Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 3

ErikaGeliebte Erika,

Der Morgen des dritten Tages war kalt und einsam, ohne dich.

Was ich bisher nicht schrieb, wie ich dazu komme dir zu schreiben, obwohl ich weder weiß woher du kamst oder wohin du gingst. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal ob du dich je an mich erinnern wirst, gesetzt des unwahrscheinlichen Falles das dich diese Zeilen je erreichen werden.
Ist doch das Schreiben das Einzige was mich davon abhält bereits am dritten Tag völlig wahnsinnig armewedelnd und schreiend über die Insel zu laufen, in der Hoffnung die Mapori machen meinem Elend ganz schnell ein verfrühtes Ende. Dabei ist es wahrscheinlich das Schreiben was die Mapori mehr erzürnen wird, als das Schreien und Arme wedeln. Gegen das Schreiben an sich hätten sie wahrscheinlich nichts, wenn man es nicht auf Papier täte. Der Besitz von Papier war der größte Frevel den man auf der zweiten Insel unwissender Weise begehen konnte.
Andere würden lachen, aber das Mitführen von Papier hat die geistige Anführerin der Mapori derart aus der Fassung gebracht, dass sie erst wieder mit uns sprach als wir den Schreiberling ins Lager zurück schickten. Wo er dann in aller Eile seine Papiere vergrub, um sich darauf hin auf seiner Hand den ganzen Tag Notizen zu machen, um es dann nachts auf eine alte Schweinehaut zu ritzen.
Und das Erste was ich tat, als mir klar wurde, dass ich für alle Ewigkeit hier festsitzen würde, ich buddelte seinen Papierkram aus und versteckte ihn in meinem neuen Zuhause. Der zerstörte Zuber war nun mein Geheimniswahrer. Und auf Papier liegt es sich wärmer als gedacht.

Der Hunger war es, der mich auf dem großen Platz des Wettbewerbs umhertrieb, in der Hoffnung etwas Essbares zu finden. Ich stocherte im Müll aller Lager und fand zwar einiges Brauchbares, aber nur wenig Essbares. Also führte mich mein Weg in den Wald. Mal sehen ob der Wald mich ebenso ernährt, wie er es bei den Mapori tat.
Ich fand ein paar Nüsse und ein paar Beeren, von denen ich mir sicher war, dass sie mich nicht umbrachten.
Zu guter Letzt fand ich einen dieser Pilze, die auch die Mapori zu sich nahmen und kehrte in mein ärmliches Lager zurück, um dir diese Zeilen zu schreiben, liebste Erika.

Dein liebeshungriger Elmar

 

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Ewig verirrt und verdammt in alle Ewigkeit – Teil 1

Ewig verirrt und verdammt in alle Ewigkeit.

Rom – Sommer 1477 bis 1499

CIMG0129Ich kam 1000 Jahre nach dem das römische Reich untergegangen war in die ewige Stadt und die Christen hatten die Stadt nun in ihren gefalteten Händen.

Was mich hier her verschlagen hat? Gerade mich! Naja, zu Hause wurde die Luft ein Wenig zu dünn und die Gerüchte über mich wurden mir zu eindeutig. Dass ich als der Schlächter und Pfähler in die Geschichte eingehen würde, damit konnte ich noch eine ganze Weile gut leben, weil mit dem Sterben hab ich es bis heute nicht so. Aber meinen eigenen Tod habe ich wunderbar vorgetäuscht. Den in Honig eingelegten Kopf der nach Konstantinopel verbracht wurde, sah mir fast zum Verwechseln ähnlich, aber eben nur fast. Bis das fremde Gesicht an seinem Bestimmungsort ankommen würde, würde kein Mensch mehr den Unterschied erkennen. Und jeder denkt ich wäre tatsächlich gestorben. Die Geisel des osmanischen Reiches wurde angeblich besiegt, nur dass ich mein Reich an meinen Bruder Radu weiter gab, der sich um die Geschicke meines Landes kümmert bis mein Sohn die Mihnea mein Erbe antreten würde. Währenddessen wurde ich weit fort gebracht.

Dass ich am Ende in Rom gelandet bin, war eher ein Zufall. Mein Schiff strandete nahe der Tibermündung und meine Mannschaft war, sagen wir mal leicht ausgelaugt, als wir dort ankamen. Das Schiffsfrack wurde mir schnell zu feucht und mich zog es am Ufer des Tibers entlang ins alte Ostia. Zu dem Zeitpunkt, als ich dort ankam, ragte gerademal die Giebelfront des Kapitols aus dem Dreck, den der Tiber in den letzten Jahrhunderten über das alte Ostia geschwemmt hatte.

