1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän stand auf Deck und blickte fast schon sehnsüchtig auf den Horizont.

‘Kapitän, wir haben noch zwei falsche Neger gefunden, in der Baumwolle!’ rief Johann ganz aufgeregt und warf dann noch ein: ‘Sachen gibts!’ hinterher.

 

Sehr gut, da wird unsre Lady Mariebelle aber froh sein.’ meinte der Kapitän noch zur See gewandt und fuhr dann im Befehlston fort: ‘Lass die Passagierkabinen ausräumen. Schau was wir von den Sachen den armen Schweinen zum Anziehen geben können und gib den zwei falschen Negern was Ordentliches zum Anziehen und die Kajüte vom Lieutenant. Und die Anderen könnt ihr wieder beziehen, oder? Verteile die armen Schweine so, dass jeder einen sauberen und trockenen Schlafplatz hat. Ich will wissen, ob es allen gut geht. Der Smut soll sich alle anschauen, wenn sie sich gewaschen haben. Und er soll sich einen für die Küchenarbeit raussuchen.’

Johann fiel seinem Kapitän ins Wort: ‘Aber wir können doch nicht…’

‘Magnus liegt mir seit der letzten Überfahrt in den Ohren, dass er Hilfe in der Kombüse braucht.’ rief der Kapitän mit einem Tonfall, als würde er sich eigentlich nicht erklären müssen, weil er schließlich der Kapitän ist, aber es trotzdem tat.

‘Ja, aber…’ rief Johann wieder empört.

‘Auch wenn ihr mich immer als Sklaventreiber beschimpft, bin ich euch jemals den Lohn schuldig geblieben?’ lamentierte der Kapitän.

‘Ach ich soll sie alle auf die Lohnlisten schreiben? Auch die Frauen und Kinder?’ meinte Johann pflichtbewusst und begann in seiner Tasche nach einer Liste zu kramen.

Ich bin doch kein Unmensch, Johann!’ rief der Kapitän und erst dann schien er das eben gesprochene wirklich zu verstehen und schrie regelrecht: ‘Was für Kinder?’

‘Da sind auch Frauen und Kinder dabei?’ erklärte Johann nun leicht ärgerlich, weil der Kapitän ihm aber auch nie zuhörte, fuhr aber doch mit ruhiger Stimme fort. ‘Ich hab mindestens eine Schwangere gesehen!’

Der Kapitän kam ins Straucheln. Er ging kopfschüttelnd unter Deck und Johann lief ihm hinterher.

‘Ich möchte, dass die Frauen und die Kinder den vorderen Laderaum bekommen. Schaff die Kisten vom Lieutenant nach hinten. Die Schwangere wird ein richtiges Bett brauchen. Notfalls müssen wir doch eine Kabine mit Ihnen besetzen.’ meinte der Kapitän und ging schnurstracks zum hinteren Laderaum.

‘Ach und schau bei allen Sachen, die du in die Hände bekommst und vor allem in die Kisten vom Leutnant, was wir auf Madeira zu Geld machen können und ich bin gespannt, ob es tatsächlich eine Aussteuer von der jungen Lady gibt.’ flüsterte der Kapitän ziemlich geheimnistuerisch, dann brach seine Stimme und er flüsterte mehr zu sich selbst als zu Johann: ‘Ehrlich, ich hab keine Ahnung, wie ich das alles bezahlen soll. Meine alte Lady und ich waren schon völlig abgebrannt, als wir diesen vermeintlichen Auftrag von den Franzaken angenommen haben.’

Links und rechts vom hinteren Laderaum waren ein paar Verschläge, die eigentlich für Schmuggelware gedacht waren, aber im Moment war einer der Verschläge von dem Herrn Lieutenant belegt. Die Männer des Lieutenant waren vorne im Loch untergebracht worden.

‘Johann, hast du nicht genug zu tun?’ fragte der Kapitän, bevor er den Verschlag öffnete.

Eine kleine Lampe hing über der Tür und flackerte schummrig. Der Lieutenant war an die Bordwand gekettet worden. Er hob den Kopf und ein Knebel ließ ihn eher unfreiwillig grinsen.

‘Lieutenant, was für ein abartiger Bastard seid Ihr eigentlich. Kinder und Schwangere in die Kisten zu strecken. Die wären bis Tobago alle verreckt.’ spie der Kapitän ihm entgegen.

Der Lieutenant versuchte sofern es die Fesseln zuließen mit den Achseln zu zucken. Dafür verpasst der Kapitän ihm einen harten Schlag ins Gesicht.

‘Das ist für die Schwangere und jetzt geh ich die Kinder zählen und dann komm ich wieder.’

Der Lieutenant tat so, als hätte ihn der Schlag nur gestreift. Aber Blut begann aus seiner Nase zu laufen. Der Kapitän schlug ihm nochmal, diesmal aufs Auge.

‘Ach und dass ist für das junge Ding, dass ihr mit Schuhcreme angemalt habt….’

Dann ging der Kapitän wieder und ließ den Lieutenant blutend zurück. Die Tür knallte und die Lampe erlosch.

 

Fortsetzung folgt auf hoher See…

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