Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 13

Tag 13

ErikaDie Nacht war kalt, ganz ohne meine Sachen und niemand der mich wärmt. Sie waren am Morgen auch

noch ganz schön feucht, aber was muss das muss. Das Frühstück war eher karg und die Froschsuppe schmeckte echt gruselig. 

Ich packte zusammen und machte mich auf, immer meinen Orientierungspunkten entgegen. Dieser Teil des Sumpfes war ziemlich leicht zu begehen. 

Der Geruch der Pilze ging mir nicht aus der Nase, doch ich fand keinen Einzigen. Schade eigentlich, ich hatte unglaubliche Gelüste auf irgendwas mit Pilzen. Die Wege wurden immer breiter und gaben mir den Anschein, als würde ich auf den Mittelpunkt des Sumpfes zusteuern. Das war dann auch mein Verhängnis. Ich kam ein Wenig von der Richtung ab, in die ich eigentlich wollte. Aber ich war ziemlich sicher, dass die Wege von allen Seiten zum Mittelpunkt liefen. 

Naja, den Mittelpunkt habe ich gefunden. Und ehrlich hätte ich nicht so Gelüste auf irgendwas Totes in Pilzragout gehabt, wäre ich nie wieder heraus gekommen.

Nachdem ich leider keine Pilze gefunden hatte, wurde der Bewuchs immer weniger und irgendwann sah es aus wie zuhause. So weit das Auge reichte. Flechten und Heidegras. Der Geruch wurde immer süßer und als ich auf die ersten Heidelbeeren stieß, war ich noch hellauf begeistert. 

Doch als meine Finger blau und mein Magen voll waren, waren immer noch so viele Heidelbeeren da. Der Überfluss war mir schon fast unheimlich. 

Und es kam wie es kommen musste, ich war doch nicht allein hier. Ich hatte den Verfolgungswahn schon fast wieder abgelegt, als mich eine tiefe Stimme von hinten überraschte, als ich gerade Heidelbeeren in die leeren Riesennüsse brockte. 

‚Wie wollt ihr das jemals wieder in den Kreislauf zurückführen?‘ 

Zurecht erwischt drehte ich mich um und eine ältere Mapori stand vor mir, auf einen krummen Stock gestützt. Sie hatte eine Augenbraue hochgezogen und blickte mich abschätzig an. Sie erinnerte mich irgendwie an die Säerin, auch wenn diese Mapori viel viel älter zu sein schien. 

‚Mein Name ist Elmar Mägdefessel, Metzger seines Zeichens. Verzeiht mir, aber nach Tagen des Hungerns haben mir eure süßen Beeren wahrlich das Leben gerettet.‘

Sie war von meiner kurzen Ausführung nicht gerade beeindruckt und wollte sich schon wieder umdrehen. Hinter ihr sah ich wie sich das Heidekraut erhob. Wir waren nicht allein, ein Busch nach dem Anderen erhob sich aus dem Heidekraut und funkelte mich bedrohlich an. 

‚Ich wäre mit ein paar Pilzen wahrlich zufrieden gewesen….!‘ versuchte ich mich weiter zu erklären, bevor ich von ihr unterbrochen wurde. 

‚Pilze!‘ sie blickte mich verklärt an und machte eine abwinkende Handbewegung. Die Büsche legten sich wohl wieder schlafen. ‚Wie kommt Ihr auf Pilze?‘

‚Als ich unweit eines kleinen Tümpels aus dem Morast geklettert war, roch es nach Pilzen. Ich fand aber keinen Einzigen, aber gerochen habe ich sie.‘

‚Ja, wirklich!‘ meinte sie und drehte sich einfach um und machte Anstalten zu gehen.

Puh, nochmal Glück gehabt, würde ich mal sagen. Aber sie drehte sich nochmal um und fragte: ‚Was macht er eigentlich in meinem Sumpf?‘

‚Wenn ich nicht um Erlaubnis gefragt habe Euren Sumpf durchqueren zu dürfen, dann tut es mir wahrlich leid. Ich habe mich auf dem Weg zu der Baumwollplantage wohl verlaufen.‘

‚Ach, zu meinen Schwestern wollt ihr, da geht es da lang!‘ meinte sie und wies in Richtung der Felsformation, die ich schon seit Beginn des Sumpfes im Blick hatte. Ich blickte in die Richtung der Felsen und als ich mich wieder umdrehte, war sie einfach gegangen. Ein paar der Büsche standen wieder auf und folgten ihr, andere blieben liegen. 

So schnell es mir möglich war, machte ich mich auf die Socken. Nur blickte ich nun ganz genau worauf ich nun meine Füße setzte. Mit so einem Busch wollte ich mich gar nicht anlegen. 

Ich versuchte so schnell wie möglich von den Heidelbeeren fortzukommen und von der merkwürdigen Herrin des Sumpfes, so dass ich wirklich und wahrhaftig der Klippe immer näher kam. 

Der Sumpf wurde immer feuchter und nässer und am Ende watete ich wieder durch den Dreck. Der Vorteil war, dass ich die Felsen im Auge hatte, das gab mir Hoffnung. 

Auch wenn ich es an diesem Tag nicht mehr ganz hinaus schaffen würde, würde ich mich heute Nacht im Schatten meines stillen Begleiters zur Ruhe legen.

Ich fand doch tatsächlich eine halbwegs trockene Stelle, wo ich zumindest ein paar Stunden schlafen konnte, auch wenn ich heute Nacht nur ein kleines Feuer zustande brachte, die paar Zeilen gingen sich noch aus, geliebte Erika. 

Ich vermisse dich, 

dein Elmar

 ~*~

Mehr davon auf Inseln der Macht

Bild & Bearbeitung by Enno 

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