1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 16

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 16

Auf Deck schwoll der Lärm des geschäftigen Treibens an. Unkoordiniertes Hin- und Hergerenne machte den Kapitän einfach nur aggressiv. Der Kapitän versuchte über den Lärm hinweg seine Befehle übers Deck zu brüllen, als die Lady van der Houthen neben ihm erschien.

Der Kapitän drehte sich zu ihr um, atmete tief durch und meinte völlig ruhig. ‘Gut, dass Ihr da seid. Bitte geht mit allen Kindern und Frauen in meine Kajüte. Ganz ruhig und keine Panik. Nehmt alle Decken und Matratzen mit, die Männer können euch kurz dabei helfen. Setzt alle auf den Boden vors Bett, nicht vor die Fenster. Meinen Stuhl solltet ihr irgendwo einklemmen. Alles andere ist eh am Boden befestigt. Wartet bis wir bescheid geben, dass wir die alte Lady abgestützt haben, dann könnt ihr euch gleichmäßig auf die anderen Kajüten verteilen, beim Wasser schippen helfen oder die Männer mit Wasser versorgen. Ach, es wäre schön, wenn ihr meine Seekarten zusammenrollen könntet und irgendwo sicher verwahren würdet. Falls das Schiff kippt, seid ihr in meiner Kajüte am sichersten aufgehoben.’

Die Lady van der Houthen war sehr verwundert über den sachlichen, aber kurzen Vortrag und nickte dann folgsam, ließ den Blick über die verletzte Hand des Kapitäns schweifen und verschwand wieder unter Deck.

Wenig später kam Jaren auf Deck. Er hatte einen kleinen Eimer dabei und ein Bündel unter den Arm geklemmt. ‘Kapitän. Magnus schickt mich.’ rief Jaren über den Lärm hinweg und versuchte zu lächeln, was ihm nicht gelang. Er sah immer noch ein wenig zerbeult aus, dennoch blickte er den Kapitän direkt an.

‘Jaren, wie gehts Euch?’

‘Mir gehts gut, solange ich was zu tun hab.’

‘Und was hat Euch der alte Miesepeter beauftragt zu tun.’ wollte der Kapitän wissen, während er streng die Arbeiten auf Deck überwachte. Es wurde von Jensen gerade die Wassertiefe ausgelotet. Jaren stellte den Eimer ab, zückte eine gebogene Nadel und grinste den Kapitän an. ‘Ich soll Eure Hand nähen, bevor Ihr noch verblutet, Kapitän.’

‘Jetzt nicht!’ bellte der Kapitän ihm entgegen. Jensen holte das Lot ein und wickelte das Seil über seinen Arm auf.

‘Siebeneinhalb Faden!’ rief Jensen dem Kapitän zu.

‘Klarmachen zum Ankern.’ brüllte der Kapitän. Das muntere Treiben konzentrierte sich nun auf die Ankerkette. Jaren stand immer noch neben dem Kapitän und blickte auf den Boden. Unter den Füßen des Kapitän hatte sich mittlerweile eine beachtliche Blutlache gebildet.

‘Verzeiht, Kapitän. Nehmt wenigstens die Hand hoch.’ stammelte Jaren und erst als der Kapitän auch auf den Boden blickte, lenkte er ein. ‘Johann.’

Johann blickte vom Ruder auf, entdeckte die Blutlache und rief dann: ‘Jensen.’

Der Dienst am Ruder wurde in Windeseile gewechselt und Johann überwachte das Ankern.

Der Kapitän ließ sich auf eine Tosse fallen und der junge Jaren kniete sich vor den Kapitän. Er hatte aus seinem kleinen Eimer mit Wasser eine Flasche Rum gezaubert und öffnete diese.

‘Jaren, ich möchte bitte kein Einhorn oder einen einohrigen Hasen auf meiner Hand, geht das? bemerkte der Kapitän, schnappte sich den Rum und nahm einen ordentlichen Schluck. Jaren hatte bereits den Verband aufgewickelt, reinigte die Wunde mit Wasser und dann nahm er dem Kapitän die Flasche Rum ab. Er reinigte die Nadel und die Hand nochmal mit Rum und bevor er zum ersten Stich ansetzte, meinte er noch völlig überflüssig: ‘Das könnte jetzt ein Bisschen weh tun.’

