Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 9

Tag 9

ErikaSchmerzen zwischen den Ohren und die grelle Fratze am Himmel, will mir mein Augenlicht rauben. Dieser Morgen war grauenhaft zu mir und ich stand nur wiederwillig auf.

Einerseits wollte ich den Bericht weiterschreiben, aber andererseits wollte ich weitergehen und sehen, was sich hinter dem Felsen befand, der vor mir im Meer verschwand. Außerdem plagte mich nicht nur mein Kopf, sondern auch der Durst.

Die Sonne war an diesem Morgen genauso unerbittlich, wie die Flut. Ich kletterte also an der Klippe entlang, bis das Wasser endlich zurück ging. Ich war durchgeschwitzt und durstig. Ich muss sterben.
Heute war der Punkt an dieser Reise, wo ich das erste Mal dachte ich würde es nicht schaffen. In meiner Verzweiflung trank ich den Schnaps, doch der Durst ging nicht fort. Nun war es mir auch noch schlecht. Die Sonne hasst mich heute. Jetzt wären mir ein Scharmützel mit ein Paar Mapori lieber, als am schönsten Strand der Welt zu verdursten.
Den Hügel vor mir sah ich jetzt schon doppelt und den Versuch das Meerwasser zu trinken, bereute ich noch bitterer.
Ich ließ mir das Frühstück, dass ich an diesem Morgen gar nicht hatte, wieder durch den Kopf gehen. Was würde ich jetzt für eine dieser Nüsse geben.

Ich kroch noch eine Weile im Schatten des Felsens entlang, bis mich auch mein stetiger Begleiter verließ und mir wieder die Sonne auf den Kopf strahlte. Nun kroch ich auf dem blanken Felsen entlang. Der Stein war vom Meer wie blank poliert, ich konnte mein Spiegelbild darin sehen. Ich sah grauenhaft aus, geliebte Erika. Mein Bart und mein Haar waren zerzaust, den Hut muss ich mittlerweile verloren haben. Mein Gesicht war knallrot und meine Lippen aufgesprungen und blutig. Das Einzige was ich noch besaß war die Tasche mit den Schreibutensilien und meinen Messern, meinen kleinen Topf und die Axt hing noch an meinem Gürtel.

Ich muss auf dem glatten Felsen zusammengebrochen sein, weil als ich erwachte, lag ich dort immer noch. Etwas tropfte auf meinen Kopf. Immer und immer wieder. Wasser ran über mein Gesicht.
Erst als die Sonne am Horizont unterging, begriff ich, dass das Wasser, das über mein Gesicht ran nicht salzig war. Ein Bächlein hatte sein Ende gefunden und zwar genau über mir und sein Wasser ran vom Berg hinunter, direkt auf mich hernieder.

Ich trank so viel Wasser bis es mir bei der Nase wieder heraus kam. Mein Atem ging so schwer, ich hatte das Gefühl ich würde keine Luft mehr kriegen. Erst als ich mich wieder gefangen hatte, sah ich mich um. Hinter dem Felsen konnte ich über ein weitläufiges Sumpfgebiet blicken.

Erika, wenn der letzte Tag nicht schon die Hölle war, werden die nächsten Tage es bestimmt werden. Jetzt sitz ich auf dem blanken nassen Felsen und das Feuer, dass ich zustande gebracht habe, wärmte mich nicht wirklich, aber zumindest trocknete es deine Seiten.

Ich hoff du kannst meine Worte noch lesen, geliebte Erika. Ich vermisse dich,

dein Elmar

~*~

Mehr davon auf Inseln der Macht

Bild & Bearbeitung by Enno 

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