1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 14

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 14

Wenig später klopfte es an der Tür. Der Kapitän blickte auf. Er hatte sich bereits gewaschen und seine Hand versorgt. Das blutige Hemd lag auf dem Boden.

Ein zackiges ‘Herein!’ brachte Ani dazu, die Tür zu öffnen und nach einem Wink des Kapitäns betrat er die Kajüte.

‘Kapitän, Euer Paddel.’

‘Danke Ani. Stell es neben die Tür.’

Ani tat was ihm geheißen und blieb wie angewurzelt neben der Tür stehen.

‘Komm nur rein, ich werd dich nicht beißen.’ meinte der Kapitän.

‘Soll ich was zum Kühlen bringen?’

Der Kapitän blickte ihn verstört an. Doch Ani blickte auf die Hand des Kapitäns. Der Notdürftige Verband war bereits wieder blutgetränkt. Der Kapitän blickte erschrocken auf seine Hand und grummelte dann. ‘Später vielleicht!’

‘Was sagt der Dokta!’

‘Der Master wird es überleben!’

Ein ‘Schade!’ stolperte aus dem Mund des Kapitäns und Ani musste grinsen.

‘Ich war sehr bestürzt darüber, dass es dem Lieutenant völlig egal zu sein scheint, ob er Männer, Kinder, Frauen, Weiße oder Schwarze, Gesunde oder Schwangere in die Kisten gesteckt hat.’

‘Der Master war kein guter Herr!’

‘Und er ist auch so uneinsichtig! Und seine Männer sind nicht viel besser!’

Im Gesicht des jungen Ani veränderte sich etwas, eine Woge des Hasses überwältigte den jungen Mann.

‘Bevor ich beim Lieutenant war, waren mein Paddel und ich bei seinen Männern…’

‘Ich hoffe sie waren auch uneinsichtig.’ meinte Ani mehr zu sich als zum Kapitän.

‘Nein, sie waren zum Plaudern aufgelegt.’

Die Miene des jungen Mannes verfinsterte sich wieder.

‘Was ist da genau zwischen dir und Kitti?’

Ein ersticktes ‘Kapitän?’ kam Ani aus dem Mund gestolpert.

Der Kapitän blickte ihn fragend an und Ani zog es vor auf die Planken zu blicken. In ihm brodelte es und der Kapitän war sich nicht sicher, ob er den Vulkanausbruch miterleben wollte. Doch dann brach der Junge regelrecht zusammen. Seine Augen füllten sich mit Tränen und für den kurzen Moment, als Ani den Kapitän anblickte, konnte er die Hilflosigkeit in seinen tränenverschleierten Augen erkennen.

‘Ich könnte ihr nicht helfen, als sie mein Mädchen…!’ brach es plötzlich aus Ani heraus.

‘Hast du versucht ihr zu helfen?’

‘Ja, das habe ich. Bis sie mich überwältigen konnten und an den Balken in der Scheune gebunden haben. Sie haben mich ausgepeitscht und ich musste dabei zusehen, wie sie…!’ Ani kam ins Stocken und schluckte schwer. Doch der Kapitän hatte ein Einsehen und gab ihm durch einen Wink zu verstehen, dass er nicht weiter erzählen musste.

Dennoch hörte der Kapitän nicht auf weiter Fragen zu stellen: ‘Liebst du sie?’

‘Ja natürlich, Kapitän!’ kam es wie aus der Pistole geschossen.

‘Das ist gut.’ rief der Kapitän. Er war ziemlich erstaunt, dass Ani keinen Moment gezögert hatte.  ‘Du weißt, dass das Kind von dir ist?’

Ani nickte und blickte weiter auf den Boden.

‘Und warum stehst du nicht zu ihr?’

‘Und wenn ich sie noch so liebe, ich kann ihr nicht mehr in die Augen sehen!’ flüsterte er beschämt.

Die allgemeine Vermutung, dass Ani dachte, das Kind könne nicht von ihm sein, war nun vom Tisch. Es war der Stolz des jungen Mannes, der ihn dazu brachte, der armen Kitti nicht mehr unter die Augen zu treten, deshalb versuchte der Kapitän ihm gut zuzureden. ‘Wenn man hinter jemanden steht, dann muss man ihm nicht in die Augen sehen und ist trotzdem da.’

‘Ja, Kapitän!’ stammelte Ani und scharrte mit den nackten Füßen an den Planken.

‘Kümmer dich bitte um sie, ich mag es nicht, wenn das kleine Kätzchen traurig ist.’ erklärte der Kapitän. ‘Ich mag unsere Kitti wirklich sehr, sie erheitert mein schweres Gemüt, wenn sie lacht. Ani, wenn sie weint, kann ich es kaum ertragen, ihr in die Augen zu blicken.’

‘Eye Kapitän!’ rief Ani und machte Meldung.

Der Kapitän legte einen Schlüsselbund auf den Kartentisch und meinte: ‘Und vielleicht leihe ich dir mein Paddel aus, die Schweine im Loch haben schon Bekanntschaft damit gemacht.’

Ein freudig erregtes bis gemeines Grinsen überzog blitzartig das Gesicht des jungen Ani: ‘Immer und Jederzeit, Kapitän!’

‘Aber nicht heute, das Paddel muss sich ausruhen!’ meinte der Kapitän fast schon liebevoll.

Ani murmelte: ‘Ruder hart Backbord!’

Der Kapitän grinste. ‘Bring Kitti einen Kuchen, mit besten Grüßen vom Kapitän und erzähl ihr die Geschichte von meinem Paddel.’

‘Das werde ich tun, Kapitän.’ meinte Ani und ging wieder zur Tür. ‘Und danke, Kapitän!’

Fortsetzung folgt … Brest voraus

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