Ein Knopf kommt selten allein… Teil 52

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 52

Emma widmete sich wieder Tommi und redete weiter auf ihn ein. ‘Fräulein Hermine besucht gerade ihren Vater. Und eigentlich hatte Frau Weiß-Müller ein paar gute Neuigkeiten für sie gehabt!’

Tommi blickte auf den Tropf, der nun wieder stetig durchlief. Emma setzte sich an die Bettkante und überprüfte den Blutdruck.

‘Herr Weiß, ich hab Ihnen doch gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen müssen.’ meinte der Anwalt. Tommi blickte den Anwalt an und beruhigte sich augenblicklich. Der Anwalt setzte sich auf den Besucherstuhl und fuhr fort: ‘Also die Beziehungen unseres Heimatvereines haben uns gleich heute morgen einen Termin beim Richter beschert. Der

Richter war dann auch erstaunlich gut informiert über die Vorfälle der letzten paar Tage. Der Verwaltungsakt wurde erst als nicht rechtskräftig erklärt, da Sie zu dem Zeitpunkt der Verlesung nicht voll zurechnungsfähig waren und kein gesetzlicher Vertreter anwesend war. Dann wurde er als unzulässig erklärt auf Grund der Umstände der letzten Tage. Nach einer Aussage einer Zeugin aus dem Jugendamt wurde nachgewiesen, dass die eher zweifelhafte Mitarbeiterin vom Jugendamt nehmst einer Komplizin von unserer Bank sich persönlich bereichern wollten. Die beiden wurden festgenommen und leisten jetzt diesem Eif vom Schleif in der U-Haft Gesellschaft.’

Der Anwalt grinste Tommi an, der ihm gebannt zuhörte und fuhr dann fort: ‘Ich würde die Beiden privatrechtlich auch noch auf Schmerzensgeld verklagen, was ich Frl. Immerlinger bei dem Eif von Schleif auch empfehlen würde.’ Tommi nickte und der Anwalt fuhr fort.

‘Das Sorgerecht, nehmst des Aufenthaltsbestimmungsrechtes liegt also unumstritten bei Ihrer Schwester. Der Richter wollte dann nur noch sichergehen, dass sowas nicht wieder passieren kann und empfahl geordnete Verhältnisse.’

‘Und was meint der Richter damit?’ wollte Tommi wissen.

‘Das es besser wäre, wenn deine Schwester verheiratet wäre und wenn der Ehemann Sie dann adoptieren würde.’

‘Aha!’ meinte Tommi schnippisch. Er konnte bereits ahnen was nun kam.

‘Nun haben Sie mich gebeten, dass Herr Kimmelmann keinen Blödsinn mit Ihrer Schwester anstellen soll und ich muss nun zugeben, dass ich Folgendes nicht habe kommen sehen. Asche auf mein Haupt. Und glaube Sie mir, ich hätte mich gerne angeboten, aber die Uneigennützigkeit meinerseits hätte ich nicht versprechen können.’

‚Heißt das jetzt, dass Sie auch scharf auf meine Schwester sind?’

‘Nein, ich hätte den gesellschaftlichen Nebeneffekt in Kauf genommen, damit mir meine Familie nicht ständig potentielle Ehefrauen ins Haus schleppt.’ erklärte der Anwalt und grinste geheimnistuerisch.

‘Also der Kimmelmann.’ keuchte Tommi und blickte Emma an.

Der Anwalt zog die Luft zwischen seinen Zähnen hindurch und nickte langsam.

‘Und warum erzählen Sie mir das jetzt!’ rief Tommi nun ziemlich gereizt.

Der Anwalt klappte ein Notizbuch auf, dass er soeben aus seinem Jacket gezaubert hatte und fuhr wieder fort: ‘Also der Herr Kimmelmann erklärte sich bereit, Ihre Schwester zu heiraten, das Geld ist ihm egal. Er hat nur drei Anmerkungen. Er will gescheites Internet im Schloss, ein eigenes Zimmer im Schloss für seinen Fernseher etc. und er möchte seinen Namen ändern. Ihre Schwester würde sich bereit erklären Herrn Kimmelmann zu heiraten, sie hatte aber zuvor schon die Namensänderung nach der Scheidung beantragt und außerdem würde Ihre Schwester nie ohne Ihr Einverständnis heiraten.’

Tommi schluckte schwer.

‘Zusätzlich zu dem Namensdilemma, hat Herr von Waldbuch aber verfügt, dass der Nachname Ihrer Schwester und Ihr Nachname rechtmäßig auf ‘von Waldbuch’ geändert wird inklusive aller Titel.’

