Cantina Lone Rider oder alleine jenseits der Salatbar

Cantina Lone Rider oder alleine jenseits der Salatbar

So wie jeden Tag renne ich zwischen Tür und Angel in die Kantine und versuche etwas zu Essen zu finden, was mich nicht umbringt. Bin jetzt seit 3 Wochen ohne Medikamente gegen meine Allergien und dementsprechende schau ich aus der Wäsche. Also ich, gesichtsmäßig als weiblicher Karl Dall in einem Star Wars Shirt und einem Deadpool Pulli.  

Ich schlurfe zur Theke und ich entscheide mich für eine Thunfischpizza und einen Salat. Das ist histaminmäßig das kleinere Übel. Ich weiß nicht, ob ich schon mal von meiner Abneigung gegenüber Fisch erzählt habe. Nein. Fürs Protokoll: Ich hasse Fisch! Zum Glück sieht die braune Paste auf der Pizza nicht gerade nach Fisch aus. Gräten scheinen auch keine drin zu sein. Und nachdem meine Pizza verdächtig nach Fisch riecht, versuche ich so viel geschnittenen Petersilie drauf zu streuen, so dass man am Ende zumindest die braune Paste nicht mehr sieht und irgendwie nur den erdigen Duft der Petersilie in der Nase hat. Ich bete ans Universum, das mich dieses Essen nicht umbringt und suche mir einen Platz.

Ich setze mich an einen fast leeren Tisch. Am Tisch sitzt nur eine Frau in meinem Alter (So erschreckend das im Nachhinein auch sein mag!) mit einer Serviette und Besteck. Sonst nichts. Die Kantine ist gerammelt voll und die Essgeräusche der Anderen bringt meinen Magen in leichte Unruhe.

Die Frau sitzt da wie bestellt und nicht abgeholt. Ich fange an mein Essen hinunter zu schlingen und nach meinem Salat kam endlich ein Kerl mit einem Salat an den Tisch. Um Himmels Willen, die beiden wollen sich den Salat doch nicht teilen. Die werden den heutigen Tag nicht überstehen und überlege mir schon, ihnen ein Stück von meiner Pizza anzubieten. Ich blicke auf den Kräuterberg auf meiner Pizza und denke mir: Nein!

Die Frau zaubert eine Plastikdose mit portionierten Essen aus dem Nichts hervor und die Hoffnung keimt in mir auf. Sie werden zwar nicht über den nächsten Winter kommen, aber zumindest werden sie für heute erstmal save sein. Dann kommen noch zwei Frauen, die einen typischen Salathaufen von der Salatbar zum Tisch schleppten.

‘Ich hatte heute nur einen Salat!’ gibt dem handelsüblichen Salathaufen hier in der Kantine eine völlig neue Bedeutung. Alle Salate in der Kantine sind schon angemacht und die meisten sind vor allem in Öl eingelegt. Ich beginne meine Pizza zu essen und blicke auf die Croûtonschicht auf dem Salat der Anderen und denke über die Menge der Kohlenhydrate nach und beschließe, dass mein kleiner Salat und die Pizza mit Kräuterberg zumindest mir keine Schande machen heute, aber die Salatlüge der Damen am Tisch zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht. Und das künftige Sodbrennen der Anderen schwappt mir heute kein Erbrochenes in meine Mundhöhle. Kaum hat diese Gedanke meine Gehirnwindungen verlassen, fangen meine überempfindlichen Ohren Gesprächsfetzen auf:

‘Ich hab mir ja heute was von zuhause mitgebracht! Blabla. Ein Freundin hat mir diesen Fisch empfohlen. Blabla. Wir essen ja alle viel zu wenig Vitamine!’ sagt die Dosentante. Und es war nicht mal eine ordentliche Tupperware.

Dein Fisch stinkt auch, Dosentante! denke ich mir.

Und meine Gedanken schweifen wieder über den mit Hormonen- und Vitaminen angereicherten Urin unseren modernen Gesellschaft, der gerade die Isar runter fließt, während ich mir dieses halbfundierte Galileowissen anhören muss.

‘Wie das Hochzeitskleid wohl aussieht?’ frug die Eine.

‘Ich fänd ja schulterfrei ganz toll!’ meint die Andere mit einem näselnden Unterton, den man eigentlich nur von völlig zugekoksten Societyladys kennt.

