Ein Knopf kommt selten allein… Teil 7

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 7

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Nachmittag war Tommi schon wieder soweit auf den Beinen, dass er mit Tich das Gelände unsicher machen konnte. Er schlich an den Stallungen vorbei und traf auf Hermine, die gerade ein Pferd aus dem Stall führte.

‘Ah, der Schlossherr! Hab dich heut morgen beim Melken vermisst.’ rief sie.

Tommi blickte an ihr vorbei, begann zu stammeln und scharrte dabei mit seinen Füßen. Ein Zucken huschte über sein Gesicht und seine rechte Hand schien zu verkrampfen.

‘Hey, schon gut. Morgen ist ja auch noch ein Tag.’ winkte Hermine ab.

‘Tu… Tu… Tut mir leid!’ stotterte er vor sich hin.

‘Jetzt mach dir mal nich ins Hemd und hilf mir lieber!’ rief Hermine schroff und grinste ihn aber dann an. ‘Magst du den Gaul halten, dann kann ich den Stall zu machen?’

‘Ja, k… k… klar!?’ stammelte er wieder und griff nach dem Halfter und fing augenblicklich an, mit dem Gaul zu reden. ‘Na Brauner, du bist aber ein Großer, hm. Hat sie dir genug zu fressen gegeben, ja.’

Er streichelte das Pferd und redete weiter auf das Tier ein, dabei bemerkte er gar nicht, dass Hermine wieder neben ihm aufgetaucht war.

‘Soll ich euch beide alleine lassen?’ fragte sie und grinste ihn saublöd an.

Er blickte scheel an ihr vorbei und stotterte wieder: ‘Ich… ich… ich komm mit Tieren besser kl… kl… klar, als mit Menschen!’ Den letzten Halbsatz spie er regelrecht hinaus. Ein Anflug von Schamesröte huschte über sein Gesicht und er hielt eine Hand vor seinen Mund. Unter der Hand versuchte er zu grinsen.

‘Mach ich dich nervös, oder so?’ fragte sie und griff auch nach dem Halfter, dabei berührten sich ihre Finger. Er zuckte zurück und blickte sie erschrocken an. ‘Ja schon, liegt aber nicht an dir. Ähm, oder nicht nur, also auch an dir.’

‘Du redest Blödsinn!’

‘Hab nen Behindertenausweis, ich darf den ganzen Tag Blödsinn reden!’

‘Da ist er ja wieder!’

‘Wer?’

‘Der Tommi von gestern Abend.’

‘Sorry, hatte ne schwere Nacht!’ stotterte er wieder.

‘Magst du mich zur Koppel begleiten?’ frug sie und ging schon los. Er trottete ihr hinterher und blickte in die Ferne.

‘Darf ich dir ein paar Fragen stellen?’

‘Das machst du schon die ganze Zeit!’

‘Wie alt bist du?’

‘17!’

‘Was machst du, wenn du volljährig bist?’

‘Darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht!’

‘Was war gestern Nacht? Du sagtest, du hattest ne schwere Nacht!’

‘Ich muss wohl schlafwandeln gewesen sein und dann hatte ich einen Krampfanfall.’

‘Oh Shit! Passiert das öfter?’

‘Schlafwandeln eigentlich nicht mehr so, aber das mit den Anfällen nervt langsam.’

‘Vielleicht tut dir die frische Luft hier draußen ja gut. Bei uns kann es ganz schön ruhig sein, zu ruhig für meinen Geschmack!’

Sie waren an der Koppel angekommen. Tommi blieb mit offenen Mund am Gatter stehen, während sie den Braunen auf die Koppel lies.

Sie schloss das Gatter von innen und lehnte sich neben Tommi an einen Pfosten. Aus seinem Mund stolperte ein: ‘Wow!’

‘Es gefällt dir also?’

Sein Mund blieb einfach nur offen stehen und er staunte über die Aussicht. Von der Koppel konnte man über die Pferde hinweg über ein kleines Tal sehen, wo sich ein kleiner Bach durch ein paar schöne Wiesen schlängelte. Am Horizont konnte er einen kleinen See erkennen, auf dem sich die untergehende Sonne spiegelte.

Sie griff ihm ans Kinn und flüsterte: ‘Mach deinen Mund zu, sonst fliegt noch Ungeziefer rein!’

Mit einem klappenden Geräusch schloss er den Mund und griff nach ihrer Hand, ohne sie jedoch zu berühren.

Für einen Moment blickte er ihr ins Gesicht und starrte ihr ohne zu blinzeln in die Augen. Der Essensgong ihrer Mutter unterbrach den Augenblick und schon hatte er sein Gesicht wieder abgewandt. Er blickte in den Boden und sie bemerkte, dass sich seine Hände verkrampften.

‘Also ich muss los, zum Essen! Kommst du mit?’

‘Ja, ich muss auch!’

‘Kann ich nachher nochmal vorbeikommen, ich wollt mir ein Buch ausleihen?’

‘Und das Internet benutzen?’

‘Auch, wenn des Okay ist!’

‘Ja, der Kimmelmann ist zum Essen da!’

‘Das ging aber schnell!’ grinste sie ihn an und lief los. Er trottete ihr hinterher und beobachtete wie sie im Haus des Hausverwalters verschwand. Etwas wiederwillig ging er weiter zum Schloss.

Fortsetzung folgt…

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