Ein Knopf kommt selten allein… Teil 39

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 39

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Tommi wurde wach. Er fühlte sich erst wie gelähmt. Ein Piepsen drang an sein Ohr und dann erst kam der Schmerz, der ihm gleich die Luft abschnürte.

Panisch versuchte er Luft in seine Lungen zu pumpen und der darauffolgende Schmerz ließ seine Sinne fast wieder schwinden. Tränen schossen ihm erst in und dann aus den Augen. Er hatte panische Angst zu ersticken. In seinem Kopf summte es, das Pfeifen klang gedämpft, er war sich nicht sicher ob das nervige Geräusch in seinem Kopf war, oder von den Maschinen kam, die neben dem Bett standen.

Ein beruhigendes Schnurren holte ihn für einen Moment wieder zurück. Durch die Tränen in seinen Augen erkannte er Wolle, der ihn sorgenvoll beäugte. Tommi presste die Augen zusammen und Wolle trocknete das Wasser aus seinen geschlossenen Augen.

Wolle zischte ihm zu: ‘Versuch flach zu atmen, du hast ne angeknackste Rippe!’

Flach atmen, war ein guter Rat, aber in seiner Unruhe wollte Tommi am Liebsten aus dem Bett springen, doch der Schmerz in seiner Brust hinderte ihn daran. Tommi versuchte sich aufzusetzen und Wolle half ihm dabei, in dem er auf einen Knopf drückte. Das Kopfende des Bettes hob sich ein wenig und Tommi kam langsam zur Ruhe. Die Schmerzen bei jedem Atemzug waren unbeschreiblich. Wolle hielt ihm ein Glas Wasser hin. Für einen Moment vergaß er den Schmerz und ließ sich von Wolle helfen. Er trank, als würde sein Leben davon abhängen. Erst nachdem Wolle das Glas wieder absetzte, bemerkte Tommi, dass Hermine auf seinen Beinen eingeschlafen war.

‘Schschsch…lass sie erstmal schlafen!’ flüsterte Wolle. ‘Sie ist ganz schön fertig!’

Tommi blickte ihn fragend an. ‘Warum… wegen mir?’

‘Sie haben ihr Beruhigungsmittel gegeben!’ flüsterte Wolle wieder.

Ein erneutes ‘Was!’ blieb ihm im Hals stecken. Er versuchte sie schwer atmend zu erreichen, doch die Schmerzen waren zu groß. Bevor er sich wieder zurücklehnte, stöhnte er nur erstickt: ‘Kannst du sie zudecken?’

‘Ja, klar!’ meinte Wolle und drehte sich nach seinem Stuhl um und zog eine Decke von der Sitzfläche.

‘Wo ist Sonni?’ keuchte Tommi.

‘Sie ist draußen!’ meinte Wolle so beiläufig wie möglich, während er liebevoll seine Schwester zu deckte.

‘Warum ist sie nicht hier?’ krächzte Tommi erstickt.

‘Sie darf nicht rein…’ meinte Wolle kleinlaut und das ‘Reg dich bitte nicht auf!’ wurde von einem: ‘Bitte was?’ übertönt. Tommi begann zu husten. Plötzlich war wieder alles da, was er im Jugendamt nur so am Rande mitbekommen hatte.

‘Ich geh bestimmt nicht ins Heim, ich bin ja nicht behindert!’ presste er schmerzerfüllt heraus.

‘Mach dir keine Sorgen, da draußen und hier drinnen sind ein paar Leute, die das nicht zulassen werden.’ beschwichtigte ihn Wolle.

Tommi griff sich an die Brust und wurde fast wieder ohnmächtig. Wolle blickte auf den Monitor. Es dauerte einen ziemlich langen Moment, bis Tommi wieder da war.

‘Ich fühle mich so, als hätte mir jemand gegen die Brust getreten.’ flüsterte Tommi.

‘So ähnlich muss das auch gewesen sein. Der Anwalt hat dich reanimiert bis die Sanis da waren!’

Tommi schlug die Augen zu und wieder dauerte es einen langen Moment, bis er etwas sagte: ‘Sag mir bitte nicht, dass mir der Anwalt die Zunge in den Hals gesteckt hat!’

‘Nein, das hat Hermine gemacht!’ grinste Wolle.

‘Dann hat er … und Hermine mir das Leben gerettet?’ kam es abgehackt aus Tommis Mund.

‘So kann man es ausdrücken!’ meinte Wolle und legte Tommi die Hand auf den Arm.

‘Wie war noch sein Name? Er hatte ihn doch gesagt… im Krankenhaus, als…’ stammelte Tommi mehr zu sich, als zu Wolle und starrte dann zu Hermine hinüber.

‘Dr. Heinz Rüdiger Riemenschneider, er steht auch draußen vor der Tür und schreit zu Weilen in sein Telefon!’ berichtete Wolle. ‚Ja und zwischen uns und ihnen sitzt ein Bulle und versucht das umzusetzen, was diese Verrückte da im Jugendamt los getreten hat.‘

Während Wolle erzählte, schloss Tommi die Augen. Mit seiner Hand versuchte er irgendwie Hermine zu erreichen, doch er musste sich mit einer Haarsträhne begnügen, weiter kam er nicht.

Wolle redete ohne eine Pause zu machen weiter: ‘Dein Gips ist kaputt gegangen, als du damit den Stuhl im Jugendamt zerstört hast.’

Tommi öffnete nochmal die Augen und blickte auf den Gips, der notdürftig mit ein paar Mullbinden umwickelt worden war. ‘Ich kann mich nur erinnern, dass ich umgefallen bin.’ faselte Tommi wieder mehr zu sich.

‘Ja und die Splitter von dem Stuhl haben dir dein hübsches Gesicht ein wenig demoliert.’ fuhr Wolle unablässig fort.

Tommi blickte ihn direkt an und unterbrach seinen Redeschwall: ‘Das bin ich gewohnt, mir passiert öfter mal was, wenn ich aus dem Bett falle, aber das mein Herz stehen bleibt ist neu!’

‘Die pumpen dir ziemlich viel Zeuch in dein System, dass das erstmal nicht mehr passiert, aber aufregen solltest du dich halt nicht!’ versuchte Wolle Tommi zu beschwichtigen.

Tommi nickte und schloss die Augen. Wolle redete weiter, doch Tommi bekam schon längst nicht mehr alles mit.

Fortsetzung folgt…. eventuell!

Werbeanzeigen

The URI to TrackBack this entry is: https://callabutterfly.wordpress.com/2015/10/09/ein-knopf-kommt-selten-allein-teil-39/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: