Von Wasser, Sand und Krieg

Von Wasser, Sand und Krieg

hofnarrDer Narr tapste einen steinigen Abhang hinunter. Der Teufel schien nicht hinter ihm her zu sein, dennoch lief er zielstrebig bergab. Erschreckend behände schlich er über Stock und Stein, obwohl seine Schuhe viel zu groß zu sein schienen. Die Schellen seiner Narrenkappe wurden nur durch seine leisen Schritte bewegt und seine niemals stummen Begleiter raunten dumpf neben seinen Ohren. Und zwischen seinen Ohren dröhnte etwas Anderes. Nicht laut aber stetig. Es rumorte in seinem Inneren, wie ein schwaches Tier in einem dunklem Käfig, dass unablässig an den Wänden seines Gefängnisses kratzt und doch nie in die Freiheit gelangen würde.

Ein futuristisches Rauschen, schlimmer noch als jeder Wasserfall. Ein nervenaufreibendes und immer und immer wiederkehrendes Rauschen. Soviel Wasser. So viel Wasser der Himmel nie würde weinen können und dennoch rauschte es unaufhaltsam vor seinem inneren Auge, wie ein Feuer dass sich auf seiner Netzhaut eingebrannt hatte.

Er rannte einer Sehnsucht entgegen, einer Hoffnung, der Linderung seiner unsäglichen Leiden. Nur einen Moment der Stille, mehr wollte er nicht. Ruhe, einfach nur Ruhe.

Er ging dem Sonnenuntergang entgehen. Bis seine Füße nicht mehr konnten und wenn er sich auf seinen blutigen Stümpfen bis ans Ziel schleppen musste. Er würde es tun. Er wurde so lange gehen, bis die Welt zu Ende ist.

Und am Ende der ihm bekannten Welt, soll das Meer sein.

Er hatte das Meeresrauschen nie vernommen, doch hatte er eine klare Vorstellung davon, wie die Wellen endlos Wasser gegen die Felsen droschen, wieder und immer wieder, bis auch vom dem größten Stein nur noch Sand übrig bliebt. Sand im Getriebe der Zeit, der dazu verdammt war durch jeden Mannes Finger zu rinnen.

So ist die Zeit eine unerbittliche Hure, die einem am Ende das Leben kosten würde.

Und bis es so weit kommen würde, hatten die Götter noch alle Zeit der Welt, ihm bis zum bitteren Ende zu Tode zu quälen. Sich dagegen wehren wäre ein sinnloses Unterfangen.

Sinnloser noch als gegen Windmühlen zu kämpfen. Er war der Mittelpunkt eines Krieges, in dem er selbst nur ein Spielball der Götter war.jokerDer Sinn für seinen Humor war gänzlich untergegangen, vom Krieg verschlungen. Seine Witze waren nur noch Schall und Rauch und er würde niemals wieder einen Lacher hören, nur noch dieses unsägliche Rauschen. Aus seinem lachenden Auge ran eine einsame Träne. Es war nicht sein Krieg, doch hatte man ihn in den Mittelpunkt gezerrt, wie einen Sklaven in die Arena. Kämpfen sollte er, für eine Sache die nicht die Seine war. Nur dass niemals wieder jemand klatschen würde, oder ihm gar zujubeln. Doch es würde nicht sein Krieg sein, er konnte nichts tun, er konnte nur noch warten bis der Sturm vorüber war, um dann in der Stunde seines Todes festzustellen, dass er doch darum hätte kämpfen können.

Er spürte wie sein Herz zerbrach und bei jedem weiteren Schritt, konnte er die Scherben in seiner Brust klirren hören.

Wenn sein Leben Krieg sein sollte, dann hätte ich darum kämpfen können. Kämpfen. Jetzt.

Er zog die Narrenkappe vom Kopf, machte auf dem Absatz kehrt und stieg wieder den steinigen Weg hinauf.

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Ich suche einen Mann 2.0 – Teil 80 – Der Uth der Woche

Ich suche einen Mann 2.0 – Teil 80 – Der Uth der Woche

11136241_677930145644749_5544687634799719850_oIch suche nicht nur einen NSC Festrollen-Darsteller (auch weiblich, jung wie alt) für das Stein-Volk der Uth für die Larp-Veranstaltung Inseln der Macht vom 02.09.2015 bis 06.09.2015!

Der Uth an sich lebt auf der Insel Primum sehr gefährlich und er ist ein wahrer Überlebenskünstler, während die Flora und Fauna der Insel mehr als lebensgefährlich ist.

