1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

Der Kapitän konnte heute nicht schlafen, seine Kajüte war so leer, seit die Damen ausgezogen waren. Also stand er wieder auf, kleidete sich an und schlenderte übers Deck. Der Matrose, der am Steuer Dienst tat, gähnte mehr, als dass er steuerte, also schickte er ihn ins Bett und übernahm die Schicht bis Sonnenaufgang. Das war die ruhigste Zeit und er war mit seiner Blue Moon und der See alleine, bis die Sonne ihre Segel küsste.

Verträumt blickte er den Sternen entgegen und grübelte über alles was da noch vor ihnen lag. Rosig sah es nicht aus, aber wann war es je rosig gewesen.

Er hatte seine Hände am Steuer und glitt liebevoll über die hölzernen Sprossen.

‘Muss Liebe schön sein, Kapitän.’ hörte er eine tiefe Stimme hinter sich. Es war Svent, auch wenn er noch hinter ihm stand, war seine Stimme unverkennbar.

‘Ja, die einzige Frau in meinem Herzen und sie hat mich nie enttäuscht.’ flüsterte der Kapitän und rieb wieder liebevoll über das Holz. ‘Svent, könnt Ihr nicht schläfen?’

‘Ich bin zu groß für die Hängematte.’ meinte Svent achselzuckend.

‘Ach und die Damen haben jetzt Ihre bequeme Koje?’

Svent nickte und stammelte: ‘In die Koje hab ich auch nicht so richtig Platz gefunden.’

‘Also mein Bett ist bis Sonnenaufgang frei. Ich segel die alte Braut noch eine Weile in den Sonnenaufgang.’

‘Danke für das Angebot, aber das kann ich nicht annehmen.’

‘Was da wohl meine Männer sagen würde, wenn Ihr am Morgen in meinen alten Hosen schlaftrunken aus meiner Kajüte wankt und Euch dann auf Deck ein schattiges Plätzchen sucht.’ witzelte der Kapitän.

Svent grummelte nur verlegen und wand dann den Blick ab.

Also redete der Kapitän einfach weiter: ‘Nachdem ich dann bestenfalls immer noch hier steh, wahrscheinlich eher nichts.’

Svent nickte resigniert und schlich wieder unter Deck.

Erst weit nach Sonnenaufgang kam endlich die Ablösung und als das Schiff langsam wach wurde, schlich sich der Kapitän in seine Kajüte. Johann kam ihm entgegen und grunzte ihn an. Sie verstanden sich dennoch. Johann würde ihn den Vormittag über schlafen lassen und dann würde ihm jemand den Kaffee auf die Kajüte bringen, so wie jeden Morgen.

Mit den Gedanken noch bei seinen Morgenkaffee, öffnete er die Tür zu seiner Kajüte und er wunderte sich nicht schlecht darüber, dass es Svent sich vor seinem Bett gemütlich gemacht hatte. Er lag flach ausgestreckt auf einem Bündel aus seinen neuen Klamotten. Sein massiger Körper war nur stellenweise von einer viel zu kleinen Decke bedeckt. Kopfschüttelnd stieg er über ihn und warf sich mit samt seiner kompletten Montur ins Bett.

Er konnte ein leichtes Zähneklappern hören, also stand er nochmal auf und holte eine Decke aus seiner Truhe. Fast schon liebevoll deckte er den sanften Riesen sorgsam zu und zog sich doch seine Schuhe und sein Jackett aus. Als er seine Perücke vom Kopf zog und sie einigermaßen sorgsam auf den Perückenständer legte, wurde ihm gewahr, dass er von Svent beobachtet wurde.

‘Ich bin froh diesen Flohfummel nicht mehr tragen zu müssen.’ flüsterte er und drehte sich auf die Seite. Der Kapitän stieg über ihn hinweg und antwortete erst, als er sich aufs Bett setzte.

‘Reine Gewohnheitssache und meine Haarpracht ist längst nicht mehr so üppig wie früher.’ meinte er etwas wehmütig und strich sich über sein spärliches Haupthaar. ‘Morgen wird Euch das Kreuz ganz schön weh tun.’

Ein Gähnen war keine zufriedenstellende Antwort, also fuhr er fort. ‘Das Bett des Kapitän ist groß genug…’ meinte er und klopfte grinsend auf die Matratze.

‘Nein Kapitän, so sehr ich auch will!’

‘Keine Sorge, ich bin zu nichts mehr im Stande.’

‘Darum geht’s nicht!’

Diesmal gähnte der Kapitän und meinte dann: ‘Ist vielleicht auch besser so!’

Svent war für einen Moment eingenickt und nach einem Schnarchen kam noch ein: ‘Ich hab schon genug schwarze Schatten auf meiner Seele.’

Betretenes Schweigen hing in der Kajüte, bis der Kapitän die Stille unterbrach: ‘Aber wenn du auf meinem Schiff arbeiten willst, solltest du auch ausgeschlafen sein!’

Nach Beendigung seines Satzes legte sich Kapitän hin und drehte sich um.

