Klappentext

Klappentext

Halt die Klappe, ließ und dann kauf das Buch. Das ist die Aussage eines Klappentextes. Da wird der Inhalt des Buches in zwei Sätzen zusammengefasst, für eine Geschichte für die der Autor vielleicht Jahre gebraucht hat, um das in Worte zufassen, was sich in seinem Kopf zusammen gesponnen hat. Oder irgendeine Zeitungskritik, von jemanden, der auch nur eine schlechte Inhaltsangabe gelesen hat, oder bestenfalls den Klappentext der Erstauflage. Ich mag das Wort Klappentext nicht, es ist ein Typisch deutsches Unwort. So wie alles in Deutschland eine Normbezeichnung hat, hat auch der Klappentext eine Norm bekommen. Und wie ich es hasse in eine Norm gepresst zu werden.
Ich überlege wirklich schon lange, wenn ich mal eine meiner Geschichten soweit bekommen, dass tatsächlich einen Klappentext schreiben muss, dann muss da ja irgendwas stehen. Warum muss da was stehen?
Seit Anbeginn der Buchbinderei, werden Einbände von Büchern aus Papier oder Leder gemacht. Damals gab es keinen blöden Klappentext, um die Kauffreudigkeit des Kunden anzuspornen. Damals hat man jedes Buch gelesen, dass man in die Finger bekam, die Auswahl war meist nicht groß. Damals wurden Bücher solange gelesen, bis sie auseinander gefallen sind oder sogar mühsam repariert.
Allein die Beschaffenheit des Buches sagte oft schon so viel über das Buch aus. Und seit wann gibt es den Klappentext überhaupt?
Seit dem die Menschheit auch den Einband bedrucken kann. Genaugenommen seit 1904 als Karl Robert Langewiesche den Schutzumschlag erfand.
Himmel, ich verfluche den Erfindungsreichtum von dem ehrenwerten Herrn Langewiesche, wenn er uns wenigstens den Klappentext erspart hätte.
Ich finde Menschen, die Aufgrund des Lesens eines Klappentextes ein Buch kaufen, echt komisch. Gut ich finde auch Briefmarkensammler komisch. Die finden mich bestimmt auch komisch. (Überlege mir gerade, wie ich aus Versehen in einen Philatelistenkongress rein platze und mich alle pullundertragenden Teilnehmer anstarren, weil sie auch viel lieber auf die Fetischparty gehen würden, auf die ich eigentlich wollte, als ich dir Tür verwechselt hatte.)
‚Wenn Sie denken, dass der Inhalt dieses Klappentextes wichtige Entscheidungshilfen für den Kauf dieses Buches enthalten würde, dann haben Sie sich geirrt. Der Autor findet Menschen, die sich von Klappentexten beeinflussen lassen, äußerst suspekt. Lesen Sie das Buch und machen Sie sich selbst ein Bild darüber. Wenn Sie unbedingt einen Klappentext brauchen, um ein Buch kaufen zu können, kaufen Sie sich bitte ein Buch von Günther Grass.‘
Mein Klappentext ist vielleicht ein bisschen kontraproduktiv, aber die Menschen wissen woran sie sind, wenn sie ihn lesen. Wenn sie deswegen mein Buch nicht kaufen, dann kann ich sie insgeheim mit Verachtung strafen, dass sie nicht hinter die Fassade gesehen haben… man weiß nur was drin steht, wenn man das Buch auch aufschlägt.
Ich habe eine Fleißaufgabe für meine ganzen klappentextlesenden Freunde, geht doch mal in ein Buchladen und kauft ein Buch, weil euch der Titel anspricht oder euch ein Gefühl leitet, wenn ihr das Buch in die Hand nehmt. Zu hause könnt ihr den Klappentext lesen und überlegt euch, ob ihr das Buch gekauft hättet, wenn ihr es nur von hinten betrachtet hättet.
Eines weiß ich, ich würde kein Buch kaufen auf dem nur ‚Klappentext‘ steht. Wobei, wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht warum so viele Menschen ein Buch kaufen, auf dem ‚Fifty Shades‘ steht. Durch den Hype um ‚Fifty Shades‘ habe ich mittlerweile gelernt überhaupt kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen.
Ich habe diesen Text vor über 10 Jahren geschrieben und meine Meinung zum Thema Klappentext hat sich nicht geändert.
Mittlerweile habe ich mich mit dem Bücherbinden ein wenig beschäftigt, war auf Mittelaltermärkten unterwegs, habe mich dazu mit vielen anderen Gewerken beschäftigt und bin schlussendlich wieder beim Liverollenspiel gelandet.
Wir schreiben Geschichten, die dann durch unsere Teilnehmer laufen lernen und binden den Plot in liebevoller Handarbeit in Heftform für unsere Veranstaltungen von Inseln der Macht. Manchmal ist da der Plot versteckt, manchmal nur blöde Ideen oder lustig frivole Geschichten von unserem Plotteam.
Papier war zu Zeiten des ersten Buches rar und teuer und so kommt auf unseren Schutzumschlag sinnvolle Werbung.
Die Bücher bzw. Hefte sind meist für ein Kupfer unseres Spielgeldes erhältlich oder man sie sich einfach erspielen. Die ‚Unterm Ladentisch‘ wird mittlerweile schon für ein Silber gehandelt und sie ist nach wie vor unter dem Ladentisch der Feuchten Hütte oder jeder anderen Taverne der Inseln der Macht erhältlich.
Einige Geschichten vom ‚Unterm Ladentisch‘ sind aus meinen alten Geschichten entstanden und haben ihren Weg in die Hände unserer Spieler gefunden.
Viel Spaß beim stöbern, finden und lesen meiner Geschichten!
Callabutterfly