Obwohl das Volk der Uth bisher kaum beeinflusst worden ist, ist das harte aber liebevolle Steinvölkchen mittlerweile vom Aussterben bedroht. Die magischen Fähigkeiten der Frauen vermögen es nicht mehr ihre Männer zu heilen. Sie beten und hoffen jeden Tag, dass der Phoenix bald zurückkehren mag, um sie zu retten…

Sie sprechen eine sehr einfache eigene Sprache, doch ihre Gesten sind mehr als eindeutig. Ein paar von den alten Uth sprechen noch die Sprache der Besucher. Doch gilt die goldene Regel, alles was man in drei Worten nicht erklären kann, ist der guten Worte genug erzählt.

Wir bieten eine liebevoll ausgearbeitete Rolle als wichtiger Plotgeber mit eigenen Plots und freien Spiel mit ca. 400 Spielern. Wir wollen ein IT Lager darstellen, wir stellen Stoff fürs Kostüm, Perlenschmuck, Schminke aus Wasser bzw. Fettschminke und Kieselerde bzw. Tonerde, je nach Rolle und Hauttyp. Wir garantieren 100 % Sonnenschutz und trotz der spärlichen Bekleidung und ein nettes Schminkteam und enge Zusammenarbeit mit dem Plotteam von Inseln der Macht.

Auf dem Gelände gibt es Duschen!

Fragen: an  bine@inseln-der-macht.de

Interesse: Bitte melde dich als Uth unter Nicht Spieler auf http://www.inseln-der-macht.de an mit dem Stichwort: Der Uth der Woche

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Bildbearbeitung by Christina Burgstaller DetailReich Photography

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Ein Knopf kommt selten allein… Teil 4

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 4

OLYMPUS DIGITAL CAMERATommi bezog sein Zimmer und schlief schließlich mit seinem Tablet in der Hand ein. Tich lag auf der Bettdecke und blickte Sonja an, als sie ins Zimmer schlich.

Sie nahm das Tablet aus seinen Händen und deckte ihn zu. Sie löschte das Licht, als sie sein Zimmer verließ.

Später ging sie nochmal zum Wagen und schleppte noch einige ihrer Sachen ins Haus. Bevor sie zu Bett ging, wollte sie sich noch ein Buch aus der Bibliothek mitnehmen. Also schlich sie im Nachthemd zur Schlossbibliothek hinüber.

Der Geruch alter Bücher war überwältigend. Die grünen Lampen tauchten alles in diffuses Licht und schließlich konnte sie sich nicht für ein Buch entscheiden. Also setzte sie sich in einen der großen Ohrenbackensessel und stöberte in 5 Büchern gleichzeitig.

Das Knallen einer Tür riss sie aus dem Schlaf und als sie hochschreckte fielen ein paar Bücher von ihrem Schoss. Ziemlich verwirrt schaute sie sich um und erst nach einer Weile wurde ihr gewahr, dass der Ort an dem sie sich befand, ihr neues Zuhause war. Sie tauchte zwischen ihren Knien ab, um die Bücher aufzuheben. Dabei merkte sie nicht, dass jemand an der offenen Tür zu Bibliothek vorbei ging.

Ein allgemeines Unbehagen stellte ihr die Nackenhaare auf. Sie beschloss nach Tommi zu sehen und lief zu seinem Zimmer. Er lag nicht in seinem Bett und als sie hektisch aus seinem Zimmer stürmte, sah sie jemanden am Treppenansatz stehen. Das diffuse Licht aus der Bibliothek erhellte den Korridor nur so viel, dass man gerade noch etwas erkennen konnte, dass sich jemand über das Treppengeländer schwang. Erschrocken lief sie los, hinter dem Treppengeländer ging es mindestens 5 Meter in die Tiefe und unten stand das antike Klavier von Gwendoline von Waldbuch.

Nachdem sie kein Geräusch hörte, war sie schon fast wieder beruhigt, doch vergewissern musste sie sich dennoch. In ihrer Angst war sie so schnell gelaufen, dass sie fast selbst über das Geländer gestürzt wäre. Unten war nichts zu sehen. Die Eingangshalle wurde nur von einem futuristischen Notausgangsschild erhellt. Sie wich zurück, bis sie von der rückwärtigen Wand aufgehalten wurde, als ihr Schulterblatt den Lichtschalter drückte, erschrak sie kreischend, als plötzlich das Licht an ging. In der gesamten Eingangshalle war niemand. Sie lief runter, um jeden Winkel der Halle untersuchen zu wollen. Die Eingangstür war verschlossen. In der Küche war alles ruhig. Nur die Uhr des Ofens schaltete von 2.59 auf 3 Uhr morgens. Als sie sich umdrehte, sah sie den stillen Alarm an der Alarmanlage. Hastig rannte sie zu der Anlage, tippte die Nummer ein und drückte auf OK.

