine Dose aus dem Hundefutterschrank genommen hatte.

‘Hier, aber bevor Sie die Dosen öffnen, sollten Sie die anderen Hunde auch reinlassen.’ meinte Hermine, nachdem sie auf den Schrank mit dem Dosenfutter gezeigt hatte und ging wieder zur Tür.

‘Au ja, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick uuuuuund Tich!’ rief Tommi. ‘Jeder hat einen eigenen Napf, du musst jeden füllen, sonst essen die Großen dem Tich alles weg!’

‘Genau, woher weißt du das?’ fragte Hermine.

‘Die Näpfe stehen da auf den Boden und irgendein schlauer Mensch hat die Namen auf die Näpfe geschrieben und nach dem der Dackel ziemlich abgemagert zu sein scheint, ist es naheliegend, dass er zu wenig zu essen abbekommt!’ meinte Tommi in seinem Klugscheißermodus.

Sonja zog eine Augenbraue hoch, machte ein ungeduldiges Geräusch und meinte in einem ruhigen Ton: ‘Tommi, meinst du nicht, dass du dich zuerst vorstellen solltest, bevor du mit dem Korinthenkacken anfängst.’

Sonja hatte mittlerweile den Hundefutterschrank nochmal inspiziert und hatte dann auch den Dosenöffner gefunden.

‘Ist schon gut, Frau Weißmüller!’ meinte Hermine. ‘Er hat ja recht! Wir schaffen es kaum, uns um alle Hunde zu kümmern. Ich füttere auch noch die Schafe, Hühner und Ziegen, bevor ich in die Schule gehe. Und nach der Schule hol ich die Pferde von der Koppel und kümmer mich um sie. Zum Glück sind jetzt Ferien.’

‘Ich kann mich um die Hunde kümmern!’ meinte Tommi, stand auf und ging zu dem Schrank mit dem Hundefutter, um hineinzublicken.

Hermine meinte noch, bevor sie die Küchentüre öffnete: ‘Vielleicht kriegst du sie dazu sich ordentlich aufzuführen, wenn es Futter gibt?’

Vier riesige Hunde, die unterschiedlicher nicht sein konnten, kamen in die Küche gelaufen und Tommi hob nur die Hand und meinte: ‘Sitz!’

Alle Hunde machten Sitz und blickten ihn gespannt an.

‘Jetzt bin ich aber baff!’ meinte Hermine. ‘Dann lass uns die Meute füttern. Also abends bekommen sie einen halben Napf von dem Trockenfutter und jeweils eine halbe Dose von dem Hundefutter hier.’ meinte sie und wies auf die großen Dosen. ‘Morgens auch nochmal die selbe Menge füttern. Tich bekommt von den kleinen Dosen und den Kleinen kann man Mittags nochmal füttern, bis er wieder ein Bisschen zugelegt hat. Die Großen kriegen keine Leckerli, außer sie machen wirklich mal was richtig.’

‘Ich nehme an, dass die Größe der Näpfe nach dem täglichen Bedarf der Hunde gewählt wurden.’ fragte Tommi und füllte die Näpfe mit dem Trockenfutter. Sonja hatte bereits zwei Dosen geöffnet.

‘Ja, du kennst dich aber aus!’ meinte Hermine.

‘Ich lese viel!’ meinte Tommi und grinste seine Schwester blöde an.

‘Er surft den ganzen Tag im Internet und ist manchmal einfach nur ein unglaublicher Klugscheißer!’ meinte Sonja und reichte ihm die Dosen.

‘Ja, mit dem Internet haben wir hier manchmal so ein Problem, aber wir haben eine ziemlich große Bibliothek! Genauer gesagt ist es jetzt eh deine Bibliothek!’ berichtete Hermine und zeigte dann auf Tommi.

‘Was gibt es für ein Problem mit dem Internet?’ fragte Sonja erschrocken.

‘Also hier im Büro ist ein ziemlich veralteter Anschluss, der außerdem irgendwie immer aus ist, der Herr von Waldbuch hat alle zwei Tage das Internetpasswort geändert! Das W-Lan hat ungefähr keine Reichweite und mein Vater weigert sich einen zweiten Anschluss zu machen. Dabei meint der Kimmelmann, dass das heutzutage alles kein Problem ist.’

‘Der Herr Kimmelmann?’

‘Iganz Kimmelmann, KFZ – Werkstatt und Lohnarbeiter!’ meinte Tommi eher beiläufig, als er mit dem Füllen der Näpfe soweit fertig war. Grinsend flüsterte er den Hunden etwas Unverständliches zu. Die Hunde gingen zu ihren Näpfen und fraßen dann ziemlich gesittet.

‘Kimmelmann ist der Hausmeister hier!’ meinte Hermine. ‘Mein Vater zeigt Ihnen morgen früh um 8 das Büro und den restlichen Papierkram! Meine Mutter kommt morgen um 09.30 und zeigt Ihnen das Museum, ich glaub um 10.30 kommt dann ein Bus vom Ferienprogramm!’

Sonja blickte auf ihr Handy und meinte: ‘Boa und Netz hat’s hier aber auch nicht!’ Dann lief sie wie ein Wünschelrutengänger durch die Küche auf der Suche nach Netz.

‘Ja, das ist echt ein Drama hier!’ meinte Hermine. ‘Draußen bei der Kapelle ist es ganz gut, ansonsten bleibt nur das Festnetz.’

‘Dann machen wir das Internet jetzt mal an und ich red morgen mal mit dem Hausmeister, was man da alles machen kann, weil wenn mein Handy kein Internet hat, bin ich ungefähr so stressig wie mein Bruder, wenn sein Tablet kein Internet hat.’

‘Du hast ein Tablet?’ fragte Hermine Tommi.

Er nickte nur, grinste saublöd und blickte weiter unverwandt auf die Hunde.

‘Tommi räumst du noch deinen Teller in die Spülmaschine, wir gehen schon mal ins Büro.’

‘Nur, wenn ich das Internetpasswort bekomme!’ meinte er gelangweilt.

‘Die großen Hunde müssen nach der Fütterung wieder raus!’ meinte Hermine noch, bevor sie von Sonja zur Tür geschleift wurde.

Er grinste ihnen hinterher und meinte dann zu den Hunden: ‘Weiber!‘

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