Von Wasser, Sand und Krieg

Von Wasser, Sand und Krieg

hofnarrDer Narr tapste einen steinigen Abhang hinunter. Der Teufel schien nicht hinter ihm her zu sein, dennoch lief er zielstrebig bergab. Erschreckend behände schlich er über Stock und Stein, obwohl seine Schuhe viel zu groß zu sein schienen. Die Schellen seiner Narrenkappe wurden nur durch seine leisen Schritte bewegt und seine niemals stummen Begleiter raunten dumpf neben seinen Ohren. Und zwischen seinen Ohren dröhnte etwas Anderes. Nicht laut aber stetig. Es rumorte in seinem Inneren, wie ein schwaches Tier in einem dunklem Käfig, dass unablässig an den Wänden seines Gefängnisses kratzt und doch nie in die Freiheit gelangen würde.

Ein futuristisches Rauschen, schlimmer noch als jeder Wasserfall. Ein nervenaufreibendes und immer und immer wiederkehrendes Rauschen. Soviel Wasser. So viel Wasser der Himmel nie würde weinen können und dennoch rauschte es unaufhaltsam vor seinem inneren Auge, wie ein Feuer dass sich auf seiner Netzhaut eingebrannt hatte.

Er rannte einer Sehnsucht entgegen, einer Hoffnung, der Linderung seiner unsäglichen Leiden. Nur einen Moment der Stille, mehr wollte er nicht. Ruhe, einfach nur Ruhe.

Er ging dem Sonnenuntergang entgehen. Bis seine Füße nicht mehr konnten und wenn er sich auf seinen blutigen Stümpfen bis ans Ziel schleppen musste. Er würde es tun. Er wurde so lange gehen, bis die Welt zu Ende ist.

Und am Ende der ihm bekannten Welt, soll das Meer sein.

Er hatte das Meeresrauschen nie vernommen, doch hatte er eine klare Vorstellung davon, wie die Wellen endlos Wasser gegen die Felsen droschen, wieder und immer wieder, bis auch vom dem größten Stein nur noch Sand übrig bliebt. Sand im Getriebe der Zeit, der dazu verdammt war durch jeden Mannes Finger zu rinnen.

So ist die Zeit eine unerbittliche Hure, die einem am Ende das Leben kosten würde.

Und bis es so weit kommen würde, hatten die Götter noch alle Zeit der Welt, ihm bis zum bitteren Ende zu Tode zu quälen. Sich dagegen wehren wäre ein sinnloses Unterfangen.

Sinnloser noch als gegen Windmühlen zu kämpfen. Er war der Mittelpunkt eines Krieges, in dem er selbst nur ein Spielball der Götter war.jokerDer Sinn für seinen Humor war gänzlich untergegangen, vom Krieg verschlungen. Seine Witze waren nur noch Schall und Rauch und er würde niemals wieder einen Lacher hören, nur noch dieses unsägliche Rauschen. Aus seinem lachenden Auge ran eine einsame Träne. Es war nicht sein Krieg, doch hatte man ihn in den Mittelpunkt gezerrt, wie einen Sklaven in die Arena. Kämpfen sollte er, für eine Sache die nicht die Seine war. Nur dass niemals wieder jemand klatschen würde, oder ihm gar zujubeln. Doch es würde nicht sein Krieg sein, er konnte nichts tun, er konnte nur noch warten bis der Sturm vorüber war, um dann in der Stunde seines Todes festzustellen, dass er doch darum hätte kämpfen können.

Er spürte wie sein Herz zerbrach und bei jedem weiteren Schritt, konnte er die Scherben in seiner Brust klirren hören.

Wenn sein Leben Krieg sein sollte, dann hätte ich darum kämpfen können. Kämpfen. Jetzt.

Er zog die Narrenkappe vom Kopf, machte auf dem Absatz kehrt und stieg wieder den steinigen Weg hinauf.

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