Erst auf dem Weg nach oben wunderte sie sich darüber, dass sie die Nummer der Alarmanlage auswendig konnte, obwohl sie heute Nachmittag nur einen flüchtigen Blick auf den Zettel geworfen hatte. Als sie oben an der Treppe angekommen war, sah sie einen Schatten im Gang von einem Zimmer ins andere huschen und in nächsten Moment schellte das Telefon. Das Herz rutschte ihr vor Schreck schier in die Hose. Um das nervige Klingeln schnellstmöglichst abzustellen, lief sie also wieder zum Büro hinunter. Die Bürotür stand offen, obwohl sie sich ziemlich sicher war, dass die Bürotür vorhin noch verschlossen war.

Genervt ging sie ran und der Securitydienst meldete sich: ‘Alles in Ordnung bei Ihnen, Frau Weißmüller?’

‘Ja, eigentlich schon! Mein Bruder ist Schlafwandler!’

Erst als sie aufgelegt hatte wunderte sie sich, warum der Securitydienst ihren Namen wusste. Sie schloss die Tür und lief wieder nach oben. Sie blickte in jedes Zimmer und machte Licht. Tommi war immer noch nicht in seinem Zimmer und auch nicht im Bad. Sie war panisch. Doch das Schloss war still und leer, niemand außer ihr schien im Schloss herumzugeistern, also beschloss sie die Schlafzimmer, die hinter den ihren lagen zu untersuchen.

Als sie wieder auf den Gang trat, konnte sie aus dem Ankleidezimmer ein merkwürdiges Stöhnen hören. Sie stürmte erneut hinein und schaltete das Licht an. Das daraufhin flackernde Licht gab eine merkwürdige Szenerie preis. Zwei nackte Körper räkelten sich auf dem Boden und plötzlich sah sie einen Dolch durch die Luft blitzen…

Schreiend schreckte sie aus dem Schlaf. Sie saß in der Bibliothek in einem Ohrenbackensessel und ein paar der Bücher waren von ihrem Schoss gepurzelt. Sie hörte ein Türknallen und das Déjà-vu war nun perfekt. Sie lies die Bücher auf dem Boden liegen und stürmte in das Zimmer ihres Bruders und er lag friedlich im Bett.

Erleichtert atmete sie tief durch und in dem Moment als sie das Zimmer wieder verlassen wollte, konnte sie einen Luftzug an ihren nackten Füßen spüren.

Sie wand sich um, lief zum Fenster und stellte sogleich fest, dass es offen war. Als sie es schloss, war sie sich sicher, dass es vorhin noch geschlossen war. Oder nicht? Sie war verwirrt.

Sie wandte sich um und wollte das Zimmer ihres Bruders wieder verlassen. Im Augenwinkel erkannte sie, dass er nicht mehr im Bett lag. Sie stürmte wieder hinaus. Oder war es heute das erste Mal, dass sie wirklich aus seinem Zimmer stürmte?

Sie sah ihren Bruder, wie er in der Bibliothek verschwand. Sie ertappte ihn dabei, wie er oben auf der Leiter stand und die Bücher wieder einsortierte in denen sie vorhin noch geschmökert hatte. Dann kletterte er wieder von der Leiter, nahm ein kleines Buch aus der untersten Reihe und lief an ihr vorbei zurück in sein Zimmer. Sie folgte ihm.

Vor seinem Bett blieb er verkrampft stehen und lies das Buch fallen. Bevor er krampfend zu Boden stürzen konnte, hatte sie ihn schon ergriffen und legte ihn vorsichtig aufs Bett. Er blieb automatisch in einer Stellung liegen, die einer stabilen Seitenlage recht ähnlich war und Sonja schob im nächsten Augenblick das Nachtkästchen beiseite. Tich war aufgeregt vom Bett gesprungen und wuselte um sie herum, als sie zu seinen Medikamententäschchen eilte und fest stellte, dass er sein Diazepam heute nicht genommen hatte. Also schnappte sie ein Fläschchen und trat ans Bett.

‘Tommi, entspann dich! Morgen gibts Pfannkuchen!’

Er schien sich für einen Moment zu entspannen und schon hatte sie ihm die Tropfen in den Mund geträufelt.

Sie blieb noch eine Weile neben ihm sitzen, bis seine Bewusstlosigkeit in einen ruhigen Schlaf überging.

