Ein Knopf kommt selten allein… Teil 13

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 13

OLYMPUS DIGITAL CAMERATommi war noch nie vorher in ihrem Zimmer gewesen, doch es war schwer zu übersehen, dass es die richtige Tür war. Ein riesiges Foto klebte an der Tür, auf dem Hermine mit einem weiteren Mädchen zu sehen war. Die Tür war nur angelehnt, er öffnete sie vorsichtig, doch sie quietschte. So fangen Horrorfilme an, dachte er.

Hermine lag im Bett und schien zu schlafen. Im Bett lag eine Kleenexpackung und neben den Bett stand ein pinker Mülleimer, der halbvoll mit teils blutigen Taschentüchern war. Auf dem Nachtkästchen stand eine Schüssel mit Wasser und ein paar einsamen Eiswürfeln. Eine Flasche Wasser, ein Glas und ein paar Keksen auf einem Teller. Auf ihrem Schreibtisch war munteres aber kreatives Chaos und unter dem ganzen Chaos war eine Tastatur und ein Bildschirm vergraben.

Er musste fast ein Bisschen schmunzeln, als er sich auf die Bettkante setzte und wartete. Seine Hand zitterte und wenn die Andere nicht eingegipst gewesen wäre, würde sie wahrscheinlich auch zittern. Im Krankenhaus haben sie ihm jede Menge Zeug in den Tropf gekippt. Ihm war schwindlig.

Er hatte keine Ahnung was er tun sollte, also beobachtete er Hermine, wie unruhig sie schlief. Der nasse Waschlappen auf ihrem Gesicht rutschte immer wieder von ihrem Kopf und legte ein unglaubliches Veilchen frei und ihre Nase war wohl gebrochen und alles war ziemlich angeschwollen. Sorgsam legte er den Waschlappen immer wieder auf ihr Auge.

Irgendwann nahm er unbeholfen ihre Hand, in der Hoffnung sie irgendwie beruhigen zu können. Sie trug immer noch sein Hemd, der eine Knopf am Ärmel war ausgerissen.

Ihre Hand haltend verharrte er starr an ihrer Seite, bis er in sich zusammensank und einschlief.

Als sein schlafender Körper auf den Beinen von Hermine aufkam, schreckte sie hoch. Augenblicklich füllten sich ihre Augen mit Tränen und als das erste Schluchzen aus ihrem Mund stolperte, riss es Tommi aus dem Schlaf.

‘Oh Gott Tommi, ich hab im Krankenhaus nur gesehen, dass sie dich abgeführt haben, die Bullen!’ schluchzte sie.

Tommi schüttelte den Kopf: ‘Keine Sorge, die Anzeige wegen Körperverletzung geht vor Gericht eh nicht durch. Der Staatsanwalt interessiert sich wahrscheinlich eher um die sexuelle Nötigung einer Minderjährigen mit schwerer Körperverletzung.’

‘Schwerer Körperverletzung?’ flüsterte Hermine.

Tommi strich ihr mit den Fingern über den Hals, der mit Kratzern und blauen Flecken übersät war und meinte: ‘Ja, mit Tötungsabsicht, Hermine! Ich hab keine Ahnung wer der Kerl ist, aber der geht dafür in den Knast.’

‘Sei dir da mal nicht so sicher, sein reicher Vater wird da bestimmt was drehen!’

‘Du kennst den Kerl?’

‘Ja, es ist ein Mitglied der höheren Gesellschaft von Waldbuch, Lutz Eif von Schleif! Sein Vater Heribert Eif von Schleif ist irgendwie Multimillionär.’

‘Ich bin zwar irgendwie nicht Multimillionär, aber unseren Anwalt kann ich mir grad noch leisten, keine Sorge, der macht das schon.’ Sie versuchte gar nicht zu lächeln, setzte sich aber auf und bemerkte dann erst, dass er einen Gips hatte. ‘Oh Gott, die ist doch nicht gebrochen?’

‘Doch, sein Schädel war ein bisschen härter als meine Faust.’ meinte Tommi und klopfte damit an den Bettrahmen. Sie weinte wieder und er versuchte sie irgendwie zu beruhigen. Aber alles in den Arm nehmen und gut zu reden half nichts mehr. Er war mehr als überfordert, aber er blieb an ihrer Seite und hielt ihr immer wieder ein neues Taschentuch hin. Er wusch den Waschlappen in der Schüssel mit Eiswasser aus und legte ihn wieder auf ihr Auge.

Nach einer viel zu langen Zeit und einer verrotzten Kleenexpackung später, flüsterte sie ihm zu: ‘Kannst du mir von meinem Schreibtisch mein Handy und einen Edding bringen?’

‘Kann ich dir noch was bringen, magst du was trinken?’ fragte er und stand auf, erst im letzten Moment lies er ihre Hand los, um sich gleich im nächsten Moment wieder zu setzen und sie wieder zu ergreifen, um ihr das Handy in die Hand zu drücken.

‘Ich will Jenny schreiben, dass ihr bescheuerter Exfreund versucht hat mich zu vergewal…!’ Und ihre taffe Stimme zerbrach wieder in einem herzerweichenden Schluchzen.

‘Ihr Exfreund?’ rief er lauter als er gewollt hatte und sie heulte noch lauter.

‘Hey, hey, hey, das kannst du doch nachher noch schreiben…!’ flüsterte er ihr zu und drückte ihr den Edding in die Hand. ‘Los, mal mir irgendwas Bescheuertes auf den Gips, damit du jeden Tag drüber lachen kannst, wenn du mich siehst.’

Sie nahm den Stift und begann was zu schreiben und blickte ihn dann an: ‘Bleibst du heute Nacht hier?’

Er konnte ihrem Blick nicht standhalten: ‘Wenn du möchtest, dass ich da bleibe, bleib ich!’

‘Und wenn nicht?’ fragte sie eher beiläufig und malte zu Ende.

Er las was sie geschrieben hatte und schmunzelte: ‘Werd ich auch bleiben, Mi!’

Fortsetzung folgt…

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: