Ein Knopf kommt selten allein… Teil 50

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 50

Tommi fing gleich wieder an weiterzulesen: ‘Mein Mann indes, drückte Hans die Schulter und meinte: ‘Hans geh und teile das Fleisch auf und gib jedem der Bediensteten einen Teil für die Familien ab, den Rest können wir den Hunden geben. Alma schick die Köchin, sie soll ein paar Hühner schlachten, ich hab ein paar hungrige Männer mitgebracht und ich denke wir sollten zumindest ein Bisschen feiern und es sind alle eingeladen. Keiner drückt sich, ich will alles wissen, was hier passiert ist, als ich fort war!’ Dann kniete er sich zu mir hinunter und grinste mich an. ‘Mein geliebtes Weib, auch wenn ich zwei gute Tage an deiner Seite verpasst habe, kam ich doch im rechten Moment wieder, um auf weitere gute Tage zu hoffen.’

Ich lächelte ihn an und in dem Moment als die Milchflasche leer war, stand das Fohlen von alleine auf und torkelte in Richtung meines geliebten Stallknechtes. Alma nahm mir die Flasche ab und mein Mann hielt mir die Hand hin, um mir aufzuhelfen.

‘Sagt mir doch, wo ist eigentlich dieser Knilch?’ meinte mein Ehegatte noch zur Alma, als er mich nach drinnen begleitete.

‘Herrin, wenn Ihr es dem Herren nicht erzählt, werde ich es tun!’ rief Alma völlig aufgebracht.

‘Eurer Haushofmeister hat sich gestern zuerst an Eurem teuren Messwein vergangen und dann an meinen Prachtrosen!’ berichtete ich meinem Ehemann.

‘Und wo ist dieser Schuft nun!’ wollte mein Ehegatte wissen.

‘Herr, er muss sich von der Abreibung mit dem Teppichklopfer erholen oder von seinem Rausch! Oder beidem!’ meinte Alma und schlich rückwärts davon.

Mein Ehegatte blieb neben mir stehen, begann einfach zu lachen und er sprach erst wieder mit mir, als sich einigermaßen beruhigt hatte. ‘Ich seh schon, meine Ehegattin schafft das auch ganz gut ohne mich! Und diese Alma, sie wird mir fehlen!’

‘Liebster, bitte schickt sie nicht fort, wenn ich nun wieder gesund zu sein scheine, ich hab meine Alma so lieb gewonnen, ich will sie keinen Tag mehr missen.’ rief ich hastig und ein wenig unbedacht.

‘Wer wäre ich denn, wenn ich das täte!’ meinte mein Ehemann und blieb mit mir in der großen Halle stehen. Sein Verhalten wunderte mich sehr, aber wer bin ich, wenn ich mich beschwere, wenn es nach meinem Willen geht.

Ich lächelte ihn an und wechselte geschickt das Thema: ‘Erzählt mir doch von Eurer Reise!’

‘Es gab Probleme auf dem Weg, die Zeiten sind nicht einfach und wir haben uns entschlossen nach Hause zurückzukehren, um nach dem Rechten zu sehen. Ich hab Watzlaf mit zwei Männern nach Prag geschickt. Er findet sich dort besser zurecht, als wenn er mich mitschleppen muss.’ erklärte er mir kurz und dann blickte er mich nachdenklich an. Er wunderte sich wahrscheinlich warum er mir das alles erzählte.

‘Muss ich mir jetzt Sorgen machen?’ frug ich und machte Anstalten nach oben gehen zu wollen. Doch er hielt mich zurück.

‘Ich bin mir nicht sicher warum ich Euch das alles erzähle. Ich wollte Euch gewiss nicht beunruhigen, aber seit dem Bayern dem Rheinbund beigetreten ist, ist es nur die Frage der Zeit bis Österreich die Hände nach unserer Heimat ausstreckt. Aber sei nicht besorgt, der Krieg gegen die Preußen hat mir viel Ruhm eingebracht, vor allem weil ich meine Männer sicher wieder an Heim und Hof gebracht habe.’

Ich muss ihn verstört angeblickt haben, worauf er meine Hände packte.‘ Jetzt hab ich Euch doch beunruhigt. Glaubt mir bitte, ich sorge vor! Ich mache jeden Schritt sehr bedacht. Ich würde Euch hier nicht schutzlos zurücklassen, falls es wieder zum Krieg kommt. Wir sind so klein, dass sich niemand für das bisschen Land interessiert, aber doch können wir alle hier sehr gut von der Bewirtschaftung leben. Und ich will, dass es auch so bleibt.’

Ich versicherte ihm, dass es mir gut ginge und dass ich mich vor dem Essen noch etwas frisch machen wollte. Doch meine Gedanken reisten in die Vergangenheit und dann den Tag, als meine Verlobung mit dem aus dem Krieg heimgekehrten Herren von Waldbuch bekannt gegeben wurde. An dem Tag wurde ich aus meinem Elternhaus gerissen. Die Zeit des Krieges war schwer genug für Mutter und mich und als Vater schwer verletzt zurückkam, hätten meine Eltern keine andere Wahl als mich reich zu verheiraten.’

Tommi setzte ab und blickte Hermine fragend an und fing dann an zu plappern: ‘Also die haben 1807 geheiratet. 1808 wurde Goethes Faust auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Der Krieg gegen Österreich begann Anfang 1809. Wann ist Jonathan geboren?’

‘Das war im Winter 1810! Das steht auf dem Grabstein von der Lady Gwendoline.’ gähnte Hermine und schloß die Augen.

 

Fortsetzung folgt…

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