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 3

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 3

OLYMPUS DIGITAL CAMERA‘Heureka!’ rief Sonja hocherfreut. ‘Frauen 1 : Technik 0!’

Tommi kam mit Tich ins Büro und meinte: ‘Das Internetpasswort ist also Heureka1905?’

‘Jetzt macht er mir wirklich Angst!’ rief Hermine erschrocken.

‘Jetzt erst!’ meinten Sonja und Tommi wie aus einem Mund und dann lachten sie herzlich. Hermine brauchte noch einen Moment, bis sie ebenfalls lachte.

‘Tschuldigung, wenn ich das jetzt sage, mein Vater meinte, du wärst von Gott gewollt und… ähm!’ sie schluckte schwer, wand ihren Blick ab, bevor sie rot anlaufen konnte und redete nicht weiter.

‘Und jetzt wunderst du dich, dass du keinen sabbernden Trottel vor dir hast.’ meinte Tommi und schnitt ihr eine Grimasse.

‘Tommi bitte!’ ermahnte ihn Sonja und dann fuhr sie fort. ‘Also sagen wir mal so, es kommt immer auf die äußeren Einflüsse an und wie er so drauf ist, aber ich bin positiv überrascht, dass es bis jetzt ziemlich gut läuft, gell Tommi!’

‘Gell Tich, es läuft ziemlich gut mit uns, gell braver Hund!’ meinte Tommi. ‘Deswegen reden wir auch in der dritten Person über dich, obwohl du anwesend bist.’

‘Manchmal glaub ich wirklich, dass du doch Tourrette hast.’ rief sie schnippisch.

‘Das ist medizinisch eigentlich ziemlich unwahrscheinlich, weil dann müsste bis zu meinem 21 Lebensjahr mindestens ein vokaler Tick und mindestens zwei motorische Ticks diagnostiziert werden. Nachdem ich mittlerweile unfallfrei mit Messer und Gabel essen kann, fällt das Tourette Syndrom leider aus und mein übersteuerter Hang zum Sarkasmus ist nicht gesundheitsschädlich.’ meinte Tommi wieder in seinem Klugscheißermodus.

‘Bei der Dorfjugend hier könnte Sarkasmus schon gesundheitsschädlich sein, sofern sie es raffen, dass sie verarscht werden…!’ meinte Hermine.

‘Ja, Tommi. Ich möchte nicht, dass du dich mit der Dorfjugend anlegst. Es kann keiner was dafür, dass dein IQ doppelt so hoch ist wie meiner und meiner ist schon echt hoch.’

‘Liebe Schwester, ich bin total froh, dass du obwohl du blond bist, gleichzeitig über die Straße gehen kannst, mit dem Handy telefonieren, atmen und trotzdem die Handtasche zu hause vergessen kannst, aber zum Glück nicht jedes Mal überfahren wirst, wenn du gestresst bist.’ meinte Tommi ziemlich schnippisch, blickte sie dabei aber nicht an.

‘Jetzt vermisse ich meinen Bruder!’ meinte Hermine.

‘Du hast nen Bruder, davon hat mir dein Vater gar nichts erzählt.’ fragte Sonja.

‘Der ist überm Sommer auf ner Alm!’

‘Ui toll, können wir den besuchen, die bayrische Almwirtschaft muss man am eigenen Leib erfahren, sonst versteht man das nicht richtig!’ meinte Tommi ziemlich aufgeregt.

‘Ach bestimmt, aber erstmal schauen wir uns den alten Kasten an, okay! Und bevor wir auf die Alm fahren, musst du melken lernen, kannst mir morgen früh um 6 gleich mal helfen!’ meinte Hermine schlagfertig, dann fuhr sie fort: ‘Also, das Büro ist immer zugesperrt, wegen den Touristen und mit ihrem Generalschlüssel können Sie durch jede Tür mit nem modernen Schloss. Alle anderen Türen mit den historischen Schlössern kann man mit einem rostigen Nagel oder einer Nagelfeile öffnen.’

Sie ging aus dem Zimmer und sie schlossen die Tür zum Büro. ‘Hier im Gang ist die Kasse vom Museum und die öffentlichen Toiletten. Also nicht wundern, wenn hier wildfremde Leute einfach zum Pinkeln gehen.’

‘Deshalb die Alarmanlage?’

‘Ja, und Abends immer zu sperren, nicht dass der halbe Vogelschutzbund und Anglerverein hier ein und aus geht.’

Tommi lief den beiden Damen gelangweilt hinterher.

