Tagebuch eines Unbekannten – Teil 2

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 2

tagebuchDie erste Durchsage war irgendwie anders, ich kann mich kaum mehr dran erinnern. Irgendwas von Ausnahmezustand und Ausgangssperre und das Plündern verboten sei und irgendwas von einer Verseuchung oder Verunreinigung. Aber nun sagen sie immer nur die selbe Leier. Wir wissen nicht genau was passiert ist und ich kann nur das sagen was ich gesehen habe.

Jetzt muss ich schon wieder ein Bisschen ausholen, mein Bruder Meckie (Nein, nicht der mit dem Messer, mein Bruder hat meistens eine abgesägte Schrotflinte in seinem Mantel versteckt, deswegen steht er meist!) überredete mich, ihn zu einem Familienfest zu fahren. Er hatte sich ein Bein gebrochen und konnte nicht selbst fahren. Das hat mir im Nachhinein wahrscheinlich mein jämmerliches Leben gerettet. Ich hab ihm das nie gesagt und ich bin mir im Moment auch nicht ganz so sicher, ob es besser oder schlechter sein soll, zu den Überlebenden zu gehören.

Wie gesagt mein Bruder brach sich ein Bein und wir sind zusammen in die Berge gefahren, wo die alte Cementa und ein Teil der Sesshaften unserer Familie sich niedergelassen hatten.

Amelia, die jüngste Tochter von der alten Cementa sollte verheiratet werden, mit einer anderen großen Familie, die irgendwie genauso rastlos waren wie wir.

Und das war auch der einzige Grund warum mein schwindliger Bruder hier her wollte. Eine Zigeunerhochzeit ist seiner Meinung nach die beste Möglichkeit im nächsten Jahr eine noch größere Hochzeit abzuhalten.

Es war ein rauschendes Fest und Meckie wurde von der holden Weiblichkeit mit Nettigkeiten überhäuft. Ich glaube es wird den alten Haudegen vielleicht doch einmal erwischen und wir feiern nächstes Jahr vielleicht seine Hochzeit. Schön wäre es, wenn er vorher nicht ins Gras beißt. Naja, von dem Gras ist nicht viel übrig geblieben, alles was vorher mal grün war, hat sich nun rot eingefärbt, oder ist zu Asche verbrannt.

Im Moment liegt mein Bruder neben mir und furzt und schnarcht. Sein Bein schmerzt ihn mehr, als er es zu gibt und er ist ein Bisschen eingeschnappt, dass er mit den anderen Männern nicht rausgehen konnte.

Aber ich schweife schon wieder ab, das Warten bringt nicht nur mich um meinen eh schon wankelmütigen Verstand.

Ich war bei der Hochzeit stehen geblieben, es muss am dritten Tag gewesen sein, als sich am Firmament eine gewaltige Explosion auftat. Mein erster Gedanke war ein Vulkanausbruch, aber von hier konnte man bestimmt nicht in die Eifel sehen und sonst war mir kein Vulkan bekannt. Danach bebte die Erde. Bei einem Vulkanausbruch, hätte da nicht vorher die Erde beben müssen? Ich weiß es nicht mehr, und meine Gedanken wurden von der panischen Menge ziemlich durcheinandergebracht.

Die alte Cementa warf ihre Hände über den Kopf und schrie: ‘Die Sonne fällt uns auf den Kopf. Ich habe das in meinen Träumen gesehen!’ Ich konnte sie erst wieder beruhigen, als ich ihr was von meinem Opium abgab.

Die Sonne war es wohl nicht, weil sie stand noch am Himmel, als der helle Blitz sich aufgetan hatte und das Seltsame war, das sich das Licht ziemlich lange gehalten hatte, bis es endlich verglomm.

Fortsetzung folgt…

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