1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 17

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 17

Als die Blue Moon dank des Ebbstroms auf Grund gelaufen war, wurde sie mit den Balken abgestützt und mit Seilen auf die richtige Seite gezogen. Das Kalfatern des Lecks kam gut voran und als die Sonne den Horizont küsste, waren sie bereits fertig damit. Die Wache begann, bis die Flut die Blue Moon wieder aus dem Schlick heben wurde.

Svent kletterte völlig durchnässt an Bord zurück und wollte unter Deck noch eine weitere Tosse Seil holen. Er hatte mittlerweile die Arbeit des Schiffszimmermannes übernommen und machte sich scheinbar gar nicht schlecht. Die Männer hörten auf ihn, aber auch erst seit er einen dieser Balken alleine über die Reling gehoben hatte, wo sich davor drei Matrosen fast einen Bruch gehoben hatten. Die Männer des Kapitäns waren wirklich sehr leicht zu beeindrucken.

Er stieg die Stufen bei der Kombüse runter, lief den Gang entlang zu den hinteren Laderäumen. Kurz vor der Segelkammer bemerkte er ein Knacken im oberen Gebälk und als er sich umdrehte, sah er nur noch das blutverschmierte Gesicht vom Lieutenant auf ihn zurasen. Der Lieutenant hatte ihn von oben angesprungen und durch die Wucht des Aufpralles war Svent zu Boden gestürzt. Beim Aufprall schoss ihm eine unglaublicher Schmerz durch Mark und Bein und dann spürte er nur noch eine warme Flüssigkeit, die ihm ins Ohr und über die Brust lief. Nichts desto trotz rappelte er sich auf und verfolgte den Lieutenant, der bereits an der Kombüse vorbei rannte und die Stufen hinauf kletterte, die zum Deck führten. Svent konnte nicht laut rufen, er bekam nur ein Krächzen heraus.

Obi und Ani hörten ihn erst dann, als Svent auf den Stufen zum Deck zusammenbrach. Ani sprang über ihn hinweg und verfolgte den Lieutenant. Obi blieb bei Svent und versuchte ihn umzudrehen und bemerkte ein blutiges Holzstück, dass aus seinem Hals ragte. Obi konnte Svent daran hindern, es heraus ziehen zu wollen.

Dann ging alles ganz schnell. Während Ani den Lieutenant bis ins Wasser verfolgt hatte und ihn dann im Schlick überwältigen konnte, waren Magnus und Jaren sofort zur Stelle, um Svent zu versorgen. Der Lieutenant hatte Svent einen Holzsplint in den Hals getrieben und wie durch ein Wunder hatte der Splint alles Lebenswichtige weitestgehend verfehlt. Doch bestand die Gefahr, wenn sie den Holzsplint heraus zogen, dass sie noch mehr kaputt machen könnten und Svent dann einfach verbluten würde. Wenn sie den Holzsplint an Ort und Stelle lassen würden, dann würde er sicher langsam und elend am Wundbrand verrecken.

Der Lieutenant schrie bei seiner Gefangennahme immer wieder, dass der Kapitän der Teufel wäre und alle des Todes wären. Nach einer kleinen Abreibung von Ani war er dann aber wieder ganz still und wurde schlussendlich wieder ins Loch gebracht, wo Johann sich persönlich vergewisserte, dass er sich nicht wieder befreien konnte. Und dazu brauchte Johann kein Paddel.

Der Kapitän versprach Ani eine angemessene Belohnung und als seine Anwesenheit an Deck nicht mehr gebraucht wurde, ging er unter Deck, um nach den Rechten zu sehen.

Svent wurde zunächst in die Messe gebracht, wo Magnus und Jaren mit Mariebelle lauthals diskutierten, was nun zu tun sei, während Svent betäubt auf dem Tisch lag. Der Kapitän brach in die Unterhaltung, weil er es gewohnt war Befehle zu geben. ‘Tut was nötig ist, aber tut es rasch. Ich will nicht mit ansehen, wie er am Fieber verreckt, dass hat er nicht verdient.’

Jaren nickte und meinte zu Mariebelle: ‘Ich krieg das hin!’

‘Ich weiß was zu tun ist, Jaren macht es und wenn Ihr assistieren würdet, Lady van der Houthen.’ meinte Magnus zu Mariebelle.

‘Natürlich, Herr Magnus!’ rief Mariebelle ganz aufgeregt.

Der Kapitän konnte den Anblick des bewusstlosen und ziemlich blassen Svent kaum ertragen, konnte aber auch nicht einfach so wieder gehen. Also ging er auf den Tisch zu und zupfte die Decke zu seinen Füßen zurecht. Svent fühlte sich irgendwie kalt an, doch seine Brust hob und senkte sich in regelmäßigen Abständen.

‘In Ordnung ich hol noch ein paar Sachen, Jaren wir brauchen abgekochtes Wasser und viel Alkohol und Tücher, jede Menge Tücher. Mariebelle bleibt Ihr hier.’ rief Magnus ganz aufgeregt und verließ mit Jaren die Messe. Obi hatte seine Ohren scheinbar überall und brachte saubere Tücher und murmelte: ‘Das Wasser kocht schon!’

Der Kapitän hatte sich mittlerweile bis zum Kopf des schlafenden Riesen vorgearbeitet, immer die vermeintliche Sorge über die Decke im Sinn, damit seine Hände etwas zu tun hatten.

‘Wir haben ihm ein bisschen Opium gegeben, damit er ruhig ist, aber er kann Euch hören, wenn Ihr mit ihm redet.’ meinte Mariebelle, die gerade von Obi eine Schürze gereicht bekam.

Der Kapitän setzte sich auf die Bank und griff nach Svents Arm, der leblos von der Bank hing. Er hob ihn auf und legte ihn auf den Tisch.

Während er weiter seine starke Pranke festhielt, flüsterte er ihm ins Ohr: ‘Keine Sorgen, Jaren und Mariebelle kümmern sich um dich, du bekommst eine hübsche Narbe auf den Hals und morgen können wir dann vergleichen, wer die größte Fischgräte hat.’

Svent öffnete nur ein Auge und schüttelte unmerklich den Kopf. Dann versuchte er etwas zu sagen, dabei kam ein Schwall Blut aus seinem Mund. ‘Ich verrecke schon nicht, Eik!’

Mariebelle schob den Kapitän auf die Seite, um Svent den Mund abzuwischen. ‘Du sollst doch nicht reden!’

Das Schiff bewegte sich und Mariebelle blieb fast das Herz stehen.

‘Keine Sorge, das ist die Flut. Ihr könnt Svent danach in meine Kajüte bringen!’ Der Kapitän blickte Svent noch einmal an und ging dann wieder an Deck.

Fortsetzung folgt…Die Blue Moon nimmt wieder Fahrt auf…

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