‘Ich empfehle euch beiden, die Führung morgen mitzumachen, dann spar ich mir den historischen Hintergrund von allen Möbelstücken hier. Mit der Schlüsselkarte kommen Sie auch in den gesicherten Bereich des Museums, nur für den Fall, dass Sie sich heute Nacht den Hosenknopf von Casanova ansehen wollen.’

Tommi grinste sie an, weil er den Sarkasmus in ihrer Ansprache wahrlich genoss.

‘Jeden Mittwoch kommt Herr Dr. Watzlaf Dalek, ein Historiker vom hiesigen Heimatverein. Der macht hier die Recherchen und einmal im Monat entscheidet der Museumsrat, über den Erwerb neuer Stücke.’

‘Wer ist alles im Museumsrat?’ fragte Sonja neugierig.

‘Also mein Vater, meine Mutter, der Bürgermeister, der Vorstand vom Heimatverein, der Vorstand des Kunstvereins, ein Vertreter der Knopfmacherzunft, der Dr. Dalek und Sie und Tommi wenn er volljährig ist und ich, wenn ich volljährig bin oder mein Bruder wenn er mal da ist und die Frau von Waldbuch, die lässt sich aber immer entschuldigen.’

‘Okay und was hat der Museumsrat zu sagen?’

‘Eigentlich nichts, aber der Herr von Waldbuch hat immer eng mit der Gemeinde zusammengearbeitet. Der Pfarrer darf zu den hohen Feiertagen in der Kapelle seine Messe lesen, der Kunst- und Fotoverein darf hier Kurse geben. Der Heimatverein, der Reit- und Fahrverein und die Zunft der Knopfmacher machen hier auch ein paar Veranstaltungen’

‘Hier ist ja dann immer was los?’

‘Ja, es ist auf Dauer ziemlich zum Kotzen: Suche Einsteins Hosenknopf zu Ostern, Tanz in den Mai, die alljährliche Knopfmesse, die Jahreshauptversammlung der Zunft der Knopfmacher, der Handwerkermarkt, der Weihnachtsmarkt, die Gartentage, das Weinfest, das Erntedankfest, den Debütantinnenball der höheren Gesellschaft von Waldbuch und das Sommerfest des Reit und Fahrvereins, ach und den Mittelaltermarkt und das Sonnwendfeuer und ich hab bestimmt irgendwas vergessen.’ meinte Hermine.

Sie war an der großen Treppe am Ende der Eingangshalle angekommen.

‘Halloween ist hier nichts los?’ fragte diesmal Tommi.

‘Zu Allerheiligen gehen wir nur auf den Friedhof, wieso?’

‘Da ist ne ziemlich langweilige Halloweenparty!’ grinste Tommi, blickte Hermine aber dabei nicht an.

‘Ja, ich hab am 31. und Tommi hat am 1.11 Geburtstag, wenn du kommst sind wir schon zu dritt.’ meinte Sonja.

‘Mit Tich sind wir vier!’

‘Wenn ich noch meine Freundin Jenny mitbringen darf, ist es ja schon fast ne Party!’

‘Gehen wir mal rauf, also bei der großen Führung sind die ersten paar Zimmer bis zur Waffenkammer Bestandteil der Führung, also wäre es sinnvoll, wenn ihr euch in dem hinteren Bereich des Hauses niederlasst. Da hinten ist auch das Bad.’

‘Hier vorne ist die Bibliothek, das Herrenzimmer, der Speisesaal, ein paar historische Schlafgemächer, die Waffenkammer und das gruselige Spielzimmer von Jonathan von Waldbuch. Das Ankleidezimmer von Gwendoline von Waldbuch. Man munkelt, dass sie sich hier immer mit dem Stallknecht vergnügt haben soll. Als sie dann im Kindsbett gar plötzlich und unerwartet durch einen Dolch im Herzen verstarb, stürzte sich der Stallknecht von der höchsten Zinne. Der Hubertus der I. von Waldbuch nahm den Jungen als sein Eigenes an, obwohl jeder sehen konnte, dass der schwarzhaarige Bengel nicht von ihm war.’ rezitierte Hermine und blieb vor ein paar Gemälden stehen, die einen blond gelockten Mann und eine rothaarige Frau zeigten. Daneben war ein junger Mann mit schwarzen, glatten Haar zu sehen, der Tommi zum Verwechseln ähnlich sah.

‘Gibts ein Bild von diesem Stallknecht?’ fragte Sonja.

‘Böse Zungen behaupten, dass das große Reiterbild im Speisesaal den Stallknecht und die Freifrau von Waldbuch bei einem Ausritt zeigt. Die Familienähnlichkeit ist wirklich erschreckend.’ meinte Hermine und zeigte auf das Bild des jungen Mannes und starrte dabei Tommi an.