‘Fragt morgen mal lieber den Lieutenant, wie weh es getan hat, wenn ich ihm jeden Stich mit meinem Paddel heimzahle.’

‘Den abartigen Bastard kann dann Magnus selber nähen, vielleicht lernt er es ja noch einen geraden Stich zu setzen.’ murmelte Jaren in sich hinein und hatte schon die ersten zwei Stiche gesetzt, ohne dass der Kapitän auch nur etwas davon gespürt hat. ‘Ich könnte Euch das grimmige Gesicht von der Lady van der Houthen in die Hand sticken!’

‘Unser Schneiderlehrling hat heute aber eine scharfe Zunge.’ meinte der Kapitän und nahm sich wieder die Flasche. ‘Mir wäre das grimmige Gesicht von Johann lieber, wenn ich mir am Morgen einen…!’

Jaren musste absetzen, weil er sich versuchte sich das Lachen zu verkneifen. ‘Kapitän bitte, wenn Ihr mich weiter zum Lachen bringt, wird es doch noch ein Einhorn.’ Der Kapitän trank noch einen Schluck und ließ den Jungen arbeiten.

‘Wie wäre es mit meinem Paddel?’ frug der Kapitän.

Beide hatten es gar nicht bemerkt, dass sich zuerst Johann, dann Magnus und zu guter Letzt Svent über ihnen positioniert hatte.

‘Ich soll Euch ein Paddel auf die Hand stechen?’

‘Ein abgebrochenes, blutverschmiertes Paddel, um genau zu sein.’ klugscheißerte Svent süffisant.

Jaren blickte auf, weil er den Schatten wahrnahm, der ihn bei seiner Arbeit hindert.

‘Ich bin ja nicht der Kapitän, aber gibt es gerade nichts tun, dass ihr alle mir in der Sonne stehen müsst. Am Ende wird es doch ein einbeiniges Einhorn.’

Der Kapitän lachte in die Rumflasche und flüsterte etwas, was keiner verstand.

Magnus zog beleidigt ab und Johann meinte. ‘Das wäre mir auch lieber, bevor ihr mir jeden Tag noch vor dem Morgenkaffee über mein Antlitz….!’ Johann kam kurz ins Stocken, weil Svent ihn finster anfunkelte. Johann räusperte sich: ‘Ähm….pinkelt.’

Jaren schnappte sich die Flasche vom Kapitän, kippte einen ordentlichen Schluck über die Hand und betrachtete sein Werk.

‘Das sieht aber nicht aus wie mein Paddel.’ meinte der Kapitän ein Bisschen enttäuscht.

‘Das ist ja nicht größer als eine Fischgräte.’ rief Johann erstaunt.

‘So Kapitän. Ihr solltet viel Wasser trinken. Und jedes Mal wenn es Euch nach Rum ist, kippt ihn besser über Eure Hand und nicht in Euren Rachen.’ rief Jaren ein Wenig beleidigt und wickelte dem Kapitän dabei einen frischen Verband um die Hand.

Der Kapitän räusperte sich und meinte anerkennend: ‘Danke Jaren, dass ist wirklich eine sehr gute Arbeit geworden.’ Johann half dem Kapitän beim Aufstehen. ‘Der Anker ist raus, jetzt heißt es warten.’

‘Jaren. Bitte schaut doch nach den Damen in meiner Kajüte! Obi soll das Essen vorziehen und dann schon mal heißen Tee machen.’

Nach einer gar nicht so langen Zeit kam der Küper an Deck und berichtete: ‘Die Ladung ist vertäut. Die Passagiere sind sicher untergebracht. Die Blue Moon liegt gut im Ebbstrom. Es drückt nicht mehr so viel Wasser herein.’

‘Sehr gut. Danke, Isreal. Die Tagschicht macht zuerst Pause und jeder schaut, dass er die Klamotten trocken kriegt und was isst. Wir werden bis vor Einbruch der Dunkelheit aufgelaufen sein, dann brauch ich alle Mann an Bord und kein wildes Hin- und Hergerenne mehr!’

Ein mehrstimmiges ‘Ey, Kapitän!’ kam von allen Seiten.

Dann wandte sich der Kapitän zu Johann um und fuhr fort: ‘Johann, wie sieht der Anker aus!’