Tagsüber schlief ich in einer alten Begräbnisstätte, die ich mir freigebuddelt hatte und sinnierte über das Römische Reich und wie schön es dort gewesen sein musste. Nachts wandelte ich übers antike Ostia und die Mauern die unter meinen Füßen begraben waren, gaben mir das Gefühl wirklich unsterblich zu sein.

Die Römer haben sich nicht durch Sturm und Schnee aufhalten lassen und auch nicht vom steinigen Weg über die Alpen oder die Trockenheit der Wüste Ägyptens. Bis nach Britanien sind sie marschiert und das in ihren windigen Sandalen. Ihre Schiffe schwammen übers Meer und fast die ganze Welt blickte nach Rom. Nur dass die uns bekannte Welt in Wirklichkeit viel größer war, sollten wir erst viel später erfahren.

Und doch waren sie nun alle Tod und die Überreste ihrer Kultur lag nun unter Schlamm und Dreck vergraben und all die Geheimnisse, die mit ihnen begraben wurden, würden erst sehr viel später wieder ausgegraben werden.

Natürlich wurde mir die tote Stadt unter meinen Füßen schnell zu langweilig, mein Leben bestand bisher nur aus Krieg, Tod und Blut. Tod war hier, aber kein Blut.

Die Bauern und Sträflinge aus der Umgebung waren mir zu mager, also zog ich weiter durch die Olivenhaine und genoss die frische Brise vom Meer und den öligen Geruch der uralten Bäume. Manchmal huschte ein Hauch von Jasmin an meiner Nase vorbei und ich höre die Gesänge der Hafenhuren vom anderen Tiberufer her. Die Matrosen waren auf Landgang und die Zollbeamten waren des Nächtens in Feierlaune und die Beute würde heute Nacht wieder aus aller Herren Länder sein.

Im Schatten des alten Ostia lebte ich in Saus und Braus und nur der Tiber war mein stummer Zeuge, weil alles andere einfach nur vergänglich war.

Die Gerüchte ein Untoter würde in der Gegend vom alten Ostia sein Unwesen treiben, konnte nie bestätigt werden, da ich langsam weiter zog. Der ewigen Stadt entgegen. Die Gärten und vorallem die alten Friedhöfe und Katakomben waren mein Zufluchtsort. Auch wenn die Christen überall ihr heiliges Wasser verspritzten, hielt ich es doch lange im Umland von Rom aus, bis es mich immer weiter in die Stadt hineinzog. Den Duft der Lorbeerhecken und Pinienalleen hinter mir lassend…

Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 2

ErikaTag 2

Die erste Nacht war reichlich seltsam, liebe Erika.
Ich hab mich in der verwaisten Stadt in einem leckgeschlagenen, umgestürzten Zuber, den man wohl nicht mehr reparieren konnte, niedergelassen. Geschlafen hab ich nur wenig. Bin ich doch seit Jahren nicht mehr wirklich allein gewesen. Immer in Sorge, dass es meinem Herren gut ginge, war ich in seinem Tross nie wirklich alleine. Weil es sorgten sich allerlei gute Menschen um diesen edlen Mann.
Ich bin ihm überall hingefolgt. Sogar als er seine Zelte in der Heimat abbrach, um auf die erste Insel zu reisen. War ich immer an seiner Seite. Aber wie konnte mich der Herr denn nur vergessen?
Er hielt doch immer so große Stücke auf mich! Ich war zwar nur ein einfacher Metzger, aber mein Handwerk schien so überragend zu sein, dass mich der Herr auf seinen Hof bat, damit ich ihm täglich mit meinen Wurstvariationen verwöhnte. Das hätte sich mein Vater nie träumen lassen, dass unsere ‘Grobe Fette’ mal so berühmt werden würde. Das Familienrezept der groben aber fein geräucherten Leberwurst brachte mich nicht nur an den edlen Hof des Freiherrn Quain Wohlgenannt, ohne von und zu, wie er immer scherzte, nein diese Wurst brachte mich noch ans Ende der unsbekannten Welt. Und da sitz ich nun in einem halbumgeworfenen kaputten Zuber und hoffe dass die Mapori mich nicht erwischen.
Der Phönix des Südens hatte zum Wettstreit aufgerufen und ich war meinem Herren Quain Wohlgenannt auch auf die zweite Insel gefolgt. Wenn mancher denken könnte, dass die erste Insel schon seltsam gewesen war, die Zweite schlug im dem Fass im wahrsten Sinne des Wortes den Boden aus. Hab ich ein Glück, dass ich die dritte Insel in diesem Leben nicht mehr erreichen werde.

Ich kann meine Dummheit auch nicht fassen, aber sowas kann auch nur mir passieren. Alleine und Verschollen unter diesen Dreckfressern.

Elmar Mägdefessel
ehemals Metzger seines Zeichens

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