1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän schlenderte über Deck, rieb sich seine Schlaghand und belauschte seine Männer beim Tuscheln. Von Meuterei hörte er. Er drehte sich um, zog eine Augenbraue hoch und begann Selbstgespräche zu führen: ‘Also ich bin der Kapitän und da kann ich ja schlecht gegen mich selbst meutern. Nur weil ein Teil der Obrigkeit die eigenen Gesetze mit Füßen tritt, muss der Kapitän ja nicht blind mitmachen. Ich wollte schon immer mal Sklaven befreien. Madeira wir kommen.’

Dann hörte er nur noch ‘Piraterie’. Damit könnte er leben.

Er grübelte so vor sich hin und fand sich vor seiner Kajüte wieder. Er trat gedankenverloren ein und als er beide Damen bei einer inniger Liebkosung ertappte, klopfte er doch an die bereits offene Tür, um sie umgehend zu schließen. Seine Männer würde durchdrehen, wenn sie das sehen würden, was ihn eher kalt ließ.

Selbst das Öffnen der Tür, noch das Klopfen, weder das Schließen der Tür oder seine Schritte hatten die Damen bei dem gestört, was sie da taten. Er war wie zu einer Salzsäule erstarrt. Doch als er zu viel nackte Haut sah, löste sich seine Starre und er räusperte sich. Die Damen stoben regelrecht auseinander und während Maribelle eher gelassen ihre Kleidung zurecht rückte, zog sich die andere einfach nur die Decke über den Kopf.

Er räusperte sich nochmal und meinte eher zu seinen Schuhen: ‘Ich wollte nicht stören, aber wir haben alle abgewaschen und noch 2 falsche Neger gefunden.’

Die Andere zog die Decke wieder vom Kopf und stotterte: ‘Jaren, wie geht es meinem Bruder?’

‘Unser Smut kümmert sich um alle. Keine Sorge. Sorgen mache ich mich eher um die Kinder und die Schwangere, die wir aus den Kisten gezogen haben.’

‘Mein Stiefvater ist so ein habgieriger Bastard.’ rief Mariebelle und die Andere fing an zu weinen und verkroch sich wieder unter der Decke.

‘Also, noch ist das meine Kajüte, also bitte beschränkt eure Privatsachen auf die Abendstunden. Ich bin es nicht gewohnt, dass ich an meiner eigenen Tür klopfen muss.’

‘Verzeihung Kapitän, aber Betty ist meine …’ sie schluckte. ‘Wir haben nicht mehr viel Zeit. Auf Tobago wartet mein Verlobter.’

‘Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.’ stammelte der Kapitän und ließ sich auf seinen Stuhl fallen.

‘Also Jean Fils san’Enclore ist mein Verlobter und wartet auf Tobago auf mich und Betty ist meine Schneiderin und…’ Ihre Stimme brach und sie fing ebenfalls an zu schluchzen, auch wenn es vielleicht nur gespielt war, verfehlte das Schluchzen seine Wirkung nicht.

Er legte sich die Finger auf den Mund. ‘Sch… sch… sch… sch! Das könnte ich vorhin ja sehen. Und wer sind die beiden Herren, die wir gerade befreit haben?’

‘Ach, einer ist Jaren, Bettys Bruder und der Andere ist… war der Quartiermeister von meinem Stiefvater.’ schluchzte Mariebelle.

‘Darf ich fragen was mit Eurer Mutter ist?’

‘Die ist auf Tobago und dekoriert unser neues Haus.’

‘Werte Mariebelle, Euch ist hoffentlich klar, dass wenn Ihr werter Vater je auf Tobago ankommt, wir alle wegen Piraterie gehängt werden.’

‘Stiefvater!’ stolperte aus ihrem Mund und dann meinte sie schnippisch: ‘Dann werft ihn doch über Bord. Meiner Mutter und mir macht das bestimmt nichts aus und meine Mutter würde es Euch vergolden, wenn Ihr es mit Euren eigenen Händen tun würdet.’

‘Selbst für den Mord an einem Offizier dieser Pseudoregierung werde ich wohl nicht nur gehängt, sondern geköpft.’

‘Dann mache ich es selbst. Wo ist er?’ rief Mariebelle und versuchte von der Koje aufzuspringen. Dann hielt sie sich die Hand an den Kopf und musste sich wieder setzen.

‘Darüber reden wir noch! Ich sehe jetzt nach Jaren und ich möchte mit dem Quartiermeister sprechen.’ meinte der Kapitän, blickte sie scheel an und stand von seinem Stuhl auf. ‘Außerdem hab ihr nicht besonders viel an, also bleibt ihr besser hier. Johann sucht schon fieberhaft nach Euren Kisten.’

Er tippe an seiner Perücke, als hätte er seinen Hut an. Dann nickte er den beiden Damen zu und machte auf der Stelle kehrt, um zur Tür zu gehen.

Wo war eigentlich sein Hut und er musst Johann danach fragen und warum hatte Johann für die beiden Damen nur so knappe Hemdchen gefunden und wo hatte er diese Hemdchen nur her? Langsam war aus seinem Affenstall ein wahres Irrenhaus geworden. Er überlegte sich, seine Perücke vom Kopf zu reißen, um sich seine letzten Haare zu raufen.

 

Fortsetzung folgt mit drei Handbreit Wasser unterm Kiel…

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1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän stand auf Deck und blickte fast schon sehnsüchtig auf den Horizont.

‘Kapitän, wir haben noch zwei falsche Neger gefunden, in der Baumwolle!’ rief Johann ganz aufgeregt und warf dann noch ein: ‘Sachen gibts!’ hinterher.