‘Dann werde ich mich zu Halloween als Stallknecht verkleiden!’ grinste Tommi.

‘Das könnt ihr euch morgen ja noch genauer anschauen. So dann kommen wir zu dem eigentlichen Wohntrakt. Die Öfen in jedem Zimmer hier hinten sind im Winter lebensnotwendig. Der Kimmelmann zeigt euch dann, wie man die anheizt. Die Badezimmer allerdings sind mit der Heizung verbunden, also gibt es immer warmes Wasser.’

‘Die Badezimmer?’ fragten Tommi und Sonja wieder gleichzeitig.

‘Ja, jedes der Schlafzimmer ist mit einem vollausgestatteten Badezimmer ausgerüstet. Beim Lieferanteneingang ist aber noch eine Dusche!’ Sie blieb vor einer Tür stehen und meinte: ‘Das wären die Schlafzimmer.’

‘Ich links, du rechts!’ rief Tommi und öffnete die gegenüberliegende Tür.

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

bruce-willis-as-korben-dallas-in-the-fifthFür Ende April ist das Wetter herrlich als Sie zum Briefkasten lief und ihr Staunen war noch viel großer wie die Freude über das schöne Wetter, als Sie einen Brief aus ihrem Briefkasten fischte. ‘Herzlichen Glückwunsch! Gemini Kroketten präsentiert, der Wellness-Abenteuer-Urlaub 2015! Sie haben einen 5 Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub im Ferienresort Ahrenschwamm gewonnen.’

Sie konnte sich zwar nicht erinnern, bei einem Preisausschreiben mitgewirkt zu haben und es ging bereits morgen los. Ihr Arbeitgeber genehmigte seltsamerweise den telefonischen Urlaubsantrag umgehend. Normalerweise wäre Sie an diesem Punkt schon reichlich misstrauisch geworden, aber einem geschenkten Gaul schaute man bekanntlicherweise nicht ins Maul.

Sie packte ihre 7 Sachen und fuhr mit ihrem Wagen in die weite Welt hinein. Die zirka vierstündige Anreise ging schneller vorbei als Sie gedacht hatte, doch zum Ende hin schien ihr Navi seinen Dienst nun völlig eingestellt zu haben. Geschenktes Zubehör fürs Motorgaul sollte man vielleicht doch ins Maul schauen. Sie musste sich auf die Beschilderung verlassen und wunderte sich reichlich über die ansässigen Firmen. Die Firma Gemini Kroketten schien hier der einzige Arbeitgeber zu sein. An diesem Punkt hätte Sie wirklich erkennen müssen, dass irgendwas nicht stimmte, vorallem weil Sie ihren Multipass nicht eingesteckt hatte!

Am Ende der Straße ging es in eine tiefe, tiefe Schlucht und eine ziemlich runtergekommenes Schild wies in Richtung Ferienresort Ahrenschwamm sponsort by Gemini Kroketten. Rechts ging es in ein fast zur Perfektion neigendes Sumpf-Boot-Camp, das sah noch weniger einladend aus, als die Schlucht zum Ferienresort. Links ging es ins Feuchtbiotop – Nirvana- und irgendwo hinter dem Feuchtbiotop sah Sie tatsächlich den Widderhirten von Erebor, wie er mit einem enormen Bären tanzte.

Und als Sie sehnsüchtig in den Rückspiegel blickte, sah Sie ein beleuchtetes Schild Richtung Segema Beach sponsort by Big Kahuna Burger. Eine glockenhelle Stimme in ihrem Kopf flötete ihr von innen ins Ohr: ‘Big Kahuna Burger, so eine Chance bekommst du nie wieder! Big Kahuna Burger!’

Aber der Urlaub ist doch gratis! Das da irgendwas nicht stimmen könnte, kam ihr wirklich nichtmal in den Sinn und selbst als ein buckliger, zu Glatze neigender blonder Mann singend über die Straße lief und die glatte Steinwand der Schlucht hinauflief.

Sie folgte weiter der Beschilderung und kam schließlich an einem runtergekommen, windschiefen Häuschen an und wurde von den Hotelmanagern in Empfang genommen, die sich dann später als Köche und Hausmeister entpuppten. Sämtliche Animateure waren damit beschäftigt ihre nassen Schuhe vor dem Ofen umzudrehen.

