Tagebuch eines Unbekannten – Teil 8

Tagebuch eines Unbekannten – Teil 8

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Auch wenn es mir keiner je zugetraut hätte, bin ich doch das schwärzeste Schaf in unserer Familie. Der Eid, den ich geleistet habe, ist mir eigentlich scheißegal, außerdem war ich hackenstrack, als ich ihn gab. Aber Hand aufs Herz was diese Familie mir eigentlich bedeutet, wurde mir erst klar, seit ich hier unten mit ihnen festsitze. Ich würde mein trostloses Leben für die ganze Bagage geben, Furunkeln hin oder her.

Ich muss was gegen meine Depressionen tun, meine Stimmungsschwankungen sind ja nicht mehr feierlich. Wenn ich mal einen anderen Arzt treffen sollte, muss der unbedingt meine Selbstmedikation überprüfen. Ob ich dann von meiner latenten Drogenabhängigkeit erzählen soll? Hm. Wahrscheinlich werden wir nie wieder einen weiteren Arzt zu Gesicht bekommen.

Ich neige ja auch übrigens wieder ein Wenig abzuschweifen, also haben wir uns entschieden ein paar Männer rauszuschicken, die außerhalb der kleinen Ortschaft nach dem Rechten sehen sollten. Vorallem woher diese Sirene kommt und die Durchsagen kommen. Sie sollten so weit es nur irgend geht nach allem Brauchbaren sehen, vorallem verpackten Lebensmitteln, sauberes Wasser, Benzin, Medikamenten, Jod notfalls im Salz, wir sind hier immerhin in den Bergen. Und wenn jemand ein Buch für mich finden würde, mit echten Buchstaben oder eine Zeitung. Das wär ein Traum. Der Geruch von Druckerschwärze, stattdessen rieche ich nur die Tinte von meinem Schreiber. Langsam gewöhn ich mich dran blaue Farbe an den Fingern zu haben.

Achja und Informationen sollen sie auftreiben und wenn es irgend geht einen Geigerzähler! Eingepackt haben wir sie wie die Gummienten, sicher ist sicher. Wo die alte Cementa die Gasmasken herhatte, will ich gar nicht wissen, aber die runden das Bild wirklich ab. Gelbes Ölzeug, schwarze Gummistiefel und rote Gummihandschuhe und olivgrüne Gasmasken und jede Menge Klebeband.

Die Männer waren schon ein paar Tage weg, als der Schwarze Regen kam. Das war der Beginn als ich wieder zu beten begann. Ich wusste gar nicht mehr so wirklich wie das ging, aber die Frauen sangen ihre Gebete und so machten sie es mir leicht. An wen genau ich bete, kann ich nicht sagen, aber das wissen die Damen glaub ich auch nicht so genau. Wenn man ihnen öfter zuhörte, wozu ich hier nun leider verdammt bin, glaubten sie eher an den Gott des Aberglauben und an den heiligen König Sindel und die Kinder glaubten an den Gott des Schabernacks. Die haben mir doch tatsächlich Schmierseife in meine Opiumpfeife geschmiert.

Fortsetzung folgt…

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