Er hörte nur ein Grunzen vom Boden, ein Rascheln und dann bewegte sich die Matratze unter dem Gewicht von Svent. ‘Ich lieg backboard!’ konnte er die tiefe Stimme von Svent noch hören und dann schwappte der animalische Duft des ehemaligen Quartiermeisters an seine Nase.

Dem Kapitän stolperte ein kleiner Stöhner aus der Kehle und Svent musste grinsen. Es dauerte einen Moment bis sein Gast nun endlich richtig lag. Unwillkürlich kamen sie sich dabei näher, es war doch enger als gedacht im Bett des Kapitäns.

Der Kopf des Quartiermeisters kam dem Nacken des Kapitäns so nahe, dass er die Bartstoppeln auf seiner Haut spüren konnte.

‘Lass nicht zu, dass ich dir weh tu!’ flüsterte der Kapitän.

‘Ich werde mich wehren!’ grinste Svent, zwang seinen Arm unter das Kissen des Kapitäns und nahm ihn fest in den Arm, als wäre der Kapitän nur eine Puppe. Im nächsten Moment war er eingeschlafen.

Das leichte Schnarchen dieses sanften Riesen wiegte den Kapitän zusammen mit dem sanften Schaukeln seines Schiffes in den Schlaf.

 

Fortsetzung folgt… Kaffee bei acht Glasen…

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1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

‘Kapitän? Wo ist mein Stiefvater?’ frug Mariebelle. Sie stand immer noch vor dem Tisch und war wohl etwas ungehalten über die Sitten an Bord der Blue Moon.

‘In Einzelhaft!’ meinte der Kapitän mürrisch und stocherte in seinem Essen herum, während er scheel auf sein leeres Glas blickte.

‘Und seine Männer?’ wollte Svent wissen. Er schaufelte sich seinen Napf voll und freute sich schon sichtlich auf etwas Warmes im Bauch.

‘Im Loch!’ meinte der Kapitän mürrisch. ‘Nun setzt Euch schon hin. Lasst uns essen. Es war ein harter Tag.’

‘Und der Tag ist erst zu Ende, wenn wir alle ordentlich untergebracht haben.’ grummelte Johann und schaufelte bereits die zweite Portion in sich hinein.

‘Kriegen denn auch alle genug zu essen?’

‘Unser Obi hat die Küche übernommen!’ mampfte Svent und grinste Obi an, der gerade wieder zur Tür herein kam.

‘Werte Missi, Euch geht es doch gut, oder? Mama würde mich sonst im Schlaf heimsuchen und mich arg ausschimpfen, wenn ich mich nicht um alle gut kümmern würde.’ rief Obi, stellte den Kessel ab und schaufelte weiter Teller und Näpfe voll.

Mariebelle wurde sichtlich kleiner und blickte Obi an wie ein kleines Kätzchen: ‘Ach Obi, es ist so viel passiert.’ Sie musste schwer schlucken und begann leise an zu schluchzen ‘Geht es allen gut?’

‘Ich füttere alle gut, weil wir sitzen alle in einem Boot.’ rief Obi und versuchte Maribelle an der Schulter zu tätscheln.

‘Ja und wir machen einen Stopp auf Madeira, um Wasser und Futter zu fassen, damit wir auch alle heil nach Tobago kriegen.’ rief der Kapitän und versuchte Obi mit Blicken dazu zu bewegen, seinen Becher nochmal zu füllen.

‘Ihr wisst doch, dass meine Mutter euch nicht so behandeln würde und wie mein Stiefvater es getan hat!’ rief Mariebelle nun aufgebracht und fing dann noch mehr an zu heulen.

Obi kniete sich neben sie und nahm sie in den Arm. ‘Missi, ich kann Mam’sel schon hören, sie schimpf über das kleine verzogene Kätzchen!’ Er war in der Hocke genauso groß, wie die junge Lady im Sitzen. Erst jetzt erkannte der Kapitän, wie klein und verletzlich das kleine Kätzchen eigentlich war. Alles andere war nur eine schöne Fassade.

‘Katze an Bord, Glück geht fort.’ rief Johann. Er war mit dem dritten Napf fertig und machte Anstalten wieder an die Arbeit gehen zu wollen.

‘Ist Madeira so eine gute Idee?’ frug Svent.

‘Madeira soll um diese Jahreszeit echt wunderschön sein.’ grinste der Kapitän.

Svent zog nur eine Augenbraue hoch.

‘Ach, wegen der britischen Besatzung. Ich hab ein paar gute Freunde auf Madeira und die pissen den Engländern gerne ins Bier und verkaufen mir ihren besten Whiskey.’ grinste der Kapitän wieder.

‘Ihr macht Geschäfte mit Schotten?’ rief Maribelle empört.

‘Immer noch besser als mit den Engländern Geschäfte zu machen. Ihr tut ja grade so, als würde ich mit jedem ins Bett steigen.’

‘Das habe ich aber nicht gesagt.’ meinte sie beschämt.

Svent grinste wieder dreckig.

 

Fortsetzung folgt….Alle Segel am Wind….

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