Ein Knopf kommt selten allein… Teil 6

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 6

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAls Tommi in seinem Morgenmantel in die Küche tapste, saß seine Schwester mit einem fremden Mann am Frühstückstisch und sie kicherte dämlich über einen halbseidenen Witz des Mannes.

Tommi murmelte mit einer hochgezogenen Augenbraue: ‘Das ging aber schnell!’

‘Die Pfannkuchen sind schon kalt, Schatz!’ meinte seine Schwester.

Tommi lies sich langsam auf einen Stuhl sinken. Nachdem seine Hände zitterten, versuchte er sie unter dem Tisch festzuhalten.

‘Tommi hast du deine Medikamente genommen.’ fragte Sonja eher beiläufig.

Er streckte die Zunge raus, auf der die Überreste zweier Tabletten klebten und murmelte dann: ‘Hätte den Reißverschluss nicht zugebracht, wenn ich sie nicht genommen hätte.’

Sonja stand auf und brachte ihm ein Glas Wasser. Er nahm es in beide Hände und versuchte zu trinken ohne etwas zu verschütten, während Sonja ihm ein paar Pfannkuchen auf den Teller schaufelte.

‘Versuch was zu essen. Ich geh das Blutdruckmessgerät holen.’ rief sie und war im Begriff die Küche zu verlassen.

‘Kein Arzt heute!’ meinte er, während er auf eine leere Tasse starrte, die auf den Tisch stand.

‘Deine kranke Schwester schaut sich nur deine Werte an.’ meinte sie und blieb kurz stehen, um sich umzudrehen.

‘Frau Weißmüller, ich mach mich dann wieder an die Arbeit.’ meinte der Mann, der sich immer noch nicht vorgestellt hatte.

‘Herr Kimmelmann, ich hab noch tausend Fragen.’ konnte man sie aus der Eingangshalle rufen hören.

‘Wenn Sie morgen Ihre Möbel holen wollen, dann muss ich mich heut aber sputen!’ rief er und war im Begriff aufzustehen.

Tommi belauschte das Gespräch und versuchte währenddessen seine Pfannkuchen unfallfrei zu essen.

Sonja kam wieder in die Küche gestolpert und meinte gehetzt: ‘Wenn Sie sich heute Abend den Wagen nicht anschauen würden, dann könnten Sie zum Abendessen vorbeikommen?’

Tommi griff nach dem Blutdruckmessgerät und schüttelte den Kopf. Sie half ihm dabei es anzulegen und das Gerät begann zu piepen und die Manschette blies sich automatisch auf.

‘Ja gut, ich geh dann! Gute Besserung, Tommi!’ rief Herr Kimmelmann und ging zur Hintertür raus und im selben Moment kam Frau Immerlinger bei der Vordertür rein.

‘Oh 110 zu 70. Das war aber auch schon mal besser und der Puls ist zu hoch. Iss noch was.’ meinte sie und hielt ihm den gebratenen Speck hin.

‘Ja, Fr. Doktor.’ flüsterte er und blickte einen Moment zur Tür.

Sonja folgte seinem Blick und rief: ‘Ah, Frau Immerlinger.’

‘Es kommt gleich ein Bus mit Kindern aus dem Ferienprogramm. Wenn Sie bei der großen Führung beiwohnen möchten?’ meinte Frau Immerlinger und blieb in der Tür zur Küche stehen.

‘Ja klar! Tommi, kann ich dich allein lassen oder willst du auch mit?’

‘Geh nur, ich setz mich nachher in die Bibliothek und hör euch zu…!’

‘Der Junge sieht wirklich so aus wie sein Ahnherr!’ meinte Frau Immerlinger und musste sich erstmal setzen. ‘Die Ähnlichkeit ist wirklich erschreckend!’

‘Hermine hat uns gestern das Bild gezeigt, sehr verblüffend nicht wahr!’ rief Sonja und brachte Frau Immerlinger ein Glas Wasser.

Von draußen konnte man eine Bushupe hören. Eine Unmenge an kreischenden Kindern kamen aus dem Bus und fluteten den Schlosshof. Tommi hielt sich so lange in der Küche auf, bis alle im Museum verschwunden waren, dann tapste er mit Tich zurück in sein Zimmer. Er zog sich etwas Ordentliches an und schlich in die Bibliothek. Er war froh sich wieder setzen zu können und lies sich in einen der schweren Ohrenbackensessel fallen. Frau Immerlingers Stimme hallte durch die Eingangshalle und er musste grinsen, über den Sermon den sie von sich gab. Er schmökerte in einem Buch, dass da noch lag und wartete bis die Kinder in die Bibliothek geführt wurden. Frau Immerlinger konnte es nicht lassen, die Ähnlichkeit mit dem Ahnherren zu erwähnen.

Fortsetzung folgt…

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