Ein Knopf kommt selten allein… Teil 9

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 9

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHermine lehnte sich zurück und Tommi las vor:

‘Liebes Tagebuch,

ein weiterer Winter ist vergangen und ich bin immer noch in den Mauern des Schlosses gefangen. Mein Gesundheitszustand ist nicht der Beste und der Kinderwunsch meines Mannes blieb leider immer noch fruchtlos. Der harte Winter zehrte an uns allen, vorallem an mir. Die noble Blässe ging bei mir doch eher mehr ins Krankhafte über. Der Doktor ist ratlos und ich bin verzweifelt. Ich befürchte, wenn ich meinem Mann nicht bald einen Sohn schenkte, dann verstieß er mich bestimmt. Der Arzt hatte empfohlen Früchte aus allen Herren Länder zu essen und viel frische Luft und Sonne zu genießen. Er verordnete mir ein Schlammbad und ich musste jeden Morgen ein Schluck Olivenöl und ein rohes Ei zu mir nehmen. Morgenübelkeit kenn ich nun zumindest schon, da kann das mit der Schwangerschaft wohl nicht so schwer sein?

Heute war der erste warme Tag und ich konnte einen kleinen Spaziergang außerhalb des wunderschönen Gartens machen, ich kam leider nur bis zu den Ställen, weiter wollten mich meine Füße nicht tragen. Jeden Tag ein Stückchen weiter, wenn ich es bis zum Ende der Woche bis zur Koppel schaffen würde, wäre es für mich schon ein Erfolgserlebnis.

Mein Mann musste zu einer geschäftlichen Reise nach Prag aufbrechen und lies mich hier, meines Gesundheitszustandes wegen. Meine Krankenschwester Alma kümmerte sich um mein Wohlbefinden und der Doktor kam jeden Abend, um nach mir zu sehen.

Der Haushofmeister, dieser kleine widerliche Knilch, hat die Verantwortung über mich, während mein Mann nicht am Hofe war und nun verfolgte mich mich dieser Zwerg auf Schritt und Tritt.

Das Ende der Woche ist nah und ich hab heute zumindest schon die Pferde gesehen, wie sie auf der fernen Koppel grasten. Doch ein Schwindelanfall hinderte mich heute daran weiter zu gehen. Die Sonne macht mir auch noch schwer zu schaffen.

Zum Glück fand mich der Stallbursche, bevor der Haushofmeister seine schmierigen Griffeln nach mir ausstrecken konnte. Und in seiner ruppigen Art schickte er zu meinem Glück den buckeligen Haushofmeister die Schwester zu holen, während er mich in den Schatten des Brunnens brachte. Er setzte mich auf den hölzernen Tritt des Brunnens und warf einen Eimer in die Tiefen. Dann hielt er sich nicht weiter auf die Kurbel zu benutzen, er zog mit beiden Händen den vollen Eimer wieder in die Höhe. Mit seiner körperlichen Gewalt hob er den Eimer ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten über den Rand des Brunnens.

Alles Weitere vermag ich kaum zu beschreiben, da mir die Sinne schwanden. Er muss wohl sein Hemd ausgezogen haben, um mir ein Kopfkissen daraus zu falten, dann befeuchtete er sein Halstuch und kühlte meine Stirn.

Das was ich sah, war der einst so junge Stallbub, der wohl im letzten Winter zum Mann herangereift war, halbnackt, wie er um meine Gesundheit rang. Vielleicht war ich auch schon so viele Jahre krank, dass ich es gar nicht bemerkt hatte, wie groß und stark er nun geworden war. Und wie tief seine Stimme geworden war, ich konnte es kaum fassen. Und seine Worte werd ich nie vergessen, als er zu mir sprach: ‘Bei allem Respekt Euer Korsett ist viel zu sehr geschnürt, Ihr bekommt ja kaum mehr Luft.’ Sein gehetzter Blick ging zum Schloss hinüber, der Haushofmeister war verschwunden und die Krankenschwester war noch nicht in Sicht. Dann blickte er mich ernst an und fuhr fort: ‘Auch wenn der Herr mir beide Hände dafür abschlagen lässt…!’

Unfassbar was er dann tat, er griff mir völlig unverblümt an die Hüfte, hob mich in seine Arme und fummelte an meinen Röcken herum. Er griff mir doch tatsächlich unter den Unterrock, packte mich an meinem Hinterteil, erfasste die Schnürung meines Mieders und zog daran. Meine Sinne schwanden erst, als ich seinen betörenden Geruch wahrnahm und nachdem er mich ein wenig gerüttelt hatte, kam ich wieder zu mir. Er tätschelte mit seinen kühlen, nassen Fingern mein Gesicht und als ich meine Augen aufschlug, entgegnete er mir mit einem liebevollen Lächeln.

Sorgenvoll sprach er zu mir: ‘Herrin, bleibt bitte bei mir, die Nächtige hat Euch immer noch in Ihren Fängen.’

‘Gebe er mir einen Schluck von dem kühlen Nass!’ wollte ich sagen, aber aus meinem Mund stolperte nur ein Krächzen. Doch er verstand mich, er schöpfte mir mit seinen enormen Pranken das Wasser aus dem Eimer bis vor meinen Mund, so dass ich trinken konnte. Wie eine Ertrinkende klammerte ich mich an seine Pranken und trank das frische Wasser aus seinen Händen bis zum letzten Tropfen.

‘Nicht so hastig, der Eimer ist noch fast voll!’ meinte er in seiner beruhigenden Art und mir hatte es den Anschein, als dass er mit mir so redete, so wie er es mit meinem Pferden auch tat. Aber genau die Ruhe in seiner Stimme, lies mein Herz ein wenig langsamer schlagen und beruhigte mich. Dann schöpfte er mir ein weiteres Mal mit seinen Händen Wasser vor den Mund und ich trank nun weniger hastig.’

Tommi musste sich räuspern und setzte ab. Sein Räuspern ging in ein Husten über. Und Hermine begann etwas in ihrer Hosentasche zu suchen.

Fortsetzung folgt…

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