‘Er steckt ganz tief drinne…!’ antworte Johann reichlich flaps und konnte sich dabei ein dreckiges Grinsen nicht verkneifen.

Svent gesellte sich zu den Beiden und grinste ebenfalls.

‘Herbert Maria Johann, wir müssen uns mal über Euren Umgangston unterhalten. Es gibt kaum einen, der ständig so unglaublich versaute Sachen sagt, wie Ihr!’

Johann zeigte auf sich und zuckte mit den Schultern.

Der Kapitän fuhr fort: ‘Ernsthaft, Herr Johann. Wir haben jetzt Frauen und Kinder, eine Schwangere und eine Lady an Bord, wir müssen uns schon ein Bisschen benehmen, Johann!’

‘Kapitän, ich glaube Ihr habt die Lesbierin vergessen.’ meinte Svent fast beiläufig.

‘Matrose Svent, wer hat Euch erlaubt mir derart in den Rücken zu fallen, ich bin der Kapitän.’ Dann brach seine ernste Maske und er musste so unglaublich laut lachen, dass Johann ein bisschen Angst hat, sein Kapitän wäre dem Wahnsinn nun endgültig anheim gefallen.

‘Svent holt bitte Euren kleinen Eimer, ich glaube der Rum steigt mir zu Kopf.’ kicherte der Kapitän schlenderte übers Deck.

Johann wandte sich zu Svent: ‘Wer ist die Lesbierin?’

‘Herbert Maria Johann, ich kann schweigen wie ein Grab!’ grinste Svent und folgte dem Kapitän.

Fortsetzung folgt… Melde, die Blue Moon auf Grund!

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Garden of Madness – Von obszönen Gurkengewächsen

Garden of Madness – Von obszönen Gurkengewächsen

Neues aus dem verrückten Garten des friedfertigen Anbaues. Ich hab ein Bisschen viel Zucchini angebaut, auf der Packung stand es wären Kürbisse. Muss wohl ein Übersetzungsfehler gewesen sein. Jetzt hab ich 5 Zucchinipflanzen, die versuchen meinen Garten zu übernehmen. Eine Zucchini hat sogar schon eine Rolle im Trailer für IDM 3. So schnell kann es gehen, kaum ausgewachsen, schon werden sie flügge.

Dann hab ich noch verschiedene Gurkenpflanzen angebaut und die wachsen und wachsen und nehmen gar seltsame Formen an. Aber seht selbst.

Ich finde es erschreckend, dass unsere halbe Ernte in einem veganen Porno mitspielen könnte. Ich habe auch nichts Spezielles getan, dass die Gurken alle extrem penisartig werden. Aber nachdem ich heute eine 45 cm Gurke aus dem Garten geborgen habe, mache ich mir ernsthaft Gedanken über Long Dong Gurke. Wir haben ihn dann im Laufe des Tages in 15 cm Stücken vernascht. Weil das hat meine Oma schon immer gesagt, auf die Größe kommt es nicht an, nur krumm und bucklat muss er sein…. und wie recht sie hatte, hat drei Mal so gut geschmeckt.

Weiter geht es mit dem Pizzaboten mit der Riesenzucchini. Scherz beiseite. Fortsetzung folgt im Garden of Crazy Love….

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 15

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 15

Der Kapitän brütete über seinen Seekarten, als es wieder an der Tür klopfte.

Nach einem mürrischen ‘Herein!’ kam Svent herein. Er hatte eine neue Hose an, die Weste war fertig und alles in allem sah er ganz ordentlich aus.

‘Matrose Svent, meldet sich vollständig bekleidet zum Dienst!’ Dabei musste Svent grinsen und auch die finstere Miene des Kapitäns lockerte sich etwas auf. Svent fuhr fort: ‘Ich soll von Johann ausrichten, Brest voraus.’

Dann zauberte Svent einen Eimer mit Wasser hinter seinem Rücken hervor und meinte: ‘Der Dokta sagt, ich soll was zum Kühlen für die Hand mitbringen!’

Der Kapitän zog die eingebundene Hand vom Tisch und blickte Svent fragend an. ‘Wie kommt er da drauf?’

