Ein Knopf kommt selten allein… Teil 51

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 51

Am nächsten Morgen wurde Tommi spät wach. Er öffnete die Augen und das Licht blendete so, dass er die Augen gleich wieder schloß. Beim zweiten Versuch konnte er die Augen ein wenig länger offen halten und war sehr verwundert, dass Hermine nicht an seiner Seite war, sondern seine Schwester auf einem Stuhl neben dem Bett saß. Sie umklammerte eine Packung Taschentücher, schien aber eingenickt zu sein. Von Hermine war weit und breit keine Spur.

 

Er griff nach ihrer Hand und Sonja schrak hoch. Beide blickten sich erschrocken in die Augen und diesmal war es Sonja, die seinem Blick nicht standhalten konnte. Tränen liefen ihr übers Gesicht und schon war ihr Gesicht in einem Taschentuch vergraben.

‘Sonni…ich kann dich nicht heulen sehen!’ krächzte Tommi.

‘Deshalb verstecke ich mich ja hinter dem Taschentuch.’ schluchzte Sonja.

‘Das ist nur wenig heilsam, Schwesterherz!’

Sie blickte von ihrem Taschentuch auf und bemerkte: ‘Dir gehts ja wieder ganz gut!’

‘Naja, nachdem du hier im Zimmer sitzt, gehe ich recht in der Annahme, dass der Termin heute morgen bei Gericht erfolgreich war.’

Sonja nickte und fing wieder an zu heulen.

‘Sonni bitte, muss ich jetzt den Anwalt anrufen, um zu erfahren, was ich zu erwarten hab, wenn ich hier entlassen werde.’

Sie räusperte sich und schnäuzte sich dann einen viel zu langen Moment die Nase, bevor sie anfing: ‘Tut mir leid, die letzten Tage waren für mich einfach zu viel.’

‘Dabei bist du ja eigentlich nicht gehandicapt!’

‘Du kannst manchmal echt ein Arsch sein!’

‘Ja und du lässt dir grad echt nicht mal was aus der Nase ziehen…!’ meinte Tommi und dann verzog er sein Gesicht zu einer verzerrten Grimasse. Sein Körper fing langsam an zu zittern. Noch bevor Sonja auf den Notknopf drücken konnte, stürmte Schwester Emma schon ins Zimmer.

Der kundige Blick auf den Tropf verriet ihr was nicht stimmte und beflügelte ihr Handeln. Der Tropf lief nicht gescheit durch. Sie entwirrte die den Schlauch, da schien alles in Ordnung zu sein. Dann tippte sie den Zugang nur mit ihren Fingern an und schob den Regler ganz auf. Ein Schaudern überzog Tommis Körper.

‘Herr Weiß, Ihre Schwester hat mir vorhin versprochen, dass es morgen zum Frühstück Pfannkuchen gibt.’ flüsterte Emma ihm zu.

Der Satz riss Tommi wieder in die Realität zurück, er blickte Schwester Emma fragend an und zischte ihr dann zu: ‘Fräulein Emma, wohnen Sie jetzt auch schon bei uns?’

‘Herr Weiß, wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass wir jetzt wo dieser Bulle endlich abgezischt ist, Sie gemütlich zum EKG fahren können…!’ Tommi beäugte sie misstrauisch und wollte noch etwas sagen, doch dann sah er wie der Kimmelmann und der Anwalt den Kopf zur Tür herein streckten. Sonja schluchzte beinahe hysterisch.

‘Herr Kimmelmann bringen Sie bitte Frau Weiß-Müller an die frische Luft.’ rief Schwester Emma unwirsch. ‘Herr Dr. Riemenschneider können Sie mir mal kurz helfen?’

Der Anwalt bellte ein ‘Jawohl!’ in den Raum, wartete aber bis der Kimmelmann Sonja nach draußen gebracht hatte.

 

Fortsetzung folgt…

 

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