Ein Knopf kommt selten allein… Teil 24

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 24

OLYMPUS DIGITAL CAMERA‘Langsam sollten wir die beiden Turteltäubchen mal wecken.’ meinte Wolle, der gerade die Getränke heranschleppte. Der Kimmelmann machte sich am Grill zu schaffen.

‘Ja, aber sie sehen so süß aus.’ flüsterte Sonja und blickte zu Tommi und Hermine hinüber, obwohl sie nur Schemen durch das Rankenwerk des wilden Wein sehen konnte.

Ich hab Mi selten so glücklich gesehen.’ meinte Wolle eher beiläufig.

Sonja hatte Tränen in den Augen.

‘Frau Weißmüller. Geht es Ihnen gut?’

‘Er hat mir in den letzten 17 Jahren keinen Moment länger als 3 Sekunden in die Augen blicken können.’ flüsterte sie und musste sich eine Hand vor den Mund halten, um nicht laut aufzuschluchzen.

‘Also wenn ich nicht in meinen Semesterferien auf einer Alm rumhänge, studier ich ja eigentlich. Und ich finde es selbst für leichten Autismus sehr bemerkenswert, wie liebevoll er mit Hermine umgeht. Und seine Inselbegabung ist der Hammer.’

‘Sie studieren Medizin?’

‘Für Psychologie war ich zu doof, bin jetzt bei sozialer Arbeit gelandet. Aber ich hab ein paar Arbeiten drüber geschrieben als ich Praktikum in der Geschlossenen gemacht habe.’

‘Welche Inselbegabung neben Sarkasmus und absoluter Klugscheißerei meinen Sie?’

‘Er liest fließend Sütterlin, falls Sie mal ein Blick in dieses Tagebuch geworfen haben!’

‘Ach, deshalb ist der Dr. Dalek so aus dem Häuschen!’

‘Frau Weißmüller machen Sie sich keine Sorgen um Tommi, meine Schwester ist der einfühlsamste Mensch den ich kenne.’

‘Ich mach mir nur Sorgen um die Zukunft, was ist wenn es was Ernstes wird.’

‘Also bevor die beiden das erste Mal Sex haben, sollten wir uns keine Sorgen über die Möglichkeit der eventuellen Vererbung machen.’

‘Sie wären ein toller Psychologe geworden!’

‘Ich hab Feuer gemacht!’ rief der Kimmelmann und tanzte um den Grill herum.

Sonja schüttelte einfach nur den Kopf.

‘Ich liebe es, wenn er das macht.’ meinte Wolle und grinste ziemlich dreckig dabei.

‘Daran muss ich mich wohl noch gewöhnen.’ flüsterte Sonja und ihre traurige Miene wurde von einem Lächeln durchbrochen.

Tommi wurde wach, weil er Brandgeruch wahrnahm, doch Hermine zischte ihm gleich zu, dass er so tun sollte, als würde er noch schlafen.

‘Die reden über uns? Deine Schwester hat Angst, dass du mir ein behindertes Kind machst!’

‘Bitte was?’ rief er und sie hielt ihm augenblicklich den Mund zu und zischte ihm zu: ‘Scht! Wolle kommt allein rüber, um uns zu wecken!’

Als Wolle den Pavillon betrat, machte Hermine ein Auge auf und zischte ihm dann ziemlich süffisant zu: ‘Sie wären ein toller Psychologe geworden!’

‘Wieviel habt ihr gehört?’

‘Ziemlich viel!’

‘Keine Sorge, ich werd ihr schon kein behindertes Kind machen!’ meinte Tommi trotzig.

‘Das hat ja auch keiner gesagt. Und wenn es ein Mädchen wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass es ohne Beeinträchtigung auf die Welt kommt.’