‘Nachdem er den Lieutenant und seine Männer verarztet hat, hat er Ani befragt.’ berichtete Svent. ‘Und nachdem Ani gerade eine Abreibung von Kitti hinter sich gebracht hat, war er sehr redselig.’

‘Haben die beiden sich wieder vertragen?’ wollte der Kapitän wissen.

‘Sie hat ihn ganz schön lange zappeln lassen!’

Der Kapitän grinste zufrieden und legte seine verletzte Hand wieder auf den Tisch. Svent zog eine Augenbraue hoch, als er den blutigen Verband sah und stellte den Eimer auf den Kartentisch. Geschickt zog er eine Flasche und ein sauberes Tuch aus seiner Weste. ‘Der Dokta sagt, er hat schon genug zutun. Für Selbstverstümmelung hat er keine Zeit.’

Der Kapitän ließ Svent den notdürftigen Verband von der Hand wickeln und als Svent die Luft zwischen den Zähnen hinein zog, blickte der Kapitän erst auf seine verletzte Hand. Seine Hand hatte eine gewissen Ähnlichkeit mit dem Gesicht des Lieutenant. Svent begann die Wunde auszuwaschen und meinte mehr zu sich als zum Kapitän: ‘Das Gesicht des werten Lieutenant möchte ich nicht sehen.’

Der Kapitän zischte mit zusammengebissenen Zähnen. ‘Er wird es überleben!’

‘Schade eigentlich!’ flüsterte Svent gerade so laut, dass der Kapitän es hören musste und grinste ihn dann an. ‘Ich hab noch ein Hühnchen mit ihm zu Rupfen. Und einen ganzen Hühnerstall mit seinen Männern.’

‘Oh, lieber Svent. Da wirst du dich noch ein wenig gedulden müssen und dich hinten anstellen. Ich hab Ani schon versprochen, dass er ihnen mit dem Paddel ein Besuch abstatten darf.’ erzählte der Kapitän und blickte dabei verträumt zum Paddel hinüber.

Der Küper kam ohne zu Klopfen aufgeregt in die Kajüte gestürmt und berichtete ungefragt: ‘Die Flickage hält nicht dicht. Wassereinbruch im Laderaum und der Schiffszimmerer ist immer noch strunzehackevoll.’

Der Kapitän war etwas ungehalten darüber, dass der Küper nicht angeklopft hatte, aber es war ja auch dringend. Er war auch kaum zu stoppen und plapperte einfach weiter: ‘Wir haben schon eine Kette gebildet, um das Wasser aus dem Rumpf zu schaffen.’

‘Ruder hart backbord würde ich mal sagen. Wir segeln an Brest vorbei in die Baie de Bourgneuf. Bei Ebbe können wir die alte Dame auflaufen lassen.’ meinte der Kapitän ruhig und entzog Svent den Verband und begann sich selbst zu verbinden. ‘Svent, kannst du dich bitte darum kümmern, dass Noah unser Schiffszimmerer wieder nüchtern wird und kümmer dich darum, dass wir genug Balken zum Abstützen haben. Der Mann hat seinen Namen wahrlich nicht verdient.’

Beide blickten den Kapitän etwas irritiert an, als das Blut wieder durch den Verband suppte.

‚Kapitän, Euch ist klar, dass das genäht werden muss!‘ meinte Svent mit einem leicht sorgenvollen Unterton.

‘Los geht schon, ich komm gleich, für den Fall dass Magnus eine Audienz für mich frei hat.’

Svent schnappte sich seinen Eimer und verließ die Kajüte des Kapitäns, der Küper folgte ihm.

 

Fortsetzung folgt… Wasserschöpfen in der Baie de Bourgneuf

Garden of Madness – Für eine Hand voll Bohnen

Garden of Madness – Für eine Hand voll grüne Bohnen

Ich hab zum Geburtstag Puffbohnen geschenkt bekommen. Ja und einen Spaten. Ich konnte es auch kaum erwarten und hab sie frühzeitig eingepflanzt, in kleinen Töpfchen im Wohnzimmer. Draußen hatten wir noch Bodenfrost und drinnen wuchsen die Bohnen schon dem Land der Riesen entgegen. Und ich musste am Bohnen der Tatsachen zurück bleiben und mir eingestehen, dass ich sie vielleicht ein Bisschen zu früh gepflanzt habe.

