Tagebuch eines Unbekannten – Teil 4

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 4

tagebuchIch hatte zuerst die Befürchtung das mein bescheuerter Bruder mich mit irgendeiner von diesen Dorfschranzen verheiraten will. Genau. Das war auch genau der Grund warum ich mit 15 1/2 halsüberkopf nach Wien geflüchtet bin. Mit nem gefälschten Abitur in der Tasche und nem gefälschten Ausweis hab ich mein Studium zur Dentalmedizin begonnen. Die Tinte war noch nicht ganz trocken und ich arbeitete schon an meiner Promotion. Und hat es mir geschadet? Ja, verdammt! Aber es hatte auch Vorteile, dass ich mir eigentlich keine nackten Dorfschranzen mehr ansehen musste und dass ich mir eigentlich auch keine Furunkeln anschauen wollte.

Deswegen bin ich ja in die große Stadt, um möglichst viel Raum zwischen mich und all die Probleme meiner Familie zu bringen. Dass mein Bruder und meine ganzen Neffen dann bis in die große Stadt zu expandieren begannen, konnte ich ja auch nicht wissen, also finanzierte ich mein Studium unteranderem damit, dass ich Sachen verkaufte, die in meiner Wohnung auftauchten, die davor von irgendeinem Lastkraftwagen gefallen waren.

Aber das war beiweiten nicht alles was ich in der großen Stadt trieb. Und im Verkauf von Waren zweifelhafter Herkunft war ich ja schon ziemlich erfolgreich. Ich wusste einfach was die Leute brauchten, die mit ihren Problemen zu mir kamen. Ich sag immer Psychologie des Wollens. Aber das war nur der Anfang…

Sagen wir mal so, ich bin da so reingerutscht, wie die Jungfrau zum Kinde und nur weil mich mein Bruder in so ein Établissement mitgenommen hatte. Und ich hatte nichts besseres zu tun, als den Ladies die Zähne zu richten und andere Dinge, anstatt sie zu pudern. Aber zumindest haben sie jetzt schöne Zähne und bekommen mehr Schotter fürs Pudern. Anfassen würde ich sie trotzdem nicht.

Ich bin zum Heiraten einfach nicht gemacht und ich werde mich auch mit Händen und Füßen weigern, solange ich noch Arme und Beine habe.

Diese heiratswilligen Weiber, die mich anstarren, als wäre ich der letzte Mann auf Erden, ja die Dorfschranzen, die schlimmstenfalls auf irgend eine Art und Weise mit mir verwandt sind. Gehts noch? Das haben in Wien ganz andere und drallere Damen versucht. Sie haben sich alle ihre neuerdings gut geschrubbten Zähnchen an mir ausgebissen. Tja. So spielt das Leben, mein jämmerliches Leben wird langsam und qualvoll in die Ewigkeit eingehen, ja eingehen werd ich, hier im Keller und zwar bevor ich meinen Samen in einer potentiellen Mutter meiner zukünftigen Kinder entleert habe. Meine Mutter wird sich im Grabe umdrehen, aber was solls?

Wo war ich denn eigentlich stehengeblieben? Ach ja, der grelle Blitz! Wir brachten die jungen Frauen und Kinder und die alten Männer in den Keller und hielten dann Familienrat. Die Durchsage war ja mehr als eindeutig, also beschlossen wir, alles was wir hatten ins größte Haus zu bringen, also ins Haus der alten Cementa. Vorallem Kleidung, Waffen, Werkzeug, Wasser und Nahrungsmittel. Dann wurden die Viecher in die Garage gebracht, das Futtermittel unter Protest der alten Cementa ins Wohnzimmer und die Fahrzeuge in den Stall und abgedeckt. Fragt einfach nicht, aber es war eine meiner besseren Ideen seit der Zeit, seit dem wir hier im wahrsten Sinne des Wortes in der eigenen Scheiße sitzen.

Fortsetzung folgt…

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