Ein Knopf kommt selten allein… Teil 32

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 32

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMit der Hand vor seinen Mund gepresst, blickte er den Hund an und nuschelte: ‚Ist der falsche Moment um eifersüchtig zu werden, Tich!‘

‚Liest du mir noch was vor?‘ flüsterte Hermine verschämt, in der Hoffnung er würde ihre roten Wangen nicht bemerken.

‚Garantiert nicht, dein Vater bringt mich um, wenn ich dir das vorlese.‘ rief Tommi und zog dabei das Tagebuch wieder aus seiner Hosentasche.

‚Och bitte, ich schlaf bestimmt gleich wieder ein.‘

Er blickte sie sehr lange ernst an und erklärte dann: ‚Ohne Gewähr, das Gelesene ist nicht die Meinung des Lesers und die sexuelle Belästigung beeinträchtigter Vorleser ist von Gesetz wegen verboten.‘

Hermine schwor mit der Hand aufs Herz. Tommi blickte sicherheitshalber auf ihre andere Hand und zog einfach nur seine Augenbraue hoch. Sie zeigte lächelnd die überkreuzten Finger der anderen Hand und versuchte ihr süßestes Lächeln aufzusetzen, was ihr aufgrund ihrer Verletzungen im Gesicht nur mäßig gelang.

Tommi blätterte genüsslich im Tagebuch und Hermine wurde fast wahnsinnig dabei. Sie stand auf und dimmte das Licht, dann stolperte sie über die H&M Tüte am Boden.

‘Dein Vater bestand darauf, dass Wolle dir Sachen bringt. Ich zitiere: Was Mädchen in deinem Alter sonst so brauchen.’

‘Als ob mein Bruder Ahnung von Mädchen hätte und was soll das mit dem Lavendelöl?‘

‘Ich weiß nicht?’ versuchte Tommi so arglos wie möglich zu sagen.

‘Sexuelle Belästigung minderjähriger Opfer einer Sexualstraftat ist bestimmt auch verboten.’

‘Behalt es mal da, für den Fall, dass einer von uns Kopfschmerzen bekommt. Es beruhigt und entspannt hab ich auch gelesen. Vielleicht bringts ja was.’ erklärte Tommi und nach Beendigung seines Satzes, zuckte er wieder zusammen und sein Gesicht verzog sich zu einer merkwürdigen Grimasse.

‘Ich werde dir garantiert nicht die Füße massieren!’

‘Aber ich bin doch gehandikapt!’ rief Tommi und wedelte mit seiner Gipshand.

Sie knipste das Leselicht an, ging ums Bett herum und zog ihre Hose aus. Er blickte ihr nach und konnte einfach nicht an ihrem Hintern vorbei schauen. Snoopy grinste ihn von ihrem Schlüpfer aus entgegen.

‘Wenn Snoopy nichts dagegen hat, würd ich gerne meine Hose anbehalten.’ flüsterte er mehr zu Snoopy, als zu ihr und ein böser Blick war ihre Antwort darauf.

Er räusperte sich und begann zu lesen, nur um ihrem bösen Blick nicht weiter ausgesetzt sein zu müssen.

‘Ich legte mich zur Ruh. Und stand wieder auf, um weiter zu schreiben. Das Fenster war immer noch oder schon wieder ein Spalt breit offen und mich fröstelte es. Alma war heut früh schlafen gegangen, sie war von den alkoholischen Eskapaden der letzten Nacht noch ziemlich mitgenommen. Der Doktor war mit meinem Wohlbefinden übrigens sehr zufrieden. Ich hatte wieder gemalt und in mein Tagebuch geschrieben, mich hingelegt und war wieder aufgestanden, um diese Zeilen zu schreiben. Ich hatte so viel vergessen, was heute sonst noch los war, denn dieser Kuss hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Doch ich fühle mich einfach nur fantastisch. Ehrlich gesagt, wollte ich mich nur beschäftigen, bis endlich die Sonne unterging und es kein Aufsehen erregen würde, weil ich früh zu Bette ging.

Mein Blick hing am Fensterspalt fest, er wollte sich einfach nicht davon lösen, so wie meine Lippen sich nicht von den Seinen lösen wollte. Gänsehaut wanderte über meine Haut. Er wird heute Nacht wirklich nicht mehr kommen. Ich überlegte ob ich nochmal zu meiner Staffelei zurückkehren sollte. Aber das würde Alma wecken. Wieder blickte ich sehnsüchtig zum Fenster hinüber. Doch der Stallknecht ließ weiter auf sich warten.