Wir sind anfang April eine Woche in den Urlaub gefahren und da musste alles raus gepflanzt werden. Schwer nach dem Motto:Nur die Harten kommen in den Garten!’ haben die Bohnen Schnee und Frost getrotzt und haben es dann auch fast bis zu den Riesen geschafft und dann kam die Hitzewelle und der Regen und wieder Hitze und dann kamen die Läuse.

Es hat ihnen gut geschmeckt. Und ich hatte die stressigsten Wochen meines Lebens.

Neben meiner Arbeit, die 10 bis 12 Stunden meines Tages dominiert, habe ich morgens und abends die Bohnen mit Hausmittelchen besprüht, mit Wasser abgespritzt und meinen Namen getanzt.

Es hat alles nichts geholfen, die Puffbohnen gingen bis auf eine Handvoll Bohnen ziemlich schnell ein und die Läuse haben auf diesem Schlachtfeld gesiegt. Bohnen 0 – Läuse 1

Mein Mann hat sich Feuerbohnen gewünscht und die habe ich sicherheitshalber in einen seperaten Kübel gepflanzt. Die Läuse haben es auch bei den Feuerbohnen probiert, doch mit der Spüli-Kaffee-Schwarztee-Kur haben die Läuse sich wohl die Fühler verbrannt. Die Feuerbohnen haben den Weg ins Land der Riesen wieder aufgenommen und die Bohnenernte geht über eine Handvoll Bohnen bereits hinaus. Eine Hand voll Bohnen mehr… Bohnen 1 – Läuse 0

Nun hat meine Mutter mir blaue Buschbohnensamen mit der Post geschickt, mal sehen ob es für einen Bohnensalat langt. Die Blauen Bohnen kehren zurück…

Und bei dem ganzen Streß hätte ich vielleicht mal erwähnen sollen: Ich mag gar keine Bohnen!

 

Fortsetzung folgt: von obszönen Gewächsformen aus friedfertigem Anbau

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 14

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 14

Wenig später klopfte es an der Tür. Der Kapitän blickte auf. Er hatte sich bereits gewaschen und seine Hand versorgt. Das blutige Hemd lag auf dem Boden.

Ein zackiges ‘Herein!’ brachte Ani dazu, die Tür zu öffnen und nach einem Wink des Kapitäns betrat er die Kajüte.

‘Kapitän, Euer Paddel.’

‘Danke Ani. Stell es neben die Tür.’

Ani tat was ihm geheißen und blieb wie angewurzelt neben der Tür stehen.

‘Komm nur rein, ich werd dich nicht beißen.’ meinte der Kapitän.

‘Soll ich was zum Kühlen bringen?’

Der Kapitän blickte ihn verstört an. Doch Ani blickte auf die Hand des Kapitäns. Der Notdürftige Verband war bereits wieder blutgetränkt. Der Kapitän blickte erschrocken auf seine Hand und grummelte dann. ‘Später vielleicht!’

‘Was sagt der Dokta!’

‘Der Master wird es überleben!’

Ein ‘Schade!’ stolperte aus dem Mund des Kapitäns und Ani musste grinsen.

‘Ich war sehr bestürzt darüber, dass es dem Lieutenant völlig egal zu sein scheint, ob er Männer, Kinder, Frauen, Weiße oder Schwarze, Gesunde oder Schwangere in die Kisten gesteckt hat.’

‘Der Master war kein guter Herr!’

‘Und er ist auch so uneinsichtig! Und seine Männer sind nicht viel besser!’

Im Gesicht des jungen Ani veränderte sich etwas, eine Woge des Hasses überwältigte den jungen Mann.

‘Bevor ich beim Lieutenant war, waren mein Paddel und ich bei seinen Männern…’

‘Ich hoffe sie waren auch uneinsichtig.’ meinte Ani mehr zu sich als zum Kapitän.

‘Nein, sie waren zum Plaudern aufgelegt.’

Die Miene des jungen Mannes verfinsterte sich wieder.

‘Was ist da genau zwischen dir und Kitti?’

Ein ersticktes ‘Kapitän?’ kam Ani aus dem Mund gestolpert.