Man konnte Tommi am Gesichtsausdruck ansehen, dass er echt sauer war. Die Zuckungen, die über sein Gesicht liefen waren fast schon beängstigend. Er musste seine Hand unter den Arm klemmen, weil sie schier bebte. Es dauerte noch einen viel zu langen Moment betretenen Schweigens, bis er endlich seine Stimme erhob: ‘Ernsthaft, gestern hat dieser Lutz noch versucht Mi zu vergewaltigen und ihr macht euch heute Gedanken, dass ich ihr ein Kind machen könnte. Ein Behindertes… Meine Finger zittern so, dass ich nicht mal meinen Schwanz beim Pissen festhalten kann und ihr macht euch Sorgen, dass ich ihr an die Wäsche gehe. Sex, Sex, Sex, das kotzt mich echt an. Wie alle über Sex reden, als wäre es das normalste auf der Welt, dass man sich ungefragt gegenseitig bespringt. Ich hatte noch nie Sex, ich hab keine Ahnung davon, aber mir hängts jetzt schon voll zum Hals raus.’

Nachdem Tommi die letzten Worte schier herausgewürgt hatte, pumpte er nun wie ein Maikäfer. Sein ganzer Körper begann zu beben und Mi hatte berechtigte Angst, dass er gleich in einem Krampfanfall vom Kanapee fiel. Behutsam berührte sie seine Schulter und suchte vergeblich seinen Blick, dann begann sie zu reden, ruhig aber bestimmt: ‘Keine Sorge, ich hatte auch noch nie Sex und wenn mir nochmal so ein Schnösel seine verhungerte Wiener vors Gesicht hält, dann lauf ich Amok.’

Tommi blickte sie kurz an und ein kaum merkliches Lächeln huschte mit einem weiteren Zucken über sein Gesicht. Dann schweifte sein Blick wieder in die Ferne, sein Atem ging immer noch viel zu schnell. Sie nahm nun auch die zweite Hand hinzu und legte sie behutsam auf seine Brust. Ohne dass sie etwas tat, zwang sie ihn förmlich dazu ruhiger zu atmen und seinen Blick von der Ferne wieder ins Hier und Jetzt zu richten. Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder gefangen hatte. Tommi blickte für einen Moment in ihre Augen, legte dann den Kopf schief und lies sich kraulen.

Wolle stolperten ein paar Worte aus dem Mund und unterbrach damit versehentlich diesen Moment: ‘Das ist unglaublich, Mi! Ich muss S.H.I.E.L.D. anrufen, Black Widow kann endlich Urlaub machen!’

‘Du bist so ein Idiot, Wolle!’ zischte Hermine ihrem Bruder zu.

‘Nein, ihr habt einen unglaublichen Zugang zueinander. Lasst euch das von unserem Gelaber nicht kaputt machen. Ihr macht das schon alles richtig. Ich bin fast ein bisschen eifersüchtig, Schwesterherz! Mit der Gabe, wäre ich vielleicht doch bei der Psychologie geblieben!’

‘Sagt der Frauenversteher!’

‘Das Frauenverstehen zahlt leider meine Rechnungen nicht und was hab ich davon, dass ich die Frauen verstehe? Am Ende bekommt sie immer der Kimmelmann!’

‘Oh ja, dabei hättest du ihn so gerne für dich alleine!’ zischte seine Schwester ihm zu.

Augenblicklich hielt Wolle ihr den Mund zu und zischte erschrocken: ‘Sonja, pscht. Mutter ist im Garten!’

Hermine kämpfte sich frei, mit einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck blickte sie ihren Bruder an und rief entsetzt: ‘Was denn, du hast es ihr immer noch nicht gesagt?’

‘Es geht sie ja auch überhaupt nichts an, dass ich… dass ich sexuell unentschlossen bin.’

‘Der Volksmund sagt dazu homosexuell!’

‘Too much information!’ sang Tommi wippend und blickte apathisch an ihnen vorbei.

‘Davon darf keiner erfahren, ja!’ zischte Wolle wieder und blickte Tommi in die Augen. Und Tommi erwiderte seinen Blick. Betretenes Schweigen länger als 3 Sekunden, bis Hermine dazwischen ging. ‘Die Sache mit in die Augen kucken ist unser Ding, hatte ich gedacht?’

‘Ja, dass ist komisch, wie ähnlich ihr euch seid.’ flüsterte Tommi und blickte an beiden vorbei in den Rosengarten.

‘Bruderherz, Finger weg von Tommi, ja! Du kannst den Sohn vom Dr. Dalek haben!’

‘Wie meinst du das?’ meinten beide Jungs wie aus einem Mund.

‘Das werdet ihr heute noch herausfinden!’ grinste Hermine.

Fortsetzung folgt…

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