Ewig verirrt und verdammt in alle Ewigkeit – Teil 2

Ewig verirrt und verdammt in alle Ewigkeit – Teil 2

Rom – 1500 bis 1626

CIMG0129So ging die Zeit ins Land und die Stadt wuchs immer mehr um ihre sieben Hügel herum und alles was die Römer hier hinterlassen hatten, bot mir immer Unterschlupf, auch wenn die Christen auch hier überall ihren Stempel aufdrückten, fand ich immer wieder ein Loch wo ich mich verkriechen konnte.

Auch auf die Gefahr hin jeden Morgen, jeden verdammten Morgen regelmäßig mit Weihwasser geweckt zu werden. Doch wo die Sterblichen noch um die Unsterblichkeit ihrer Seele jammerten, war ich für alle Zeit verdammt ihnen zuzuhören. Und meine Abneigung gegenüber ihrer Bigotterie in flüssiger oder fester Form nahm von Mal zu Mal immer mehr ab. Nur so hielt ich es hier aus. Auch wenn meine Haut mittlerweile vom Weihwasser verätzt war und von der Sonne zerfressen, kann ich mein Äußeres immer noch verändern. Ich glaub das mein untoter Körper mittlerweile Abwehrkräfte gegen Weihwasser entwickelt hat, oder vielleicht ist es einfach nur Hornhaut. Hornhaut gegen Katholiken. Herrlich.

Wenn die grelle Fratze da oben am Himmel nicht wäre. An der Spitze der Nahrungskette war sie mein einziger Feind. Die Sonne war die Einzige, die mir wirklich Schaden anrichten konnte.

Ja und der Pfahl durchs Herz hielt mich zumindest so lange auf, solange er in mir steckte. Nur ein handelsüblicher Palmarec 1) konnte mir wirklich gefährlich werden, aber nur wenn er aus Weißdorn geschnitzt und / oder aus edlen Metall geschmiedet ist, mit dem Blut eines Unschuldigen geweiht und / oder von einem Priester meiner Heimat gesegnet wurde.

Ich schweife ab, die Nummer mit den Silberkugeln funktioniert wirklich nur bei meinen haarigen Widersachern, aber von denen hab ich schon ewig nichts mehr gesehen. Die würden bei der Hitze hier in der ewigen Stadt wahrscheinlich einfach nur eingehen. Und vor Wernacktmullen oder Werschwänen hat ja wohl wirklich keiner Angst.

Nachdem man mich mit Weihwasser schon lang nicht mehr schrecken konnte und mir die Katholiken, mit all ihren kleinen Sünden langsam wirklich ans Herz gewachsen waren, zog ich schließlich in die Engelsburg ein. Der Tiber hatte mich gefangen und ich konnte seine Ungestümtheit einfach nicht verlassen. Die schwarzen Wogen lullten mich ein und auch hier brachte mir mein stiller Begleiter regelmäßig frisches Futter.

Die Tiefen der Engelsburg gaben mir tagsüber genug Schutz vor der grellen Fratze da draußen.

Die Sonne, meine ewige Feindin. Das ich dagegen mal immun werden könnte, hab ich schon fast aufgegeben.

Von der Engelsburg aus beobachtete ich den Bau von San Pietro und bis zur Vollendung zog er mich einerseits magisch an und anderseits würde es mein Ende sein auf diesen Hügel zu steigen. Deshalb hielt ich Abstand und richtete meinen Blick jeden Morgen auf ihn, kurz bevor die grelle Fratze aufging blickte ich nochmal sehnsüchtig zu ihm hinüber und dann legte ich mich zur Ruhe, bis die nächste Dämmerung mein Erwachen einläutete und die Nacht dann mir gehörte.

So saugte ich die Stadt langsam aus, die Päpste kamen und gingen und saugten auf die ein oder andere Weise ihre Gläubigen und Untergebenen aus.

Das der alte Pietro je fertig werden würde, glaubte ich ja erst als diese eifrig strebenden Christen 1626 damit fertig wurden. Die vielen Toten beim Bau meines alten Freundes, gingen zur Hälfte mehr oder weniger auf meine Kappe. Man tut was man kann, um nicht aufzufallen.
¹) Palmarec – bulgarischer Eigenname für einen Nagel zum Pfählen oder Durchstoßen von Vampiren, der bestenfalls aus Weißdorn oder Metall besteht.

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