Der Kapitän blickte ihn fragend an und Ani zog es vor auf die Planken zu blicken. In ihm brodelte es und der Kapitän war sich nicht sicher, ob er den Vulkanausbruch miterleben wollte. Doch dann brach der Junge regelrecht zusammen. Seine Augen füllten sich mit Tränen und für den kurzen Moment, als Ani den Kapitän anblickte, konnte er die Hilflosigkeit in seinen tränenverschleierten Augen erkennen.

‘Ich könnte ihr nicht helfen, als sie mein Mädchen…!’ brach es plötzlich aus Ani heraus.

‘Hast du versucht ihr zu helfen?’

‘Ja, das habe ich. Bis sie mich überwältigen konnten und an den Balken in der Scheune gebunden haben. Sie haben mich ausgepeitscht und ich musste dabei zusehen, wie sie…!’ Ani kam ins Stocken und schluckte schwer. Doch der Kapitän hatte ein Einsehen und gab ihm durch einen Wink zu verstehen, dass er nicht weiter erzählen musste.

Dennoch hörte der Kapitän nicht auf weiter Fragen zu stellen: ‘Liebst du sie?’

‘Ja natürlich, Kapitän!’ kam es wie aus der Pistole geschossen.

‘Das ist gut.’ rief der Kapitän. Er war ziemlich erstaunt, dass Ani keinen Moment gezögert hatte.  ‘Du weißt, dass das Kind von dir ist?’

Ani nickte und blickte weiter auf den Boden.

‘Und warum stehst du nicht zu ihr?’

‘Und wenn ich sie noch so liebe, ich kann ihr nicht mehr in die Augen sehen!’ flüsterte er beschämt.

Die allgemeine Vermutung, dass Ani dachte, das Kind könne nicht von ihm sein, war nun vom Tisch. Es war der Stolz des jungen Mannes, der ihn dazu brachte, der armen Kitti nicht mehr unter die Augen zu treten, deshalb versuchte der Kapitän ihm gut zuzureden. ‘Wenn man hinter jemanden steht, dann muss man ihm nicht in die Augen sehen und ist trotzdem da.’

‘Ja, Kapitän!’ stammelte Ani und scharrte mit den nackten Füßen an den Planken.

‘Kümmer dich bitte um sie, ich mag es nicht, wenn das kleine Kätzchen traurig ist.’ erklärte der Kapitän. ‘Ich mag unsere Kitti wirklich sehr, sie erheitert mein schweres Gemüt, wenn sie lacht. Ani, wenn sie weint, kann ich es kaum ertragen, ihr in die Augen zu blicken.’

‘Eye Kapitän!’ rief Ani und machte Meldung.

Der Kapitän legte einen Schlüsselbund auf den Kartentisch und meinte: ‘Und vielleicht leihe ich dir mein Paddel aus, die Schweine im Loch haben schon Bekanntschaft damit gemacht.’

Ein freudig erregtes bis gemeines Grinsen überzog blitzartig das Gesicht des jungen Ani: ‘Immer und Jederzeit, Kapitän!’

‘Aber nicht heute, das Paddel muss sich ausruhen!’ meinte der Kapitän fast schon liebevoll.

Ani murmelte: ‘Ruder hart Backbord!’

Der Kapitän grinste. ‘Bring Kitti einen Kuchen, mit besten Grüßen vom Kapitän und erzähl ihr die Geschichte von meinem Paddel.’

‘Das werde ich tun, Kapitän.’ meinte Ani und ging wieder zur Tür. ‘Und danke, Kapitän!’

Fortsetzung folgt … Brest voraus

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 13

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 13

Nachdem der Kapitän und Kitti mit dem Essen fertig waren, verließ er die Messe und ließ den armen Svent mit dem mittlerweile singenden Nähkreis alleine.

Er machte zuerst halt im Loch, um die Männer des Lieutenant zu befragen. ‘Eigentlich will ich mich bei euch bedanken, dass ihr mir so viele hübsche kleine Täubchen auf die Blue Moon gebracht habt. Die kann ich wunderbar an den Mann bringen, wenn wir erst wieder Land unter den Füßen haben. Das Einzige was echt schade ist, dass die Schönste von ihnen trächtig ist. Dabei wäre sie so ein leckeres Täubchen gewesen. Ich hätte sie glatt für mich behalten, wenn sie nicht schon benutzt wäre…!’ erzählte der Kapitän, während er vor den Zellen auf und ab ging. Er hoffte insgeheim eine Reaktion von einem der Gefangenen erhaschen zu können.