Wortkarg

Wortkarg

Manchmal, wenn dir die Worte fehlen.
Manchmal, wenn du nicht weißt, wie du einen Satz beginnen sollst.
Manchmal, wenn dir die Worte im Halse stecken bleiben.
Manchmal fallen die Worte nichtssagend aus deinem Mund.
Manchmal, wenn du über deinen Schatten springen willst.
Springen über die Mauern hinweg, die dich nur all zu oft einengen.

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Einengen in deinem Sein.
Sein, das ist das was du sein willst.
Einfach nur sein.
Da sein.
Nicht alleine sein.
Zusammen sein.
Aber du stehst da allein.
Allein und bringst kein Wort über die Lippen.
Wortlos.
Wortkarg.
Du stehst da.
Einfach so.
Da im Regen.
Du sagst kein Wort.
Der Regen redet für dich.
Jeder Tropfen schreit es hinaus.
Sie schreien es hinaus, wo du nichts sagen kannst.
Der Himmel weint, wo du keine Träne mehr vergießen kannst.
Des Lachens müde, bist du stumm.
Wer schreit es hinaus?
Das was du nicht sagen kannst.
Können.
Wollen.
Es wird nie jemand erfahren.
Du musst es sagen. Müssen.
Deine Gedanken schreien es hinaus.
Ob es je jemand hören kann, wenn du nicht endlich den Mund auf machst.
Erstveröffentlichung 04.01.2010
Published in: on 25. Mai 2020 at 12:48  Kommentar verfassen  
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Traum durch die rosarote Brille

Traum durch die rosarote Brille

pinkIch wache auf und alles ist rosa und schimmert so komisch. Ich reibe mir die Augen und nein, ich habe keine rosarote Brille auf der Nase. Ich liege in einem rosa Bett und jemand hat mich mit einer rosa Folie zugedeckt, auf der lauter Pferde und Herzen aufgedruckt sind. Ich versuche mich freizuwurschteln und stürze aus dem Bett. Meine Nase klebt am Boden, der auch rosa ist und alles scheint aus Plastik zu sein. Ich befinde mich nicht mehr in meinem bewohnbaren Kleiderschrank, nein ich scheine in dem begehbaren Kleiderschrank einer alten Jungfer zu sein. Und alles ist voll Glitzer. Ich schaue an mir herab und nein, ich bin kein 12jähriges Mädchen mit blönden Zöpfen. Ich trete gegen einen Stuhl, der gleich in alle seine Einzelteile zerspringt und ich bewaffne mich mit dem Stuhlbein. Nur für den Fall der Fälle, dass ich hier im Twilight-Traumhaus des Todes gelandet bin. Komm nur raus, miez, miez miez! Ja wo ist er denn, der Sparklefool!

Ich schleiche an die Tür und tippe sie an und sie fällt aus den Angeln. Dahinter ist ein rosa Badezimmer und jemand steht in der Dusche. Schaum quillt aus der Dusche. Als ich auch nur in die Nähe der Dusche komme, geht die Duschkabine wie von Geisterhand auf und drin steh ein Plastikmann ohne Schwanz. Der ist mir mehr als suspekt. Und immer wenn mir so komische Dinge passieren, denkt mein Unterbewusstsein nicht daran mir gescheite Waffen an die Hand zu legen. Ein Königreich für eine Schrotflinte.

