Ein Knopf kommt selten allein… Teil 4

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 4

OLYMPUS DIGITAL CAMERATommi bezog sein Zimmer und schlief schließlich mit seinem Tablet in der Hand ein. Tich lag auf der Bettdecke und blickte Sonja an, als sie ins Zimmer schlich.

Sie nahm das Tablet aus seinen Händen und deckte ihn zu. Sie löschte das Licht, als sie sein Zimmer verließ.

Später ging sie nochmal zum Wagen und schleppte noch einige ihrer Sachen ins Haus. Bevor sie zu Bett ging, wollte sie sich noch ein Buch aus der Bibliothek mitnehmen. Also schlich sie im Nachthemd zur Schlossbibliothek hinüber.

Der Geruch alter Bücher war überwältigend. Die grünen Lampen tauchten alles in diffuses Licht und schließlich konnte sie sich nicht für ein Buch entscheiden. Also setzte sie sich in einen der großen Ohrenbackensessel und stöberte in 5 Büchern gleichzeitig.

Das Knallen einer Tür riss sie aus dem Schlaf und als sie hochschreckte fielen ein paar Bücher von ihrem Schoss. Ziemlich verwirrt schaute sie sich um und erst nach einer Weile wurde ihr gewahr, dass der Ort an dem sie sich befand, ihr neues Zuhause war. Sie tauchte zwischen ihren Knien ab, um die Bücher aufzuheben. Dabei merkte sie nicht, dass jemand an der offenen Tür zu Bibliothek vorbei ging.

Ein allgemeines Unbehagen stellte ihr die Nackenhaare auf. Sie beschloss nach Tommi zu sehen und lief zu seinem Zimmer. Er lag nicht in seinem Bett und als sie hektisch aus seinem Zimmer stürmte, sah sie jemanden am Treppenansatz stehen. Das diffuse Licht aus der Bibliothek erhellte den Korridor nur so viel, dass man gerade noch etwas erkennen konnte, dass sich jemand über das Treppengeländer schwang. Erschrocken lief sie los, hinter dem Treppengeländer ging es mindestens 5 Meter in die Tiefe und unten stand das antike Klavier von Gwendoline von Waldbuch.

Nachdem sie kein Geräusch hörte, war sie schon fast wieder beruhigt, doch vergewissern musste sie sich dennoch. In ihrer Angst war sie so schnell gelaufen, dass sie fast selbst über das Geländer gestürzt wäre. Unten war nichts zu sehen. Die Eingangshalle wurde nur von einem futuristischen Notausgangsschild erhellt. Sie wich zurück, bis sie von der rückwärtigen Wand aufgehalten wurde, als ihr Schulterblatt den Lichtschalter drückte, erschrak sie kreischend, als plötzlich das Licht an ging. In der gesamten Eingangshalle war niemand. Sie lief runter, um jeden Winkel der Halle untersuchen zu wollen. Die Eingangstür war verschlossen. In der Küche war alles ruhig. Nur die Uhr des Ofens schaltete von 2.59 auf 3 Uhr morgens. Als sie sich umdrehte, sah sie den stillen Alarm an der Alarmanlage. Hastig rannte sie zu der Anlage, tippte die Nummer ein und drückte auf OK.

Erst auf dem Weg nach oben wunderte sie sich darüber, dass sie die Nummer der Alarmanlage auswendig konnte, obwohl sie heute Nachmittag nur einen flüchtigen Blick auf den Zettel geworfen hatte. Als sie oben an der Treppe angekommen war, sah sie einen Schatten im Gang von einem Zimmer ins andere huschen und in nächsten Moment schellte das Telefon. Das Herz rutschte ihr vor Schreck schier in die Hose. Um das nervige Klingeln schnellstmöglichst abzustellen, lief sie also wieder zum Büro hinunter. Die Bürotür stand offen, obwohl sie sich ziemlich sicher war, dass die Bürotür vorhin noch verschlossen war.

Genervt ging sie ran und der Securitydienst meldete sich: ‘Alles in Ordnung bei Ihnen, Frau Weißmüller?’

‘Ja, eigentlich schon! Mein Bruder ist Schlafwandler!’

Erst als sie aufgelegt hatte wunderte sie sich, warum der Securitydienst ihren Namen wusste. Sie schloss die Tür und lief wieder nach oben. Sie blickte in jedes Zimmer und machte Licht. Tommi war immer noch nicht in seinem Zimmer und auch nicht im Bad. Sie war panisch. Doch das Schloss war still und leer, niemand außer ihr schien im Schloss herumzugeistern, also beschloss sie die Schlafzimmer, die hinter den ihren lagen zu untersuchen.

Als sie wieder auf den Gang trat, konnte sie aus dem Ankleidezimmer ein merkwürdiges Stöhnen hören. Sie stürmte erneut hinein und schaltete das Licht an. Das daraufhin flackernde Licht gab eine merkwürdige Szenerie preis. Zwei nackte Körper räkelten sich auf dem Boden und plötzlich sah sie einen Dolch durch die Luft blitzen…

Schreiend schreckte sie aus dem Schlaf. Sie saß in der Bibliothek in einem Ohrenbackensessel und ein paar der Bücher waren von ihrem Schoss gepurzelt. Sie hörte ein Türknallen und das Déjà-vu war nun perfekt. Sie lies die Bücher auf dem Boden liegen und stürmte in das Zimmer ihres Bruders und er lag friedlich im Bett.

Erleichtert atmete sie tief durch und in dem Moment als sie das Zimmer wieder verlassen wollte, konnte sie einen Luftzug an ihren nackten Füßen spüren.

Sie wand sich um, lief zum Fenster und stellte sogleich fest, dass es offen war. Als sie es schloss, war sie sich sicher, dass es vorhin noch geschlossen war. Oder nicht? Sie war verwirrt.

Sie wandte sich um und wollte das Zimmer ihres Bruders wieder verlassen. Im Augenwinkel erkannte sie, dass er nicht mehr im Bett lag. Sie stürmte wieder hinaus. Oder war es heute das erste Mal, dass sie wirklich aus seinem Zimmer stürmte?

Sie sah ihren Bruder, wie er in der Bibliothek verschwand. Sie ertappte ihn dabei, wie er oben auf der Leiter stand und die Bücher wieder einsortierte in denen sie vorhin noch geschmökert hatte. Dann kletterte er wieder von der Leiter, nahm ein kleines Buch aus der untersten Reihe und lief an ihr vorbei zurück in sein Zimmer. Sie folgte ihm.

Vor seinem Bett blieb er verkrampft stehen und lies das Buch fallen. Bevor er krampfend zu Boden stürzen konnte, hatte sie ihn schon ergriffen und legte ihn vorsichtig aufs Bett. Er blieb automatisch in einer Stellung liegen, die einer stabilen Seitenlage recht ähnlich war und Sonja schob im nächsten Augenblick das Nachtkästchen beiseite. Tich war aufgeregt vom Bett gesprungen und wuselte um sie herum, als sie zu seinen Medikamententäschchen eilte und fest stellte, dass er sein Diazepam heute nicht genommen hatte. Also schnappte sie ein Fläschchen und trat ans Bett.

‘Tommi, entspann dich! Morgen gibts Pfannkuchen!’

Er schien sich für einen Moment zu entspannen und schon hatte sie ihm die Tropfen in den Mund geträufelt.

Sie blieb noch eine Weile neben ihm sitzen, bis seine Bewusstlosigkeit in einen ruhigen Schlaf überging.

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