2410840627_31955fb478Deshalb musste Sie das Gepäck völlig alleine in das völlig unterkühlte Zimmer bringen. Als Sie bei der Gelegenheit am Küchenfenster vorbeilief, stand plötzlich eine Katze vor ihr, die verdächtig so aussah wie Adolf Hitler. Schreiend sprang Sie zur Seite und stolperte fast über eine Jutetüte mit erstmal nicht zu erkennenden Inhalt.

Völlig außer sich lief Sie zu ihrem Auto und schrie: ‘Der Kitler, er ist wieder da!’

Warum hatte Sie nur so viel Zeug mitgenommen? Als Sie daraufhin wieder am Küchenfenster vorbei lief, war der Kitler auf die gleiche mysteriöse Weise verschwunden, wie er vorhin aufgetaucht war und der Inhalt des biologisch abbaubaren Jutesackerls war über den ganzen Weg verstreut und bei dem verstreuten Gut handelte es sich um eine Großfamilienpackung Kondome verschiedenster Marken und Größen und einen nicht weiter genannten Pornofilm.

Bis Sie nun endlich den Wageninhalt auf ihr Zimmer gebracht hatte, fiel ihr auf, dass jedes Mal wenn Sie am Küchenfenster vorbeilief, ein paar der Kondome fehlten, bis am Ende nur noch die PornoDVD im Dreck lag. Ungesehen steckte Sie die DVD ein und ging in den Aufenthaltsraum und harrte der Dinge, die da noch kommen würden.

Kommen Sie nach Ahrenschwamm haben Die gesagt, ein 5-Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub für Lau haben Die gesagt. Das es von den 5 Tagen Urlaub gefühlte 7 Tage Regenwetter haben würde, hätte ja auch nie einer gedacht.

Sie hatte wirklich alles eingepackt, vorallem reichlich Sinnfreies, nur nicht die Gamaschen, die hätte Sie auch wirklich gut gebrauchen können, aber die Gamaschen lagen immer noch zu Hause auf der Anrichte und hatten bis zum heutigen Tage keinen einzigen Tropfen abbekommen.

Und die einzige Wellnessmaßnahme in diesem Gratisurlaub war aufgrund der fehlenden Gamaschen Angezogenkneipen. Das muss der allerneuste Schrei sein. Eines musste man ihren Schuhen allerdings zu Gute halten, die haben sich wirklich wacker geschlagen, bei der Regen-Matsch-Plörre da draußen im Ahrenschwamm an der Ahnenklamm, oder so.

Im nahegelegenen BootCamp kämpfte die Perfektion im strömenden Regen mit den anderen Insassen, die nach ein paar Tagen, alle so aussahen, als wären sie aus dem Sumpf gekrochen, gegen den Rest der Welt. Nur der leichte Chlorgeruch ließ hoffen,dass da irgendwo vielleicht doch ein beheiztes Schwimmbad mit einem gutaussehenden Bademeister sein könnte.

Immer der Nase nach hatte ihre Großmutter schon immer gesagt, aber den Bademeister musste Sie wohl knapp verpasst haben.

Ein eher ruppiges Roarrrrrr riss Sie aus ihren feuchten Träumen und als Sie sich wieder versah stand Sie unter der Dusche mit einem nicht ganz so haarigen Wookiee.

So wie bei jedem Urlaub, endet er dann, wenn es am Schönsten ist und am Ende kann man sich an die Namen der Urlaubsbekanntschaften nicht mehr erinnern.

Die vierstündige Heimreise endete nach 8 Stunden, als Sie spät Nachts endlich zu Hause ankam und sich so vorkam, als hätte Sie jeden Stau zwischen dort und hier mitgenommen und als wäre in der letzten Nacht nicht nur ein Wookiee mit ihr duschen gewesen.

Zuhause packte Sie ihre sieben Sachen wieder aus und plötzlich hatte Sie die PornoDVD in Händen. Sie hatte ganz vergessen, dass Sie die DVD eingepackt hatte, nachdem warum wollte Sie gar nicht mehr fragen.

Sie las erst die Rückseite: ‘Strohrum auf dem PickupTruck! Jenny Bolero spricht nicht nur ihre Dialoge selbst, nein sie zeigt uns auch, wo das Stroh rum liegt. Ob Mösenmaske, Fickfuß oder Penishöschen – für die reibungslose Handhabung wird gesorgt’

Als Sie die DVD Hülle umdrehte, verdrängte Sie das Titelbild bereits bevor Sie es erblickte. Die DVD verschwand in ihrem Schrank, in dem Sie die Verblüten der Pornoindustrie aufbewahrte.

