1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

3202320569_7b3d426624_bZiemlich erleichtert kam der Kapitän aus seiner Kajüte und ging kopfschüttelnd hinüber zur ehemaligen Kabine des Lieutenant. Diesmal klopfte er und nach einem ziemlich tiefen: ‘Herein!’ öffnete er die Tür.

Drinnen stand ein großer, nackter Kerl mit einem grauen Pferdeschwanz am Waschtisch und versuchte sich die Farbe vom Körper zu reiben.

Der Kapitän räusperte sich, kam aber nicht umhin den nackten Riesen weiterhin anzustarren und hatte dabei einen phantasmagorischen Ausblick auf einen Pferdeschwanz und dabei war diesmal nicht seine ergraute Frisur gemeint.

Nach einem erneuten Räuspern, rief der Kapitän: ‘Ich such den Quartiermeister vom werten Lieutenant van der Houten.’

‘Den hamse wohl gefunden!’ meinte der nackte Riese.

‘Hat Johann nichts zum Anziehen gebracht?’ frug der Kapitän.

Der Quartiermeister schlang sich ein Handtuch um die Hüften. ‘In die Hosen vom Lieutenant passe ich nicht rein!’

Ein ‘Oh’ stolperte aus dem Mund des Kapitäns. Er musste unverwandt auf das Handtuch starren, es war nur mit Müh und Not lang genug, um… meine Fresse war der riesig. Bevor dem Kapitän ein Spuckefaden aus dem Mund laufen konnte, räusperte er sich und fuhr fort: ‘Vielleicht kann die werte Schneiderin ja eine meiner Hosen auslassen? Aber Verzeihung, ich hab mich nicht vorgestellt. Ich bin der Kapitän. Kapitän Eik Skylarson. Willkommen auf der Blue Moon!’

‘Wie geht es meiner Schwester?’ hörte er von einer der Kojen. Der Kapitän versuchte an dem Riesen vorbei zublicken und sah einen recht zierlichen, blonden Jungen unter einer Decke liegen, der ziemlich verdroschen aussah.

‘Augenscheinlich besser als Euch!’ versuchte er den Jungen zu beruhigen.

‘Der Schneiderlehrling ist ganz schön zäh, auch wenn er nicht so aussieht.’ rief der Riese. ‘Ich bin Maître Svent Enrikson. Aber nachdem ich wohl desertiert bin, bin ich einfach nur Svent.’ Und hielt dem Kapitän seine riesige Pranke hin und fuhr fort: ‘Wie kann ich Euch helfen?’

Der Kapitän rief erschrocken: ‘Wie helfen?’

‘Ich will für meine Überfahrt bezahlen, aber ohne Hosen, keine Taschen, also auch kein Geld. Also muss ich sie abarbeiten.’

‘Ja, der Johann kann bestimmt Hilfe gebrauchen. Aber ich bräuchte erstmal Hilfe mit den beiden Damen.’ rief der Kapitän und ließ sich erschöpft auf einen Hocker fallen. ‘Die beiden Damen bringen mich noch um meinen Verstand, wenn sie noch länger in meiner Kajüte sich selbst überlassen sind.‘

Der Riese lehnte sich gegen den Waschtisch und meinte großherzig: ‘Ich kann gerne an Deck schlafen, dann können die Damen meine Koje haben.’

‘Also wenn hier jemand auf Deck schläft, ist es der Kapitän. Alles ist besser, als nochmal ohne Anklopfen in meine eigene Kajüte zu platzen.’ schnaubte der Kapitän.

Der Junge stemmte sich hoch und rief erschöpft: ‘Ich red mit den Beiden, es darf ohnehin niemand mitbekommen, was die beiden miteinander treiben.’

‘Den Jungen kann man mit den Beiden aber auch nicht alleine lassen!’ stellte Svent völlig ernst fest und blickte auf den Jungen herunter. Dann aber zerbrach seine ernste Miene in ein dreckiges Grinsen. ‘Nicht dass sie dein jugendliches Gemüt noch völlig versauen.’

‘Schlaf du doch bei den Beiden!’ rief Jaren schnippisch.

‘Ich denke mein unschuldiges Gemüt kann dem Treiben nicht beiwohnen.’ grinste Svent.

‘Sagt der, der nur ein Handtuch anhat.’ maulte Jaren nach.

‘Am Besten würfeln wir, wer wo schläft, aber bei mir würde der Junge auch nur unnötig versaut werden. Also steht es mir eigentlich überhaupt nicht zu, mich über das Treiben der beiden Damen zu echauffieren.’ erklärte der Kapitän und wunderte sich mal wieder über sich selbst, denn nicht mal Johann wusste davon. Er stand auf und fuhr fort: ‘Aber auf einem Schiff voller ausgehungerter Männer, ist es besser, die Mannschaft nicht auf dumme Gedanken zu bringen.’

Svent musste leicht grinsen und sagte: ‘Also wenn ich eine Hose habe, helfe ich wo ich kann.’

‘Unser Smut ist sowas wie ein Arzt, er soll sich den Jungen nochmal ansehen. Ich geh mich mal um eine passende Hose kümmern. Wir sehen uns zum Abendessen in der Messe und dann reden wir…ich hab da noch einige Fragen.’ erklärte der Kapitän und ging wieder zur Tür.

‘Ein Hemd wäre auch nicht schlecht, nicht dass ich Euch noch auf falsche Gedanken bringe.’ grinste Svent und rieb sich den Bart. Danach waren seine Finger wieder schwarz.

Aber das bekam der Kapitän schon nicht mehr mit, weil er bereits kopfschüttelnd aus der Tür gestürzt war. Kaum war er aus der Kabine gestürzt, riss er nun endgültig die Perücke vom Kopf und raufte sich die Haare.

Wo war Johann? Er musste jemanden anschreien!
Fortsetzung folgt ohne Mast und Schotbruch…

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