Ein Knopf kommt selten allein… Teil 15

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 15

OLYMPUS DIGITAL CAMERA‘Deine Schwester ist voll nett!’ flüsterte sie zu Tommi, als sie das Schließen der Haustüre hörte.

Tommi war sofort hellwach: ‘Meine Schwester ist voll die Plage und das Wort ‘wir’ heißt seit gestern Nacht der Kimmelmann und die neue Burgherrin!’

‘Nein! Ernsthaft!’ rief Hermine erstaunt. ‘Das ging aber wirklich schnell!’

Plötzlich sprudelte es aus ihm heraus: ‘Ich wollt mir in der Nacht das Reiterbild noch etwas genauer ansehen, als ich das Tagebuch weitergelesen hatte und da hab ich ihn erwischt, wie er aus ihrem Zimmer kam. Sein Hemd war falsch zugeknöpft und seine Haare waren ziemlich verwurschtelt.’

‘Du hast das Tagebuch weitergelesen, ohne mich!’ meinte sie ziemlich eingeschnappt und haute ihn gespielt in die Seite.

‘Aua!’ meinte er gespielt, nahm sie dann ziemlich umständlich in den Arm und fuhr fort: ’Ich war so furchtbar neugierig, ich musste einfach weiterlesen. Und ich werde keine Silbe mehr davon vorlesen, weil es für die damaligen Verhältnisse ganz schöner Schweinskram ist.’

‘Hm! Kannst du es mir dann wenigstens abtippen, damit ich es selber lesen kann.’

‘Das hat der Dr. Dalek heute auch schon vorgeschlagen!’

‘Du kannst es mir auch einfach vorlesen!’

‘Das ist mir echt peinlich!’

‘Oder du sprichst es auf Band, dann kann ich es mir immer wieder anhören.’ raunzte sie ihm ins Ohr.

‘Boa, verarscht du mich?’

Er hörte nur ein Kichern. ‘Sorry, wusste nicht, dass es dich so echauffiert?’

‘Weißt du, ich… ich…!’ Er fing wieder an zu stottern.

‘Ist schon gut, ich bin heut die Letzte, die dich zu irgendwas drängen würde, was du nicht willst. Ich merk wie schwer es für dich ist, allein mit mir in einem Raum zu sein oder mich nur anzusehen.’

‘Liegt aber wirklich nicht an dir!’ spie er wieder heraus.

‘Das weiß ich doch!’ flüsterte sie wieder.

‘Weißt du… ich bin… halt… irgendwie nicht…!’

Hermine drehte sich in seiner Umarmung zu ihm um und hielt ihm die Hand vor den Mund und küsste ihn dann zwischen ihren Fingern hindurch. Sie konnte spüren, dass ein Zucken seinen ganzen Körper durchfuhr. Sie nahm seine Hand weg und küsste ihn nochmal, dann flüsterte sie ihm ein: ‘Danke!’ zu.

Er schluckte schwer und meinte nur: ‘Ich hab zu danken!’

‘Du bist ein Idiot!’

‘Steht in meinem Behindertenausweis!’

Er schwieg eine Zeit lang und dann fuhr er fort: ‘Danke für den Kuss, ein schöneres Dankeschön… dass hab… ich… ich… doch… g… g… g…!’

Diesmal kamen ihr beruhigende Laute aus dem Mund gestolpert, bis sie seinem Mund mit ihren Lippen verschloss. Sie küssten sich, bis sie zurückschreckte und eine leises ‘Aua’ ihrerseits zu hören war. Er sprang aus dem Bett, rannte ums Bett herum und knipste das Licht an. Sie hielt sich die Nase.

Während er sich wieder aufs Bett setzte, fischte er den feuchten Waschlappen aus dem Bett, befeuchtete ihn wieder und legte ihn ihr auf die Nase, die wieder zu bluten begonnen hatte.

‘Es blutet wieder!’ flüsterte er und zupfte das letzte Tuch aus der Kleenexpackung und reichte es ihr. Dann sprang er auf und lief ins Bad. Als er wieder in der Tür stand, mit einer neuen Kleenexpackung in der Hand, grinste sie ihn an und meinte: ‘Du bist voll süß!’

Er zog nur eine Augenbraue hoch, brachte ihr den kleinen buntbedruckten Karton und verschwand gleich wieder im Bad. Nachdem sie die Klospülung hörte, dauerte es noch eine Weile, bis er wieder auftauchte.

Er ging zum Nachtkästchen und griff mit zitternden Fingern nach seiner Pillendose.

‘Ich dachte keine Tabletten mehr heute?’

‘Du hast uns belauscht?’

‘Das war kaum zu überhören. Außerdem hört man hier oben jedes Geräusch, sogar wenn man den Klodeckel runterklappt, oder eben nicht!’

‘Mit mir gib es keine Streitereien bezüglich des Klodeckels, ich muss im Sitzen pinkeln.’ meinte er unverblümt und streckte die Hand aus. Seine Finger zitterten. ‘Hab kein ruhiges Händchen für Stehversuche!’

Hermine nahm den Waschlappen von der Nase und blickte ihn an. Er nahm nur eine halbe Tablette und schluckte sie mit dem Wasser runter, das noch am Nachttischchen stand. Als er es wieder füllen wollte, schnappte sie ihm die Flasche aus der Hand und trank davon.

‘Nicht so hastig, der Eimer ist noch fast voll!’ rezitierte er und grinste dann. Er bückte sich nach seiner Hose und hob das Tagebuch auf, dass ihm vorhin aus der Tasche gerutscht war, als seine Schwester ihn so ruppig von seinem Beinkleid befreit hatte.

‘Drei oder vier Seiten sind noch jugendfrei, aber dann brauch ich mehr davon, um das zu überstehen.’ meinte er und schüttelte dabei mit seiner Pillendose.

‘Zwei Seiten und magst du mir noch bei der SMS für Jenny helfen?’ meinte sie und hob ihr Handy hoch. ‘Sie hat mir grad was geschrieben, dass er wieder bei Ihr Telefonterror macht.’

‘Magst du sie nicht lieber anrufen?’

‘Kannst du sie anrufen!’ flüsterte sie und nachdem sie wieder Tränen in den Augen hatte, sagte er nickend: ‘Ja!’

Fortsetzung folgt…

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