Dann werde ich den unbehaarten Schwanzlosen wohl mit dem Stuhlbein vertrimmen müssen, sobald er sich bewegt. Weil was keine Seele hat und sich trotzdem bewegt, ist entweder ne Maschine oder ein Untoter und / oder Zombie. Und nachdem Maschinen nur in Autowaschanlagen duschen dürfen, sag ich nur: Tod dem Zombie!

 

Erstveröffentlichung am 26.02.2013

Tanz in den Mai!

Tanz in den Mai!

Ging ein Mann (50) ganz ohne darüber nachzudenken in ein Tanzlokal. Es hieß ‚Tanz in den Mai‘.

Ja, wunderbar denkt er sich, es ist ja Frühling und da kann Mann ja mal schauen, wer sich Heut zu Tage in so einem Tanzlokal so herum treibt. Er denk sich auch nichts Böses, denn er hat ja schließlich seine Ehefrau dabei.

Es wurde getanzt und getrunken und sich unterhalten. Es war grad so, wie man sich einen Tanz im Mai so vorstellen würde.

In einem unachtsamen Moment seiner Frau, stand er nur für einen gefühlten Bruchteil einer Sekunde allein an der Bar, spielte ganz verträumt an dem Fruchtspießchen in seinem leeren Cocktailglas herum und träumte wahrscheinlich an ergreifende Momente der (Film)geschichte, die er mit seiner Frau zusammen noch einmal in seinen Träumen durchlebte.

Und genau deswegen dachte er sich wieder nichts dabei, einen Moment allein an der Bar zu sitzen, weil er ist ja schließlich verheiratet, er hat seinen Ehering am Finger und er war in Gedanken schließlich gerade Julius Cäsar, der gerade seiner Cleopatra den Hof machte. Und schließlich war er ja kein 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen. Aber genau so wird er sich bald fühlen…

‚Ich bin die Helga!‘ hörte er eine tiefe, tiefe Stimme hinter sich. Er kommt sich nicht nur so vor, wie ein kleines 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen, sondern auch noch wie Rotkäppchen und dem Hörer in der ‚Rufmichan!‘-Telefonzentrale.

Dann spürt er eine kräftigte, kräftige Hand auf seiner Schulter. Am Liebsten wäre er in diesem Moment wieder ein kleiner Junge gewesen, der sich noch in die Hose bieseln hätte dürfen, um dann mit einer Watschen seiner Mutter sich sprichwörtlich hätte verpissen können.

Er wollte nicht, aber die Höflichkeit und der Anstand erwarteten von ihm, dass er sich genau jetzt umdrehen sollte. Verängstigt und sehr, sehr zögerlich drehte er sich also doch um und blickte auf ein tiefes, tiefes Dekolletee. Er selber war wahrlich nicht von großer Gestalt, aber dass das Weibchen namens Helga gleich drei Köpfe größer war wie er, hatte ihn dann doch sehr, sehr verwundert. Er musste seinen Kopf ganz nach hinten biegen, um ihr großes, großes Gesicht da oben auch nur erahnen zu können.

‚Ich bin der Luigi!‘ stotterte er und blickte weiter widerwillig auf die Möpse vor seiner Nase. Und irgendwie kam er sich vor wie Luis de Funès in einem Bild von Picasso. Irgendwas an seiner Optik schien ganz schön verschoben zu sein. Normalerweise wäre er genau jetzt in seinem Ehebett aufgewacht und seine Frau würde neben ihm friedlich schlummern.

 

Er trat sich selbst auf den Fuß.

Er wachte nicht auf.

Er versuchte es nochmal.

Er wachte nicht auf.

Verdammt es war kein Traum.

 

Sein Instinkt sagte zu ihm: ‚Lauf weg, da stimmt was nicht!‘

Aber der Anstand und die Hoffnung, dass seine Frau ihn retten würde, hielt ihn so fest, wie die Pranke, die ihn tatsächlich an Ort und Stelle hielt.

‚Dein Glas ist ja ganz leer, Süßer!‘ schrie sie ihn förmlich an, so dass sich seine Gesichtszüge, wie in einem schlechten Comic strafften. Verwirrt suchte er nach der Zigarre in ihrer Hand und dem Glas Whiskey, weil eine Frau mit so einer aussagekräftigen, tiefen, tiefen Stimme, musste ein starke, starke Zigarrenraucherin und Whiskeytrinkerin sein.

‚Oh ja, mein Glas ist ja so leer!‘ stammelte er und seine Blicke suchten panisch nach seiner Frau.