‘Aber in der Westminster Abby wird sie nicht zu viel Haut zeigen dürfen!’ meint die Dritte.

‘Das Kleid hat bestimmt die Queen genehmigt!’

Der Typ mampft nur ein: ‘Ja! Ja!’ in die Runde. Und wir wissen alle was das heißt. Die kleine Schwester von Scheiße springt auch in meinen Gedanken herum. Jetzt hat auch der letzte Depp (In dem Fall ich! Selbst der Salatboy scheint auf dem neuesten Stand zu sein!) erkannt, dass es sich wohl um die Hochzeit vom letzten Diana Spross handeln muss. Hab ich da wieder was nicht mitbekommen?

‘Meinst du wirklich, dass die Queen ihr das Hochzeitskleid vorgeschrieben hat?’

Dem Gesichtsausdruck des Salatboy zu urteilen, hat er zumindest schon was vom königlichen Protokoll gehört. Und ich denke mir, wie aufdringlich Stimmen sein können.

‘Hach die Arme. Was er wohl anhat?’

‘Die haben doch da immer so Uniformen an!’

Ernsthaft? denke ich mir. Uniformen! Ja, ich denke Sarkasmus.

‘Ja, die haben doch dann immer so Dinger. Hm. So Kästchen!’ meinte die Dosentante und gestikulierte ihren nutzlosen Gedanken hinterher.

Orden, das sind Orden, du dumme Kuh! denke ich mir.

Ich kann schon gar nicht mehr hinsehen. Ich muss meine Pizza wesentlich schneller essen, als ich kotzen könnte.

‘Ja, so Orden!’ meinte die Alte dann, als könne sie meine Gedanken lesen. Ich hab ja auch einen telepathischen Bildungsauftrag.

‘Meinst du, das des echte Orden sind?’ meinte die ‘Andere wieder.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie Dumm, Dümmer, Hirnfrei und Weltfremd nennen soll. Ich bin mir nur gerade noch unschlüssig, wer welchen Namen bekommt.

Also, rein fürs Protokoll: Selbst der wilde Harry war beim Militär und der wird sich im Irak bzw. Afghanistan schon den einen oder anderen Orden verdient haben.

‘Der war doch bei der Army!’ meinte die Dosentante wieder. Felsenfest davon überzeugt, dass das englische Wort Army für die militärische Laufbahn für den Prince of Wales reicht, Captain der Army Air Corps der British Army um genau zu sein.

Im Gardekavallerieregiments Blues and Royals der britischen Armee hat er seinen Dienst an der Waffe geleistet und hat sich nach seinem Kriegseinsatz zum Hubschrauberpilot ausbilden lassen.

‘Ja die haben da ja auch immer so lustige, rote Schärpen an!’

Meine Fresse. Die Schärpen sind Blau und die Uniformen rot oder schwarz, aber diese Schärpe ist blau, die blaue Schärpe ist dem Adel vorbehalten. Ich muss mittlerweile apathisch über meiner Pizza sitzen und mich echt konzentrieren, dass ich eine Gedanken nicht laut von mir gebe.

Nun meldet sich der Salatboy zu Wort: ‘Solange er nicht wieder die Naziuniform anhat.’ Und sein Lachen lasst mir nun endgültig mein Erbrochenes in meine Mundhöhle schwappen.

‘Ob er sich für die Hochzeit rasiert?’

Ob es gerade noch etwas Wichtigeres auf der Welt gibt, als die Frage, ob sich der Prince of Wales extra für seine Hochzeit rasiert. Und während ich auf das letzte Drittel meiner Pizza starre, reden die drei Damen weiter:

‘Hach, der Samstag wird so toll!’

‘Ja, mit dem Prosecco auf der Couch und den ganzen Tag…!’

Ja, um 10 Uhr morgens kann man ja locker mit dem ersten Prosecco anfangen. Meine Fresse. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mal freiwillig lieber wieder an meinem Arbeitsplatz zurück gegangen bin. Heute war es soweit.

 

An meine Kantinencrew: Nix für ungut, ich liebe euch und danke, dass ich auch diesen Mittag zumindest körperlich überlebt habe. Für eure Gäste könnt ihr nichts!

 

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