Ein Knopf kommt selten allein… Teil 18

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 18

OLYMPUS DIGITAL CAMERA‘Warum können nicht alle Männer so romantisch sein.’ flüsterte Hermine, die immer noch in seinem Arm lag.

Er küsste ihr Haar und flüsterte ebenfalls. ‘Darf ich dich noch ein bisschen Spoilern?’

Ihr nickten konnte er mehr spüren als sehen, da sein Gesicht immer noch in ihren Haaren vergraben war.

‘Sie wachte am Morgen auf, eingewickelt in ihre Decken und mit einem sanften Lächeln auf den Lippen und neben ihr auf dem Kopfkissen, lag ein kleines Sträußchen aus getrockneten Lavendelblüten. Das Fenster war nur angelehnt und er war verschwunden. Als sie aus dem Bett stürzte, um aus dem Fenster zu blicken, war er bereits auf der Koppel und kümmerte sich um die Pferde. Es geht dann noch das halbe Tagebuch so seicht und blumig dahin, bis ihr Ehemann aus Prag wieder zurück kehrt.’

‘Du solltest es wirklich abschreiben und an einen Verlag geben. Das ist wesentlich besser als der ganze Quatsch, den man heut zu Tage im Laden zu kaufen kriegt.’

‘Das wird der Museumsrat wohl zu entscheiden haben und denen werde ich das auf keinen Fall vorlesen.’

‘Seicht und blumig?’ flüsterte sie und schüttelte den Kopf.

‘Ich wollte mich gewählt ausdrücken, das Tagebuch färbt langsam ab, glaub ich.’

‘Es ist hoch romantisch bis knistern erotisch!’

‘Ja, eben seicht und blumig!’ antwortete er und blickte nochmal auf das Tagebuch, als könnte es ihm antworten, wenn er nur auf den ledernen Einband starrte.

‘Ich find schon, dass es alles Andere als seicht ist und es hat schon ziemlich Tiefgang!’

‘Es spiegelt auf jeden Fall die damaligen Verhältnisse wieder, den Status der Frau in einer Männerwelt um nur ein Beispiel zu nennen. Den Unterschied der Stände gegenüber des Adels…!’ Er redete so sachlich, dass sie ihn einfach unterbrechen musste. ‘Berührt dich das gar nicht?’

‘Frag mich das morgen, wenn ich wieder klar denken kann.’

‘Oder lass mich die Frage umformulieren…?’ versuchte sie zu sagen, doch ein Schluchzen unterbrach ihren Satz.

Ihm stolperten beruhigende Laute über die Lippen, während sie sich zitternd an ihn klammerte.

Liebevoll drückte er ihr einen Kuss aufs Ohr, bevor er zu reden begann. ‘Mich berührt dein Lächeln, auch wenn es wohl in nächster Zeit ein seltenes Gut sein wird dein wunderschönes Freudestrahlen sehen zu dürfen. Mich berührt es, wenn dir die Tränen aus den Augen kullern und ich genau weiß, dass weder ich noch das größte Taschentuch dir grad irgendwie nicht helfen können. Ich genieße es, wie ruhig dein Atem wird, wenn du meiner Stimme lauschst und ich liebe es, wenn dein Klugscheißmodus den meinen zuweilen übertrumpft und dann kann ich nur noch staunen, über deinen wachen und klaren Geist und ein bisschen traurig macht es mich, dass ich armer Irrer dir keinesfalls das Wasser reichen kann, weil ich kaum auszudrücken vermag, was ich fühle oder was ich denke. Mir ist nur wichtig, dass du in meiner Nähe bist und dass du halbwegs glücklich und zufrieden bist, dann denke ich nichts und fühle alles.’

Er atmete erleichtert aus, als er den Satz beendet hatte und blickte sie von der Seite her an. Auch wenn Sie versuchte ihr Schluchzen zu unterdrücken, gelang es ihr nicht. In einer langsamen Handbewegung hangelte er nach den Taschentüchern und fuhr fort: ‘Und wütend bin ich auf mich selbst, dass ich versucht habe dir zu erklären, was in meinem Kopf vorgeht und was in meinem Herzen tobt, weil du doch wieder weinst. Auch wenn ein Fünklein Hoffnung besteht, dass es vielleicht Tränen der Freude sein könnten.’

Sie öffnete die Augen erst, als ein paar letzte Tränen über ihre Wangen liefen und dann drückte sie das Taschentuch an ihre Nase.

Die Frage, die dann aus ihrem Mund kullerte, war für sie wie für ihn gleichermaßen verstörend: ‘Blute ich aus der Nase?’

‘Ähm, nein!’ antwortete er verdutzt.

‘Dann müssen es wohl Freudentränen sein!’

‘Oh, welch Poetin und Scherzkeks!’

‘Erspar mir jede weitere Metapher, die irgendwas mit vernaschen von Scherzkeksen zu tun hat, das pack ich jetzt nicht!’ Und dann lachte sie so unglaublich herzlich, dass er auch lachen musste, bis ihm selbst die Tränen aus den Augen liefen.

Plötzlich stand Ihre Mutter in der Tür: ‘Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen?’

‘Nein Mama, ich weiß man darf nicht über seine eigenen Witze lachen, aber es hat aufgehört zu bluten.’ rief sie und sprang aus dem Bett, um sie zu umarmen.

Sie schob ihre Mutter quasi aus dem Zimmer und kam eine ganze Weile nicht mehr, bis sie grinsend wieder die Tür öffnete. Sie hatte eine Tüte Chips unterm Arm und einen Teller mit allerlei zu Essen in der Hand. Er konnte nur den Kopf schütteln.

‘Was denn, ich hab Hunger!’ meinte sie kauend und setzte sich aufs Bett.

‘Ist deine Mutter arg sauer?’

‘Naja, wir haben Paps geweckt. Vielleicht…Ähm!’ stammelte Hermine.

‘Du kannst morgen bei mir schlafen, wenn du magst!’

‘Ja, wirklich!’ rief Hermine und fiel ihm mit samt der Chipstüte um den Hals. ‘Ich will auf keinen Fall alleine schlafen!’

Fortsetzung folgt…

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