Diese Helga wedelte nun mit ihrer anderen Pranke nach dem Barkeeper und schrie wieder: ‚Dann sollten wir dein Glas aber ganz schnell wieder anfeuchten… Barkeeper, ein Glas Milch für den jungen Mann und ein Appletini für mich!‘

Dann riss sie sich den Fruchtspieß aus seinen zitternden Händen und zog ganz, ganz langsam die Cocktailkirsche vom Spieß und schob sie ganz furchtbar langsam zwischen ihre großen, roten Lippen. Zum Glück konnte er nur erahnen, was sich auf Kopfhöhe ihrerseits abspielte, so dass er nicht gleich dem Wahnsinn anheim fiel. Das passierte erst als sie den zu einem Herz geknoteten Stiel der Kirsche aus ihrem großen, großen Mund zog und auf seine Serviette legte. Am Liebsten wäre er einfach am Boden zerflossen und im Erdboden versunken. Und wo zum Teufel war sein Frau.

Vor Scham blickte er schließlich zu Boden, als der Barkeeper mit einem breiten Grinsen im Gesicht das Glas Milch gegen sein leeres Glas austauschte und die Serviette mit dem Kirschstielherz vor ihm liegen ließ. Der Barkeeper, der genauso lautlos grinsend, wie er erschienen war, auch wieder verschwand, schien wesentlich mehr über diese Helga zu wissen. Jetzt wurde ihm erst gewahr, dass er schon einen langen Moment auf ihre Lackschuhe gestarrt hatte.

Ja, Lackschuhe mit Schleife in Schuhgröße 44 müssen wirklich schwer zu kriegen sein.

Helga beugte sich nun zu ihm runter und versuchte in sein Ohr zu flüstern. ‚Kannst du meine Unterwäsche sehen, wie sie sich in meinen Lackschuhen spiegelt.‘

Er starrte sie fassungslos an und schüttelte verwirrt den Kopf, während er sich im Ohr bohrte und dabei hoffte, dass er nicht taub werden würde, wenn diese Helga ihm weiter ins Ohr ‚flüsterte‘.

‚Weißt du, ich hab immer Angst, dass mir die Jungs nur auf meine Lackschuhe starren, damit sie mein Höschen sehen können!‘

Sein Verstand war schon längst Gassi gegangen, seine Frau schien vom Erdboden verschluckt worden zu sein und diese Helga hatte Sorgen, dass irgendjemand ihr Höschen durch ihre Lackschuhe sehen könnte. Wo war Chuck Norris, wenn man ihn brauchte.

Sie kam noch näher und presste ihre großen, groben Lippen an sein Ohr: ‚Soll ich dir ein Geheimnis verraten?‘

Er versuchte den Kopf zu schütteln, aber sie hielt ihn an seinem Kinn fest und hauchte ihm zu: ‚Genau deswegen habe ich gar kein Höschen an!‘

Und das Lachen, dass nun erschallte, erinnerte ihn an das fürchterliche Lachen des schrecklichen Sven aus Wickie und die starken Männer. Aber nachdem er ernsthaft versuchte an seiner nicht mehr vorhandenen Spucke zu ersticken und gleichzeitig nach irgendetwas langen, spitzen zu suchen, damit er sich die Augen ausstechen konnte. Bevorzugte sein Verstand und sein Instinkt in seinem Kopf einen kinskiesken Schreianfall zu bekommen: ‚Du hast auf die Lackschuhe geschaut. Du hast auf die Lackschuhe geschaut. Du hast auf die Lackschuhe geschaut!‘

Als er endlich erlöst wurde.

‚Schatz, da bist du ja!‘ hörte er seine Frau sagen.

Und als sie endlich in sein Blickfeld trat und diese Helga endlich von ihm ab ließ, sah er das breite Grinsen im Gesicht seiner Frau. Dann flüsterte sie wirklich leise in sein Ohr, während sie Lippenstiftreste von seinem Lauscher putzte. ‚Du weißt schon, dass Helga früher mal Herbert hieß, oder?‘

Sternchen tanzten um seinen Kopf und kleine 12jährige Feen mit blonden Zöpfen zauberten noch mehr Sterne, während der kleine, dicke, gelbe Luis de Funès in seinem Kopf laut: ‚Nein!‘ rief und sich mit der flachen Hand auf den spärlich, behaarten Kopf schlug. Seine Frau redete ungeachtet seiner geistig und körperlichen Verfassung weiter: ‚Metoo ist ein wichtiges Thema und Männer sollten das auch mal am eigenen Leib erfahren, wie das ist! Danke Helga, die Drinks gehen auf mich!‘

Dann klappte sie ihrem Mann den Mund zu und meinte: ‚Trink deine Milch aus, Schatz!‘

(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall. Ein Name wurde von der Redaktion geändert und ansonsten noch so einiges dazu gedichtet.)

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