1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 15

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 15

Der Kapitän brütete über seinen Seekarten, als es wieder an der Tür klopfte.

Nach einem mürrischen ‘Herein!’ kam Svent herein. Er hatte eine neue Hose an, die Weste war fertig und alles in allem sah er ganz ordentlich aus.

‘Matrose Svent, meldet sich vollständig bekleidet zum Dienst!’ Dabei musste Svent grinsen und auch die finstere Miene des Kapitäns lockerte sich etwas auf. Svent fuhr fort: ‘Ich soll von Johann ausrichten, Brest voraus.’

Dann zauberte Svent einen Eimer mit Wasser hinter seinem Rücken hervor und meinte: ‘Der Dokta sagt, ich soll was zum Kühlen für die Hand mitbringen!’

Der Kapitän zog die eingebundene Hand vom Tisch und blickte Svent fragend an. ‘Wie kommt er da drauf?’

‘Nachdem er den Lieutenant und seine Männer verarztet hat, hat er Ani befragt.’ berichtete Svent. ‘Und nachdem Ani gerade eine Abreibung von Kitti hinter sich gebracht hat, war er sehr redselig.’

‘Haben die beiden sich wieder vertragen?’ wollte der Kapitän wissen.

‘Sie hat ihn ganz schön lange zappeln lassen!’

Der Kapitän grinste zufrieden und legte seine verletzte Hand wieder auf den Tisch. Svent zog eine Augenbraue hoch, als er den blutigen Verband sah und stellte den Eimer auf den Kartentisch. Geschickt zog er eine Flasche und ein sauberes Tuch aus seiner Weste. ‘Der Dokta sagt, er hat schon genug zutun. Für Selbstverstümmelung hat er keine Zeit.’

Der Kapitän ließ Svent den notdürftigen Verband von der Hand wickeln und als Svent die Luft zwischen den Zähnen hinein zog, blickte der Kapitän erst auf seine verletzte Hand. Seine Hand hatte eine gewissen Ähnlichkeit mit dem Gesicht des Lieutenant. Svent begann die Wunde auszuwaschen und meinte mehr zu sich als zum Kapitän: ‘Das Gesicht des werten Lieutenant möchte ich nicht sehen.’

Der Kapitän zischte mit zusammengebissenen Zähnen. ‘Er wird es überleben!’

‘Schade eigentlich!’ flüsterte Svent gerade so laut, dass der Kapitän es hören musste und grinste ihn dann an. ‘Ich hab noch ein Hühnchen mit ihm zu Rupfen. Und einen ganzen Hühnerstall mit seinen Männern.’

‘Oh, lieber Svent. Da wirst du dich noch ein wenig gedulden müssen und dich hinten anstellen. Ich hab Ani schon versprochen, dass er ihnen mit dem Paddel ein Besuch abstatten darf.’ erzählte der Kapitän und blickte dabei verträumt zum Paddel hinüber.

Der Küper kam ohne zu Klopfen aufgeregt in die Kajüte gestürmt und berichtete ungefragt: ‘Die Flickage hält nicht dicht. Wassereinbruch im Laderaum und der Schiffszimmerer ist immer noch strunzehackevoll.’

Der Kapitän war etwas ungehalten darüber, dass der Küper nicht angeklopft hatte, aber es war ja auch dringend. Er war auch kaum zu stoppen und plapperte einfach weiter: ‘Wir haben schon eine Kette gebildet, um das Wasser aus dem Rumpf zu schaffen.’

‘Ruder hart backbord würde ich mal sagen. Wir segeln an Brest vorbei in die Baie de Bourgneuf. Bei Ebbe können wir die alte Dame auflaufen lassen.’ meinte der Kapitän ruhig und entzog Svent den Verband und begann sich selbst zu verbinden. ‘Svent, kannst du dich bitte darum kümmern, dass Noah unser Schiffszimmerer wieder nüchtern wird und kümmer dich darum, dass wir genug Balken zum Abstützen haben. Der Mann hat seinen Namen wahrlich nicht verdient.’

Beide blickten den Kapitän etwas irritiert an, als das Blut wieder durch den Verband suppte.

‚Kapitän, Euch ist klar, dass das genäht werden muss!‘ meinte Svent mit einem leicht sorgenvollen Unterton.

‘Los geht schon, ich komm gleich, für den Fall dass Magnus eine Audienz für mich frei hat.’

Svent schnappte sich seinen Eimer und verließ die Kajüte des Kapitäns, der Küper folgte ihm.

 

Fortsetzung folgt… Wasserschöpfen in der Baie de Bourgneuf

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