‘Das mit der Adoption finde ich schräg.’ meinte Tommi, blickte aber auf Schwester Emma. Sie überprüfte nochmal den Blutdruck.

‘Das ist reine Formalität. Außerdem kann es sein, dass das ganze vor Gericht so lange dauert, bis sie volljährig sind. Dann hätte es sich eh erledigt.’

‘Ich hab Ihnen doch gesagt, mir ist alles Recht, ich will nur nicht ins Heim.’ meinte Tommi abschließend. Der Anwalt nickte und machte Anstalten zu gehen.

Emma machte die Blutdruckmanschette ab und meinte dann: ‘Dann bring ich dich jetzt zum EKG!’

Fortsetzung folgt…

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Ein Knopf kommt selten allein… Teil 51

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 51

Am nächsten Morgen wurde Tommi spät wach. Er öffnete die Augen und das Licht blendete so, dass er die Augen gleich wieder schloß. Beim zweiten Versuch konnte er die Augen ein wenig länger offen halten und war sehr verwundert, dass Hermine nicht an seiner Seite war, sondern seine Schwester auf einem Stuhl neben dem Bett saß. Sie umklammerte eine Packung Taschentücher, schien aber eingenickt zu sein. Von Hermine war weit und breit keine Spur.

 

Er griff nach ihrer Hand und Sonja schrak hoch. Beide blickten sich erschrocken in die Augen und diesmal war es Sonja, die seinem Blick nicht standhalten konnte. Tränen liefen ihr übers Gesicht und schon war ihr Gesicht in einem Taschentuch vergraben.

‘Sonni…ich kann dich nicht heulen sehen!’ krächzte Tommi.

‘Deshalb verstecke ich mich ja hinter dem Taschentuch.’ schluchzte Sonja.

‘Das ist nur wenig heilsam, Schwesterherz!’

Sie blickte von ihrem Taschentuch auf und bemerkte: ‘Dir gehts ja wieder ganz gut!’

‘Naja, nachdem du hier im Zimmer sitzt, gehe ich recht in der Annahme, dass der Termin heute morgen bei Gericht erfolgreich war.’

Sonja nickte und fing wieder an zu heulen.

‘Sonni bitte, muss ich jetzt den Anwalt anrufen, um zu erfahren, was ich zu erwarten hab, wenn ich hier entlassen werde.’

Sie räusperte sich und schnäuzte sich dann einen viel zu langen Moment die Nase, bevor sie anfing: ‘Tut mir leid, die letzten Tage waren für mich einfach zu viel.’

‘Dabei bist du ja eigentlich nicht gehandicapt!’

‘Du kannst manchmal echt ein Arsch sein!’

‘Ja und du lässt dir grad echt nicht mal was aus der Nase ziehen…!’ meinte Tommi und dann verzog er sein Gesicht zu einer verzerrten Grimasse. Sein Körper fing langsam an zu zittern. Noch bevor Sonja auf den Notknopf drücken konnte, stürmte Schwester Emma schon ins Zimmer.

Der kundige Blick auf den Tropf verriet ihr was nicht stimmte und beflügelte ihr Handeln. Der Tropf lief nicht gescheit durch. Sie entwirrte die den Schlauch, da schien alles in Ordnung zu sein. Dann tippte sie den Zugang nur mit ihren Fingern an und schob den Regler ganz auf. Ein Schaudern überzog Tommis Körper.

‘Herr Weiß, Ihre Schwester hat mir vorhin versprochen, dass es morgen zum Frühstück Pfannkuchen gibt.’ flüsterte Emma ihm zu.

Der Satz riss Tommi wieder in die Realität zurück, er blickte Schwester Emma fragend an und zischte ihr dann zu: ‘Fräulein Emma, wohnen Sie jetzt auch schon bei uns?’

‘Herr Weiß, wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass wir jetzt wo dieser Bulle endlich abgezischt ist, Sie gemütlich zum EKG fahren können…!’ Tommi beäugte sie misstrauisch und wollte noch etwas sagen, doch dann sah er wie der Kimmelmann und der Anwalt den Kopf zur Tür herein streckten. Sonja schluchzte beinahe hysterisch.

‘Herr Kimmelmann bringen Sie bitte Frau Weiß-Müller an die frische Luft.’ rief Schwester Emma unwirsch. ‘Herr Dr. Riemenschneider können Sie mir mal kurz helfen?’

Der Anwalt bellte ein ‘Jawohl!’ in den Raum, wartete aber bis der Kimmelmann Sonja nach draußen gebracht hatte.

 

Fortsetzung folgt…

 

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