‘Hat keiner etwas dazu zu sagen?’ frug der Kapitän missgelaunt und blickte mit erhobener Augenbraue in die Runde.

Einer der Gefangenen räusperte sich und nuschelte in seine Bartstoppeln. Der Kapitän konnte kein Wort verstehen und nahm ein abgebrochenes Paddel in die Hand, das warum auch immer neben der Tür zum Loch gestanden hatte.

‘Deutlicher bitte, oder muss ich erst deutlicher werden.’ rief der Kapitän und schlug das Paddel gegen die Gitterstäbe.

‘Bevor wir über das kleine Kätzchen drüber sind, war einer der Kaffern schon an ihr dran.’ nuschelte der Kerl von vorhin etwas deutlicher.

‘Der Kaffern hat die auch nicht zum ersten Mal gebumst!’ rief ein Anderer.

‘Und woher wisst ihr das so genau?’ frug der Kapitän und ließ dabei das Paddel an den Gitterstäben entlang gleiten, während er wieder auf und ab lief.

‘Wir haben sie ihm Baumwolllager erwischt.’ rief der Andere wieder. ‘Und der Kaffern hatte sie schon ordentlich bearbeitet.’

‘Gut geölt ist halb geschmiert!’ witzelte der eine Kerl mit den Bartstoppeln und grinste dann ziemlich widerlich.

Der Kapitän öffnete eine der Türen zu der Zellen und holte einmal mit dem Paddel aus. Dabei schrie er: ‘Ruder hart Backbord!’ Der Kerl mit den Bartstoppeln hing bewusstlos und blutend in den Ketten, als der Kapitän die erste Zelle verließ. Dann drehte er sich um und ging zur Zweiten.

Er war heiser, als er wieder aus der Tür trat. Sein Hemd war blutbespritzt und er pfiff ein fröhliches Lied. Er zog das abgebrochene Paddel hinter sich her und ging zum Lieutenant in seinen einsamen Verschlag am anderen Ende des Schiffes.

Er öffnete fröhlich die Tür und grinste hinein. Der Lieutenant hing immer noch an die Bordwand gekettet da. Seine Nase hatte mittlerweile aufgehört zu bluten. Doch sein Gesicht war ziemlich geschwollen.

‘Lieutenant, ich wollte Euch eine Geschichte erzählen, von sieben kleinen Zwergen.’ säuselte der Kapitän dem Lieutenant ins Ohr.

Der Lieutenant regte sich und versuchte den Kapitän anzugrinsen. Sein geschwollenes Gesicht verzog sich zu einer entsetzlichen Fratze. Der Kapitän verpasste dem Leutnant sieben Schläge mit dem Paddel.

Dann warf er das Paddel beiseite und zog den Lieutenant an den Haaren den Kopf hoch. ‘Ich finde es fast schade, es nicht mehr Kinder waren…’

Dann ließ er ihn blitzartig los und wandte sich ab. Der Lieutenant dachte schon, er hätte es für heute hinter sich, doch der Kapitän blieb schlagartig stehen.

‘Ich vergaß von Kitti zu erzählen.’ sagte der Kapitän fast beiläufig. Dann packte er mit einer Hand den Kopf und mit der anderen Hand schlug er so hart zu, dass er sich sicher war, dass er es knacken gehört hatte.

Die Frage war nur, ob seine Faust härter war als der Schädel des Lieutenant. Er ließ das Paddel liegen und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Beim Rückweg ging er zur Kombüse und steckte den Kopf hinein. ‘Ani. Der Dokta soll sich den Lieutenant und dann die Gefangenen mal ansehen. Und du bringst mir mein Paddel in meine Kajüte, dass muss ich wohl bei dem feinen Herren vergessen haben.’

Ani war aufgesprungen und rief: ‘Jawohl Kapitän!’

Dann lief er los, um den Doktor zu suchen.

Obi blickte den Kapitän entsetzt an, da er sich mit der blutigen Hand übers Gesicht gefahren hatte, als Ani an ihm vorbei aus der Kombüse gehuscht war. Der Kapitän grinste scheel und ging einfach.

Fortsetzung folgt…  mit dem Paddel durch das Meer der Gefühle.

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