Ein Knopf kommt selten allein… Teil 28

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 28

OLYMPUS DIGITAL CAMERANachdem Tommi von allen am Tisch erwartungsvoll angestarrt wurde, las er schnell weiter: ‘Er war merkwürdig still heute, aber das war ich auch. Und doch lag ein befangener Schleier zwischen uns, wo er gestern aufgeregt plapperte, war er heute sehr besonnen und nachdenklich. Er grübelte bestimmt genauso wie ich.

Der Weg wurde immer enger, bis er irgendwann rücklings vom Pferd rutschte und die Zügel auf meinem Schoss zurück lies. Im nächsten Moment war er schon wieder neben mir und blinzelte mich an: ‘Es ist noch ein kleines Stück! Ihr müsst Euch ducken!’

Also klammerte ich mich um den Hals des Tieres, duckte mich und blickte erst wieder auf, als das Pferd stehen blieb.

Es war so entzückend hier, eine kleine Lichtung, durch die sich ein kleines Bächlein schlängelte. Die vielen kleinen Blümchen wuchsen zwischen Moos und Gras und die Schmetterlinge waren wieder da. Er hob mich vom Sattel und ließ mich neben dem Pferd stehen und meinte dann zu mir: ‘Diesen Ort kennt niemand außer mir. Hierher könnt Ihr Euch jederzeit zurückziehen, jederzeit!’

Wo er die Decke hergezaubert hatte, auf die ich mich später setzte, bleibt mir wahrscheinlich für immer verschlossen. Dennoch saß ich da auf dieser Decke und genoss die Stille.

Er kniete sich irgendwann zu mir und lehnte sich gegen den Baum in dessen Schatten wir saßen. ‘Herrin, geht es Euch wirklich gut, Ihr seid so still heute!’

Ich versuchte ihn anzulächeln, ohne ihm in die Augen zu blicken und schwärmte vor mich hin: ‘Wie unglaublich schön es hier ist, dass mir wirklich die Worte fehlen, die Stille auszudrücken, die mich hier zur Ruhe kommen lässt.’

Er blickte mich ungläubig an und fragte mich dann: ‘Darf ich einen kleinen Wunsch äußern?’

‘Warum denn nicht?’ sagte ich leichtfertig. War es uns doch beiden klar, dass es einzig und allein an mir lag, ob ihm sein Wunsch gewährt werden würde.

‘Wenn ich Euch gestern Nacht zu Nahe getreten bin, dann tut es mir wahrlich Leid!’ bekniete er mich wieder. Wenn das jetzt jeden Tag so geht, dass er sich für alles entschuldigte, was er vielleicht getan hat, nur weil ich mal meinen Mund halte und es vorziehe zu grübeln. Außerdem wollte er mir doch eine Frage stellen, oder etwa nicht? Ich blickte ihn also ungeduldig an und wollte ihn schon maßregeln, dass ihn seinem letzten Satz keine einzige Frage zu erkennen war, doch ich schwieg, weil ich ihm ansehen konnte, wie schwer es ihm fiel, mir sein Herz zu öffnen.

‘Wenn ich Euch zu forsch gewesen bin oder gar zu weit gehen sollte, dann haut mir bitte unmissverständlich auf die Finger!’ Und wie eindringlich er mich bei diesem Satz angeblickt hatte. Er wartete auf eine Reaktion meinerseits, also nickte ich und sagte nichts. Ich konnte ihm ansehen, dass das noch nicht alles war, was ihn bedrückte. Und dann platzte es regelrecht aus ihm heraus: ‘Es ist mir wichtig, dass nichts zwischen uns steht!’

‘Tut es nicht!’ flunkerte ich gekonnt und was sollte überhaupt das Wörtchen ‘uns’? Ein ‘Uns’ darf es einfach nicht geben, auch wenn wir es noch so sehr wollen würden. Und wie doch plötzlich etwas zwischen uns stand, das Wörtchen ‘uns’ und etwas was ich kaum in zwei Händen halten konnte und wahrlich phantasmagorisch war.

Doch sein ‘Soso!’ entlarvte meine Flunkerei sofort und stoppte meine Gedanken an der phantasmagorischen Stelle.

Er musste tief durchatmen, bevor er zu mir sprach: ‘Mir ist wichtig, dass Ihr mir am nächsten Tag noch genauso in die Augen blicken könnt, wie am Tag zuvor.’

‘Das steht ja wohl außer Frage!’ rief ich salopp. Seine ungezwungene Art schien schon auf mich abzufärben. Seine Bedrücktheit schien für einen Moment von ihm gewichen zu sein, doch ich musste natürlich wieder Einen drauf setzen, also griff ich nach seinem Kinn und zog seinen Blick förmlich in meine Richtung und fragte ernst: ‘Aber kann er es denn?’

‘Euch in die Augen sehen, natürlich! Wäre ja schlimm, wenn nicht!’ faselte er und konnte dabei meinem Blick kaum standhalten. Hilflos griff er mit seiner Hand nach meiner behandschuhten Hand und küsste sie.

Ich muss ihn wohl mit einer erhobenen Augenbraue angeblickt haben, weil er sich gleich wieder zu erklären versuchte. ‘Hab ich Euch je gesagt, wie wunderschön Eure Augen sind?’

Daraufhin meinte ich schroffer als ich vielleicht gewollt hatte: ‘Ehrlich gesagt nein, hat er nicht!’ Wann denn auch, bis gestern, war mir nicht gewahr, dass mein Stalljunge mittlerweile zum Mann geworden war und es war mir auch nicht klar, dass er überhaupt mehr sagen konnte, als ‘Hüa!’ und ‘Sehrwohl, Herrin!’. Ich seufzte sehr laut und blickte ihn wieder mit erhobener Augenbraue an. Was sollte jetzt wieder dieses Ablenkungsmanöver. Ich muss wohl fast schon ein bisschen ungehalten gewesen sein, weil ich ihm dann Folgendes an den Kopf warf: ‘Will er mich mit der Süßholzraspelei davon ablenken, dass er mir mit seiner Bitte gleich zwei Wünsche unterjubeln wollte?’

Und was er sich dann wieder heraus nahm, war wahrlich unfassbar, gibt man dem Pöbel den kleinen Finger, nimmt er gleich die ganze Hand. Meinte er doch allen Ernstes zu mir, dass er noch einen dritten Wunsch hätte. In meiner diplomatischen Weisheit griff ich wieder nach seiner Hand und rief aufgebracht: ‘Wenn ich nun Ihm zu Nahe getreten bin…?’

Ich führte seine Hand erschrocken an meinen Körper, so dass seine Pranke beinahe meine Brüste berührt hätte. Aber eben nur beinahe. Ich konnte spüren wie seine Hand zu zittern begann und ich konnte seinen Atem auf meinem Hals spüren. Unsere Gesichter waren nur noch einen Atemzug voneinander entfernt, als er resigniert seufzte: ‘Ehrlich gesagt, jedes Mal wenn Ihr mit mir redet und so tut, als würde ich nicht hier neben Euch stehen, wenn Ihr mit mir redet!’

‘Ich soll nicht in der Dritten Person… sprechen?’ Ich kam wahrlich ins Stocken, weil es mir nicht geläufig war, jemanden unter meinem Stand irgendwie anders anzusprechen.

Ein abwägendes Nicken war seine Antwort darauf.’

Tommi setzte wieder ab und blickte räuspernd in die Runde und Hermine hielt ihm lächelnd ein Hustenbonbon hin.

Fortsetzung folgt…

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