 

Sehr gut, da wird unsre Lady Mariebelle aber froh sein.’ meinte der Kapitän noch zur See gewandt und fuhr dann im Befehlston fort: ‘Lass die Passagierkabinen ausräumen. Schau was wir von den Sachen den armen Schweinen zum Anziehen geben können und gib den zwei falschen Negern was Ordentliches zum Anziehen und die Kajüte vom Lieutenant. Und die Anderen könnt ihr wieder beziehen, oder? Verteile die armen Schweine so, dass jeder einen sauberen und trockenen Schlafplatz hat. Ich will wissen, ob es allen gut geht. Der Smut soll sich alle anschauen, wenn sie sich gewaschen haben. Und er soll sich einen für die Küchenarbeit raussuchen.’

Johann fiel seinem Kapitän ins Wort: ‘Aber wir können doch nicht…’

‘Magnus liegt mir seit der letzten Überfahrt in den Ohren, dass er Hilfe in der Kombüse braucht.’ rief der Kapitän mit einem Tonfall, als würde er sich eigentlich nicht erklären müssen, weil er schließlich der Kapitän ist, aber es trotzdem tat.

‘Ja, aber…’ rief Johann wieder empört.

‘Auch wenn ihr mich immer als Sklaventreiber beschimpft, bin ich euch jemals den Lohn schuldig geblieben?’ lamentierte der Kapitän.

‘Ach ich soll sie alle auf die Lohnlisten schreiben? Auch die Frauen und Kinder?’ meinte Johann pflichtbewusst und begann in seiner Tasche nach einer Liste zu kramen.

Ich bin doch kein Unmensch, Johann!’ rief der Kapitän und erst dann schien er das eben gesprochene wirklich zu verstehen und schrie regelrecht: ‘Was für Kinder?’

‘Da sind auch Frauen und Kinder dabei?’ erklärte Johann nun leicht ärgerlich, weil der Kapitän ihm aber auch nie zuhörte, fuhr aber doch mit ruhiger Stimme fort. ‘Ich hab mindestens eine Schwangere gesehen!’

Der Kapitän kam ins Straucheln. Er ging kopfschüttelnd unter Deck und Johann lief ihm hinterher.

‘Ich möchte, dass die Frauen und die Kinder den vorderen Laderaum bekommen. Schaff die Kisten vom Lieutenant nach hinten. Die Schwangere wird ein richtiges Bett brauchen. Notfalls müssen wir doch eine Kabine mit Ihnen besetzen.’ meinte der Kapitän und ging schnurstracks zum hinteren Laderaum.

‘Ach und schau bei allen Sachen, die du in die Hände bekommst und vor allem in die Kisten vom Lieutenant, was wir auf Madeira zu Geld machen können und ich bin gespannt, ob es tatsächlich eine Aussteuer von der jungen Lady gibt.’ flüsterte der Kapitän ziemlich geheimnistuerisch, dann brach seine Stimme und er flüsterte mehr zu sich selbst als zu Johann: ‘Ehrlich, ich hab keine Ahnung, wie ich das alles bezahlen soll. Meine alte Lady und ich waren schon völlig abgebrannt, als wir diesen vermeintlichen Auftrag von den Franzaken angenommen haben.’

Links und rechts vom hinteren Laderaum waren ein paar Verschläge, die eigentlich für Schmuggelware gedacht waren, aber im Moment war einer der Verschläge von dem Herrn Lieutenant belegt. Die Männer des Lieutenant waren vorne im Loch untergebracht worden.

‘Johann, hast du nicht genug zu tun?’ fragte der Kapitän, bevor er den Verschlag öffnete.

Eine kleine Lampe hing über der Tür und flackerte schummrig. Der Lieutenant war an die Bordwand gekettet worden. Er hob den Kopf und ein Knebel ließ ihn eher unfreiwillig grinsen.

‘Lieutenant, was für ein abartiger Bastard seid Ihr eigentlich. Kinder und Schwangere in die Kisten zu strecken. Die wären bis Tobago alle verreckt.’ spie der Kapitän ihm entgegen.

Der Lieutenant versuchte sofern es die Fesseln zuließen mit den Achseln zu zucken. Dafür verpasst der Kapitän ihm einen harten Schlag ins Gesicht.

‘Das ist für die Schwangere und jetzt geh ich die Kinder zählen und dann komm ich wieder.’

Der Lieutenant tat so, als hätte ihn der Schlag nur gestreift. Aber Blut begann aus seiner Nase zu laufen. Der Kapitän schlug ihm nochmal, diesmal aufs Auge.

‘Ach und dass ist für das junge Ding, dass ihr mit Schuhcreme angemalt habt….’

Dann ging der Kapitän wieder und ließ den Lieutenant blutend zurück. Die Tür knallte und die Lampe erlosch.

 

Fortsetzung folgt auf hoher See…

Eine Blüte für meine Gedanken – Tag 19

ErikaTag 19

Um so länger ich hier auf dieser Insel war, um so weniger Zeit hatte ich ein Auge in das Tagebuch zu werfen. Deshalb heute nur ein paar Zeilen. Mir geht es gut und wir sind schon wieder unterwegs weiter zum Holzfällergebiet.

Wenn sie hier wirklich Bäume fällten, wären die Mapori bestimmt nicht so ganz begeistert.

Mal sehen, was der morgige Tag so bringt.

Mit aller Liebe, die ich aufbringen kann,

dein Elmar

~*~

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Bild & Bearbeitung by Enno 

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