So long und bis zum nächsten Gratisurlaub, das Ferienresort Ahrenschwamm

P.S. Ähnlichkeiten mit bekannten Personen und/ oder Begebenheiten sind völlig unbeabsichtigt und daher völlig unmöglich. Sämtliche Handlungstränge sind frei erfunden, es wurde ziemlich Vieles hinweggelassen und Einiges hinzugefügt. Nix für unguat!

P.P.S. Ob ein Urlaub auf Segema Beach besser gewesen wäre, aber das Träumen von einem Big Kahuna Burger sei erlaubt, bekommen wird Sie ihn nie…May the 4th be with me!

Aus dem Tagebuch einer Putzfrau

Aus dem Tagebuch einer Putzfrau (teilweise von den Epistemen zensiert)

redlatDer Aspekt der Liebe hat mich endlich erhört. Ich hab mich verliebt. Kurz bevor ich den Glauben an die wahre Liebe aufgeben wollte, hat es mich erwischt. Ich konnte es kaum glauben, dass ich mich noch einmal so verlieben könnte, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Alles in meinem Leben war so trist und leer, bis zu dem Moment, da ich meinen Traumprinzen durch ein Loch in der Zeltwand erblickt habe. Seit dem sehe ich ihn mir jeden Tag an und ich verzehre mich an ihm. Jede Nacht.

Und egal was die Widrigkeiten des Lebens so für mich auf Lager haben, es ist mir völlig...von den Epistemen zensiert… weil ich weiß, dass ich ihn am Abend wieder sehe. Jeden Abend.

Himmel, so hat es mich schon lange nicht mehr erwischt. Er ist ein Traum, ein Traum zu schön um wahr zu sein. Mich beschleicht nur ein schreckliche Vorahnung, dass ich meinen Traumprinzen wahrscheinlich nie in meine Arme schließen kann, weil ich nicht so wirklich weiß wer er eigentlich so richtig ist. Ganz nebenbei würde ich gerne mal sein Gesicht sehen.

Den den Angestellten in unserem Etablissement ist es strengstens untersagt sich gegenseitig zu beäugen oder gar zu berühren. Äußerste Diskretion ist unser oberstes Gebot. Aber solange ich ihn mir jeden Tag flüchtig ansehen kann, kann ich auch darüber hinwegsehen, dass er einer nicht ganz herkömmlichen Berufung nachgeht. Ich bin neben der Besitzerin und dem schmierigen Koch wohl die Einzige die in der roten Laterne in Lohn und Brot steht, ohne sich dafür entblößen zu müssen.

Ich weiß auch nicht so genau, was mein Traummann dazu sagt, dass es Liebe auf den ersten Blick war, obwohl er mich noch nie gesehen hat und ich eigentlich nur sein bestes …von den Epistemen zensiert… Ich komme mir vor, wie eines der beiden Liebenden, die nie zusammenkommen können…

Himmel, warum muss ich mich auch in einen…von den Epistemen zensiert…verlieben. Gut in einen phantasmagor…von den Epistemen zensiert…- …von den Epistemen zensiert…ist einfach perfekt, als wäre er nur für mich gemacht. Aber ich würde dann wirklich gerne wissen, wer der Mann ist, der hinter diesem perfekten…von den Epistemen zensiert… steht. Mist. Ich überlege mir gerade, ob ich diesen Brief durch das Loch in der Zeltwand werfen soll?

Lieber Besitzer des phantasmagor…von den Epistemen zensiert…,

du versüßt mir mein tristes Leben nur durch die Gewissheit, dass es dich und dein …von den Epistemen zensiert… irgendwo da draußen gibt. Für mich ist es Liebe auf den ersten Blick. Wegen dir kann ich kaum schlafen. Bei dem bloßen Gedanken an dich, schmelze ich dahin und ich verzehre mich nach dir. Ich möchte dich nehmen so wie du bist und solange du willst. Gerne bis ans Ende aller Tage und darüber hinaus. Auf eine positive Reaktion deinerseits würde ich mich sehr freuen und ich stelle dir hiermit diesen Antrag auf eine eheähnliche Beziehung auf eher körperlicher Basis, ich würde dich lieben und … von den Epistemen zensiert…bis der Tod uns scheidet.

Bitte melde dich.

Deine

Bernadette

Die Putzfrau von der roten Laterne

P.S. Bitte verstehe mich nicht falsch, ich möchte dich auf keinen Fall nur auf deine derzeitige Arbeit reduzieren.

Auszug aus der Abteilung Liebesbriefe, überprüft von der Abteilung Zensur und nicht für gut befunden, ich bin Episteme und ich sage die Zensur ist unser Recht!

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