1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 10

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 10

3202320569_7b3d426624_b‘Weit und breit Wasser soweit das Auge reicht und du findest den einzigen Wal von hier bis Madeira.’ brüllte der Kapitän quer übers Deck. Er konnte den Buckel des Wales längsseits aufsteigen sehen. Im nächsten Moment hatte der Kapitän sich des Ruders bemächtigt und schrie aus vollem Hals. ’Haltet eure Nadeln fest, Ladies!’ Dann steuerte er das Schiff vom Wal fort, die Mannschaft reagierte blind, als das Schiff die Richtung wechselte. Zum Glück stand der Wind für so ein Ausweichmanöver günstig. Die Blue Moon verlor an Fahrt und der Wal hatte sie passiert. Er entfernte sich schnell von Schiff und dann sprang er. Die Damen hatten ihr Nähkränzchen unterbrochen und starrten auf den massigen Körper des Wales.

Der Kapitän war sich ziemlich sicher, dass die Damen vorher noch nie einen Wal gesehen hatten. So wie die mit offenen Mündern an der Reling standen.

‘Jensen du Kanaille, bete zu den Göttern, dass Wal nicht spielen will oder er noch ein paar Freunde mitbringt…!’ rief der Kapitän und überließ Jensen wieder das Ruder. Johann kam reichlich angepisst an Deck und hatte des Kapitäns Fernrohr dabei.

‘Ich hatte gehofft länger schlafen zu können, Kapitän!’ rief Johann und reichte ihm das Fernrohr.

Der Kapitän zog es aus und blickte dem Wal fast schon sehnsüchtig hinterher.

Johann begann zu brüllen: ‘Auf, auf ihr Landratten. Alle Segel einholen und dann alle Laderäume untersuchen, ob wir irgendwo Leck geschlagen haben und Jensen.’ Er machte eine dramaturgische Pause. ‘Jensen hat die Ehre, sich freiwillig zum Kielholen zu melden.’ Dann übernahm Johann das Ruder und wartete ab, bis alle Segel eingeholt waren, bevor er das Ruder fest machte.

Svent tauchte hinter Johann auf und frug: ‘Wie kann ich mich nützlich machen?’

‘Wie gut könnt Ihr Schwimmen?’ grinste Johann.

Der Kapitän begann nun zu rufen: ‘Lasst ein Beiboot zu Wasser und ladet ein paar Musketen!’ Er setzte kurz ab und drehte sich zu Johann und Svent herum, um fortzufahren: ‘Solange Svent noch Verletzungen hat, geht er nicht ins Wasser. Jensen und ich tauchen runter.’

Die Männer kamen schon mit den Musketen und Svent bekam als gleich eine in die Hand gedrückt. ‘Werter Svent, schießt bitte nur auf Haie und bitte nicht auf mich!’ rief der Kapitän. Dann entledigte er sich seiner Kleider, worauf die Damen zu quietschen begangen.

Als der Kapitän ins Wasser sprang, stand Jensen noch an Deck und begann ins Beiboot zu klettern. Der Kapitän tauchte wieder auf und bekam ein Seil zugeworfen. ‘Gut, wir tauchen bis zum Kiel und dann wieder zurück, ich fang achtern an.’

Nach einer Weile meldete einer der Seeleute. ‘Die Laderäume bugseits sind trocken wie eine Pfarrerstochter.’

Israel Jonason kam von Achtern und rief: ‘Die Huren auf Tortuga würden vor Neid erblassen. Hab die Nachtschicht aus den Betten geworfen, die rühren bereits das Pech an.’ Dann hing sich der Küper über die Reling und wartete bis der Kapitän wieder auftauchte und machte Meldung. ‘Achtern kommt Wasser durch, nicht viel…aber!’ Er ging zwei Schritt auf die Seite und fuhr fort. ‘Zwei Schritt vom Kiel ungefähr hier!’ Dann zeigte er nach unten. Der Kapitän nickte und tauchte wieder nach unten.

Nach einer viel zu langen Zeit tauchte er wieder auf und atmete tief durch, bevor er keuchte: ‘Keine Risse im Holz! Da schmieren wir auf Madeira ein bisschen Pech zwischen die Ritzen und dann geht es der alten Lady wieder prächtig.’ Er holte nochmal tief Luft und tauchte nochmal.

‘Was macht er jetzt?’ fragte Svent und folgte ganz automatisch dem Küper, der zum Heck lief. ‘Er schaut sich das Ruder an!’ meinte Israel gelangweilt.

Der Kapitän tauchte hinter dem Schiff wieder auf und rief: ‘Alles in Ordnung, holt Jensen aus dem Wasser, ich komm rüber zum Beiboot.’ Dann tauchte er wieder ab.

Eine der Frauen hatte Svent ein Tuch gereicht und wandte sich beschämt ab, als der Kapitän über die Reling zurück aufs Schiff kletterte.

‘Kapitän, die Damen bekommen einen Ohnmachtsanfall nach dem Anderen, wenn Ihr weiter splitterfasernackt hier rumturnt.’ witzelte Svent und reichte ihm das Tuch.

‘Sehr zuvorkommend, Maître!’ grinste der Kapitän und wand sich zu den Damen, die immer noch neugierig an Deck standen und wie die Hühner miteinander tuschelten. ‘Verzieht die Damen, aber wenn es um meine alte Lady geht!’

Obi tauchte auf, er hatte ein Tablett mit Kuchen und einen Kaffee auf dem Tablett. ‘Der Kapitän hat nichts gefrühstückt.’ rief er tadelnd.

‘Was sagt Mam’sel zu Morgensport.’ fragte der Kapitän und schnappte sich ein Stück Kuchen, um dann mapfend weiterzureden: ‘Ich komm gleich in die Messe.’

 

Fortsetzung folgt… Porto de Cruz, volle Fahrt voraus?

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