Ich ging also wieder ins Bett…

…und so muss ich wohl irgendwann eingeschlafen sein. Obwohl ich mich wirklich versucht habe wachzuhalten, die Aufregung der letzten zwei Tage forderte jetzt auch seinen Tribut und ich muss eingeschlafen sein, noch bevor der Mond aufgegangen war.

Die lauten Rufe vom Stall her, nahm ich nur noch unterbewusst war.

Mitten in der Nacht wurde ich wach, weil mich ein Windhauch wachküsste und ich wirklich fror. Ich beschloss aufzustehen, um das Fenster zu schließen, als mir gewahr wurde, dass das Fenster nun sperrangelweit offen stand.

Als ich es im Dunkeln erreicht hatte, hörte ich ein Geräusch und staunte nicht schlecht. Der Stallknecht hing am Fenstersims. Ein ‘Gssss!’ kam aus seinem Mund gestolpert und ich duckte mich aus dem Licht des Mondes. Aber Dank des taghellen Mondenscheines konnte ich genau sehen, was sich dort drunten abspielte. Dieser Knilch torkelte singend über den Hof, wie ein Matrose auf Landgang und dann pinkelte er doch tatsächlich voller Genuss an meine Prachtrosen. Mit einer schwungvollen Bewegung stemmte der Stallknecht sich durch die Fensteröffnung und ich sprang im selben Moment wieder ins Mondlicht und schrie lauthals aus dem Fenster.

‘Uriniert er da etwa auf meine Rosen? Ist er von allen guten Geistern verlassen? Wenn meine wertvollen Rosen eingehen sollten, wird er dafür bezahlen!’ Dann knallte ich das Fenster zu und im selbem Moment riss Alma die Tür zu meiner Kemenate auf: ‘Was macht Ihr nur für einen gotteslästerlichen Radau zu so einer unchristlichen Stunde?’

Der Stallknecht glitt im selben Moment unters Bett, als Alma um das Bett herum schritt. Ich stellte mich genau vor mein Bett und wies zum Fenster und rief empört: ‘Ich wollte nur kurz frische Luft schnappen und da hab ich diesen Knilch dabei beobachtet, wie er strunzehackevoll und singend über den Hof getorkelt ist, um dann allen Ernstes gegen meine Rosen zu … werte Alma verzeiht meine Ausdrucksweise… zu pinkeln!’

Nun riss meine Alma das Fenster erneut auf. Der Knilch stand immer noch an meinen Rosen und tat so als könne er kein Wässerchen trüben.

‘Wenn ich jetzt in den Keller gehe und sehe dass eine Flasche von dem guten Wein der Herrschaften fehlt, dann gnade Euch Gott!’ rief die Alma und im nächsten Moment war das Fenster wieder geschlossen und Alma war aus meinen Räumlichkeiten lauthals fluchend verschwunden. Bis in den Keller hinunter konnte man sie schimpfen hören, bis sie dann wutentbrannt in den Schlosshof rannte. Ich öffnete das Fenster wieder einen Spalt, um die Schimpftiraden meiner Alma weiter mitanhören zu können. ‘Zwei Flaschen von dem guten Messwein aus Rom! Den hat der Freiherr für die Christmette aufbewahrt.‘

Ich schloss das Fenster wieder und ging in mein Ankleidezimmer, um sämtliche Türen zu schließen und als ich wieder an meine Bettstatt trat, versuchte der Stallknecht, nach der Geräuschkulisse zu urteilen, gerade wieder unter meinem Bett hervor zukriechen. Ich stürzte mich aufs Bett und blickte ihn von oben aus lächelnd an. Er stöhnte in sich hinein: ‘Würde es Euch etwas ausmachen, Euch zu erheben?’

Ich muss ihn fragend angeblickt haben.

‘Zwischen mich und euer Bett passt kein Staubkorn mehr…!’ keuchte er und ich rollte mich vorsichtig vom Bett herunter und kam im selben Moment zum Stehen, wie er wieder unter meinem Bett hervorkam.

‘Ich hatte Euch etwas mitgebracht, ich hoff es ist noch heil.’ flüsterte er und rappelte sich so halb auf. Vorsichtig zog er ein Blümlein aus seiner Weste und lächelte mich an. Eine Kornblume, so schien es mir, blickte mich leicht geknickt an. Ich stellte sie ins Wasser zu den anderen Blumen, die Alma mir jeden Tag neu ins Zimmer stellte.’

Tommi setzte ab und schaute nach, ob Hermine schon schlief.

Fortsetzung folgt…

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